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Die Welt · 1897-08-06 · 10 (6.8.1897) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
10 (6.8.1897)
Article
[Kommentar]
Date
1897-08-06
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12. Nr. 10. die Jvriif)-- und Spät regen rechizeitig, dann sind putc Bedingungen fürdie Arbeit gegeben. Manchmal regnet es in Palaestina an einen: Tage mehr als in Europa in einem ganzen Monate <z. B. am 1. Dezember 1892, 96mm>. Solche liegen üben eine zerstörende Wirkung ans die Saaten aus. Ans dem (besagten ergeben sich für den Landwirt!) in Palaestina folgende Regeln: 1. Die Zeit zu pflügen und den Boden zu bestellen, ist in Palaestina sehr kurz, und es muß daher besonders in: Anfänge der Regenzeit ungemein eifrig gearbeitet lverden. Auch nur Stunden, die ungenützt verstreichen, sind nicht mehr einzuholen. 2. Man muß möglichst früh säen. Dem ersten Regen folgt stets bald ein kräftiger Sonnenschein, der auf das Wachsthum äußerst fördernd einwirkt, indem er die Samen aufgeheu läßt; sind sie aber einmal ausgegangen, so sind sie im Staude, den späteren Regenstürmen Ztl widerstehen: noch nicht aufgegangene Samen können dies nicht. Das „Hatte'sche Boltsblatt" schreibt über eine von Ahllvardt in Halle eiubernfene Versanunlung, die von ungefähr 1.000 Personen besucht war: „Die zweisti'mdige Rede tvar die alte, reich an antisemitischen Stibproben- So sagte Ehren Ahlwardt u. a.: „Die Hunde haben als Rasse verschiedene Eigenschaften, ebenso verhält es sich bei den Semiten, speciell bei dem Stamme, welcher sich bei uns niedergelassen hat." „Wir befinden uns in der Gewalt des elendesten aller Völker." „Das Winseln und Schreien der Christen ist die Seligkeit der Juden." „Ein Jude" schadet uns mehr als sannntliche Räuber, Mörder und Diebe." „Die knumnbeinige, kruntmnäsige (Gesellschaft." „Eine Kuh, im Pferdestall geboren, bleibt trotzdem eine Kuh." In dieser Tonart ging es weiter und die Urdeutschen begleiteten die rohen Ausfälle mit frenetischen! Beifall, Zmn Schlüsse forderte Ahlwardt die Ainveseudeu ans, das hiesige antisemitische Organ zu unterstützen: ferner sott der Trage, ob eine freie antisenlitische Bereinigung hier zu gründen ist, näher getreten werden. Bemerkt sei, daß sich unter den Beifallsjauchzern bei den erwähnten rohen Hanswurstereien viele Studenten befanden". l^ererirsncrchL rcbton- Wie«. Die jüdische akademische Verbindung „Unilas" sendet uns einen Bericht über ihre Tbätigkeit im Sommersemester. Demgemäß rvurde das Schwergewicht auf die Ausbildung der jungen Mitglieder zu Rednern durch Abhaltung von freien Diseussionsabendeu gelegt. Außerdem tvnrden tvöchentlich vorbereitete Vorträge u. a. von stnd. jur. Karl Löiv über Gambelta, stad. .jur. Sander über die soeiate Lage in Galizien, stad, eben,. F i fch er über Luthers Berhalniß zunt Iudenthnm gehalten. Am 10. Juli tvnrde Herr Robert Grün bäum zmn Dootor nniv. ined. promovirt, der, ein Gründer der Verbindung, noch jung an Jahren, ichon zu den alten Herren der llnitas nunmehr gehört. Mirhrisch-Weißkirchen. Auf Anregung der Herren stad. .jur. Ludwig Lederer und stiul. jur. Biar ÜOefeufeid von der Wiener zionistischen Jinlenvereinignug gründet sich hier ein Jerialverein jüdischer Hochschüler „Massada". Snmmtliche jüdische Hochschüter Weißkirchens haben ihren Beitritt angemeldet. Die jüdische Bevölkerung der Stadt bringt dem Vereine dir tvärmsten Sympathien entgegen. Kreszowice l bei Krakau.) Dank der Rührigkeit und dem schneidigen Auftreten der hiesigen Jugend wurde hier ein Zweigverein des Verbandes „Zion" gegründet. Die erste constitnirende Versammlung unter dein Vorsitze des Herrn R. Wein Heber fand Samstag, den 31. Juli, in der Synagoge statt. Dr. Ginzig sprach über das Wesen und die Bedeutung des Zionismus. Herr Ä. Saß entivarf ein Bild von dein jüdischen Massenelend in Galizien, das nur der Zionismus beseitigen könne. Herr Dr. Rothblum geißelte die Jildotenz der Reichen und forderte in seinem Schlußworte die Anwesenden auf, dein neugegründeten Vereine beizntreten. Der Verein berechtigt nach der Anfuahine zu schließen, die er in der gesanunten jüdischen Bevölkerung gesunden hat, zu den schönsten Hoffnungen. Sereth. Unser Rabbiner Herr Pinlas B nrsztyu bericht t im „Hamagid" der vorigen Woche über den unter feiner Leitung ge gründeten ^Dnresdi I' ^iaa", ans welchem nur folgendes entnehmen: „Zwei Verfamiiitilngen hatten wir einberufen, aber diese ivareu so spärlich besucht, daß keine Beschlüsse gefaßt lverden konnten. Es tvar mimlid) zur J»eit der Bürgermeisterwahl, und da überzeugte ich mich, wie wahr jener göttlicher Sänger der Bibel gesungen hat: „Sie machten irtich zu Hütern der Gärten, meinen ei geilen Garten habe ich nicht gehütet". -Hohes Lied, l.i Leider ist den Inden eilt Bürgermeisterrvahlkampf viel wichtn>er als ihre eigenen itinereu Angelegenheiteil. Sie haben noch immer nicht eiugesehen, daß uns die Verwaltungskörper und ihre Vertretungen ganz gleichgültig sein müssen, denn wollte Gott wir hätten uns längst nicht mit Wahlnracherei abgegeben, mir würden uns viel Haß und Neid erspart haben! So mußte ich auf die „Großen", die noch kaum ivegen ihrer gegenseitigen „politischen" Befehdung zusramnenzubringen waren, verzichten und wandte mich au das gemeine „Volk", dem ich Sainstag int Lehrhause die Bücher „Esra" und „Nehemia" vortrug und aus denselben zeigte, daß die Gründung unseres zweiten Reiches nicht gerade der babylonischen Aristokratie zu verdanket! war, sondern den wirklich besten und treuen Söhnen des Volkes. Ich hoffe, das; der Verein, mir wenn das Volk sich ihin anschließt, eine Zukunft hat, denn nur durch solche Vereinigungen können wir unsere messianische Idee verwirklicht sehen, daß sich einst die «Zerstreuten Israels im gelobten Lande versammeln. Ich hoffe indeß, daß aitch die Großen zur Einsicht gelangen werden, daß die Sache eine wichtige ist - vielleicht wird sie eine verborgene Hand Gottes aus deut süßen Schlummer rütteln, auf daß sie erwachen und sich lieber für das allgemeine nationale Wohl unseres Volkes einsetzen als die Schleppenträger Anderer sein, falls aber nicht - dann will ich unseren Verein aus den treuen Söhnen des Volkes Zusammenhalten und kräftigen. Die Großen sollen dann uns aussuchen; sie lverden freudige Aufnahrne finden . . Czernowitz. Der Verein „Z i o n" in Czernowitz hat in seiner mu 25. Juli 1897 abgehaltenen Versammlung über Antrag seines Mitgliedes Dr. Mayer Ebne r folgende 9k e s o l u t i o n gefaßt: „Der 000 Mitglieder umfassende Verein „Zion" in Czernowitz nimnlt mit aufrichtiger Freude die Gelegenheit wahr, dein geplanten Zionistencongreß in Basel in begeisterter Weise seine Zustimmung zu ertheiten. Der Verein kamt aber auch nicht umhin, seinen Gefühlen tiefer Beschäinung und Betrübnis; Ausdruck zu geben, daß gerade in dem Stande der Rabbiner Männer sich gefunden haben, die Verrat!) am eigenen Volke üben, die den Versuch der edelsten Männer, unser armes bedrücktes und bedrängtes Volk ntoralisch und materiell zu heben und ihin die Freiheit und das Bewußtsein des eigenen Werthes zu geben, mit den gemeinen Waffen der Verlenntdung bekämpfen. Die Mitglieder des Vereines „Zion" empfinden die Hetzereien der Protestrabbiner als eine tiefe Schmach, die ablehnende Haltung der Münchener Jndengenteinde als eines jener Schuinchstückchen, mit denen die jüdischen Feinde des Judenthmns uns für ewige Zeiten verunglimpfen wollen. Aber der Kampf, der ehrlich und unehrlich offen und geheim gegen die Zionisten aller Länder geführt wird, stählt unseren Muth, festigt unsere Hoffnungen. Wir wissen, daß neue Ideen kleinliche Gegner finden, das; das Geschmeiß der Spötter und Verleumder verstummen wird, .wenn die Stunde der Erlösung für unser Volk konunen wird. Darum sehen wir voll der frohesten Erwartungen den Ergebnissen des Baseler Eongresses entgegen. Wir hegen die feste Zuversicht, daß es den edlen und bedeutenden Männern, die sich an die Spitze unserer Bewegung gestellt haben, getingen wird, eine feste Organisation für die Zionisten zu schaffen und alle jene Schritte zu thnn, die das große W e r k d e r R e g e n e r ir u n g d e s j ü d i s ch e n V o l k e s ans e i g e u e nt B o d e n ein leiten sollen. Wir wissen, das; der Eongreß noch nicht die Lösung bringen, sondern den Weg zur Lösung weisen wird, wir wissen, daß init dem Eongresse die Arbeit nicht gethan, sondern begonnen ist. Darm» mögen die Führer des Zionismus unsere aufrichtige Versicherung entgegeunehmen, das; sie auf uns jederzeit voll imd ganz rechnen können, das; wir es uns zur Ehre anrechnen lverden, mit ihnen zu arbeiten nach besten Kräften zum Wohle unseres Volkes und zmn Heile Zions!" Horodenta. Vor einiger Zeit hat sich hier ein Comite zur Gründung eines zionistischen Vereines gebildeti Ain 27. d. M. beschloß dasselbe die Statuten eines Einzelnvereines „Hvrodenka" des Verbandes „Zion" der Statthalterei vorzulegen. Bisher haben über 100 Personen ihren Beitritt angemeldet. Zloczow. Jnl hiesigen Verein „D e g e l I e s ch n r u n" hielt oaud. jur. Israel Frankel einen Vortrag über „den modernen Zionismus" hieraus wurde folgende Resolution gefaßt: Die am 24. d. M. vom Vereine „Degel Jeschurnn" eiubernfene öffentliche Versanunlung spricht ihr tiefstes Bedauern über das Vorgehen der „Proteskrnbbiner" aus und bezeichnet ihre „Erklärung" als einen der jüdischen Religion widerwärtigen, eines jüdischen Rabbiners unwürdigen Kniff. Die Versammlung ist mit der Herzlichen Idee vollständig einverstanden. Dieselbe begrüßt mit Begeisterung den Baseler Eongreß und wünscht den Theilnehmern an dein ersten jüdischen Weltrathe den besten Erfolg. Möge der Eongreß der jüdischen Geschichte zur Ehre, dem jüdischen Volke zmn Heile gereichen." Jnblpttow. Wie tief bereits der heilige Gedanke des Zionismus in das Herz des jüdischen Volkes gedrungen ist, beweist auch das hiesige Stäbchen. Ein Stäbchen, entfernt von der Verkehrsstraße, besetzt init conservativen, orthodoxische, nnbemittelte Inden. Der rastlosen Thcitigkeit des Gründers eines Loealcoinitös des Tarnvwer Vereines „Hawath Zion" iin hiesigen Orte, Herrn Abraham K e n s e!, der uns seine bewährte Kraft zur Verfügung gestellt hatte, haben wir es zu verdanken, das; der heilige Funke in unseren Herzen erweckt tvnrde. Trotz der großen Arinutl), die hier herrscht, hat Herr Kensel bereits 110 Mitglieder für den genannten Verein erworben. Am 25. vorigen Monats tvnrde eine Versanunlung einberusen, bei ivelcher der hiesige Rabbiner, lvie Herr Lobet Taubes ans Kolonien und ein bekannter, tapferer, junger Mann ans Rohatyn theilnahmen, Herr Taubes und der Zweite besprachen unter großem Beifall der Anwesenden die Idee des Zionismus, und haben die zündendenden, von wahrhafter Begeisterung getragenen Worte, in viele, sehr viele Herzen den Funken der heiligen Idee des Zionisinus entfacht. Es sind Viele als Mitglieder beigetreten und es wurde beschlossen, für die heilige Sache tupfer milzuarbeiten. Irr den Vorstand sind gewählt: Rabbiner Asriet Landau als Ehrenpräsident, Mechel Leib Hecht als Präsident.

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