Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 10 (6.8.1897)
- Article
- Cultur in Procenten [Nachricht]
- Date
- 1897-08-06
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8. Nr. 10. manche russische Mittelschuldirection zu Gunsten der besonders talentirten Kinder diesen Percentsatz zu überschreiten. Nunmehr eröffnete der Direktor des Gymnasiums zu Poltnwa den anstürmenden und wegen der Zukunft ihrer Kinder besorgten Eltern, daß dasselbe vom russischen Ministerium für Volksunterricht mittelst des Circulars vom 30. Oktober ' 1896 alle» Mittelschul-Directionen neuerlich eingeschärft wurde, in keinem einzigen Falle den 10°/« resp. 5°/« Satz zu überschreiten. Auch werden künftighin die diesbezüglichen Gesuche an das Ministerium nicht angenommen werden. Ritter Georg. Bei einer deutschnationalen Landwirthversammlung i» Theusing appellirte Schönerer an die Anwesenden, mit allen Kräften auf die Beseitigung des jüdischen Einflusses in allen Gebieten des öffentlichen Lebens hinzuarbeiten. Gerade da zeige es sich, wer Anspruch habe auf den Namen eines Patrioten. Ein wahrer Patriot müsse bereit sein, nicht nur gegen die äußeren Feinde zu kämpfen, sondern auch gegen diejenigen Feinde, die dem Volke im Innern erstehen, es benachtheiligen, übervortheilen, ansbente», enteignen und demoralisiren bei jeder Gelegenheit. /Minutenlanger Beifall.) Ei» nachträglich aufgcdecktcs Verbrechen der Egerer Juden. Es läßt sich nicht länger verheimlichen die Sonne bringt i'v an den Tag. Ans Böhmen kommt die Hiobspost, das; die Egerer „Israeliten" beim berühmten Volkstaq ihre Häuser nicht beflaggt haben. Traurig, sehr traurig, aber wahr. Das niederschmetternde Ja et um , wird in seiner weittragenden Bedeutung von deulschböhmischen Blättern genügend geivürdigt, d. h. verdammt. Auf antisemitischer Seite ist man sich über die unglaubliche Schwärze der Missethat vollständig im klaren: und erst ans liberaler Seite! - Ein liberales Blatt meint, wenn die Inden schon nicht schwarz rot!) goldene Jahnen heranshängen wollten, so hüllen sie doch wenigstens einen Blumenschmuck an ihren Häusern anbringeu sollen. Sehr richtig! Blumenschmuck! Etwa Kornblumen, große, schreiend blaue ftrünze \u Ehren Schönerer's, Iro's. Sl. H. Wols's. Warum waren keine Kornblumen da?!! Eine echt jüdische Taetlosigkeit. , So etwas kann den liberalsten Schönerer in einen ft. H. Wolf ver tvandeln. Die Sehnsucht nach judenreinen Neckstangen hat den Äscher Turnverein, einen der größten Vereine des Egerlaudganes, ,;uin ZÜnslrilt aus der deutschen Tnruerschast bewogen. Tie 800 Mitglieder des genannten Vereines empfinden es nänklich tief schmerzlich, daß auf dem VII. demschosterreichischen ftreistnrnfeste die Inden nicht ans den Neiden der deutschen Turner endgiltig hinausbefördert wurden! Ja, die Inden haben es sogar gewagt, dieses Je st dadurch zu ertweihen, - daß sie sich Preise Hollen. Das darf nicht mehr länger so fortgehen. Ein echter Heilotnruer macht mit keinem Juden auf einem Neck die ftippe. Tiefer Stimmung gibt auch die „D.!)i." ^lnsdruck: „Es ist lies zu bedauern, daß auch heute noch, in einer Zeit, die von jedem einzelnen ■ unserer Volksgenossen die strammste Auffassung seiner nationalen Pflicht erfordert, das Indenthum als störendes und trennendes Element sich au die deutsche Tnruerschast berandrängen kamt, noch bedauerlicher aber, daß es noch Teutsche gibt, welche es über sich bringen, der turnerischen Indengemeiuschait das Wort ,;u reden und so die in schiveren politischen ftämpsen gewonnene nationale Einigkeit der Tentschen Sesterreichs neuerlich zu gefährden. In gewissen liberalen ftöpfen scheint es durchaus nicht hell werden zu wollen; sie riskiren einiger Inden tvegen, die nun einmal Iremdlinge sind und bleiben, und selbst von ihren Freunden in der Praxis nicht anders betrachtet werden, die außerdem für einen wahrhaft deutschen Turnbetrieb geradezu schädlich sind, den Bruch der guten Beziehungen mit ihren dentschnationalen ftampsgenosseu oder stärken zum Blindesten das Mißtrauen in die nationale Ausdauer der Liberalen, das ja nie geschtvunden ist. Unsere koscheren Turner bleiben nach nüe vor, dank der Schlappschwäuzigkeit vieler deutscher Turner in der deutschen Tnruerschast. Erringen wir den Sieg «über die Gegner des Deutschlhums> nicht ohne die Juden, können wir uns nicht selbst helfen, so sind wir überhaupt des Lebens nicht wertst Mit Hilfe der Inden einen Sieg zu erringen, wäre unwürdig, schmählich, beschämend. Tarum müssen sich auch national gesinnte Turner selbst helfen, sie müssen Elemente, die nndentsch und verjudet sind, ans ihren Ä'eihen entfernen, sie dürfen nicht ruhen, bis nicht in der edlen deutschen Turnsache eine reinliche Scheidung vollzogen ist. Mögen unverbesserliche Iudeufreunde als unver stündliche, unehrliche Aufputzdeutsche mit ihren Indengeuossen allein bleiben, unter deutsche Turner gehören sie nicht." Auch andere Turnvereine des Egerländer TnrngaueS wollen ,jid) dem Äscher Verein aiisch ließen. Antisemitismus im Czechenlande. Von dem Umsichgreifen des Antisemitismus unter den Ezechen gibt folgende Reflexion der „Kathol. Listy" Zeugnis;: „Schon EhristuS rügte ziemlich oft scharf die Juden und jagte sie wegen betrügerischen Handels aus dem Tempel. Unser Erlöser kannte ihren Eharakter vollständig und verurtheilte streng ihre Excesse, ihre Eorrnptiou, ihre niedere Denkweise und gab so selbst ein erhabenes Beispiel des Antisemitismus. TaS ganze Ehristenthnm ist ein ftampf nicht nur gegen die Heiden, sondern auch gegen das - Indenthum, an dessen Niederwerfung die ganze christliche Welt theoretisch und praktisch seit achtzehn Jahrhunderten arbeitet. Das Indenthum schien bisher unverwüstlich, woran allerdings die Christen durch ihre Sauinseligkeit und ftülte gegen die Interessen des Glaubens und der Nationalität Schuld tragen. Der Antisemitismus ist das Princip und das Wesen des Christenthums. Tie christliche Bevölkerung wird von den Juden ausgesaugt, der Jude arbeitet auf der ganzen Linie fiir sich und auf ftosten der Menschen, unter denen er lebt. Das jüdische Capital, der jüdische Handel, die jüdische Unternehmungslust im Großen, alles das arbeitet auf unser Verderben hin seit Jahrhunderten, deshalb ist der Antisemitismus keine Furcht, sondern ein Schutz vor den Inden." Aufgefundene Inschrift. Der Pariser Academie des inscriptions theilt Sotto, Direktor des archäologischen Museums von Faro, der südlichen Hauptstadt Portugals, eine interessante hebräische Inschrift mit, welche daselbst in einer Sandgrube gefunden wurde. Die Inschrift ist genau datirt. Sie stammt aus dem Jahre 1315 und ist die älteste dieser Art auf der Pyrenäenhalbinsel. Sie erwähnt mit Auszeichnung einen „ehrwürdigen" Rabbi Joseph P o t o m a l und muß als Grabschrift gedient haben. Das Dokument zeigt, daß schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts fünfundsechzig Jahre nach der Vertreibung der Araber aus Algarve und der Eroberung Faros durch die Portugieser, die Israeliten daselbst eine öffentlich geduldete, stark organisirte Gemeinde bildeten. Ihre heutigen Nachkommen haben die Inschrift sofort erworben und an der Mauer ihres Friedhofes angebracht, so daß Direktor B o t t o sie nicht mehr für sein Museum gewinnen konnte. Unser Gkfiiiiluiigsgriiossc Dr. Haffkinc, der mit einer heroischen Selbstaufopferung in Indien die Pest bekämpft, hatte erst dieser Tage die Gelegenheit, die Professoren Koch und Gaffky iu der verpesteten Ortschaft Damaon . von den günstigen Resultaten seiner Schutzimpfungen zu überzeugen. Die Gelehrten äußern sich darüber in ihrem Berichte, wie die „Deutsch, med. Wochenschrift" mittheilt, folgendennaße»: „Dem Haffkineschen Verfahren" heißt es in dem Berichte der Commission, „ist eine hohe Schutzwirkung zuzuerkennen, was auch durch die Thierversuche der deutschen Commission vollständig bestätigt wird Auch wenn das Haffkinesche Jmpfperfahren, das den bereits bekannten Methoden der Schutzimpfung gegen Cholera und Typhus nachgebildet ist, keiner weiteren Verbesserung zugänglich wäre, so würde es sich schon i» seiner jetzigen Gestalt mit Vortheil verwenden lassen zum Schutz von kleineren Bevölkerungsgruppen, ganz besonders aber zur Jmmunisirung von Äerzten, Kraiikemvärtern. Personen, die nlit dsr Reinigung und Desinfektion von Pesthäusern zu thun haben Zur eigentlichen Bekämpfung der Pest in größerein Umfange könnte es nur dann dienen, wenn es zwangsweise ausgeübt wird." Fiir dt» Landtagswahlbezirk Heidelberg-Wirsloch haben die Antisemiten in einer zu Kirchheim abgehaltenen Bertrauensinänner-Versammlung einftiiumig den Fabrikanten W. K ö st e r zum Candidaten bestimmt. Ein antisemitischer Sieg. Wie die Wiener antisemitischen Blätter melden, ergaben die Gemeindewahlen in Odran den Sieg der antisemitischen Candidaten, so daß die genannte, sonst nicht weiter berühmte Stadt jetzt im Besitze einer deutschnational-antisemitischeii Gemeindevertretung ist. Das iicncstc Antiscmitciigrstir» von Hamburg, der Porzellanmaler Raab hat es auch den Gesinungsgenossen im Wahlkreise Flensburg-Apenrade angethan. Er ivurde hier als Candidnt aufgestellt und läßt fleißig für sich agitiren. ' Verschiedene deutsche Blätter sind darüber sehr ungehalten. Natürlich gilt diese Mißbilligung nicht dem Antisemitismus, sondern der Stimmenzersplitterimg, welche infolge einer solchen Sondercandidatur eintritt und die Wahl eines Dänen oder gar — liorribile dietu — eines Socialdemokraten ermöglichen könnte. Antisemitische Seelsorger in Tirol Ein Wiener antisemitisches Blatt erhält von einem Caplan aus Tirol folgendes Schreiben: „Geehrte Schriftleitung! Meine vollste Beistimmung zu Ihrem entschiedenen Kampfe gegen die Auf-