Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 1 (3.1900)
- Article
- Rom und Jerusalem
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 25 (sequence 2)
- Language
- German
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„Die p. Welt" Seite 25 seiner Väter ein Factor menschlichen Fortschritts; «ein würde. War es ilooh ein Franzose, Lahiiranne. der mit Worten flammender Begeisterung die nationale Wiederau tri cht ung des jüdischen Volkes ankündigte und die Fran- /.osen aufrief, zu diesem Werke ihre Hand zu leihen. Kein Wunder, dass im Freudentaumel seiner Dankbarkeit Moses Hess vergass, dass der Judenhass unter allen Völkern eine latente Erscheinung ist, so lange die Lösung der Judenfrage in seinem, in unserem Sinne nicht durch das jüdische Volk selbst in Angriff genommen wird. Die seh a r f e n Aeussc r u n g e n M o s e s lies s, ü b e r e i n z »lue K r s c h e i n u n gen i n n «• r h a l Ii d e r k a t h o 1 i s c h e n K i r c h e u n d d e n in a n n If a 1' t e n V o r k ä m p fe r d e r R e f'o r ni a t i o n s i n d » u s d e in 1' a r t e i s t a n d p u n k t e d e s s e I b e n zu b e u r t h e i I e n. u ml es b e (I a r f k a u m eine r A n d e u t u n g. d a s s d e r m o d e r n e Z i o n i s m u s längst ü b er dies e A n s c Ii a u u n g h i n a u s g e w a c h s e n ist. In der Zwischenzeit ist der zionistische Gedanke siegreich durch die Welt gezogen und hat hunderttausende begeisterter Anhänger geworben. Wir haben auf zwei Congressen der staunenden Menschheit gezeigt, dass noch Mark im jüdischen Volke steckt. Noch aber halten sich, wie Hess so richtig vorausgesehen, vorzüglich in Deutschland viele unserer Brüder in scheuer Furcht zurück, man möchte am Ende an den eben erworbenen verbrieften Hechten ihres Staatsbürgerthums rühren, wenn von der Thatsache etwas verlautet, dass sie nicht von Hermann dem Cherusker oder sonst einem unzweifelhaften Germanen stammen. Theils aber wagen es manche unserer Brüder, leider nur zögernden Schrittes, uns zu folgen, weil sie gerne dabei sein möchten, wenn der Zionismus sein hohes Ziel erreicht, aber ferne vom Schuss bleiben, wenn es gilt, darum zu kämpfen. Werft ab die Furcht. Ihr deutschen Juden, niemand wird (Such von Euren Rechten ein Titelchen bestreiten, schliesst Euch mannhaft uns an, Ihr zagenden Brüder, damit Ihr nicht den dreihundert Gideons allein die Ehre des Sieges lassen müsst! Zeigen wir den Völkern Europas, dass wir in unserer überwiegenden Mehrheit ernstlich gesonnen sind, dem jüdischen Volke wieder einen Boden zu geben, wo es seine ureigenen Ideale zum Wohle der Menschheit pflegen und entfalten kann, so wird uns die Sympathie der Völker Europas gewiss nicht fehlen. Die misstrauische Gehässigkeit, mit der heute vielfach die jüdische Hasse betrachtet und behandelt wird, weil man sie dem Materialismus und Mammonismus verfallen glaubt, wird sich in Achtung verwandeln, die man niemandem, der nach einem hohen Ziele strebt, versagen kann. Wenn die Neuauflage dieser Schrift etwas dazu beiträgt, hat sie ihren Zweck erfüllt. Möge sie aber auch dazu dienen, die indifferente Judenheit aus ihrem Schlummer aufzurütteln und ihr den Weg zu weisen, auf" dem ihr Glück und Freiheit winkt, dann wird diese Schritt eines edlen Stammesgenossen ein unvergängliches Ruhmesblatt in der jüdischen Geschichte bilden. Major Conder Uber Palästina. »Völlig cultiviert, würde das Land nicht nur seine Bevökerung unterhalten, sondern noch viel Getreide zum Export erübrigen, welches leicht mit dem russischen Getreide und dem von Indien coneurrieren könnte. Ich bin in den Bauernhöfen des Bechuana-Landes gewesen und in denjenigen des westlichen Transvaal; ich bin durch die Karoo gereist und bis zu den Grenzen der Kalchari-Wüste, aber es scheint, mir ausgemacht, dass diese neuen Gebiete für englische Colonisation bezüglich der Fruchtbarkeit und des W^asserreichthums sich mit Palästina nicht messen können . . ." (Aus Major C o n d e r s gedrucktem Vortrage .Jüdische Colonien in Palästina". London lWi-2.) Gustav Maier. „A u s Sy r i e n." Reiseskizzen. Bamberg. Verlag der Handelsdruckerei. (Preis elegant gebunden I Mark.) Es liegt uns ein kleines Büchlein vor. das dem Leser und besonders dem Zionislen in mancher Hinsicht Anregung bietet. Wir wollen hier einiges aus der Mai ersehen Schrift anführen: Gustav Maier war in Jaffa, an der syrischen Küste, im Libanon und in Damaskus. Das Land findet er, sobald es nur bearbeitet wird, fruchtbar. .Hier wird der Wein nicht an Stöcken oder Spalieren gezogen, sondern wuchert am Boden gleich den Gurken." Das Land ist auch nicht so klein, wie der nur die kleinen geographischen Karten kennende Europäer denkt. „Die syrische Küste vom Ost-Ende Aegyptens an bis zur Bai von Alexandrien bildet eine Linie ungefähr so lang, wie der Weg von Basel bis Hamburg — der Libanon hat die dreifache Länge des Bodensees und erhebt sich bis :!0;*l Meter über den Meeresspiegel." Das Land wäre eines der glücklichsten, wenn nicht die dortige .Wirtschaft' wäre. Vor allem fehlt es an Verkehrewegen. Es gibt nur eine von einer französischen Gesellschaft von Beirut nach Damaskus gebaute Strasse, die der Gesellschaft eine Dividende von 15 tK" „ einbringt. Dann kommen die niederträchtigen Münz-, Steuer-, Baehsehisch- und Justi/.verhältnisse. Ein Unterrichter bezieht W Mark, ein Oberriehtor lio Mark monatlich und „natürlich sind diese Beamten auf Bachschisch angewiesen, und die Gerechtigkeit muss käuflich sein." Besser sind die Verhältnisse im Libanon, denn der Pascha-Gouverneur des Libanon ist kein gewöhnlicher Pascha. Der Libanon hat seit den Christenmetzeleien im Jahre 18(i0 eine .besondere Regierung". Der Pascha wird alle fünf Jahre unter Zustimmung der Grossmächte eingesetzt. Das Land im Libanon ist auch viel besser gepflegt. Das Urtheil Maiers über die dortigen Christen ist kein günstiges. Den Muselman rindet er dagegen „gastfreundlich, bescheiden, uneigennützig und offen* und den gebildeten Mohammedaner sogar sehr tolerant. Das Verhältnis zwischen Christen und Juden ist dort ausnahmsweise einmal ein gutes weil beide Theile unterdrückt sind." F. Feuilleton. An mein Kind! Dein Vater und Deine Mutter sind Juden. Du gehörst daher dem Judenthum an. Wir haben diese Zugehörigkeit zum Volke Israel von unseren Eltern übernommen. Der Zusammenhang mit der Vergangenheit gibt den Menschen Kraft und Sicherheit. Unsere Mütter waren voll weiblicher und menschlicher Tugenden, und ich wünsche, Du mögest Deinen Nachfahren eine so feste Stütze sein, wie sie unserem Charakter Grundlage und Halt geboten haben. Es gibt nichts Schöneres, als die achten zu dürfen, die zu lieben uns die Natur gebietet. Wir durften das Judenthum nicht aufgeben ohne eijien Bruch in unserem Charakter. Ohne Festigkeit unseres Wesens könnten wir Dich nicht zu dem erziehen, was Du werden sollst — ein charaktervolles Weib. Es gibt nichts Höheres, als die lieben zu können, die zu achten uns die Sittengesetze gebieten. Wir lieben unsere Eltern und haben allen Grund dazu, wir tragen ihr Bild in unseren Herzen und wollten sie um nichts in der Welt verleugnen. Oder möchtest Du je Dich unser schämen wollen? W i r sind Jude n. So musst Du denn von Jugend auf den Fluch mittragen, einer Minderheit anzugehören, die von der Mehrheit als minderwertig angesehen wird. Du fühlst Unterschiede, ohne sie zu begreifen, Du erträgst Zurückweisungen, ohne sie zu verschulden, Du erregst Misstrauen, ohne es zerstreuen zu können. Und doch ist es besser, Du trägst den verschuldeten Mass und befolgst dabei die Lehren Deines Volkes und Deiner Eltern, alle Menschen ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität mit Deiner Liebe zu umfassen, als schon in früher Jugend im Herzen durch Hass vergiftet sein gegen Angehörige eines anderen Stammes. Die Leiden am eigenen Leibe, sie machen empfindlich für den Schmerz der anderen, sie erweichen das Herz und verfeinern Deine Sinne — der Hass verstockt und verroht die Menschen. Das ist ein Vorzug des Judenthums. Und wir übergeben Dir noch einen weit grösseren, unseren hohen Stolz, einem Volke zu entstammen, das der gesammten bestehenden Culturwelt seine Sittengesetze dictiert hat. Wenn sie in der Schule die Gesetze der christlichen Religion lehren, dann stehst Du vor der Thüre. Du dürftest zuhören. Echte Priester können füglich nichts sagen, was nicht in den Satzungen Deiner Religion enthalten ist