Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 11 (13.8.1897)
- Article
- Rebenpflanzungen in den Colonien
- Date
- 1897-08-13
- Page
- 7 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 11 MH1M Seite 7, Rebenpsianrungerr in den Colsmeen. Ein Winzerlied. — Du hast schon oft Winzerlieder morgen oder übermorgen das Empfangene einen Raub am gehört, wenn der Sommer mit einem letzten warmen erbgesessenen Gute des Eingeborenen schilt. Sonnenblicke von Berg und Thal Abschied nahm, Winzer- Parasitenthum! Wie ein widriges Insekt summt Dir lieber in allen Sprachen und Melodieen, aber keines hat dies Wort um die erröthenden Schläfen, es fällt in den % lyk'A'. fpf* noch so traute Gefühle in Deiner Brust erweckt, wie dieses Winzerlied. Ein Jauchzen und Jubeln. Der Wandervogel ist aus fernen Landen heimgekehrt und begrüßt das liebe Nest, die lieben Häuser und Bäume, von denen er in kalter Fremde so oft mit leisem Heimweh geträumt. Das Lied von der wiedergefundenen Heimat, ein Danklied an den Boden, der willig gibt, wo man willig empfängt. Hier ist das Empfangen ein Recht, und das Geben freudige Pflicht. In der Fremde war das Geben Gnade und das Empfangen Demüthigung. Man empfing mit Vorbehalt; mit der fatalen Erwartung, daß der Nachbar, der sich Hausherr nennt, Becher Deiner Freuden, und verwandelt den hellen Tran in trübes Gebräu. Diese Gärten im Osten kennen das Alles nicht. Der Trank, der diesem Boden entstammt, bleibt ungetrübt, und im ungetrübten Freudenbecher spiegelt sich der heitere Himmel einer uralten und wiederverjüngten Heimat. Rebensaft im Freudenbecher. Die Geister des Weines steigen empor aus dem funkelnden Trank. Es sind brave Gesellen. Zweierlei ist ihre Sendung: Die Nacht des Vergessens für die Verzweiflung, und die gesteigerte Lichtempfindung im Glücke. Die Heimaterde weckt die Geister des Glückes. Die neneste Frage: Gristirl der Antisemitismus in Ungarn? (Aus der „Ungarischen Wochenschrift".) Es ist ein abgedroschenes, düsteres Capitel, das vom Antisemiüsnrus handelt. Wer hätte nicht schon über dieses leidige, schändliche Lhema gelesen, gehört, gesprochen! Geschrieben wurde bereits in allen -ändern, Sprachen und Tonarten. Es ist eine alte Geschichte, die leider ' wig neu bleibt, und wir könnten ihr nicht einen Raum an leitender stelle zuweisen. wenn es sich nicht um den besonders traurigen Umstand l,nudeln würde, daß diese „Schmach des Jahrhunderts" auch bei^ms zu-' lande immer mehr an Ausdehnung gewinnt. - Finanzminister Lukücs hat es in einer der letzten Sitzungen des ungarischen Abgeordnetenhauses als „ein beachtenswerthes und zugleich bedauernswerthes Moment" bezeichnet, daß die schärfsten Gegensätze zwischen den Elasseninteressen, zwischen Armen und Neichen, zwischen Arbeitern und Eapitalisten, zwischen berechtigtem und unberechtigtem Capital, zwischen inländischem und ausländischem Capital construirt werden." Se. Excellenz sagte: „Abgesehen davon, daß wir als capitalsarmer Staat gegen uns selbst sündigen, wenn wir das Capital perhorresciren; abgesehen von der Absurdität jener volkswirthschastlichen Lehre, welche das Capital und «»die Arbeit in einen Gegensatz bringen will, frage ich: Glauben Sie nicht, daß Sie, indem Sie hier solche Lehren verkünden, die Saat der gefährlichsten socialen Revolution ausstreuen? Oder glauben» Sie, daß jene aufreizenden Reden, durch welche Sie künstliche Gegensätze hervor- A rufen wollen, die Seele und die Denkweise jener Volksclasse vergiften