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Die Welt · 1897-08-13 · 11 (13.8.1897) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
11 (13.8.1897)
Article
Köln [Nachricht]
Date
1897-08-13
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 13. MAE Nr. 11. mit der Motivirung: nachdem der Congreß einberufckt ist, so erachten mir es für jeden überzeugten Zionisten als Nothwendigkeit, sich werA möglich daran zu betheiligen um ein einheitliches Wirken zu erzielen. Nachdem Prof. Dr. Schapira abgelehnt, wurde itzerr Rechtsanwalt Schauer durch Acclamation zum Delegirten gewählt.? Zu Punkt 3 und 4 beantragt Hett Birkenste itr (Frankfurth) eine Commission von drei Mitgliedern zu ernennen, behufs Feststellung eines Thesenvorschlages, welcher den Mitgliedern der Bereinigung rechtzeitig mitgetheilt und dem Congreß zur Annahme empföhle^ werden soll- Herr Estermann beantragt 'im eigenen Namen die Versammlung möge eine Organisation beschließen wonach sich derselben sowohl einzelne Personen als auch ganze Vereine anschließen können.? In der Discusion über diesen Antrag ergriff das Wort! Herr Schach, welcher das Vorgehen einiger Berliner Herren scharf kMsirt, und sein Bedauern darüber ausdrückt, daß der Anschein erweckt würde, als ob innerhalb der zionistischen Kreise Deutschlands Uneinigkeit bezüglich der Nothwendigkeit der Betheiligung am Zionistencongreß bestände; Herr Prof. Schapira nahm dem gegenüber die Gegner des Congresses in Schutz, indem er betonte, daß" man auch bei diesen Herren voraussetzen müsse, daß sie das Beste des jüdischen Volkes, insbesondere der Colonisation im Auge haben. : •». Birkenste in und Goitein (Frankfurth) vertheidigen die Stellungnahme des Herrn Schach, und betonen die Nochwendigkeil, Theserx aufzustellen. Wenn Herr Prof. Schapira sage, man pflanze die Flagge auf das Dach, bevor das Haus gebaut sei, so sei dies ein falsches Bild? wir hätten die Fahne vorläufig noch nicht auf dem Hause nöthig, wir brauchten aber eine Fahne ebenso wie das Heer in der Schlacht, damit wir das Ziel wüßten, wohin wir zu rnarschiren haben. Unsere Thesen müßten die Grundlage der Organisation bilden urch es müsse jeder, welcher dieser Organisation angehöre, wissen, welches Ziel wir bei unfern Bestrebungen vor Augen haben. Herr Estermann (Berlin) erklärt: Die.Stellungnahme des Herrck Bambus gegen den Congreß sei daraus zurückzuführen, daß er in Folge eines kalten Wasserstrahles von Frankfurth aus die Gründung der von ihm geplanten palästinischen Jndustriebank gefährdet geglaubt habe. Der Antrag Birkenstem wurde hierauf einstimmig angenommen, ebenso der Antrag Schach auf Sonderung der Motive zu den Thesen. Ein Antrag Wolffsohn, die Abänderung der Thesen bis nach dem Congreß zurückzustellen, wurde auf Einspruch des Herrn Dr. Schauer, der befürchtet, wir könnten auf dem Congreß majorisirt werden, zurückgezogen. Auf Vorschlag Leiser werden als Mitglieder der von Herrn Birkenstein beantragten Commission Prof. Dr. Schapira, Wolfs-' sohn, Dr. Bodenheimer gewählt und nehmen die,Wahl an. Sodann wurde auf Antrag Wolffsohn als zweiter Delegirtentag der 28. August d. I. und als Ort Basel in Verbindung mit dem all-? gemeinen Zionistencongreß bestimmt. Der von Herrn Estermann Namens' der Berliner Gruppe gestellte Antrag, der Rabbinerkundgebung eine Gegenerklärung entgegenzusetzen, wurde einstimmig angenommen und die/ National-jüdische Vereinigung Köln mit der geeigneten Abfassung der^ Gegenerklärung beauftragt. r Dr. Bodenheimer schließt die Versammlung mit herzlichem Dankesworte an die Theilnehmer, worauf Dr. Schauer dem Vorsitzenden im Namen der Versammlung für die geschickte Leitung der Verhandlungen dankt. England. London. (Orig-Corr.) Am Sonntag, den 1. d. M. fand am hiesigen Jewish Working-Men’s-Club ein Massen- Meeting behufs Stellungnahme zum Congreß und Bestätigung der vom Londoner Congreß-Comits gewählten drei Delegirten statt. Große Plakate in Jiddisch an allen Enden und Ecken Whitechapels gaben davon Kunde. Die Juden sind auch wirklich in Massen erschienen. Alle wollten etwas hören vom Judencongreß. vom „jüdischen Parlament". Den Vorsitz führte Chief-Rabbi Dr. G a st e r und war deshalb auch Gegenstand großer Ovationen. Zuerst sprach I de Haa s. Derselbe begründete in sehr geschickter und überzeugender Weise folgende Resolution: „Die am Meeting versammelten Juden Londons anerkennen die Nothwendigkeit des Zionisten-Congreßes, der am 29., 30. und 31. August in Basel abgehalten ] werden wird und wünschen auf demselben durch Delegirte vertreten zu sein " Diese Resolution wurde von Mr. Jsh-Kishyr unterstützt und einstimmig angenommen.! Hierauf wurde über Antrag Mr. E. M Cohens die Wahl der Delegirten N. Mayer, I. Ish - Ki sho r und I. de Haas vom Meeting bestätigt, j Eine sehr interessante, von echter Begeisterung durchdrungene Rede hielt der Vorsitzende Dr. - G a st e r. Er sagte u. A.: „Durch sechs Tage in der Woche ist Israel ein Hund und erst am siebenten, wenn der Sabbath kommt, wird es zu einem Prinzen. Wir müssen dem ein Ende machen. Israel war durch Jahrhunderte wie ein Hund aber durch den Congreß soll er wieder seinen Rang als Prinz zurückerhalten. Und in Palästina soll er sich ausleben. Palästina war seine Heimat und es ist keine Illoyalität, den wahren Vater anzuerkennen, wenn auch der Stiefvater gütig ist. Wir wollen nicht kämpfen, unser Wahrzeichen ist die Friedenspalme. Doch Israel ist wieder erwacht. Wir haben ein Recht frei zu sprechen und wir werden unsere Agitation für Zion fortsetzen, dabei auch beweisend, daß wir nicht im Entferntesten gegenüber der englischen Krone illoyal sind." Mit cheers auf Dr. Gaster und dann auf Dr. Herz! schloß die herrliche Manifestation der jüdischen Volksmassen Londons. Tags darauf fand auch in Manchester eine großartige zionistische Massen-Versammlung statt. Die 15 Congregationen waren alle erschienen. Den Vorsitz führte Mr. B elish a. Aus London waren Haas, Jsh. -Kishor und Epstein, aus Leeds Mr. D a la d a n s k y, der Herausgeber des „Jewish Expreß", aus Liverpool Mr. H a l p o r n erschienen. Es wurde eine für den Congreß sympathische Resolution angenommen und der Dichter Mr. I. Massel zum Delegirten göwählt. Auf einem Meeting in Leeds wurde nach der einstimmigen Annahme einer Sympathieerklärung für den Congreß ein besonderes Comitö behufs Wahl eines Delegirten eingesetzt. Gaya. (Orig-Corr.) Die hiesige czechische Gemeindevertretung läßt wiederholt austrommeln, man dürfe bei jüdischen Gasthäusern nicht füttern, auch dürfe von dort kein Getränk gekauft und fortqetragen werden. Sämmtliche Wirthe der Jsraelitengemeinde werden namentlich genannt. Heute ist dies auch, wie sonst, vor der Wohnung des k. k. Bezirkshauptmannes Dr. Zahradnik ausgetrommelt worden. Derselbe scheint nicht besonders davon erbaut gewesen zu sein. Schweiz. Zürich. Herr Dr. Farbstein hielt am letzten Sabbath im Bethause des Minjan-Vereines Zürich III. einen Vortrag über „Palästina und Zionismus". Er beleuchtete den Unterschied zwischen der bisherigen Colonisation im kleinen Stile und einem geplanten Staatswesen auf völkerrechtlicher Grundlage,, und nahm für die letztere Methode Stellung. Die Einwände der gegnerischen Seite widerlegte er mit treffenden Beweisen. Der ständige Vortrag fand bei der zahlreichen Zuhörerschaft großen Anklang. R«mü«ien. (Orig.-Corr.) Sonntag 1. August fanden in Jassy zwei zionistische Volksversammlungen statt. Die eine Versammlung war von der „Zeire Chowewe Zion" in der Vorstadt Strada alba einberufen. Um 4 Uhr Nachmittags eröffnete Herr Rabbiner Dr. Nacht die Bersaminlung, erörterte eingehend die Bedeutung der zionistischen Bewegung und widerlegte die Einwürse der Gegner. Dr. Lippe richtete in rumänischer Sprache an die Anwesenden die Aufforderung, der Bewegung nach Kräften unter die Arme zu greifen. Die zweite Versammlung fand in der Synagoge der Vorstadt „Rothe Brücke" statt. Die Synagoge war überfüllt. Es sprachen die Rabbiner Dr. Niemirower und Herr Armin Dux, Präsident des Localcornitss der „Chowewe Zion". Dr. Lippe bediente sich der jüdischdeutschen Mundart. Er hob hervor, welche ungeahnte Erfolge die Bewegung in so verhältnißmäßig kurzer Zeit erzielt habe. Die Blüte dieser Bewegung sei der Congreß in Basel. An der wohlthätigen Frucht würden noch späte Generationen zehren. Türkei. Monastir. Am 23. Juli brach hier in einem Geschäftsladen ein Brand aus, der rasch um sich griff und fast die halbe Stadt einäscherte, Leider traf das Unglück gerade die Juden. Dreiviertel ihrer Geschäftsläden verbrannte und alle Höfe der Juden, auch der Getreidebazar. Man berechnet den Schaden des Getreides auf 20.000 Kilo und 8000 Säcke Mehl. Das Malheur traf SO Procent

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