Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 10 (6.8.1897)
- Article
- Braila [Nachricht]
- Date
- 1897-08-06
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10. Seite 11. betretenen Bahn fortzuschreiten, und ihre ganze Kraft einzusetzen, um dem jüdisch-nationalen Gedanken zum Siege zu verhelfen." Die Versammlung, in der dieser Beschluß gefaßt wurde, war nächst dem vor einigen Monaten in Galatz abgehaltenen Delegirtentage die imposanteste Manifestation des Zionsgedankens, die je in Rumänien erlebt wurde. Der Saal war eine Stunde vor der angesagten Zeit dicht gefüllt. Kopf an Kopf stand die aus mehr als 1200 Personen bestehende Menge (die der Saal nicht fassen konnte, postirten sich draußen an den Fenstern) und wartete auf das Eintreffen der drei Congreßdelegirten. Einundzwanzig jüdische Vereine waren tu corpore erschienen, auch der aus Damen der Elite bestehende Vorstand der neugegründeten jüdischen Mädchenschule „Zion" hatte vier seiner Mitglieder entsendet, um in öffentlicher Versammlung zu documentiren, daß die jüdische Frau dem Kampfe der Männer um Ehre, Freiheit und Glück nicht fernsteht. Das hat auch die Aufmerksamkeit bewiesen, mit der die jüdischen Frauen, die die Galerien dicht gefüllt hatten, den Berathungen folgten. Erhebend war die Art und Weise, wie die Jugend zu dieser Versammlung Stellung nahm. Unaufgefordert und nur ihrem eigenen Drange folgend, stellte sich eine Anzahl intelligenter, begeisterten junger Zionisten dem Vorstande zur Verfügung. Es war eine Freude, mitanzusehen, wie wacker sie gearbeitet haben, um dieser Versammlung in allen Details zu einem glänzenden Erfolge zu verhelfen. Ausschließlich mit ihnen beschäftigte sich Herr Ellmann in der Eröffnungsrede. Sie haben ihn gewiß verstanden, als er ihnen sagte: „Hofft nicht, wo es keine Hoffnung mehr gibt. Ihr seid schamlos betrogen worden, betrügt Euch nun nicht selbst. Täuscht Euch nicht, wo Selbsttäuschung ein Verbrechen wäre. Hat man das Gift solcher Lehren in Eure jungen Herzen geträufelt, um Euch Eurem Stamme zu entfremden und seine glorreiche Vergangenheit vergessen zu machen, so reißt Euch das schleichende Gift mit eigener Hand aus dem Herzen. Die Operation wird schmerzhaft fein; aber Ihr seid jung und werdet es rasch verwinden. Die Geschichte der Dispora ist mit Blut geschrieben; schreibt keck und kühn „Ende" darunter und schlagt den Deckel dieses Buches der Leiden und des Jammers zu. Sprecht es aus, frei, stolz und offen, daß Ihr das Land Eurer Ahnen, Euer Land zurückhaben wollet und Ihr werdet es haben. Man sagt: „dem Mnthigen gehört die Welt" — habet den Math, jenes kleine Stückchen Erde dieser großen weiten Welt zu verlangen, für das Andere nur ein Gefühl der Pietät haben, das für Euch aber Alles ist, das Ziel Eurer Sehnsucht, der Traum Eures jungen Lebens. Wollt es nur ganz und voll und Ihr werdet es haben, das meerbespülte Vaterland, das sehnsuchtsvoll seiner Kinder, seiner heimkehrenden Kinder harrt und mit ihm das Ende aller Judennoth, alles Judenelendes und aller Judenschmach." Der Beifall, mit dem die Jugend die Ausführungen des Redners belohnte, ist ein deutlicher Beweis, das unsere Jugend sich selbst wiederzufinden beginnt. In hochernster und eindringlicher Weise sprach Herr Dr. Lippe, der alte Mann mit dem jungen Herzen. Herr Rosenbaum geißelte in einer interessanten, geistvollen Rede die Stellung, die die dem Zionismus feindlichen Elemente einnehmen, mit einem kraftvollen Seitenhiebe gegen die Pseudozionisten, die Assimilanten von gestern und Gegner von morgen, und Herr Pineles, unser alter Freund und weiser Rathgeber, die Säule des praktischen, arbeitenden, unaufhaltsam nach Vorwärts drängenden Zionismus, ließ seine kurze, aber markige Rede ausklingen in dem gewaltigen Refrain: „Kein Staat im Staate, sondern ein Staat unter den Staaten! Judäa den Juden!" Das Herz, die Seele, der Geist des Zionismus hat gesprochen. Stolz und frei und deutlich hat er noch einmal gesagt, was er will. Die Herren in Basel haben das Wort! Schweiz. - Zürich. (Orig.-Corr.) In der Synagoge Zürich- Außersihl hielt am Sonnabend den 31. Juli Herr Doctor F a r b st e i n einen Agitationsvortrag über Palästina und den Zionismus. Demnächst soll hier eine jüdische Volksviersammlung behufs Stellungnahme zmn Zionisten-Congreß stattfinden, England. London. (Orig.-Corr.) Die Nachricht, daß Juden in der Transvaal -Republik keine bürgerlichen Rechte geitießen, hat hier großes Aufsehen erregt. In Johannesburg ivurden nämlich unlängst öffentliche Versammlungen abgehalten, um von der Regierung die Gleichberechtigung der Juden zu verlangen. Jaffa. (Orig. Corr.) Die Frage des hebräischen Schulunterrichtes, die für ganz Palästina und überhaupt dyn jüdischen Orient von unzweifelhafter Bedeutung ist, hat für Jaffa seine besondere Wichtigkeit. Ganz abgesehen von der Nothwendigkeit ein einigendes sprachliches Band für die Juden der verschiedenen Länder zu haben, die sich in unserer Stadt seit etwa einem Jahrzehnt sässig gamacht haben, kommt der llmstand sehr in Betracht, daß die hiesige jüdische Bevölkerung auch keine andere Sprache im Schulunterricht wünscht. Bisher war der Unterricht in den beiden hiesigen Schulen (Knaben- und Mädchenschule) getheilt, so daß ein Theil des Unterrichts in französischer und ein Theil in hebräischer Unterrichtssprache stattfand. Besonders das Pariser Bureau der Alliance Israelite linivprsdie drängte darauf, dem Fränzösischen mehr und mehr den Vorzug vor dem Hebräischen zu geben. Jetzt kam nun Herr Benedict, der Schulinspektor der Alliance, nach Jaffa, um auch die hiesigen Schicken zu inspirieren. Er fand dabei den im Hebräischen ertheilten wissenschaftlichen Elementarunterricht so vortrefflich, das; er nicht nur auf die bisherigen Forderungen der Alliance verzichtete, sondern zugab, hem Hebräischen noch einen größeren Raum als bislang zu geben. A e rbstchr* rstbe i xx i rösch ct ix. „The Jewish Exponent" von Philadelphia hat in seinen Spalten eine neue Rubrik eröffnet: „The llouse of Israel“ (Das Israel >. In derselben will er seinen Lesern die socialen und politischen verhall nisse der Inden in aller Herren Ländern darstellen. Er beginnt mit den Inden in tzöalizien. Der Autor scheint über dieses traurige Eapitel sehr flul insormirt zu sein. Es entgehen ihm weder die kölka rolnicze, noch die Indolenz der Hansjnden des Polenclubs, „die im Parlamente so schweigen, wie wenn sie ihren tzilaubensgenossen in tzöalizien gegenüber gar keine Verpflichtungen hätten". Die Ausführungen des Verfassers gipfeln in Folgendem: „Ift'S ein Wunder, wenn unter diesen Verhältnissen die jüdische Jugend, die den intelligentesten und fortgeschrittensten Theil der galizischen Iudenschaft bildet, mit Begeisterung dem Zionismus huldigt? Diese jü dische Jugend ist entschlossen, sollte sie einmal gezwungen sein, anszn tvandern, dem Beruf ihrer Ahnelt wieder nachzugehen, in dein Land wo einst Milch und Honig flog! Der Zionismus ist die leuchtende Fenersänle am finsteren Horizont der galizischeu Iudenschaft." Die .»Pall Mull Gazette" vom 29. Juli lSpecial Edition» bringt ein ausführliches Interview ihres Wiener Special Eorrespondenten 'nnt Dr. Herzt über den Zionismus und über den Eongreg in Basel. Die „National-Indische Bereinigung für Deutschland" versendet die Nr. 3 ihrer Eorr. Dieselbe enthält einen Bericht über den Delegirtentag in Bingen, sowie interessante Mittheilnngcn zur Organisation in Deutschland. Der Eorrespondenz ist auch ein Thesen Vorschlag des llniverfitätsprofessors Schapira in Heidelberg angeschlossen. - Im Jerusalemer ,»Huzwi" veröffentlichte unlängst Josef A i ego' Leiter der Ackerbauschnle in Jaffa einen interessanten Aufsatz über die ^Niederschläge in Pnlaestina". Er verweist an der Hand einer Tabelle darauf, dag in Palaestina in der Regenzeit oft größere Wasser meugen fallen als in den russischen nud französischen Ebenen. Fangen die Regen früh an, so hören sie auch früh auf. kommen