Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 1 (3.1900)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 23 (sequence 2)
- Language
- German
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„Die >^ Welt Seile 23 einem Trauergaste graue Erde au. den in die Gruft hinabgelassenen Sarg gestreut, Erde, die vom Oelberge stammt. * Lieber das neue Moss-Heim in Philadelphia, dessen jüngst erfolgte Einweihung wir meldeten, enthalten die Blätter ausführliche Besehreibungen, aus denen hervorgeht, dass das Gebäude, wie der dazu gehörige Park selbst unter den fürstlich eingerichteten Wolthütigkeitsanstalten Amerikas ganz einzig in seiner Pracht dasteht. Bei dem Spitale befinde! sich ein '20 Acres grosses Grundstück, worauf Gemüse und Früchte für den Bedarf gezogen w.rden. Ebenso wird die Milch von eigenen Kühen gewonnen. Ein christlicher Wohlthäier, Robert Macfie, vermachte dem jüdischen Board of Guardians ein Legat von ÖOOO Pfund Sterling für verfolgte .luden. Ein fürchterliches Erdbeben suchte im Oetober l*'M die Stadt Smy rn a und deren Umgebung heim. Namentlich das Städtchen A j d i n litt fürchterlich unter der Katastrophe: es wurde buchstäblich in einen Trümmerhaufen verwandelt. .Vi Personen, darunter Ii Juden, kamen ums Leben, und fast -2oti Personen werden vermisst. Zum Glücke befand sich niemand in den Synagogen, als der Hauptstoss erfolgte. * Aus Bukarest wird gemeldet: Der dominierende Eirilluss. welchen X. Eil ipescu auf die Leitung der Staatsgeschäfte ausübt, ist auch in den durch Ministerialdecret eingeführten Universiläts-Fremdentaxen zum Ausdrucke gelaugt. Dass die neue Verordnung, welche die au rumänischen Universitäten studierenden Eremden zur Vorausbezahlung einer Vierteljahrs-Taxe von 40 Lei für die philosophischen Fächer, von 00 Lei für die juridischen und von SM) Lei für die mediehüschen Studien verpflichtet, einzig und allein gegen die nichtnaturalisierten rumänischen Juden gerichtet ist. steht ausser Krage. Hervorzuheben ist, dass diese Bestimmung unter demselben Unterriehtsminister in Kraft tritt, welcher seinerzeit als Mitglied des Ministeriums Caiargiut'arp mit rühmenswerter Energie, wenn auch vergeblich, für die vollständige Gleichstellung der Fremden, das heisst also auch der nichtnaturalisierten rumänischen Juden, mit den rumänischen Staatsbürgern in der Unentgeltlichkeit des obligatorischen Volksschul-L'nterrichtes eingetreten war. * Die letzte Session des bayrischen Landtages hat ein jüdischer Alterspräsident eröffnet. Der älteste unter sämniilichen neugewählten bayrischen Landtags-Abgeordneten i*t nämlich der jüdische Abgeordnete Gabriel L ö w eustei n, welcher der socialdemokratischen Partei angehört. * Die G o 1 d f a d e n'sche Oper ,,S u 1 a m i t h" erweist sich im Budapester Kisfaludy-Theater als Zug- und Cassenstück ersten Hanges. Samstag den 12. d. M. wurde sie bei total ausverkauften! Hause zum f u' n f z i g s t e n m » I e gegeben. * Die höchste Würde in der italienischen Armee bekleidet derzeit ein Jude. Wie nämlich römische liiaüer melden, wurde der jüdische Generallieutenant Ottoi engin vom König zum General und Platzeommamlanten von Turin ernannt. Bekanntlich ist in der italienischen Armee die Piatzcommandatur von Turin mit der Würde eines Obersten Befehlshabers im Kriege verbunden. * Eine sehr interessante Aeusserung that jüngst der frühere Einwanderungs-Commissär der Vereinigten Staaten« Amerikas, S e n M e r. Indem er sich gegen das die Juden treffende Eiuwanderuugsverbot aussprach, meinte er, dass Amerika noch nicht auf dem Punkte der Entwicklung angelangt sei. um eine Ausschliessung der Einwanderung verlangen zu können. Jeder, der gegen die Einwanderung agitiere, sei ein Feind des Landes. Die Heile machte grosses Aufsehen, namentlich weil Senner, auf seiner reichen Erfahrung fussend. den russischen und polnischen Juden vorzügliche Leumundszeugnisse ausstellt und ihre Assimilafionsfahigkeit rühmt._____ Zeitschriftenrundschau. ..Balimore News" bringt ein Interview eines seiner Rcdaeteure mit Z a n g w i I I. das auch eine interessante Stelle über den Zionismus enthält. „Es gibt zwei Lösungen der Judenfrage" bemerkt Z a n g w i 1 1. .Die eine wäre, die traditionelle Bestimmung des jüdischen Volkes in die Wirklichkeit zu übertragen, d. h. den Völkern, unter denen die Juden leben, zu beweisen, wie veredelnd das jüdische Volk auf die übrigen Nationen wirkt. Israel sollte zeigen, dass es die höchsten Ideale sein eigen nennt, in deren Besitze es sich glücklicher und reicher fühle als irgendein anderes Volk. Wird es diese Ideale auch weiterhin besitzen wollen, dann wäre es mir lieber, es bliebe, wie jetzt, zerstreut über die ganze Erde. Wird Israel diese Ideale aber nicht mehr als sein alleiniges Besitzthum bewahren wollen, dann bleibt nur noch dieLösung der Judenfrage imSinne desZionismus übrig. Dann mögen alle Juden in Palästina vereinigt werden, um dort jenes Ideal zu verwirklichen, das in der Schaffung eines gesunden nationalen Körpers beruht. Ich weiss nicht, für welche dieser beiden Alternativen mau sich entscheiden wird, aber nach meiner Ueberzeugutig gibt es nur ein Entweder — Oder. Was mir nicht gefällt, ist dieses sinnlose Hin- und Herschwanken." In sehr ausführlicher Weise spricht sich der in Van n es (Frankreich) erscheinende „Progres" über den Zionismus aus, indem er auszugsweise eine Studie der .Revue chretienne* benutzt. Das Blatt kommt zn dem Schlüsse, dass manche europäischen Mächte dieser ebenso ..barbarischen wie unnützen Auswanderung** eines grossen Theiles ihrer Bürger nicht gleichgütig zuschauen werden. Ausserdem wäre eine solche Ausschreitung unmenschlich und blödsinnig. „Es verlohnt sich nicht der Mühe, beim Beginne des -20. Jahrhunderts in der sogenannten christlichen Gesellschaft. Parias und Enterbte zurückzulassen.' — Auch da fehlt das volle Verständnis für die Frage. Die Blätter vergessen, dass es sich in erster Linie um diejenigen Juden handelt, welche sich in ihren „Vaterländern'1 nicht assimilieren können oder wollen. Es ist eine längst bekannte Thatsache, dass gerade unter der christlichen religiösen Presse sehr warme Verteidiger der zionistischen Bewegung sind. So liegt uns ein in Amerika erscheinendes Blatt, „Sabbath Recorder'' vor, das in einem vorzuglichen Artikel auf die Erfolge des Zionismus in religiöser Beziehung hinweist. Wie er es zuwege gebracht hat, dass sich Juden — Orthodoxe und fieformer -- die sonst in den verschiedensten Sprachen sprechen und deren Lebensgewohnheiten die verschiedensten sind, in Basel während der Conyxessitzung zu einem „Minjan" zusammenfanden, um nur das Abendgebet nicht zu versäumen. Die zehn Personen gehörten acht Nationen an und sprachen fünf Sprachen. Der Leitartikel sehliegst mit den Worten : Jeder wahre Uhrist kann und wird dieser Bewegung seine Unterstützung leihen. Seit längerem schon befassen sich ausländische jüdische Blätter mit den galizischon Verhältnissen, namentlich unter Hinweis auf die vom B'nei-Berith-Orden geplante Hilfsaction. „Jewish Exponent", der dieser für die österreichischen Juden so hochwichtigen Angelegenheit bereits eine ganze Reihe äusserst, instruetiver Artikel gewidmet hat. erörtert in seiner Nummer von HS. v. M. die von der österreichischen Grossloge des genannten Ordens ins Auge gefassten Hilfsmittel und bemerkt dazu: »Obgleich wir jedes ernste Streben, das die Leiden unserer Brüder in Galizien zu lindern bezweckt, aufs freudigste begrüssen, müssen wir doch bedauern, dass der B'nei-Berith-Orden sich einer Aufgabe unterzieht, die seine Kräfte bei weitem übersteigt". Das Blatt geht nun Punkt für Punkt des Hilfsprogrammes durch, um den Beweis für seine Behauptung zu erbringen, und bemerkt zum Schlüsse, indem es sieh auf den Paragraph 1 des Entwurfes zur Hilfaction bezieht, welcher eine „internationale Union" verlangt: Weshalb denn eine neue .internationale Union schaffen, weshalb nicht den IV. Zionisten-Congress mit einer Prüfung dieser so ernsten Angelegenheit betrauen? War es nicht der Baseler Congress, wo zuerst der Donnerruf der „Judennoth"