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Die Welt · 1897-08-13 · 11 (13.8.1897) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
11 (13.8.1897)
Article
S. R. Landau - Siegmund Werner - Max Nordau [Nachricht]
Date
1897-08-13
Page
6 (sequence 1)
Language
German
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Sette 6. mm® Nr. 11. X>cv Die Herren Dr. S. R. Landau und Dr. Siegmund Werner haben Herrn Dr. Max N o r d a u als Referenten für „Die allgemeine Lage der Juden" folgenden Antrag übermittelt: I. In Anbetracht, daß behufs Verwirklichung des zionistischen Programms eine genaue Kenntnis der ökonomischen Lage und der socialen Differencirung der jüdischen Bevölkerung nothwendig ist, beschließt der Zionisten-Congreß in Basel die Zusammenstellung einer B e r u f s st a t i st i k der Juden. H. Behufs Durchführung dieses Beschlusses setzt der Congreß für jeden Staat eine Arbeits- Commission ein: Dieselbe besteht aus drei Mitgliedern, die in der Residenz, als dem Sitze des statistischen Reichsamtes ihren Wohnort haben und von denen mindestens zwei Fachschriftsteller oder Juristen sein müssen. Die Commission hat das Recht der Cooptirung. Die eingesetzten Arbeits-Commissionen haben dem n ä ch st e n Congreß ihre Arbeiten im Druck vorzulegen. Allsällige Auslagen sind von den zionistischen Landescomitös zu tragen. Hl. Es wird dem zu wählenden Executiv-Comitö empfohlen, durch Preis-Ausschreibung auch weitere Kreise für diese Arbeit zu interessiren. * ritz Als Vertreter der „Kadimah" geht I. Schalit nach Basel. tz tz tz ftvihixrte. Sehr geehrter Herr Redacteur! In Nummer 4 Ihres werthen Organes schreibt Herr Berthold F e i w e l unter dem Titel „Die Universität" auch Folgendes : „Von dem großen, modemen Propheten, von Perez S m o l e n s k y, dem berühmten hebräischen Schriftsteller ging 1882 die Anregung zur Schaffung der „Kadimah" aus." Dem gegenüber habe ich im Interesse der historischen Wahrheit nach genauer Information an competenter Stelle folgendermaßen zu berichtigen : Der erste zionistische Verein in Oesterreich war der Colonisationsverein „Ahawath Zion" in Wien, der auf selbstständige Anregung Dr. Rüben Biere r's von ihn: im Vereine mit Rabbiner Spitzer gegründet wurde. Nun faßte Rüben Vierer, da er bald einsah/ wie schwer es sei, den alten, in Assimilation verknöcherten Leuten die zionistische Idee beizubringen, den Plan, diese Idee in die Jugend zu tragen. Und in der Thal lernte er theils im „Ahawath Zion" theils außerhalb dieses Kreises einige Commilitonen kennen, so Saniere r, Birnbau nt, M i m e l e s, N e m i r o w i t s ch, B l u m e n f e l d u. A., mit denen er die „Kadimah" gründete. Die ersten Versammlungen, wo die Statuten berathen und entworfen wurden, fanden auch in der Wohnung des Dr. R. B i e r e r, 2. Bez., Kleine Schiffgasse 2, statt, .wie auch der erste nationale Abend im -Restaurant Kyuner auf dessen Veranlassung abgehalten wurde. Nur bezüglich des Nantens konnte man nicht einig werden, bis einer auf die Idee kam, den damals in Wien weilenden hebräischen Literaten Perez S m o l e n s k y diesbezüglich anzngehen; und in der That wurde sein Vorschlag einstimmig angenommen. Die Idee zur Gründung der „Kadimah", wie auch die Seele ihrer Schaffung war also durchaus nicht die Smolensk y's, sondern Dr. Rüben Biere r's. Mit Hochachtung und Zionsgruß R a d a u tz, 5. August 1897. Dr. Vierer jun. tz tz tz Zu Congreß-Delegirten des „Ahawath-Zion" in Tarnow wurden gewählt: die Herren Dr. A. Salz, Landesadvokat, Sigmund Bromberg (Bytkowski) Schriftsteller, Aron Marcus (Krakau), Julius Hochfeld und D. H. Tieger (Lemberg.) tz tz tz Herrn Dr. K a m i n k a, unserem Referenten über Palästina-Colonisation, ist die Anregung zugegangen, daß die vereinigten Colonisationsgesellschaften auf der Pariser Weltausstellung eine Ausstellung jüdischer Colonialproducte veranstalten mögen, und daß zu diesem Zwecke auch die Mitarbeit der Rothschild'schen und der argentinischen Colonieen herbeizuführen wäre. Zweck der genannten Ausstellung: Ein Bild vom jüdischen Bauer zu geben. tz tz tz Die Congreßtheilnehmer werden aufmerksam gemacht, daß Auskünfte über Wohnungsfragen und die örtlichen Verhältnisse in Basel von Dr. D. F a r b st e i n, Unterstraß, Weinbergstraße 117 ertheilt werden. tz tz tz Aus London wird uns geschrieben: Wenn auch die Juden von Canada am Congreß nicht repräsentirt sein werden, so sympathisiren sie doch mit ihm. Aus einem Massen-Meeting in Montreal zeigten Rev. Meloola de Sola, einer der strengstorthodoxen Rabbiner Amerikas, und Rev. Isidore My rs den Congreß an. Es wurde auch eine zionistische Resolution gefaßt, in der die englischen Delegirten ersucht wurden, die Sympathien der Juden von Canada dem Congreß zu überbringen. 2luf t Die furchtbaren, unsäglichen Verwüstungen, hervorgerufen durch die Wasserkatastrophe, welche zahlreiche Gefilde unseres Vaterlandes, die bis vor wenigen Tagen schöne Anwesen bildeten, zu Grunde richtete, kostbare Menschenleben forderte, Existenzen vernichtete, hat auch vor den im Besitze unserer jüdischen Mitbürger befindlichen Behausungen nicht Halt gemacht und auch diese fortgeschwemmt. Wenn es je für uns I u d e n eine Stunde gegeben, in welcher wir unser lebhaftestes Mitgefühl unseren an den 'Bettelstab gebrachten, durch ein herzzereißendes Elementarereigniß beraubten Brüdern und treuen Anhängern an unserer heiligen Religion zum Ausdrucke bringen miissen, so ist es fürwahr dieser Schicksalsschlag, dessen Folgen derzeit noch unübersehbar sind. Und i n d i e s e n Z e i t e n sind wir mehr denn je auf u n s s e l b st angewiesen, w i r sind mehr als verpflichtet, diesen unseren unverschuldet ins E l e n d geratenen G l a u b e n s g e n o s s e n ras ch an die Hand zu gehen, i h n e n den m a t e r i e l l e n S ch a d e n m i n d e st e n s t h e i l w e i s e z u ersetzen, zumal w i r a n ß e r h a lb unseres eigenen 55 r e i s e s auf thatkräftige llnterstützung leider nicht hoffen können. W i r s i n d daher g e w u n g e n, unseren v e r a r m t e n B r ü d e r n nach Möglichkeit a u f z uhelfen, und hierzu bedarf es der M e n s ch enlieb e, die unsere R e l i g i o n s g e n o s s e ns ch a f t seit i h r e m I a h r t a u s e n d e l a n g e n B e st a n d e st e t s geziert und ausgezeichnet hat! Möge I e d e r n a ch seinen Kräften b e i st e u e r n, d a s E l e n d zu mildern, d a s u n v e r s ch u l d e t Herei n g e b r o ch e n e U n g l ü ck, v o n w e l ch e m z a h l r e i ch e Juden betroffen, zu nräßigen, die Thränen zu trocknen und den S a tz u n g e n unserer R e l ig i o n entsprechen, d i e ° u n s Wohlthun vorschreibt! Wir Juden sind ja in erster Reihe verpflichtet, u n s e r e n G l a u b e n s b r ü d e r n zu helfen, und da das jüdische Herz schon b e i v i e l e n Anlass e n sich b e w ä h r t e, werden wir auch bei diesen: furchtbaren E r e i g n i ß unsere für die A r men st e t s off e n e H and n i ch t s ch l i e ß e n! Spenden werden entgegengenomtnen von Hern: Emil Jelinek I., Seitenstettengasse 5. Wien, 9. August 1897.

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