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Die Welt · 1897-08-06 · 10 (6.8.1897) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
10 (6.8.1897)
Article
Lemberg [Nachricht]
Date
1897-08-06
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10. jto^vwtr Nr. 10. sehr interessante Enthüllungen gebracht über die Gründe, aus welchen die Herausgeber des in der letzten Zeit antisemitisch gewordenen hiesigen Tagblattes „Dzieniiik Polski" diese Schwenkung vollzogen haben. Es wird darin verwiesen auf die Aeußerung eines Herausgebers gegenüber einem Advokaten, wonach den „Dziennik" nur der Antisemitismus retten könne und auf gewisse Wechsel ohne Rückzahlungsbedingung der Herausgeber an die — „Kahalwirthe". Dadurch soll nämlich bei den Herausgebern ein weiterer Appetit entstanden sein nach neuen — Wechseln. Demgegenüber erklärte der „Dziennik", daß ihm nur der Cultusvorständ 18.(KO fl. jährlich für drei Jahre angeboten hat, wenn er schweigen werde. Wäre dies wahr, so würde es doch die Oesientlichkeit interessiren, zu wissen, ob Herr Präsident von Horowitz und Herr Mce-Präsident Dr. Byk dieses Geld aus eigenen Taschen oder etwa aus den Cultussteuern zahlen wollten. Die Redaction soll auch die Ehrenbeleidigungsklage überreicht haben. Die „Przysztosc" wird den Wahrheitsbeweis antreten. Es wird sich zeigen, für was für Zwecke angesichts unseres schrecklichen Judenelends die Herren Horowitz, Byk und Consorten denn doch Geld haben. Czcrnowitz. (Orig.-Corr.) Der neuerwählte Rector, Professor Dr. H i l l b e r g hat seiner national-jüdischen Gesinnung wiederholt in offener und entschiedener Weise Ausdruck verliehen. So hat er im Jahre 1892 aus Anlaß der Maccabäer Feier an den hiesigen akademischen Verein „Hasmonäa" folgende Zuschrift gerichtet: „Löbl akad. Verbindung „Hasmonäa"! Der Tod meines Töchterchen und die schwere Erkrankung meiner Frau verwehren es mir leider, dem Festcommers der „Hasmonäa" beizuwohnen. Indem ich für die Beilcidskundgebung, welche mir von Seite der „Häsin onäa" zuging, meinen wärmsten Dank ansspreche, bitte ich die Versicherung entgegcnzunehmen, daß meine Sympathien stets jenen zugewandt bleiben werden welche mitten in der Hochflut des Antisemitismus mit erhobenem Haupte und offener Stirne sich als Juden bekennen. Seien Sie überzeugt, daß ich, selbst wenn ich nicht Jude wäre, an dem wahrhaft männlichen Sinn, welchein der Gedanke entsprang, die „Hasmonäa" ins Leben zu rufen, herzliche Freude empfände. Denn welchen Mann, der das Herz ans dem rechten Fleck hat, sollte es nicht wohlthuend berühren, wenn er sieht, wie eine Schaar junger Männer es unterniiimit, die Fahne ihres Volkes, welche in Koth und Schmutz versunken schien, aufs Reue zu erheben und zu kntrvllen? Harren Sie wacker aus, meine jungen Freunde, eo viele Ratten es auch geben mag, welche die Zeit getoinmen glauben, das sinkende Schiff zu verlassen. Das Schiff des Judenthums ist durch all' die Jahrtausende nicht gesunken es wird wahrlich auch jetzt nicht sinken. Sorgen Sie nur dafür, daß es ihm an wetterfester, seesüchtiger Bemannung nicht fehle. Die „Froschmolluskenbrei- Raturen" tum mich eines Platen'schen Ausdruckes zu bedienen) mögen dann immerhin über Bord springen. Ihr aufrichtig ergebener H i l l b e r g." Prof. H i l l b e r g war zu jener Zeit Decan an der philosophischen Facultät. Ein Jahr später erschien er wieder in Begleitung des damaligen Rectors Dr. tlieol. Wojucki zum Eröffnungsabend des „Harmonäa". Rector Wojuckj sagte u. A.: „Das jüdische Volk hat nie aufgehört, eine Nation zu sein; das jüdische Volk ist eine Ration per eminentmm." Im Anschlüsse daran hielt Professor Hillberg eine zündende nationale Rede. Ich glaube, daß der Hinweis auf die Gesinnungen unseres neugeivählten Rectors nicht uninteressant sein dürfte, zu einer Zeit, da sich so manche Juden hinter ihren „Patriotismus" verstecken. Deutsches Reich. Berlin, den 1. August. (Orig.-Corr.) Gestern abends versammelte sich die Berliner zionistische Gruppe, um zum Baseler Congreß Stellung zu nehmen. Das Referat erstattete Herr W. Bambus. In längerer Rede entwickelte er seine bekannten abfälligen Ansichten, über den Congreß und über den politischen Zionismus, und wies auf den Schaden hin, den angeblich schon die bisherige Bewegung für den Congreß verursachte, indem sie so viele einflußreiche und vermögende Privatleute und Corporationen von der Unterstützung der Colonisation Palästinas abgeschreckt habe. Am Schlüße seiner Ausführungen stellte er den Antrag: „Die hier versammelten Zionisten, die gegenwärtig in Berlin weilen, stehen auf dem Standpunkte, daß das beste Mittel zur Erreichung zionistischer Ziele die Colonisation Palästinas ist. In einem Conflicte zwischen politischem Zionismus und Colonisationsarbeit treten wir für die Colonisation ein." An diesen Antrag knüpfte sich ein zweiter, es möge, da man eigentlich noch immer nicht wisse, was der Congreß wolle, die Stellungnahme zu demselben, respective die Wahl eines Delegirten verschoben werden. (Zwischenrufe: Bis nach dem Congresse, wie?) Herrn Bambus erwiderte zunächst Herr S. Lublinski. Derselbe vertrat energisch den Standpunkt der Publicität der zionistischen Bewegung. Rur durch die Gewinnung der öffentlichen Meinung und die daraus sich nothwendig ergebende Einwirkung auf die Großmächte sei der Zionismus zu realisire». Der Redner schloß mit dem Anträge, die Versammelten mögen einen Delegirten zum Congresse entsenden der dort für die Ideen des politischen Zionismus eintrete, - Hierauf sprach Herr L. Mozkin. Seine kürzeren gediegenen Ausführungen gipfelten in dem Beweise, daß die bisher in Deutschland und auch in Rußland befolgte Methode des Jnfiltrirens zu lächerlich geringen Resultaten geführt und die Bewegung in den Kreisen der jungen Intelligenz discreditiert habe. Herr Bambus hielt nun gegenüber dem Vorredner seinen Standpunkt aufrecht. Sohin sprach abermals Herr Mozkin. Herr Bambus beantragte hierauf, die Debatte wegen der vorgerückten Stunde zu vertagen. Dieser Antrag wurde mit allen gegen vier Stimmen abgelehnt. Und nun nahm Herr L. Estermann das Wort, ui», nnknüpfeiid an die Ausführungen des Herrn Bambus über die Stimnmng der Colonisten in Palaestina, in einer sehr wirkungsvollen Rede auf Grund der Aussage eines sehr authentischen Zeugen die wahre Stimmung der Ansiedler gegenüber dem Wohlthätigkeitszionismus und die wahre Gestalt der von den Wohlthätern in Palaestina etablirten Wirthschaft zu schildern. Es sprachen noch Herr S. Lublinski, der den Argumenten des Herrn Bambus entgegentrat, und Herr Auerbach, der erklärte, daß er schon lange von der Unthätigkeit im Berliner zionistischen Lager unbefriedigt sei und daher das nunmehrige offene A uftreten freudig begrüße. Rach Schluß der Debatte wurde ein Antrag des Herrn Ester mann, einen Delegirten mit dem Aufträge, die Zustimmung der Berliner Zionisten zum Congresse auszudrücken, nach Basel zu entsenden, mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Hierauf wurde Herr Dr. Nathan Birnbaum einstimmig zum Delegirten gewählt. Rumänien. Braila. (Orig.-Corr.) Die hier am 18. Juli, in Anwesenheit der Congreßdelegirten, Herren Samuel Pineles— Galatz, Dr. K. Lippe—Jassy und H. Rosenbaum — Piatra, abgehaltene und von mehr als 1200 Personen besuchte jüdische Volksversammlung hat den Vorstand der „Chowewe Zion", Section Braila, aufgefordert, folgende Erklärung zu veröffentlichen und an alle Comit^s des Landes zu verschicken: „Die am 18. Juli in Braila abgehalteue jüdische Volksversammlung erblickt in der Verwirklichung des H erzl'schen Projectes, der Gründung eines suzerainen jüdischen Staates, die einzige Möglichkeit einer Erlösung der Juden aus zweitausendjähriger nationaler und socialer Schmach nnd fordert alle Vorstände der „Chowewe Zion" in Rumänien und insbesondere die anwesenden Congreßdelegirten auf, mit unerschütterlicher Treue und unentwegtenr Mannesmuthe auf der

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