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Die Welt · 1897-07-30 · 9 (30.7.1897) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
9 (30.7.1897)
Article
Judenausweisungen aus Deutschland [Nachricht]
Date
1897-07-30
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12. man ihre Naturalisation blos erschwere; die „Nordd. Allg. Zig." rehabititirt nun das Ministerium und erklärt, „daß solchen Elementen gegenüber die Naturalisation überhaupt verweigert und regelmäßig zur Ausweisung geschritten wird." Das Bankwesen in Oesterreich-Ungar». Ein Vorwurf, dm unsere Gegner fort und fort gegen uns erheben, daß das Bankwesen total verjudet sei. Die Stichhältigkeit dieser Behauptung wird durch folgende, aus dem letzten Jahrgange des „Compaß", finanzielles Jahrbuch für Oesterreich-Ungarn, gezogene kleine Statistik ins wahre Licht gerückt. Wir bemerken zu derselben, daß wir jeden Namen, der uns zweifelhaft erschien, der jüdischen Liste zugezählt haben. Diese Zählung ergab folgende Repertition der Mitglieder der Verwaltungsräthe sämmtlicher in Wien etablirter Banken. 171 Christen, 56 Juden. Bei zwei Instituten, der Landes-Hypothekenbank und der Sparcasse gehört überhaupt kein Jude der Verwaltung an. Das Blutmärchen in China. Was mittelalterliche Dummheit und Bosheit in Europa den Juden zur Last legt, das wird in China den Europäern vorgeworfen. Der chinesische Pöbel hat von den ftemden Bollblutariern, den Russen und Engländern dieselbe gute Meinung, wie der Pöbel mancher Orte von den Juden. Wie der „Ostasiatische Lloyd" den „Tentsin Times" entnimmt, herrscht in China der Aberglaube, daß die Europäer zum sicheren Bau von Eisenbahnen die Körper von kleinen Kindern brauchen, und zwar müßte eigentlich unter jede Eisenbahnschwelle ein Kind vergraben werden. Der rufiische Minister in Peking habe demnach den Kaiser von China ersucht, ihm 2000 Kinder zu diesem Zwecke zu liefern. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wie«. (Orig.-Corr.) Die Wiener antisemitsche Frauenbewegung zieht immer weitere Kreise. Eine antisemitische Frauenversammlung jagt die ander. Die Triumphberichte über die Frauenhetzen find in den antisemitischen Organen zu stereotypen, regelmäßig wiedcrkehrenden Rubriken geworden. Im Nachfolgenden einige Brocken aus diesen Rubriken: „Die Antheilnahme der Mener Frauen an diesem eminent nützlichen Bunde wird eine immer lebhaftere. Bereits jetzt zählt derselbe über 4000 Mitglieder und er wird voraussichtlich bis zu dem am 8. August stattfindenden Gründungsfeste noch die Zahl 5000 erreichen. Gestern fand abermals auf der Wieden in Mayer's Gasthaus „Zum wilden Mann", Favoritenstraße Nr. 40 eine Vereinsversammlung statt, die ausgezeichnet besucht war und neuerlich einen bedeutenden Zuwachs an neuen Mitgliedern brachte. — Der Secretär, Herr Klier, hielt nunmehr den Frauen eine förmliche Strafpredigt, weil ein großer Theil von ihnen trotz allen Versprechungen doch nicht unterlassen kann, mitunter noch bei Juden einzukaufen und jüdische Zeitungen zu lesen. Redner schilderte das Treiben in den jüdischen Redactionen und verurtheilte es aus das Schärfste, daß christliche Frauen jüdische Aerzte, christliche Geschäftsleute jüdische Advocaten zu Rathe ziehen. Der Frauenbund werde in dieser Hinsicht hoffentlich viel bewirken. Redner forderte die Frauen auf, auch ihren Kindern die antisemitischen Grundsätze einzuimpfen, damit dieselben auch auf die Nachkommenschaft vererbt würden, die Kinder werden dann ihren Müttern dankbar sein. Die Frauen des 4. Bezirkes mögen insbesondere auch bestrebt sein, ihre Ortsgruppe zur größten von allen zu machen, damit jenseits des Belvederegartens im Palaste des Königs der Juden, erkannt werde, daß nicht allein sein Geld regiert und die christlichen Frauen nicht für Tausende zu erkaufen sind. Redner wünschte schließlich der Ortsgruppe Wieden, sie möge blühen und gedeihen und die Hochburg des Antisemitismus werden im Gegensätze zur Hochburg des Judenthums. (Beifall.) Im Berichte über eine am 11. Juli stattgefundene Frauenversammlung lesen wir: Abg. Schneider drückte die Erwartung aus, daß auch die Frauen Wiens zu dem zu erhoffenden Siege über das jüdische Capital durch die so glänzende wirthschaftliche Wiener Frauenbewegung beitragen, dieselbe werde ein leuchtendes Beispiel für die Frauen der anderen Kronländer, ja sogar des Auslandes sein. Er schloß mit den Worten: „Gott erhalte die Stadt Wien und die christlichen Frauen!" Sodann hielt Frau Marie H äkl eine Ansprache, in der sie u. A. ausführte: „Ein Schaudern muß den stillen Beobachter überkommen, wenn er zusieht, wie die christlichen Grundsätze immer mehr und mehr verschwinden, wie der kleine Mann immer mehr und mehr die Beute des jüdischen Großcapitalisten wird. — Darum meine verehrten Damen, lassen Sie sich nicht verhöhnen, Paß Sie Bersammlungs-Äntisemitinnen sind, zeigen Sie, daß Sie wirk- Nr. 9. liche Antisemitinnen sind, im vollen Sinne des Wortes! Nehmen Sie sich ernstlich vor, nur mehr bei Gesinnungsgenossen zu kaufen und nur mehr christliche Zeitungen und christliche Bücher zu lesen. Mit gutem Willen und ernstlichem Vorsatze geht es schon!" Die Rednerin erntete großen Beifall. Die Versammlung wurde mit einem begeisterten Hoch auf Dr. Lueger geschlossen." Brün«. (Orig.-Corr.) Bei der in Müglitz zum Zwecke der Abhaltung eines Festes staltgefundenen Sitzung der Ortsgruppe des „Deutschen Schulvereines" kam es zu einer erregten Debatte aus dem Grunde, weil der Antrag gestellt wurde, einen Juden ins Comtts zu diesem Feste zu nehmen. Lehrer Stänzl, beantragte, wenigstens einen Juden ins Comits aufzunehmen, mit der Begründung, das Geld der Juden sei gewiß zu dem Zwecke der Erzielung eines möglichst großen Reinertrages nöthig. Ein anderes Mitglied sprach sich entschieden dagegen aus, daß überhaupt ein Jude Mitglied des „Deutschen Schulvereines" sein solle, und stellte es als eine Schmach hin, Juden überhaupt zu einem Schulvereinsfeste zu laden, da viele gute Deutsche hierdurch von dem Feste fern bleiben würden. Ein zweiter Jugendbildner sagte: „Mr sind ja alle hier Antisemiten, nur dürfen wir es nicht offen zeigen, und ist es daher der guten deutschen Sache wegen besser, wenn wir einen Juden, den „Michel", der einen Bajazzo abgeben wird, ins ComitS aufnehmeu." — Der „Deutsche Schulverein" ist bekanntlich eine der wenigen Vereinigungen, in denen der Jude noch geduldet wird. Mit welchen Demüthigungen für die Juden diese „liberale" Duldsamkeit verbunden ist, beweist die geschilderte Sitzung. Und wie das Deutschthum der Juden aufgefaßt wird, beweist folgende Bemerkung eines Mener antisemitischen Blattes: „Heute ist es opportun für die Juden, als „Daitsche" mit den Deutschnationalen in das gleiche Horn zu stoßen, denn sonst kommt der „gelbe Fleck", und vor diesem soll Herr v. Schönerer die pajesumlockten Söhne Israels retten. Sie sehen sich schon förmlich im vormärzlichen Kaftan hinschleichen durch ihr bescheidenes Ghetto, mit den runden Lederkäppchen auf den ehrwürdigen Häuptern; sie sehen sich auf der Militär-Polizeiwachstube, in den vernewerten Schuldbeziehungsweise Cridathürmen; sie sehen sich verspottet von der durch ihre Vermittlung großgezogenen Gassenbubenschaft; sie sehen sich mit den Daumenschrauben an den dürren, langen Fingern; mit einem Worte: sie sehen sich schon auf der Nationalbank. Bei der übergroßen Phantasie dieser Asiaten ist es kein Wunder, wenn ihnen vor der kommenden Zeit zu bangen anfängt, denn, auftichtig gesagt, einer ideale« Epoche gehen wir gewiß nicht entgegen; aber wir können die Juden trotzdem im vorhinein auf das bestimmteste versichern, daß, wenn wirklich eine solche böse Reaction im Anzuge wäre, die Herren Schönerer und Genossen ihnen gewiß nicht aus der Patsche helfen werden." Krakau. (Orig.-Corr.) Seitdem die Führer der Socialdemokratie auf dem letzten Parteitag von ihrer Taktik gegenüber den Antisemiten den Schleier gelüftet und so sorgfältig jeden Verdacht der Verjudung und des „Judenschutzes" von sich abgewälzt hatten, bemächtigt sich der jüdischen Anhänger dieser Partei eine immer größere Mißstimmung. Der Beschluß, nationale Organisationen zu schaffen, hat sie in Verlegenheit gebracht. Denn in Wien und in Böhmen und Mähren haben sie zwischen der deutschen und czechischen, in Galizien zwischen der polnischen und ruthenischen Organisation zu wählen. Sie glaubten, endlich einmal jedem nationalen Parteibekenntniß entrückt zu sein, und siehe da, sie müssen wiederum den alten Schwindel mitmachen, sich als Polen, Czechen, Deutsche „mosaischer Confessio«" zu geriren. llnd dazu brauchten sie — Socialisten zu werden. Bielen jüdischen Socialdemokraten in Galizien will das nicht einleuchten und so soll dort, wie man uns mittheilt, eine selbstständige jüdisch-socialistische Organisation in Bildung begriffen sein. Die Wiener Parteileitung, der das nicht recht ist, versucht aber, diese Organisation zu Hintertreiben. Sie kann diese Leute ganz gut brauchen, nur mögen sie beileibe ihr Judenthum recht tief vergraben. Sonst müßte man sie am Hellen Tage verleugnen, wie ihr Lemberger Jargonblatt. Wir laden die jüdischen „Genossen" speciell aus Galizien ein, sich die letzte Seite des jüngst erschienenen Berichtes über den sechsten Parteitag genau anzuschaueu. Die Seite enthält eine Anzeige sämmtlicher iu Oesterreich erscheinenden socialdemokratischen Blätter. Sie

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