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Die Welt · 1897-08-13 · 11 (13.8.1897) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
11 (13.8.1897)
Article
Wien [Nachricht] / B.
Date
1897-08-13
Page
11 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 11. Seite 11. Cowefponfcen^crt. Oesterretch-Ungar«. Wien. Die Statuten des vor Kurzem im Bezirke Landstraße auf Anregung des Herrn Dr. med. S. Werner gegründeten Einzelvereines des Verbandes „Zion" sind von der k. .k. Statthalterei genehmigt worden. Die constituirende Versammlung dieses Vereines wird in den nächsten Tagen stattfinden. ’; ' Dank den Bemühungen des Herrn Dr. Weru e r, . sowie auch des Herrn Joachim H a l b e r st a m ut erfreut sich der neug('grüudete Verein bereits heute einer stattlichen Anzahl von 'Mitgliedern, die der zionistischen Sache mit warmem Interesse folgen. So veranstalteten die genannten Herren am Samstag Abends im Bethause,- Hetzgasse 40, eine Trauerandacht anläßlich des 9. Ab, die als ein erster Eiffotg dieses Vereines zu verzeichnen ist. Vor dem Lesen der „Kinoth" hielt nämlich der hiesige Rabbinats-Candidat Herr Dr. Proßuitz eine schwungvolle Rede, welche auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck.machte. In ergreifender Weise schilderte der Redner die innere Zerfahrenheit. desjüdischen Reiches, die die unselige Katastrophe herbeifiihrte, unter -welcher'wir noch heute leiden. Er wies auf die Leiden unseres 'Volkes hin, die es allerorts anszustehen hat, und ermahnte zur einträchtigen Arbeit an dem großen Erlösungswerke, das unser Hoffen lind Sehnen im ganzen Verlause unserer Geschichte ausmacht. Kein Jude darf den gemeinsamen religiösen und nationalen Interessen des gesam inten Volkes gleichgiltig gegenüberstehen, kein Jude dürfe dort fehlen nüd seine Mitwirkung versagen, wo etwas von Juden für Juden unternommen wird."., B. Wien. (Orig.-Eorr.) Der Eiuzelverein „Favoriten" i>es Zion, Verbandes der österreichischen Vereine zur Evlouisation Palästinas imb Syriens, hielt Montag den 2. d. M. seine eonstit'uirende Generalversammlung ab. In die Vereinsleitung nmrden gewählt die - Herren: Dr. Max R o se n th a l als Präsident, I. W e r 1 h h e i ni - und D. W e i ß als Bieepräsidenten, M. Po latschet, M. Berger, S. Bruckmann, I. Stößl, Dr. M. Kraus, I. Lampet, G. Schwarz als Beisitzer. Der zahlreiche Besuch aller Kreise des X. Bezirkes, die Amvesenheit des Tempelvorstandes und der Vorsitzenden des israelitischen- Hnmanitäts Vereines gaben einen deutlichen Beweis des Juteresses, das die. jüdische Bevölkerung der Vereinsgründung entgegenbringt. Herr Dr. Max Rosen thal gab eine Darstellung der Verhältnisse im Judenthnme, die zur Gründung von Colonisationsvereinen in Palästina und Syrien gewaltsam hindrängen. Auf die analogen Verhältnisse, anderer. Lander verweisend, hob Redner hervor, daß Oesterreich auch hinsichtlich des Zionismus zurückgeblieben sei. Der humanitäre Gedankb der Evlonisations bewegung, den verfolgten Brüdern ein Stück Land und eine ehrenhafte Existenz 51t bieten, müsse jeden Juden, der sich jüdisches Empfinden bewahrt, zum Zionisten machen. Ihn Rahmen dieser hunlatiitüren Aufiasjung müsse man jedoch auch volle Sympathie und Theiluahme der iiidisch-nationalen Bewegung im Judenthnme und dem politischen Zionis iiuls entgegenbringen. Denn er erstrebt nichts anderes, als auf dem allen Juden theueren Boden eine staatsrechtlich gesicherte Heimstätte für. alle Bedrängten und Verfolgten zu schaffen. An diese Ausführungen knüpfte sich eine längere Debatte, in der Herr Straßberg und Herr Schidrowitz für den Humanitätszionismus eiutraten. Dem Referenten war es jedoch ein leichtes, in seinem Schlußworte die Versammlung von der Richtigkeit seiner Anschauungen zu über zeugen. ' Lemberg. (Orig.-Eorr.) Rach siebentägiger Verhandlung ist vorn Schwurgerichte in Brzezany das Urtheil über die Verbrecher von Ehodoröw gefällt worden, lieber die Verbrecher, aber nicht über die Exeesse. Die Eins Jahre und fünf Monate, die unter 45 Angeklagte vertheilt wurden, und die Strafe des Gesetzes, aber sie sind keine Sühne für das vergossene Blut, fj'ir den Tod eines 80jährigen Greises, für den Kummer, die Thränen und all das Leid von Hunderten jüdischer Familien. Das wichtigste in dem Proeesse ist nicht das Urtheil, sondern die.Verhandlung und die Plaidoyers. Die Fabeln der polnischen Presse, denen der sociaE deucocralische „Rowy Robotnik" und die Wiener „Arbeiterzeitung".wacker 'eeundirten, von der Ausbeutung der Arbeiter durch. die. Juden ver 'äirvanden tut Gerichtssaale wie Seifenblasen, und ihre Geschichtserzählnngeu vom „noblen" Sinn der Arbeiter, daß sie die Juden „nur" prügelten und nicht auch beraubten, daß sie Kinder und Frauen verschonten, erwiesen sich als Lügen. Der Angeklagte Zielonka mußte zngebeu, daß die Arbeiter den ^uden für ein Nachtlager 3 Kreuzer (!) zahlten, der Bürgermeister'von 'Ewdorow sagte aus, daß die Nahrungsmittelpreise inäßig waren, daß das Brot gut fand; die Angeklagten Kozyra, Buryk, Plesniak u. A, lonnteir nicht bestreiten, daß sie die Juden bestahlen, der 80jährige Flicker v iiite den Geschworenen seine gebrochene Hand und Brandet Stom erzählte, wie ihr Schwiegervater, als man ihn in sterbendem Zustande nach -einberg überfiihrte, noch unterwegs von Arbeitern erbarmungslos miß- ' nnbclt untrbe. Das war nobel .... Die ganze Verlogenheit der polnischen Presse, die für die Chodorower Exeesse kein Wort'des Bedauerns, zum Theile noch Worte des Lobes fand, bis unser Parteiorgan Przyszlosc“ die Sache aufgriff zeigte sich hier, vor -dem -.Schwurgerichte. Den Artikel des „Przyszlosc“ kann die polnische Presse bis heilte nicht verschnrerzen, und er ließ weder dem Staatsanwalt noch den'beiden Vertheidigern Ruhe. Wie wenn sie fühlen würden, welche Schmach die Exeesse' von Ehodorow aus-Galizien gehäuft haben, versuchten sie den Exeessen eine, minimale, rein „locale" Bedeutung zuzuschreiben, und die Schuld, daß daraus eine große Affaire wurde, daß man auch außerhalb Galiziens von dieser „rein inneren Angelegenheit" erfuhr und sie in richtiger Weise würdigte, schrieben sie der „Przyszlosc“ zu Der Verl hei diger Rossovski las sogar den ganzen Artikel den Geschworneu vor, gewiß nicht zil de:n Zwecke, um sie gegen die Juden zu Hetzen, der Staatsanwalt polemisirte gegen die ji'ldische Presse und der Bertheidiger Dr. Czajkowski sprach von: Zionismus. Der Zionismus im Gerichtssaal! Die Verhandlung bot zum' Schlüße ein richtiges Bild dieser bewegten Zeit, denn die Hauptidee um die sich die Plaidoyers bewegten, gilt eben der Frage, wie ein für allemal diese verkrümmten, elenden jüdischen Gestalten den brutalen Greuelthaten, 11m derentwillen 45 rohe Gesellen auf der Anklagebank saßen, entrückt sein sollen. Der Staatsanwalt sagte: „Als die jüdische, polen- und regierangsfeindlich gesinnte Presse von den Chodorower Exeessen erfuhr, schlug sie Alarm und unterschob diesen Vorgängen religiöse Motive, indenl sie die Polen als die ärgsten Satrapen des Allerthums uni) ihre Glaubensgenossen als die Fackeln Nstros hinstellte. Der Regierung machte sie Gleichgiltigkeit und Unbeholfeuheit zum Vonvurf. Inzwischen hat sich gezeigt, daß die Ehodorower Exeesse nur von einem u ncult i virten, iu s e i n e r r e l i g i ö s e n E r z i e h u )t g v e r n a ch l ä s s i g t e n und jedes patriotischen (Kesühls baren Volke begangen wurden". Darnach sprach der Vertreter der Privatbetheiligten Dr. Clemens Sokal. In seiner Rede war ein Passus sehr bemerkenswertst Er bezog sich aus das Verhalten des während der Exeesse intervenirenden Bezirkseommissärs Ossotinski, der sich ans ein Leiden berief und zur Verhandlung gar glicht erschien, und den auch der Gerichtshof trotz des Antrages des Dr. Sokal nicht vorladen wollte. Der Passus im Plaidoyer lautete: „Es wird in der Geschichte berühmt sein, daß der Eommissär den berühmten Friedensvertrag am Damm abgeschlossen hat. Trotzdem neun Gendarnu'u auf dem Schutzdamiu standen und bereit waren, nicht nur 500 sondern 1000 Arbeitern die Stirne zu bieten, schloß dennoch der.Regierungsvertreter mit dem Anführer der Arbeiter Zolkos folgenden Waffenstillstand: „Die Belagerung Ehodorows wird eingestellt — Ehodorow ergibt sich und die Arbeiter erhalten freien Eintritt in die Stadt." Die beiden Bertheidiger sprachen zumeist vom Antisemitismus, von der „Przyszlosc“ uni) vom Zionismus. Klirr durch die beiden letzteren wurde die Affaire so aufgebanscht —- meinten sie. Einen Antisemitismus gebe es unter den Arbeitern gar nicht — Gott bewahre! „Wenn auch die Ehodorower Arbeiter Antisemiten wären, so dürfen lvir doch nicht vergessen, daß ihnen in der Tonart (!) noch viel zum Antisemitismus anderer Länder fehle" — gab sich der Bertheidiger Rossowski überflüssigerweise Mühe zu versichern. Der Bertheidiger Czajkowski machte zwar eine tiefe Verbeugung vor dem Zionismus, indem er die Bestrebungen der Zionisten edel und erhaben nannte, aber er hält sie doch für Schlaumeier, die den Antisemitismus als Agitätionsmittel ----- erfunden haben. Die Verhandlung hatte also auch ganz heitere Momente. Ititb als sie mit siebenten Tage zu Ende war, da fiel der Vorhang über die Affaire von Ehodorow und es blieben nur zwei dauernde Merkmale: Der Grabhügel Moses Stein und ein Fascikel in der landesgerichtlichen Registratur von Brzezany. Deutsches Reich. Köln (Orig.-Eorr.» Ans Einladung seitens der Kiational jüdischen Vereinigung zu Köln versammelten sich in Bingen die Delegirten der zionistischen (Kruppen in Berlin (Herr Ester mann), Heidelberg (Prof. Dr. Schapira), Frankfurth a. M. (Herren Maschinenbauer B i rke 11 stei 11 mtb Weinhändler G 0 hei 11), B i n ge n (Rechtsanwa lt Dr. Schau e r» und K ö l n (Rechtsanwalt Dr. B 0 d en h e i m e r, Holz- Händler W 01 fss 0hn, Schriftsteller Schach, Dr. R u b i 11 s 0 hn, W 0 lf f und L e i s e r. In das Bureau der Versammlung umrden Dr. Bodenheiiner (Köln) als Vorsitzender und Rechtsanwalt Dr. Schauer und Leiser als Protocottführer gewählt. Herr Dr. Bodenheiiner wies in seiner Ansprache ans den Zweck des Delegirteuiages hin, zwischen den Gesinnungsgenossen etwa obivaltende Mißverständnisse aufznklären und eine feste Organist!iou zu bilden, um zu dem Eongresse und auf demselben eine bestimmte Stellung einznnehmen. Zu Händen der Kölner Vereinigung sind viele Zuschriften ziistimmeuden Inhalts gelangt. Außerdemhaben über 20 Herren in verschiedenen Städten, das Amt eines. Vertrauensmannes übernommen. Vor Eintritt in die Tagesordnung nahm Herr Ester manu als Delegirter einer Berliner'zionistischen (Kruppe das Wort, um unter Anderem folgendes zu beantragen: 1. Tie geplante Organisatiou möge sämmt.liche in Deutschland lebende Zionisten umfassen,. 2. Mit der Annahme bindender Thesen soll bis nach dem Baseler Eongreß ge w arte werden, 3. betreffs des Baseler Eongresses erachten es die Berliner, nach-t dem derselbe einmal einberufen, für ihre Pflicht, ihn in jeder Weise zu fördern, 4. die Kölner National-jüdische Vereinigung möge im Namen der zionistischen Kreise Deutschlands eme Gegenerklärung gegen die Erklärung des Ausschusses des deutscheu Rabbincrverbandes erlassen. Die Versammlung stimmte diesen Wünschen des Berliner zu. Hierauf wurde die Tagesordnung erledigt. Punkt 1, die Constituirung eines dcational-jüdischen Verbandes für Deutschland mit dem vorläufigen Sitze in Köln, wurde sofort angenommen.. Zu Punkt 2 wurde von Herrn Schach der Antrag gestellt, die ^National-jüdische Vereinigung möge sich officiell am Eongreß betheiligen

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