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Die Welt · 1897-07-30 · 9 (30.7.1897) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
9 (30.7.1897)
Article
Reise nach der Türkei
Date
1897-07-30
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Sette S. 58*. ff. bat^auch dieses zu veröffentlichen, indem er hinzufügte: „So ehrt die Türkei den wahren Patrioten." Auf seine Einladung hin, wohnten wir dem Selamlik bei, diesem prachtvollen, militärischen Schauspiele. Wir mußten iu Coustantinopel acht Tage bleiben, da wir uns vor unserer Abreise von Larissa ehrenwörtlich verpflichtet hatten, so lange in Constantinopel zu bleiben, um auf telegraphisches Aviso sofort retour zu fahren. Dieses Telegramm traf nicht ein und wir konnten, nachdem wir vom Kriegs- Ministerbeurlaubt wurden, die Heimfahrt antreten. Ein rumänisches Schiff brachte uns nach einer herrlichen Fahrt durch den Bosporus und das schwarze Meer nach Constanza, von wo wir über Bukarest nach Wien fuhren. I. Schalit. Sir Samuel Montag«, Sart Dieser Londoner Banquier ist ein sehr wackerer Mann'. Er hat sich durch eigene Kraft so hoch hinausgeschwungen, wie er es als der Sohn eines kleinen Uhrmachers in Liverpool wohl nicht erhoffte, da er 1853, 21 Jahre alt, sein Geschäft in der City eröffnete. Er ist heute Baronet, Abgeordneter von Whitechapel im englischen Unterhause, und einer der angesehensten Juden in der ganzen Welt, weil er einer der treuesten ist. Mr haben nicht die Gewohnheit, reiche Leute zu verherrlichen; halten wir doch die Bücklinge vor dem Gcldsack für das Häßlichste , was manchem Juden anhastet. Aber es wäre thöricht und ungerecht, einen guten Juden nicht zu rühmen, weil er es auch verstanden hat, ein Vermögen zu erwerben. Das Beste, was ihm nachgesagt werden kann, ist, daß er der Pflichten des Besitzes immer eingedenk war. Er gab und gibt aber n cht in der hochfahrende», man möchte sagen: herzlosen Weise gewisser Wohllhäter, deren edle Regungen man noch auf der vierten Galerie ganz deutlich sieht. Er hat sich mit den Problemen der Armuth in einer ebenso modernen Weise beschäftigt, wie er das Reichwerden ergründete. Die armen Juden von Whitechapel, das wohl der jammervollste Bezirk in dieser großen Stadt London ist, kennen seine freigebige Hand und sein treuherziges altes Gesicht. Er kümmert sich väterlich um sie, als ob er dazu verpflichtet wäre, als ob man den Ertrag der günstigen Geschäfte nicht nur für Unterhaltungen und Prahlereien verwenden müßte. Er hat aber nicht die Art, die KMKOMM ♦) **»♦ armen Leute durch Almosen noch tiefer zu demüthigen, sondern versucht es, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern, ihre Bildung zu heben, sie gesunder, selbstständiger, freier zu machen. Manche werthvolle Wohlfahrtseinrichtnng im Ostende Londons trägt seinen Namen. Und auch nach dem ferneren Osten, wo unsere unglücklichen Brüder wohnen, war sein Blick stets gerichtet. 1875 ging er nach Jerusalem und richtete dort Schulen ein. 1882 ging er an die russische Grenze, um an der Hilfsaction sür die ausgewiesenen Juden theilzunehmen. 1886 ging ec abermals nach Rußland, um die Judennoth zu lindern. Bei dieser Gelegenheit wurde erselbst ausgewiesen, und er berichtete dann im englischen Parlament über dieses Erlebniß. „Der Jude Montagu wurde ausgegewiesen", erzählte er dem Parlament, merkwürdigerweise ohne Scheu und Scham, als ob man sich nicht geniren müßte ein Jude zu sein, wenn man es einmal zu etwas gebracht hat. Im Jahre 1884 ging er auch üach dem fernen Westen Amerikas, um die Ackcrbau- Colonien der hinverpflanzten Juden zu besichtigen. Als ihm die liberale Partei, der er im Parlament angehört, einmal ein Bankett gab, durste er diese schlichten Worte von sich sagen: „Es ist die Genugthuung meines ganzen Lebens, daß ich nie meine religiösen Grundsätze geopfert, nie eine Abmachung gebrochen, nie ein Versprechen unerfüllt gelassen habe." — Er ist ein braver Mann, er ist Einer unserer Besten, möge er uns noch lange erhalten bleiben.

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