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Die Welt · 1897-08-06 · 10 (6.8.1897) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
10 (6.8.1897)
Article
Antisemitische Seelsorger in Tirol [Nachricht]
Date
1897-08-06
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 10. „Pi?£* Seite 9. nähme von getauften Juden in den Kreis der Führer irgend einer christlich-socialen Bewegung! Dieser Kampf ist unerläßlich, wenn nicht der Antisemitismus verwässert werden, um sein Ansehen gebracht werden soll. Wenn Jemand in demselben einen Verstoß gegen die katholische Lehre erblickt, so sage man ihm einfach: „Gehen Sie und lernen Sie diese erst kennen!" Der Antisemitismus stützt sich aus die Charaktereigenschaften des Judenvolkes. Das katholische Dogma lehrt aber nicht mit einer einzigen Silbe auch nur den mindesten nothwendigen Einfluß selbst der aus Ueberzeugung empfangenen Taufe auf den Charakter des Empfängers." Eine merkwürdige Temprrlizlcrst:ömulig in der deutschnatioilal-alitisemitischcli Partei. Man wird den Kopf schütteln, man wird ungläubig lächeln — aber es ist doch wahr. Unter den deutschnationalen Antisemiten beginnt eine Bewegung aufzukeimen, die mit den ehrwürdigsten, ältesten Volkstraditiouen grausam zu brechen gedenkt, mit Traditionen, die schon dem alten Tacitus ein „Ah" der Bewunderung an beiden Ufern des Rheines abgezwungen haben. Man wird den Kopf schütteln, aber es ist doch wahr — in den deutschnational-antisemitischen Kreisen ist eine bierfeindliche Strömung erwacht. Der Bierhaß, das ist die neueste Etappe in der gegenwärtigen deutschnationalantisemitischen Begeisterungsperiode. Diese sonderbare, allen völkerpsychologischen Erfahrungen hohnsprechende Thatsache erscheint noch hohnsprechender, wenn man erfährt, daß diese Feindschaft ihre gegnerische Spitze gerade gegen eine Biersorte richtet, die einen wohlverdienten Weltruf genießt und bei allen feuchtfröhlichen Gemüther« hoch in Ansehen steht — gegen das Pils euer Bier. Gegen das Pilsener Bier ivird ein erbitterter Bierboykott angeregt. Warum? Weil das Pilsener verczecht und verjudct ist. Den „Leipziger bleuesten Nachrichten" schreibt man in einem Reisebericht aus Deutschböhmen: „Weg mit dein Pilsener Bier! Jeder weiß, daß Pilsen zu einer der Hochburgen des Czechenthums geworden ist, deshalb der iinmer mehr verstärkte Ruf: Weg mit dem Pilsener Bier! Denn sowohl die Actienbrauereien, wie das bürgerliche Bräuhaus in Pilsen sind vertschecht, die Actienbesitzer der beiden Unternehmungen, vornehmlich Juden, haben es sogar so weit gebracht, daß u> den weiten Etablissements kein deutsches Wort gesprochen wird." Bedaueruswerthe Pilsener Hefepilze! Durch eine» wohlorganisirten, nationalen Gurgelstrike werden sie aufs Aussterbeetat gesetzt! Zungen, welche noch von einem begeisterten Heilo erbeben, wollen sich nicht im nächsten Momente von einem verczechten, verjndeten Biere entweihen lassen. Es ist das ein erschütterndes Capitel Tragik aus der Weltgeschichte der Biersorten. Eine Biersorte, auf der der unverschuldete Fluch eines jüdisch-czechischen Geburtsfehlers lastet, muß die eherne Undankbarkeit eines Volkes empfinde», das seit Ur-urelternzeiten von den hingebungsvollsten Wohlthaten dieser Biersorte zehrt. Der alte Fluch des Judeuthnuis. Der Jude ist der Midas, der durch seine Berührung das Genießbarste und Leckerste in eine ungenießbare Masse verwandelt — ungenießbar für die Antisemiten. Dieser Fluch hat es zu Stande gebracht, daß der Durst, jenes allgemein zu Rechte bestehende physiologische Phänomen, welches alle» Staubgeborenen ohne Unterschied des Glaubens und der Nakionalität von Gott tief eingepflanzt wurde, daß dieser internationale Durst in einzelne streng nationale Dnrstfractione» zerzaust wird, die sich in der häßlichsten Weise befehden. Da zeigt sich wieder die zersetzende Kraft des Judenthums. Oesterreich Ungarn. Tesche». (Orig.-Corr.) Ein neuer Beweis für die Berbreitungsfähigkeit des Zionismus! Die jüdischen Abiturienten des ganzen Kronlandes Schlesien veranstalteten am 27. Juli eine» zionistischen Commers. Wie überall, hatten es auch hier die Großjuden versucht, das Zustandekommen der Versammlung zu verhindern. Sie gingen sogar soweit, den jungen Leuten Geld anzubieten. Mit solchen Mitteln sucht man den jüdischen Geist in der Jugend zu kräftigen! Zur Ehre der jüdischen Bürgerschaft sei es jedoch hervorgehoben, daß diese Machenschaften der Großjuden allgemeine Entrüstung hervorgerufen haben. — Zum Commerse hatten sich über 400 Personen eingefunden, darunter Delegirte ans Friede!, Ostrau, Königsberg, Kremsier, Bistritz, Olmütz, Brünn und Krakau, ferner die Verbindungen Jvria und Emunah. Begrüßungstelegramme waren von allen Studentenvereinen und vielen Zionsvereinen eingelangt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Präses, Herrn Ru den stein, ergriff Herr Roth bl um (Bielitz) das Wort zur Festrede, indem er den Zionismus vom Standpunkte des utile honestum, verum besprach. Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen. Herr Kleinberg (Teschen) entwickelte in einer längeren, öfters von Applaus unterbrochenen, Rede das Wesen und die Bestrebungen des Zionismus. Der Vertreter der Verbindung Jvria", Herr eaiul. ,sur. Lanzer beglückwünschte die Abiturienten zu ihren Erfolgen und zeigte ihnen, was ein zionistischer Student zu lernen und zu thun habe, um allen Pflichten gegen sein Volk gerecht zu werden. Hierauf sprachen noch Herr Ingenieur 4t ach er namens der „Emunah", der in kernigen Worten den sogenannten Deutschnationalismus der Juden geißelte, und Herr Spitz (Bielitz), der ans die Gäste und ans die „Jvria" toastirte. Der gemeinsame Commers der jüdischen Abiturienten des ganzen Kronlandes bedeutet einen großen Fortschritt unserer Bewegung in Schlesien und hat den Beweis erbracht, daß die Ideale der jüdischen Jugend immer noch Raum finden in den Herzen der Alten. Die akademische Verbindung „Jvria" veranstaltet ivie alljährlich auch heuer in allen größeren Städten Wanderversammlungen, um den Zionismus zu propagieren. Krakau. (Orig.-Corr.) Mit dem hiesigen Tagblatte „Dziennik Krakowski", das dieser Tage nach anderthalbjährigem Bestände an tllbonnentenschwindsncht eingegangen ist, verschwindet in Galizien die letzte Säule des Assimi lationsschwindels. Als vor einigen Jahren neben dem clericalen „<tzas"und der „demokratischen" „Kawa Rei'orma" der antisemitische „0ios Narodu" entstand und es in einer kurzen Zeit zu einer immensen Verbreitung brachte, da sahen die Spitzen unserer „Intelligenz" kein anderes Mittel, um die erregten jüdischen Gemüther zu beruhigen, als daß sie ein eigenes Blatt, ein Tagblatt gründeten. Etwa ein jüdisches Blatt? Nein! Nur ein „Judenblatt" im ärgsten Sinne dieses Wortes; ein Blatt mit einem jüdische» Chef- Redacteur und einem jüdischen RedactionSstab, die sich jedoch nix zu d'erkennen" gaben. Sie machten im polnischen Patriotismus und belehrten sogar den „Czas" über seine nationalen Pflichten. Sie liebäugelten mit StojalowSki und hatten daneben „auch" das antisemitische Tagblatt zu be kämpfen. Außerdem kokettirte das Tagblatt noch mit Daszynski und war radical. So zu sagen — ein Ding für Alles. Und schließlich war cS nichts. Den Polen ivar es nicht polnisch, den jüdischen Massen blieb es unverständlich und den regierungsfreundlichen Kahalmünnern mit den .Knopflochschmerzen mar es zu socialdemokratisch. So mußte es nun eingehen. Sein Eigenthümer, ein jüdischer Advocat profitirte davon so viel, daß er als „radicaler" Candidat bei den Wahlen in den Reichsrath! l.'i.', Stimmen erhielt. Run heißt es, daß der „Dziennik" in nächster Zeit wieder ausleben soll, denn unser Cultuspräsident, auch ein Advocat, hat ähnliche Schmerzen. Der ganze Gesichtskreis unserer „Intelligenz" bewegt sich ja nur um zwei Punkte: Knopfloch und Mandat. Lemberg. (Orig.-Corr.) Ein sensationeller Schwurgerichtsproceß steht in der nächsten Zeit bevor. Unser hiesiges Parteiorgan „Przyszlosc" hat in seiner letzten Nummer

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