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Die Welt · 1897-08-06 · 10 (6.8.1897) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
10 (6.8.1897)
Article
Die Berufsstatistik der Juden in Deutschland [Nachricht]
Date
1897-08-06
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 10. Seite 7. Beruf (Gehilfen, Lehrlinge und Fabrikspersonal Landwirthschaft, Gärtnerei 3307 1666 Hotelu. Gastgewerbe 4757 1881 Bekleidung u. Reinigung 18011 6731 Baugewerbe 1775 ' 607 Polygraphische Gewerbe 1125 509 Waarenu. Productenhandel 109140 35322 Außerdem leben in Deutschland vonr Hausirgewerbe 3117 5 und als Gesinde für häuslichen Dienst 6371 Juden. Als Lohnarbeiter fristen 887 Juden ihre Existenz; 39676 Personen haben gar keinen Beruf. Man ersieht daraus, wie „gefährlich" der Zionismus für diese Tausende proletarischer Existenzen ist. Am Ende sind auch diese Ziffern nichts anderes als „Symbole". Oder sind sie vielleicht statistische Belege für die Erfolge unserer „Mission"? Ei» jüdisches Mädchen spurlos verschwunden. Der „Pester Lloyd" berichtet: „In der Elisabethstadt bildet seit einigen Tagen das Verschwinden eines schönen jüdischen Mädchens, der Tochter eines Agenten, das allgenleine Tagesgespräch. Erst nachträglich erfährt man, daß das gegenwärtig im 17. Lebensjahre stehende Mädchen im Geheimen vor zwei Jahren den katholischen Glauben angenommen hat. Nur die Mutter des Mädchens hatte hievon Kenntniß. Sie verzieh aber in ihrer Mutterliebe der Tochter, trotzdem diese den Glaubenswechsel ohne Wissen ihrer Eltern vorgenonnnen hatte. Die Art und Weise wie das Mädchen veranlaßt wurde, den Glauben seiner Väter abzuschwöreu, dürfte den Gegenstand publicistischer Erörterungen bilden und auch die behördliche Intervention herausfordern. Das Mädchen lag nämlich vor zwei Jahren krank in einer Klinik, in welcher Nonnen als Krankenpflegerinnen fungiren. Diese wußten auf das Mädchen so einzuwirken, daß es schließlich den Einflüsterungen nachgebend, thatsächlich die Taufe anannahm. Nach seiner Rückkehr ins Elternhaus, unterhielt das Mädchen weiterhin die Verbindung mit seinen einstigen Krankenpflegerinnen. Sehr oft äußerte sich das Mädchen auch dahin, welch ein beschauliches Lehen die Nonnen führen. Die Mutter des Mädchens ist daher des Glaubens, daß ihre Tochter höchst wahrscheinlich in ein Nonnenkloster gebracht wurde. Von der Mutter ist bereits die Anzeige bei der Oberstadthauptmannschaft erstattet worden. Die polizeilichen Recherchen nach dem Verbleibe des jungen Mädchens sind in vollem Zuge. Mehrere Anzeichen sprechen dafür, daß das Mädchen sich in einem österreichischen Nonnenkloster befindet." Der Jude darf nicht einmal krank sein. Dem Krakauer antisemitischen Tagblatt stehen selbst die armen tuberkulösen Juden, die nicht im Stande sind, nach dem Süden oder nach Meran zu fahren, und den galizischen Luftcurort Szczawnica aufsuchen, nicht zu Gesicht. Es läßt sich nämlich von dort schreiben: „Eine Plage für Szczawnica sind die Juden, die zur Cur Herkommen. Der Jude betet nicht nur anders, er curirt sich auch anders. Sein Gebet ist eigentlich kein Flehen, sondern eine Zudringlichkeit und seine Cur geht derart vor sich, daß er einfach der Apotheke, dem Arzte oder der Ortschaft die Gesundheit entreißen möchte. Man beobachte die Juden hier. Der Arzt erklärt dem Juden, daß der Fichtengeruch seinen Lungen zuträglich sei und Ihr könnt überzeugt fein, daß überall im Parke, wo nur eine Bank unter einem Fichtenbauin steht, mehrere Juden sitzen, die mit ihrem Aroma den Duft des Fichtenbaums verpesten. Nicht genug daran, — der Jude geht so weit, daß er die Nadeln abreißt, sie zwischen den Fingern zerreibt und den Duft tief einathniet". Welches Verbrechen! Das Lemberger Organ des Herrn von Abramowicz druckt diese „Correspondenz" mit Befriedigung ab. Ahlwardt macht „Juderrkniffe". Das „Leipziger Tagblatt" schreibt: „In das Gesellschaftsregister des Berliner Landesgerichtes I ist folgende Eintragung geschehen: Ahlwardt L Co. mit dem Sitze zu Berlin, Friedrichstraße 235. Die Gesellschafter sind der minderjährige Erich Ahlwardt zu Groß-Lichtenfelde und der Gastwirth und Kaufmann Emil Bodek zu Berlin. Zur Vertretung der Gesellschaft ist nur Emil Bodek berechtigt Wie oft wohl ' hat der Herr Ahlwardt s«n. in Volksversammlungen es als „Judenkniff" gegeißelt, daß als Geschäftsinhaber Frauen und Kinder bankerotter Geschäftsleute im Firmenregister eingetragen seien, während die Firma unverändert blieb? Wie oft aber wird Herr Ahlwardt 86». in Zukunft unter dem Jubel seiner Zuhörer diesen „Judenkniff" noch geißeln? — Eine Preisfrage ersten Ranges " In dieser Angelegenheit berichtet der „Vorwärts": „Ahlwardt hat Wort gehalten und dieser Tage in dem Hause Friedrichstraße 235 auf dem Hofe seinen Cigarrenhandel etablirt. Jndeß da Ahlwardt ja bekanntlich immer pflegt „auf's Ganze zu gehen", so hat er kein Ladengeschäft oder Detailverkauf, sondern ein En gros-Sogei1 errichtet. Ahlwardt will nur „judenreines Kraut" in den Handel bringen. In Versammlungen soll, wie ein Spaßvogel wissen wollte, gegen das übliche Entree von 20 Pfennig jeder Besucher noch einen der Alwardt-Glimmstengel gratis erhalten,; um etwa in die Versammlungen eingeschlichene Juden auszuräuchern." Die Colonieen in Argentinien — fistirt. Ueber die Baron Hirsch'schen Colonien äußerte sich in der letzten Jahresversammlung der „Anglo-Jewish Association" deren Präsident Claude G. Montefiore folgendermaßen: „Die Colonieen in Argentinien haben das Vertrauen, das wir in sie setzten, nicht gerechtfertigt. Verschiedene Zwischenfülle haben die Colonisten entmnthigt und eine Aera der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit für lange ' hinausgeschoben. Wie Sie im Berichte gesehen haben, hat die Heuschreckenplage auch die letzte Ernte ganz vernichtet. Es ist daher dem Vorstand nicht wünschenswerth erschienen, noch weiter russische Juden nach Argentinien zu senden. An die Zukunft derjenigen, die schon dort sind, wollen wir jedoch nicht verzweifeln." Der Antisemitismus i» der Bahiibedicustctcn-Uilisorm. In der „Staatsbürger-Zeitung" lesen wir folgende aus Berlin datirte Zuschrift: Sehr geehrte Redaction! Unter höflicher Bezugnahme auf die Notiz in Nummer 310 Ihrer geschätzten Zeitung betreffend die „Nichtaufnahme schwächlicher Arbeiterkinder in die Feriencolonien" gestatte ich mir Ihnen folgendes mitzutheilen: Ich bin seit mehreren Jahren auf dem schlesischen Bahnhof beschäftigt und habe stets die Feriencolonieen abreisen und ankommen sehen. Dabei habe ich die interessante Entdeckung gemacht, daß die Hälfte, - wenn nicht gar Zweidrittel der Kinder Angehörige der „deutschen Staatsbürger jüdischer Confession" waren. Diese Wahrnehmung ist auch vielen anderen Personen ausgefallen, und hierbei ist die Bemerkung oft wiederholt worden: „Für die Feriencolonieen gebe ich keinen Pfennig mehr." Falls ' Sie noch Zweifel in die gemachten Angaben setzen, bitte ich Sie, sich bei Wiederkehr der Kinder diese und auch die abholenden Angehörigen persönlich anzusehen, es dürfte dies vollkommen genügen. Ncnc Repressalien in Rußland. Dem „Sibir" entnehmen wir folgende Notiz: „Man beginnt mit Repressalien gegen die Juden nunmehr auch in Tomsk. Die erste Verfügung ' betrifft 800 Familien, die alle einen Jmmobilienbesitz in der Stadt aufweisen können. Als die erste Folge dieser Ausweisung erscheint der völlige materielle Ruin der Betroffenen. Und der Grund der Ausweisnyg? Die Zugehörigkeit zu einem rechtlosen Volke." Ellltur in Proccntcn. Der äußerst geringe Percentsatz der aufzunehmenden Kinder jüdischer Eltern veranlaßte

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