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Die Welt · 1897-07-30 · 9 (30.7.1897) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
9 (30.7.1897)
Article
Sind die Juden eine Race?
Date
1897-07-30
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10. Nr. ft abstinent weist darauf hin, daß fie in einer für den römischen Historiker auffallenden Weise Mischehen möglichst vermieden. Wir können es also zur Kenntniß nehmen: daß Isaak und und Jakob mit aramäischen Frauen, Josef mit einer Egypterin, Moses mit einer Midianiterin vermählt waren; auch zur Zeit Esras, besonders aber vor dem Untergange des jüdischen Staates müssen starke Beimischungen mit Fremden stattgesunden haben. Aber diese fremden ethnischen Beimengungen hinterlassen kaum eine Spur in der hebäischen Sprache, und, was für unsere Argumentation besonders wichtig ist, fie durchbrachen nicht den jüdischen Monotheismus; denn wenn Gumplowicz die Behauptung aufftellt, die ursprüngliche Religion aller Stämme sei der Monotheismus gewesen, und der Polytheismus der antiken Völker lasse sich am besten durch vielfache Beimischungen fremder Volksbestandtheile erklären, ist es da nicht naheliegend, die im Alterthum einzig dastehende Reinheit des jüdischen Monotheismus auf die überwiegend starke Präponderanz eines von diesem religiösen Geiste beseelten Bolkselcmentes, das allen Beimischungen seinen unverwischlichen Stempel aufdrückt und alles Fremdartige bis auf schwache Reste ebnete, zurückzuführen? Gehen wir nun zu den an den jetzigen Juden vorgenommenen anthropologischen Untersuchungen über, so muß vor allem betont werden, daß die Zahl der Untersuchten — es sind nach der Schrift des Dr. Alsberg nicht einmal 500 — viel zu gering ist, um daraus irgend welche Schlüsse zu ziehen. Wenn wir auch femer erfahren, daß die blondhaarigen Juden gewöhnlich auch langköpfig seien, — zwei für den germanischen Zweig der arischen Völkerfamilie charakteristische Merkmale — so ist damit die Theorie von der arischen Beimengung noch immer nicht hinlänglich gestützt. Wir wollen nur darauf Hinweisen, daß wir einen echten germanischen Siegfriedstypus unter blonden Juden bisher nicht entdecken konnten. Wir halten die Juden nicht für eine unvermischte Race, wohl aber für ein Volk mit vielen anthropologischen Rarenmerkaralen. Ihr von den Völkern, in deren Mitte sie leben, differenter echnischer Charakter drückt sich ja auch darin aus, daß sie selbst jetzt nach langen Assimilationsversuchen alle Sprachen mit einem eigenthümlichen Dialect sprechen. Wir wollen zum Verständniß einen Satz aus Gumplowicz citiren: „Nehmen Fremde eine neue, ihnen durch Umstände und Verhältnisse sich darbietende oder angezwungene Sprache an, so werden fie dieselben nie so sprechen, wie diejenigen, von denen fie dieselbe annehmen, vielmehr werden sie aus der angenommenen Sprache einen Dialect, oder indem fie dieselbe mit Ueberbleibseln ihrer früheren Sprache vermengen, einen Jargon bilden." Wir können unsere Ausführungen über dieses schwierige Problem nicht schließen, ohne den Wunsch auszusprechen, es möge die Aufgabe, ein Bild von der anthropologischen Beschaffenheit der heutigen Juden zu entwerfen, von fachmännischer Seite auf Grund ausgedehnter Untersuchungen gelöst werden. Leopold Laufe»'. Wettchronik. Jüdisches Massenelend in Warschau. Zu diesem Thema veröffentlicht der hervorragende polnische Publicist Boleslaus P r u s in einem Warschauer Tagblatt eine geradezu ergreifende Betrachtung. Er schreibt: „Vor mehreren Tagen ist mir die Liste der Steuerträger der Warschauer Cultusgemeinde von einem Anonymus zugeschickt worden. Die Ziffern sind interessant. Bon 200.000 Juden, die in Warschau leben, zahlen Cultussteuer (rat Betrage von 5—275 Rubel) kaum 3500 Personen. Soweit ich es beachten konnte, entfallen 24 Rubel durchschnittlich auf einen Steuerträger. Wiewohl die Zahl derjenigen, die mehr als 5 Rubel zahlen, sehr groß ist, so gibt es nur 16 Personen, die die höchste Steuer von 275 Rubel zahlen. 197.000 Menschen sind nicht im Stande, den Cultusbeitrag zu leisten. Das zeigt uns den Umfang des jüdischen Massenelends. Es ist groß und weit wie das Meer. Und jetzt betrachten wir seine Tiefe. In seiner vorzüglichen Studie „Die Arbeiterwohnungen" beschreibt Dr. Josef Tchorznicki ein gewisses Haus, in dem nur für 762 Menschen Luftraum vorhanden ist, in dem aber doch 1235 Menschen hausen, 424 Christen und 811 Juden I In diesem Hause entfallen auf ein Zimmer und auf ei« Fenster 5 Menschen. Wie groß muß das Elend sein, wenn 5 Menschen von kaum 5 Kubikklafter Luft leben müssen. Aber ich habe noch eine eigenthümlichcre Wohnung gesehen, selbstverständlich eine jüdische. Das Zimmer war der Höhe nach durch einen Plafond getrennt und bestand somit aus zwei Theilen, dem oberen und dem unteren. In der oberen Hälfte, die durch den oberen Theil des Fensters beleuchtet wurde, standen 4 Betten, das heißt, es wohnten dort vier Familien mit Kindern. In der unteren Hälfte des Zimmers standen ebenfalls 4 Betten, es wohnten also hier vier Familien. Dieses eine Zimmer und dieses eine Fenster benützten also nicht fünf, sondern sechzehn Menschen. Da ich dort am hellen Tage und im Sommer war, so habe ich natürlich keinen Begriff wie es dort bei Nacht und zur Winterzeit aussehen mag. Während meiner Anwesenheit war das Fenster geöffnet und die meisten Bewohner nicht zu Hause. Es blieb nur unten ein Schuster und eine Kranke, die soeben der Arzt besuchte, oben stöhnte eine Wöchnerin ... Viele Jahre sind seitdem verstrichen, aber ich denke noch an dieses Zimmer. Noch heute höre ich das Klopfen des Schusters, das Kreißen der Wöchnerin, und der Duft der Speisen, die eine alte Jüdin auf ihrem kleinen Ofen zubereitete, dringt mir in, die Nase. 197.000 Bettler, die in engen Kammern ersticken, die unbekannt wovon leben, das ist das Bild der jüdische» Gesellschaft in Warschau!" Der jüdische Banquier Wawelberg hat aber erst jüngst 30.000 Rubel gespendet, um durch eine billige Ausgabe Sicukiewicz'scher Werke diesen Romancier populär zu machen. Die Juden in Sachsen. Die letzte Volkszählung hat ergeben, daß die Zunahme der Israeliten im Königreiche Sachsen nur sehr langsam sich vollzieht. Während die Gesammtbevölkerung von 1890 zu 1895 einen Zuwachs von 8'14 Procent erfahren hat, hat sich die Zahl der in Sachsen vorhandenen Israeliten nur von 9368 auf 9902 gehoben, was einer Zunahme von 5'70 Procent entspricht. Der Antheil der Israeliten an der Gesammtbevölkerung ist dem entsprechend Von0'27 auf 0 26 Proc. gefallen. Nachstehend geben wir nun ein Verzeichniß derjenigen Städte und Orte, in denen sich auf Grund der letzten Volkszählungsergebnisse mehr als 20 Israeliten befanden (die Ziffern für 1890 sind zum Vergleich beigefügt). Es find das folgende Orte: 1895 1890 1895 1890 Leipzig 4872 4294 Reichenbach 36 37 Dresden 2547 2671 Meißen 33 32 Chemnitz 995 955 Meerane 32 25 Zittau 147 145 Löbau 31 23 Plauen 146 105 Löbtau 31 23 Annaberg 90 78 Pirna 24 45 Zwickau 71 65 Döbeln 23 21 Bautzen 60 49 Blasewitz 21 4 Freiberg 59 56 Werdau 20 12 Mittweida 41 36 Möckem 20 11 Wurzen 39 23 Vernarb Lazare, unser bekannter Pariser Gesinnungsgenosse und Redacteur des französischen Theils der Monatsschrift „Zion" ist auf die Freie Hochschule in Brüssel als Professor für jüdische Geschichte berufen worden. Antisemitismus in Deutschland. In deutschen Blättern regt sich ein starker antisemitischer Geist. In der zu Würzburg erscheinenden „Neuen Bayerischen Landeszeitung" lesen wir, es sei von jeher das Bestreben der Judenblätter gewesen, die einzelnen Stände zu verfeinden und die Zwietracht unter dem Volke zu unterhalten, denn auf diese Art könnten fie am besten im Trüben fischen, und ihre Herrschaft ausüben.. Die Gegnerschaft der Bayern und Ostelbier sei das Resultat der Juden. Aber „da müßten die Bayern siebenfach gehörnte Esel sein, wenn sie auf diesen Berliner Eselsleim kriechen wollten. Die Bayerischen Bauern sind deutsche Männer und darum halten sie lieber mit den Deutschen östlich und westlich der Elbe als

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