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Die Welt · 1897-07-30 · 9 (30.7.1897) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
9 (30.7.1897)
Article
Krakau [Nachricht]
Date
1897-07-30
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 9. Seite 13. sind dort alle verzeichnet: die deutschen, polnischen, czechischen, italienischen, ja selbst slovenischen und kroatischen, zusammen 39. Nur Eines fehlt darunter: „Das jüdische Volksblatt" in Lem» berg. Sollte man das Organ Diamand's, mit dem auf dem Parteitag so viel renommirt wurde, nicht als socialdemokratisch betrachten oder sollte man sich desselben — schämen? U. A. w. g. Lemberg. (Orig.-Corr.) Sonntag den 17. Juli faud im Sitzungssaale der hiesigen Cultusgemeinde eine großartige Studentenversammlung statt. Beinahe sämmtliche jüdischen Hörer aller Facultäten der hiesigen Universität waren anwesend. Zahlreiche junge Handelsadepten und ein Kranz schöner Damen gaben der Versammlung ein jugendliches Gepräge. Das wollte sie auch sein — eine Versammlung der gesammten jüdischen Jugend Lembergs. Den Vorsitz führte Dr. David Malz. Gegenstand der Versammlung bildete der Baseler Zionistentag. Die Anwesenden waren durch eine warme, zu Herzen dringende Flugschrift mit dem Zwecke des Congresses bekannt geworden. In markigen Worten schilderte cand. jur. Schreiber die traurige Lage des jüdischen Volkes, das physische Elend der Massen, die wieder auftauchenden Schatten des Ghetto und wies nach der Frühlingssonne des Zionismus hin. Unter brausendem Beifall wurde nachstehende Resolution zum Beschlüsse erhoben: „Die am 17. Juli 1897 im Sitzungssaale des Lemberger Cultusvorstandes versammelte jüdische Jugend Lembergs begrüßt mit inniger Freude den bevorstehenden Zionisten-Congrcß in Basel. Sie erblickt in demselben unsere erste Nationalversammlung, wo Abgeordnete der jüdischen Nation aus allen Ländern über die Mittel und Wege zur Beseitigung der Judennoth berathen und schlüssig werden. Sie empfindet Genugthuung darüber, daß die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes im eigenen Lande, die herrliche Aufgabe, der ihr Herz seit Jahren gehört und der sie nun ihre volle Kraft widmen will, ihrer Verwirklichung entgegengeht. Sie drückt den Einberufern und Theilnehmern des Congresses ihre wärmste Sympathie und Anerkennung aus und erklärt feierlichst, daß es nur des Rufes bedarf, und die jüdische Jugend Lembergs steht da, bereit, all' ihr Gut und Blut in den Dienst der Nation und des Ahnenlandes zu stellen." Nach eingehender Discussion, in welcher das Treiben der Fachjuden Maybaum-Güdenmann'schen Couleurs gebührend gekennzeichnet wurde, wurde dem unermüdlicheu Rufer im Streit, Dr. Theodor Herzl, eine spontane Ehrung zu Theil und der Vorsitzende beauftragt, demselben die Gefühle der Versammlung zu verdolmetschen. Hierauf wurde einstimmig Herr Dr. David Malz zum Delegirten der jüdischen Jugend Lembergs für den Baseler Congreß nominirt. Ein tiefdurchdachter Vortrag Dr. Gabel's über „die Aufgaben der jüdischen Jugend" gab der Versammlung einen würdigen Abschluß. Unter den Klängen unserer Zionshymne verließen die Anwesenden die Versammlung — keine scheuen Golusjuden mehr, sondern stolze, innerlich freigewordene Hebräer. ül- Zbaraz. (Orig.-Corr.) Wie tief bereits der Zionismus in das jüdische Volksleben gegriffen, davon gibt unser kleines bei Tarnopol gelegenes Städtchen, Zeugniß. Dieser anne Flecken, der weitab von der allgemeinen Verkehrsstraße liegt, hat viel zu kämpfen, um sich behaupten zu können. Nichtsdestoweniger gibt es hier ein Localcomitv des „Ahawas Zion" aus Tarnow, das bereits 50 Antheilscheine des „Ahawas Zion" verkauft hat. Für die Armuth, die hier herrscht, ist das viel. Aber auch unsere Aermsien wollen nicht zurückstehen. 150 junge Leute zahlen seit acht Wochen 2—5 kr. in eine gemeinsame Casse und haben bis heute 55 fl. gesammelt. Wenn nur Geld bei der Erreichung unseres Zieles ausschlaggebend sein sollte, müssen die Kreuzer dieser Armen für Tausende zählen. Rumänien. Moinesti. (Orig.-Corr.) Der alte Geist erwacht wieder in den rumänischen Juden. Sie waren es, welche im Vereine mit russischen Juden als Erste vor nahezu zwei Jahrzehnten den zionistischen Gedanken in die Praxis übertrugen. Seit dieser Zeit ist allerdings Vieles anders geworden. Die Alten schickten ihre Kinder meist in die Bukowina zur Erziehung. Das Elternhaus mit seiner jüdischen Tradition und dem jüdischen Familienleben fehlte, an seine Stelle trat die „moderne" Erziehung. So kam es, daß die Jungen den Zionismus nicht recht begreifen konnten. Aus den Zionsvereinen wurden Logen des Bnei Berith. Das Alles sieht jetzt anders aus. Unsere Alten und unsere Jungen find begeisterte Zionisten. Keineswegs aber im Sinne der „praktischen" Zionisten oder Humanitätszionisten. Die Proteste wohlbestallter Rabbiner mit fetten Pfründen wurden hier belacht. Man nimmt die Leute einfach nicht ernst. Für „Judenstaatler" können Bedenken deutscher Rabbiner aus Ungarn nicht stichhältig sein. So hat auch folgendes komisches Intermezzo viel Heiterkeit erregt: Das „Bukarester Togblatt", das einzige Blatt, welches gegen den Zionismus Stellung nimmt, brachte von einem angeblich „hervorragenden" Mitgliede der Bukarester jüdischen Gemeinde einen Protest gegen den Congreß. Besagter Protest ist aber vollkommen identisch mit der Erklärung des deutschen „Hurrahpatrioten" Dr. Maybaum und das „hervorragende" Mtglied der Bukarester Gemeinde war — der Ausschnitt eines deutschen Blattes! Das „Bukarester Tagblatt" ist nach Aufdeckung dieser Blamage ziemlich kleinlaut geworden. Hingegen muß erwähnt werden, daß sonst die ganze übrige Presse, voran der „Rumänische Lloyd", den Zionismus und den kommenden Congreß günstig bespricht. In Moinesti, Roman, Bacau und Piatra sind neue Zionsvereine entstanden. Türkei. Jaffa. (Orig.-Corr.) Am 9. Juli ist hier Herr Barbier, Lehrer für Chemie und Physik an der Mittelschule von Ro uiba in Algerien, eingetroffen, um sich dem Studium der Colonien zu widmen und einen Rapport darüber zu erstatten. Herr Barbier, dessen Schüler u. A. die Herren Gärtner Appelbaum in Pethach-Thikwoh und Roseneck in Sichron-Jakob sind, wird volle 17 Tage, also bis zum 26. Juli, in Palästina bleiben und in dieser Zeit alle die Colonien, über die er berichten wird, selbst fludiren, sowohl hier in Judäa wie in Galiläa bis nach Metule hin, und wird auch im Hauran sein. Sein Weg wird ihn im Verlaufe dieser Zeit auch nach Damaskus führen. Selbstverständlich werden alle Beamten dieser Colonien sich alle erdenkliche Mühe geben, daß er alles Erforderliche in geeigneter Weise sicht. — Die Vendange, d. h. die Arbeit mit der Traubenernte, wird am 25. Juli in den judäischen Colonien beginnen. — In Kastine (Betzr-Tobiah) ist der Schnitt von Weizen und Gerste bereits vollendet und das Getreide auf den Dschoren, d. h. der gemeinsamen Tenne, zum Dreschen geführt? Zeitschriften-Rundschau. — Das jüngst erschienene Heft der Revue „Palestine" bringt an leitender Stelle den Artikel über den Congreß. Dann folgt eine vom Rev. G. I. Emanuel in Birmingham nach der Rückkehr von der Pilgerfahrt aus Palästina gehaltene Predigt, deren Veröffentlichung schon an und für sich, sowohl die Gesinnung der Herausgeber dieses officiellen Organes der Association, als auch der englischen Judenschaft abspiegelt. Rev. Emanuel schloß seine Predigt am 29. Mai d. I. mit den Worten: „Brüder! Wenn alle die Zehntausende unseres Volkes, die jeden Luxus genießen, wenn die Hunderttausende, die sparen können, uns Gehör schenken wollten, so würde es nicht lange dauern, und das Land Israels würde Tausende jüdischer Ackerbauer beherbergen, die leben würden, wie einst, jeder zwischen seinen Weinreben und unter seinem Feigenbaum. Verstehen sie mich. Durch die vereinigte Hilfe aller Juden, werden in Palästina blühende Gemeinden entstehen, unser Volk wird nicht mehr in Städten zusammengedrängt, nicht mehr auf Almosen angewiesen, sondern übers Land verbreitet sein, ein starker Bauernschlag, der seine Herden weiden, seine Felder bebauen, seine Weingärten pflegen wird, glücklich, zufrieden. So wird es sein — Gott hat es gesagt. ,Jch habe das Land nicht für alle Ewigkeit verkauft. Das Land ist mein, und ich habe es geschenkt meinen Kindern Abraham, Isaak und Jakob/ Nach dem letzten darin enthaltenen Bericht über die zionistische Organisation in England besteht dieselbe aus 31 männlichen, 1 Frauen- und 4 Jugend-Vereinen. — Der „Daily-Mail" vom 19. d. M. veröffentlicht ein großes Interview seines Pariser Correspondeuten mit Max Nordau über den Zionismus und über den Congreß in Basel. — Das letzte Heft der Monatsschrift „Zion" enthält im deutschen Theil einen Artikel Sal. Lieb har dt's „Zionismus und Orthodoxie",

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