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Die Welt · 1897-08-06 · 10 (6.8.1897) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
10 (6.8.1897)
Article
Deutsche und polnische Juden
Date
1897-08-06
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 10. „Pi^Wdtr Seite 5. Man kann nicht Europäer sein, ohne es in irgend einer nationalen Variation zu sein, sowie es z. B. keinen Baum gibt, der nicht entweder eine Eiche oder eine Palme oder sonst was wäre. Die deutschen Juden aber haben das unmögliche Kunststück zusammengebracht, Bäume an sich zu sein. Denn sie haben zwar die europäische Cultur angenommen, aber ebensowenig eine jüdische Variation derselben ausgeprägt, als eine der anderen Variationen wirklich acceptirt. So sind sie wandelnde Abstracto, lebendige Theorien geworden — nicht Fisch, noch Fleisch, Fremde in der europäischen Cultur und baar einer jüdischen. Das ist es, was den polnischen Juden, auch den demüthigsten, mit stiller Verachtung gegenüber den civilisirteren Namensgenossen erfüllt. Er sieht zusammengestückelte Menschen vor sich, während er selbst ganz und ungetheilt ist. So erscheint denn die Abneigung der deutschen gegen die polnischen Juden und dieser gegen jene begreiflich. Deshalb braucht inan aber nicht die Hoffnung fahren zu lassen, daß dereinst die Kluft überbrückt werde Es scheint nämlich, daß sich die Wege der beiden jüdischen Gruppen, von unerbittlichen Thatsachen getrieben, einander werden nähern müssen. Einerseits können die polnischen Juden infolge ihres wirthschastlichen Mitlebens mit den Europäern dem Europäismus nicht auf die Dauer widerstehen Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie moderne Culturmenschen geworden sein werden. Andererseits beginnen die deutschen Juden infolge des Bankerotts der Assimilation sich auf ihre Nationalität zu besinnen. Dadurch werden beide eine höhere Eignung erlangen, einen Europäismus jüdischer Variation — dieses Ideal des Zionismus — zu schaffen. Haben aber einmal die deutschen Juden ihren Europäismus nationalisirt und die polnischen Juden ihren Nationalismus europäisirt, dann wird die Kluft überbrückt und der Gegensatz zwischen deutschen und polnischen Juden gewesen sein. Siv 3imon, 23art., (Q. CC Wenn die russischen Juden blutig verfolgt, wenn die Juden im „constitutionellen" Rumänien entrechtet und niedcrgemetzelt wurden, da fanden diese Gräuel jedesmal ihr mächtiges Echo im englischen Parlament. Und der Mann, der die Stimme für seine Brüder mächtig erhob und wiederholt sogar die Spmpathieerklärung deren glischcn Regierung für dieselben provocirte, hieß John Simon. Denn >oenn es sich um das Wohl der Juden, wess' Landes immer, handelte, da war er kein liberaler Parteimann mehr, da war er nur I u d e. Als GladstoneimJahre I 879 für die Juden von Rumänien nichts machen wollte, da durchbrach Simon die Partcidisciplin. Er griff den eigc-- nen Parteiführer in den „Times" aufs heftigste an und ivarf conscguenz vor. „Times" selbst mußten Simon Recht geben. So verfocht er als Abgeordneter für Dewsbury durch 20 Jahre die Interessen der Gesamnitjudenheit im englischen Parlamente. Aber auch außerhalb desselben wirkte er u»- ermüdlich und unverdrossen für die Unterdrückten und Verfolgten seines Stammes. Die } Meetings in Mansion House vom Jahre 1872 für die rumänischen und vom Jahre lr-82 für die russischen Juden waren sein Werk, zum Guidhall-Meeting vom Jahre 1890 gab er die Initiative, die „Anglo-Jewish Association" half er begründen und die ersten 108.000 Pfund Sterling für das „Russo-Jewish Coinitee" hat er gesammelt. Und dieser Mann wußte bis zu seinem 14. Lebensjahre nichts vom Judenthum und jüdischen Glauben. Ein Pastor war sein Lehrer und Negerbuben hatte er zu Schulcollegcn. Erst als er im Jahre 1832 von seinem Geburtsorte Jamaica in Liverpool einlangte, da kam er mit Juden in Berührung. Von ihnen erhielt.er die Anregung zum Studium Geschichte und hebräischer Sprache. Aus diesen unversiegbaren Quellen nationaler Erkenntniß schöpfte der Jüngling sein jüdisches Selbstbewußtein. Dieses erzeugte dann beim Alaune Begeisterung und Opferwilligkeit für das Judcnthuni.Jhre Früchte haben wir bereits aufgezählt. Dieser charak!erv o lle, nackensteife I n d e Hai sich die Achtung der englischen Gesellschaft erworben, die Königin ehrte ihn dltrch Ernennung zum QueenS Counsel (Justizrath) und sechs Jahre nach der TimeS- Polemik schlug ihn Gladstone zur Adelsverlcihung vor. Sei» Tod bedeutet nicht blos für die englis chen Juden,sondern auch für die Gesammtheit einen schweren Verlrist. Denn der Mann, der durch zwanzig Jahre das Mandat für Dewsbury innehatte, war das Muster eines jüdischen Volksvertreters, lind er hatte unter seinen Wählern keinen einzigen Juden .... MM V'; I . jüdischer ihm Iw

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