Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 12 (20.8.1897)
- Article
- New-Yorker Brief
- Date
- 1897-08-20
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 12. gangenheit der Juden. 3. Die Gegenwart der Juden. 4. Ein Blick in die Zukunft. — Den ersten Vortrag „Was wir Juden wollen" wird Ihr Correspondent am 4. August halten. Ueberaus interessant gestaltete sich eine Massenversammlung des zionistischen Vereins in der Stadt Brooklyn. Die Synagoge war gedrängt voll, als Ihr Correspondent der gespannt horchenden Menge die Ursachen und die Ziele der Bewegung über Aufforderung des Vorsitzenden Herrn Rist mittheilte. Die xiöee de resistance war aber die Rede des aus Rußland eingewanderten Arbeiters Morris Sparrels. Redner zitterte vor Aufregung am ganzen Körper, als er die Leiden ausmalte, welche er und die Seinen in Rußland zu ertragen hatten. „Vor 15 Jahren — sagte er sodann, — sind wir hoffnungssreudig nach Amerika gekommen. Wir kamen in der ehrlichen Absicht, dem Lande, das uns eine Heimat gab, zu nützen. Und wir verwirklichten unsere Absicht. Wir gründeten neue Jndusttieen, plagten und rackerten uns und bethätigen uns als fleißige, als nützliche, als gesetzliebende Bürger. Und was müssen wir nun erleben? Ist Einer, auch nur ein Einziger unter uns, der in diesem freien Lande durch die Straßen gehen kann, ohne verhöhnt zu werden, weit er ein Jude ist? Ist auch ein Einziger unter uns, den man nicht wenigstens einmal schon eine Wohnung verweigert hätte, weil er Jude ist? Man stößt, man verhöhnt, man verfolgt und man driickt uns, weil wir keine eigene Heimat haben. Und deshalb möge der Allmächtige alle Jene segnen, die sich unser erbarmen und uns in das Land unserer Väter, in unser Land zurückführen wollen. Unter dein Eindrücke dieser Rede, die natürlich in deutsch-jüdijchem Idiom vorgetragen wurde, erreichte die bemerkeuswerthe Versammlung ihr Ende. Eine Zeidensgefchichte. (Original-Zeichnung von Jysef Michael ©litt.) Ein russischer Jude, der mit Weib und Kind aus der schlummert. Die Anderen lauschen der bekannten Geschichte, Heimat vertrieben wurde und seine Schritte nach Palästina die mit Seufzern beginnt und mit Seufzern endigt. Sie gewandt hat. In den jüdischen Colonieen will er Ruhe haben ja das Alles einst am eigenen Leibe gespürt. Und IT1 finden. Die Männer und Frauen sind vom Felde heimgekehrt und finden den Anköiumling. Er erzählt von den Mühseligkeiten der Reise. Stumm blickt das abgehärmte Weib vor sich hin. Das Kind in ihrem Arm ist einge- (Lvxbixrte. Geehrte Redaktion! Gestatten Sie mir die Bitte um ein Plätzchen in Ihrem geschützten Blatte in Betreff eines Berichtes des Herrn Turoff, Agenten des Palästina - Colonisations - Vereines in Nr. 29 der „Jüdischen Presse". Herr Turoff berichtet über seine vierwöchentliche Thätigkeit in der Schweiz und schreibt: „Leider trat mir in der Schweiz eine Reihe von Hindernissen in den Weg, deren Ueberwindung einen großen Aufwand an Zeit und Arbeit erforderten. In erster Linie stieß ich säst überall auf einen neuen Gegner, den Zion-Herzlianismus, indem man mich" — schrecklich! - „für einen Agenten jener Gruppe hielt, welche in den letzten fünfzehn sie trösten die Vertriebenen und weisen auf die Geräthe des Feldes. Von dort komult die Heilung, die aus dein zufriedenen Auge, dem gestlnden Leibe der Ackerbauer mit beredter Sprache spricht. Jahren für die jüdischen Colonieen in Palästina nie einen Hellex iibrig hatte, dafiir aber stets mit Artikelchen und Preßnotizen über allerlei kiihne Zukunftspläne zur Stelle war. Vorab möchte ich Ihnen offen bekennen, daß, so wie ich stets der Gründung eines politisch unabhängigen jüdischen Staates abhold war. und diese Idee mit offenem Visir bekämpft habe, daß ich in gleicher Weise die Idee einer völkerrechtlich gesicherten Ansiedelung einer möglichst großen Masse Juden für annehmbar und durchführbar betrachtet und von diesem Standpunkte aus den Baseler Congreß begriißt habe." Ohne auf die letzten Notizen des Herrn Turoff näher einzugehen, erlaube ich mir die Bemerkung und Sie werden mir glauben, daß ich über die einschlägigen Verhältnisse in der Schweiz einigermaßen au kalt bin — daß man sich hierzulande über die A r l des Sammelsystems