Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 10 (6.8.1897)
- Article
- [Ohne Titel] / Redaktion / Zion
- Date
- 1897-08-06
- Page
- 6 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 6. Nr, 10. (Tribüne. Löbliche Redaction! Durch ein bedauerliches Versehen, ist das Verzeichnis; des Preisrichtercollegiums nur unvollständig angegeben worden. Es hatten ferner die ungemeine Liebenswürdigkeit das Preisrichteramt zu übernehmen die Herren Professor Dr. Kellner, Wien, und Schriftsteller Brainin, Berlin. Auch bitten wir alle zionistischen Vereine durch Anschlag i» ihren Zusammenkunftsorten die Verlängerung des Termines für die Einreichung der Bewerbungen bekannt zu geben. Hochachtungsvoll Redaction des „Zion" An die jüdische Angend! Die Lemberger zionistische Jugend hat folgenden erlassen: nnfvtti „In der Zeit des Durchbruches für das jüdische Volk, da es an der Schwelle einer neuen Epoche steht, darf die Jugend lücht schweigen. Ihre Pflicht ist es vielmehr, an die Seite der Patrioten, der Vertheidiger des arg bedrängten jüdischen Volkes zu treten. Oeffnet das Buch der Geschichte. Blickt hinein. Und erschreckt nicht vor dem Ocean der Thränen, vor der Ungeheuerlichkeit unserer Schmerzen, unsers Unglückes. Schärfet Euer T uge durch den Anblick der Leichen, wendet Euch nicht ab von den neu geschlagenen Wunden, denn nahe, große Thaten harren Euer. Blickt um Euch. Die ganze Welt rüstet zuin Kampfe gegen Euer Volk. An vielen Puncten ist es bereits zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen; in Chordorow, in Schodnica und jüngst in Tarnow ist vor unseren Augen jüdisches Blut vergossen worden. Sollen wir Euch die Bedeutung dieser Erscheinungen erklären? Ihr habt ja selbst Augen und Ihr sehet, wo Freund und wo Feind. Ihr sehet, wie Eure Erbfeinde in die jüdischen Lehmhütten gedrungen sind, alles verheerend, vernichtend. Unser Proletariat geht zu Grunde, unser Mittelstand ist bedroht, unsere Intelligenz hat keinen Morgen, der Besitz ist gefährdet — das ganze Volk kämpft um Leben und Existenz. In diesem .Kampfe muß die jüdische Jugend in den ersten Reihen streiten. Wir sind überzeugt, daß es nur eines Appells bedarf, und sie wird sich stellen. Der Organisation unserer Feinde müssen wir eine Organisation des jüdischen Volkes entgegenstellen. Dieser Organisation brauchen wir uns nicht zu schämen, wir brauchen sie nicht zu verheimlichen: denn ihr Zweck ist die Erlösung des jüdischen Volkes aus seiner Roth, aus seiner Diaspora. Die Mittel sind rein. Sie brauchen das Tageslicht nicht zu scheuen. An der Spitze der Männer, die eine Erlösung der Parias der Völker anstreben, stehen die besten Söhne des jüdischen Volkes, Gelehrte, Schriftsteller und Dichter. Sie appelliren an Euch, sie fordern Euch auf zur Arbeit im Interesse des jüdischen Volkes. Dr. Theodor H e r z l, Dr. Max N o r d a u, Professor Belkovsky, Kellner und viele Andere fordern Alle, denen das Wohl der Juden am Herzen liegt, zur Theilnahme am Congreß in Basel auf. Es soll der erste jüdische Weltcongreß sein. Dort sollen sich alle jüdischen Patrioten versammeln. Aus der gequälten Brust von Hunderten wird die Klage über Roth, Demüthigung, Schande, über den ganzen Jammer unseres Volkes Hervorbrechen. Diese Stimme wird mächtig ertönen; es werden sie die jüdischen Magnaten in ihren Palästen, es wird sie das auf seine Civilisation so stolze Europa hören. Sie werden erfahren, daß im Herzen Europas, zu Ende eines Jahrhunderts der Cultur, im Jahrhundert der Negerbefreiung, der serbischen, bulgarischen, rumänischen und hellenischen Staatengründungen, das classische Volk der Religion, ohne einen sicheren Morgen, gehetzt durch den Haß, gebrandmarkt durch die Niedertracht in Europa herumirrt. Europa wird erfahren, daß dieses Volk lebt, daß es trotz Allem leben will und daß es seinen Feinden und seinen verrätherischen Freunden zum Trotz leben wird. . Durch Jahrhunderte getrennt, verschieden durch ihre Cultur — werden die Juden sich als Brüder die Hände reichen. Das Werk Esras und Nehemias soll erneuert werden. Das ganze geeinigte, ewige Israel soll sich durch die Kraft des Willens und der Aufopferung sein Vaterland wiederaufbauen. Aus der Scholle, die wir in Rußland, Rumänien, Marocco seit jüngst in Galizien mit unserem Blute gedüngt haben — soll eine neue Saat hervorsprießen: Das freie Vaterland des befreiten jüdischen Volkes. Bei diesem großen, fundamentalen Unternehmen dürfen die galizischen Juden nicht fehlen. 800.000 Nachkommen des hebräischen Stammes dürfen nicht schweigen, wenn sich das jüdische Volk versammelt, um über seine Lage zu berathen. Wir haben unseren Brüdern viel zu erzählen. Wir wollen ihnen de» Edelmuth der Herren dieses Landes schildern, die uns Jahrhunderte treuer Dienste mit Verfolgungen vergelten. Wir wollen ihnen sagen, wie sich die „Führer" unseres Volkes mit unseren Feinden verbrüdert haben, um ihr eigenes Volk zu knechten. Wir werden ihnen erzählen von dem grenzenlosen Elend, das in den Judengassen herrsch!, von der moralischen und geistigen Verwahrlosung, von der stillen Verzweiflung, die in unserem Innern brennt, und wir wollen ihnen sagen, daß wir trotz Allem nicht untergingen, daß wir den Traditionen unseres Volkes treu blieben, seinen Glauben pflegten, seine Tugenden bewahrten, seinen Hoffnungen nicht entsagten und zu allen Opfern für unser Volk bereit sind. Wir wollen ihnen sagen, daß wir bereit sind. Mögen sich unsere Brüder von Osten und Westen, von Norden und Süden zur gemeinsamen Arbeit vereinigen, wir werden nicht fehlen. Unsere Blicke sind gerichtet auf die Trümmer des Salomonischen Tempels der neue, bessere Zeiten erwartet, und wir erklären, daß wir nur auf einen Appell warten, um alle unsere geistigen und materiellen Kräfte mit Freuden auf dein vor Jahrhunderten verlorenen Vaterlande niederzulegen. Die jüdische Jugend, die sich zu unseren Grundsätzen bekennt, hat die Pflicht, sich auf dem Congreß des jüdischen Volkes durch einen Delegirten vertreten zu lassen. Möge er unserem Schmerze, aber auch unseren Wünschen und Hoffnungen ans die Wiederherstellung Zions Ausdruck geben." TV eltchroi rik. Die Bcrufsstastik der Juden in Deutskliland. Im jüngst erschienen Band 103 der „Statistik des deutschen Reiches", der die Resultate der Berufszählung vom IT Juni 1895 enthält, stnden wir auch eine Berufsstatistik der Inden. Was in Oesterreich nur von privater Seite unter Aufwand von viel Zeit und Mühe geschehen könnte, ist in Deutschland officiell untersucht und sestgestellt worden. Für uns Zionisten ist diese Berufsstatistik von ungeheurer Bedeutung. Wir lernen dadurch die ökonomische Differencirung der Judenheit, wir lernen die Armee genau kennen, neben der und in der wir zu kämpfen haben, ihre verschiedenen Truppencategorien und Waffengattungen, ihre Kampffähigkeit und ihre Ausrüstung. Möchte man doch diesem Moment viel mehr Aufmerksamkeit schenken! Die bloße Statistik zeigt uns nur eine compacte Masse, erst die Berufsstatistik ist die wahre Revue. Denn wir übersehen das Heer, auf das wir allezeit rechnen kennen: die jüdischen Proletarier-Bataillone. Die Berufsstatistik unterscheidet in jedem Berufe selbst' ständige Unternehmer, Beamte ünd Gehilfen resp. Arbeiten Wir wollen hier vorerst in den wichtigsten Berufen das Verhältnis dieser Kategorieen zu einander angeben.