Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 9 (30.7.1897)
- Article
- Curorte in Palästina
- Date
- 1897-07-30
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3315710-3315719-3379627--00849-3379715- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. S. Tribüne. (An dieser Stelle geben wir gerne Zuschriften Raum, die in schicklichem Ton Angelegenheiten von allgemeinem Interesse oder gerechtfertigte Beschwerden enthalten. Die Redaction.) Curorle in Palästina. Ein hervorragendes und dankenswerthes Moment in den Colonisations- und Culturfragen Palästinas bietet das köstliche Klima und das Vorhandensein der zahlreichen Thermen. Diese im Alterthume bereits geübte Erkenntniß ist für unser Zeitalter insbesondere von großem Werth und es sollte dieser Frage auch im Interesse der Humanität nähergegangen werden. Diese Stätten alter Cultur liegen heute verwittert und verwüstet da, eine Folge der zerstörenden Kämpfe zweier Jahrtausende. In unserer findigen, unternehmungslustigen Zeit braucht nur der Impuls von einer capitalskräftigen Seite gegeben zu werden, und es wird ein Eldorado für Heilbedürftige erstehen können: Luftcurorte für Herz-, Lungen- und Nervenkranke an der Küste und auf den Gebirgsplateaus. Ein ungemein reiches Feld für die Ausnützung bietet die Menge der Jod-, Schwefel-, Brom- und Sauerquellen. Es möge vorläufig nur mit einer größeren Anlage begonnen werden, einem schönen Luftcurorte an der See, und zwar in der Nähe Jaffas, vielleicht südlich unterhalb des Leuchtthurms, in der Nähe der Bäder, zwischen herrlichen Pinien-, Oliven-, Orangen- und Palmengärten. Dieser Curort müßte natürlich mit allem modernen Comfort ausgestattet sein. Günstig für diesen Platz ist die Nähe eines Knotenpunktes des Weltverkehrs, die Einbruchstation ins Innere des Landes, die einzige Eisenbahn nach Jerusalem, der Gebrauch aller europäischen Sprachen, — last not least — die raschen und verläßlichen Verbindungen mit allen Ländern zur schnellen Herbeischaffung jeder Art Naturalien. Ist das Land erst entsprechend erforscht und durch Verkehrsmittel ein weiterer Nahverkehr ermöglicht, dann kann auf dieser Bahn weiter vorgegangen werden. Josef Stephan Oster. PreiSarrsschrkeiven. Bon Seiten eines Freundes jüdischer Poesie, der nicht genannt sein will, ist der Betrag von 500 Frcs. als Preis für den besten Text einer jüdischen Nationalhymne bestimmt worden. Zur Bewerbung sind Gedichte in allen Sprachen zugelassen. Für die Uebersetzung des preisgekrönten Textes ins Hebräische und in andere bei Juden übliche Idiome wird gesorgt, die Musik zu dem Texte auf dem Wege einer weiteren Preisausschreibung gewonnen werden. Das Preisrichteramt hatten die Güte zu übernehmen: Die Herren Dr. N. Birnbaum, Dr. M. Ehrenpreis, Dr. Theodor Herzl, Dr. S. R. Landau, Dr. Max Nordau. Von Herrn Dr. Ga st er und zwei anderen Herren, die gleichfalls darum gebeten wurden, stehen die Antworten noch aus. Der Endtermin für den Einlauf der Einsendungen ist auf vielseitigen Wunsch bis zum 15. September 1897 hinausgerückt worden. Adresse: Redaction des „Zion" Berlin N. W., Lessingstraße 23. Die eingesandten Gedichte wolle man nicht mit dem Namen oder Pseudonym, sondern mit einem Motto zeichnen, den Namen aber in einem versiegelten Couvert angeben, das jenes Motto als Aufschrift trägt. Redaction des „Zion" Monatsschrift für die nationalen Interessen des jüd. Volkes* Sind die Inden eine Rare'? Wer nach keiner Seite hin falsch verstanden sein will, muß bevor er die Frage, ob die Juden eine Race seien, beantwortet sagen, was er unter Race versteht. Wenn das Wort Race in dem Sinne aufgefaßt wird, daß es eine Masse von Menschen bezeichnet, die durch das Band gemeinsamer Abstammung untereinander verwandt find und keine fremden ethnischen Bestandtheile enthalten, dann find die Juden keine Race, dann darf man überhaupt heute von irgend einer Race nicht sprechen. — Da unsere Bestrebungen, die Juden zu nationalisiren, durch die Behauptung, die Juden seien eine reine «nvermischte Race nicht erheblich gefördert, durch die gegentheilige, das semitische Element bilde eigentlich unter de« heutigen Inden nur eine kleine Minorität, nicht i« mindesten geschädigt werden können, wollen wir versuchen, in objektiver Weise den gegenwärtigen Stand dieser schwierigen Frage wiederzugeben. Wir werden uns im Verlaufe unserer Ausführungen hauptsächlich auf einen Bortrag des Dr. Alsberg: „Die Racenmischnng im Judenthum" beziehen. Dieser begann mit folgenden Worten: Bis vor kurzem war die Reinheit der jüdischen Race ein fast unbestrittenes Dogma; denn nicht nur in Laienkreisen auch unter den Anthropologen war die Ansicht ziemlich allgemein verbreitet, daß die Kinder Israels den von ihnen vertretenen semitischen Typus von Vermischung mit anderen ethnischen Elementen frei erhalten und daß dieselben vermöge der Jahrtausende hindurch .fortgesetzten Jsolirung und Abgeschlossenheit diese Stammesreinheit bis auf den heutigen Tag bewahrt hätten. Im Gegensätze dazu stellt er nun die Behauptung auf, daß die Juden schon vor Jahrtausenden in Palästina und Vorderafien eine Mischung mit indogermanischen Elementen und wahrscheineich auch mit Angehörigen der mongolischen Race eingegangen hätten. Wir wollen, da auch der Berfafier das Schwergewicht seiner Beweisführung auf eine Vermischung mit Jndogermanen legt, uns nur mit diesem Theil seiner Behauptungen beschäftigen. Der Hauptbeweis besteht darin, daß aus Abbildungen egyptiicher Gräber aus der Zeit Ramscs II. die Amana und Schasu von Tanaan, die schon vor den Juden in Palästina wohnten, mit röthlich blondem Haupthaar, ebensolchem Bart und blauen Augen abgebildet seien. Damit stehe es in Zusammenhang, daß blonde blauäugige Juden in den entlegensten Weltgegenden sowohl in Nordafrika, Portugal, Rußland, wie Kleinasien, Persien angetroffen werden. Wollen wir über das Problem, ob hier thatsächlich eine Vermischung mit Ariern vorliegt, nicht oberflächlich hinweghüpfen, so müssen wir die Frage der Abstammung der Menschen mit in die Discussion ziehen. Seit der Popularisirung von Darwins Werken weiß auch der Mindergebildete, daß die Menschen nicht von Adam und Eva abstammen, sondern sich aus niedriger stehenden Geschöpfen entwickelt haben, und vieles spricht dafür, daß diese Entwicklung nicht nur an einem Punkte von einem hochstehenden Thiertypus allein ausgegangen ist, sondern offenbar im Laufe der Zeit sich an verschiedenen Punkten der Erdoberfläche vielfach abspielte. (Gumplowicz: Racenkämpfe). Man nimmt in diesem Falle nicht an, daß z. B. blonde und blauäugige Menschen sich nur einmal irgendwo, sagen wir im Stammbau der Arier entwickelten, sondern hält es für plausibel, daß der blonde Menschheitstypus unabhängig zu verschiedenen Malen austauchte. Im Hinblick auf diese Annahme dürfte es dem Verfasser des erwähnten Vortrages überhaupt schwer fallen, die Zugehörigkeit der Palästinenfischen Ureinwohner zu einer bestimmten Race mit dem bloßen Argumente: „Blond, blaue Augen" zu beweisen. . Es muß aber einseitig erscheinen, wenn man als einziges die Race differencirendeS Moment die Vermischung mit anderen Racen anfieht. Die Variabilität durch äußere Einflüsse ist jauch beim Menschen wirksam. Die Juden nahmen in andern klimatischen Verhältnissen lebend im Laufe der Zeit andere somatische Eigenschaften an und die Variabilität der jüdischen Race modificirte infolge der geänderten klimatischen Verhältnisse den ursprünglichen Typus. Auch das jüdische Volk wird sich Wohl im Laufe seiner Geschichte mit ftemden ethnischen Elementen vermischt haben, was bei der hohen Begabung, die Juden seit jeher bekundeten, s. priori wahrscheinlich ist. Denn nach einem von allen Ethnologen anerkannten Satz haben gerade die niedrigsten Völkerschaften, die man gemeinhin als Wilde bezeichnet, die größte Stammesreinheit bewahrt. Nur hat, um ein Wort Andree's zu citiren, unser unverwüstlich scheinende Stamm „alle Beimischungen völlig überwunden und derart ausgeschlürft, daß das allgemeine homogene Gefüge darunter nicht litt." Wir müfien weiter berücksichtigen, daß zu allen Zeiten die Gesetzgeber und Lehrer die Juden vor der Vermischung mit anderen Völkern zu bewahren suchten, damit sie nicht ihren Gottesdienst für einen Götzendienst eintauschen. Auch das Wort Tacitus': alienarum concubito Judali