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Die Welt · 1900-03-01 · 1 (3.1900) · p. 22

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
1 (3.1900)
Article
Berlin [Nachricht]
Date
1900-03-01
Page
22 (sequence 2)
Language
German
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Seite 22 ..Die & Welt" os wäre also jede vierte jüdischerseits geschlossene Khe eine Mischelle. Von den 50.000 in dem Zeiträume von lh75-isiCi in Preussen von Juden, resp. Jüdinnen geschlossenen Eh«-» waren mehr als 50UO Mischehen. * O, diese Juden! Folgender tragikomische Vorfall ereignete sich in Algier. Dort ist seit vielen Jahren der Gebrauch eingeführt, anlässiioh des Nationalfostes an die besten Schüler Geschenke in Form eines Spnreassonbuches zu übergeben. Unter den diesmal in einer Mädchenschule vorgeschlagenen 5 Schülerinnen befanden sich 3 jüdisch*-. Um mm die letzteren zu übergehen, ersuchte die SehuF behönle um die Nennung 5 anderer, in der MwmniLr. der Schulleiter werde diesen „Wink mit dem ZaunpfahF verstellen. Er nannte die 5 nächstbesten, aber, o weh! es waren lauter — Jüdinnen! * Infolge verschiedener gegen die Juden gerichteter Excesse. die, wie bekannt, den Tod eines Juden zur Folge hatten -- der dritte seit % Jahren -•• war durch den in Chicago taglich erscheinenden „Jewish Couriereine Massenversammlung einberufen worden, die sich in schärfster Weise gegen die antisemitischen Angriffe aussprach und zur Selbsthilfe zu schreiten besehloss. für den Fall, dass die Folizei in ihrer zur Schau getragenen Lässigkeit beharren werde. * Die seitens der englischen Regierung für das Jahr I8!is an die verschiedenen jüdischen Gemeinden gezahlten Subventionen bidiefen sich auf fast :!(«•() Ffund Sterling, o\w immerhin nicht unbedeutende Summe, die aber uinsontehr ins Gewicht fallt, als sich darin (las Interesse der entrlisolien Regierung bekundet, den daran hauptsächlich partieipierenden eingewanderten Elementen eine möglichst gute Schulbildung zutheil werden zu lassen. * In London soll demnächst ein bedeutendes pubncigtisches Ciiternehmeii ins Leben gerufen werden. Die Schriften, welche jetzt periodisch von der „Jüdischen Historischen Gesellschaft'' herausgegeben werden, sollen eine Erweiterung erfahren, indem nun eine allgemeine Jüdische F'ublications- Gesellschaft gegründet werden soll, die ebenso wie die gleichnamige Gesellschaft in Amerika alle Arten jüdischer Schritten herausgeben würde. Es soll sieh dabei in erster Linie um wissenschaftliche Werke handeln, dann aber auch um populäre, für die breiteren Massen beslininite Uebersetzungen der Bibel und Commentare. * Ueber , Die Juden in der Theaterwelt" bringt der „Jewish Exponent* einige bemerkenswerte, auf die Vereinigten Staaten bezügliche Notizen. Wir entnehmen dem Blatte da; Folgende: Würden die amerikanischen Juden ihre Unterstützung den hiesigen Theatern entziehen, dann iinisslen mindestens «1% ihre Thore schliessen, und die grossen Attractionen würden ohne Unternehmer dastehen. Von den renommierten Theatern, sowie von den bedeutenderen Schaustellungen werden über 80% von Juden geleitet, und 07% der grösseren und viele kleine Bühnen haben Juden zu Eigenthümern. Ein Kenner der Verhältnisse behauptete jüngst, dass in Chicago z. B. i,io% des Theaterpublieuins aus Juden bastelten, inNew-York soll das Ferceniverhaltitis ein noch grösseres sein. Hingegen befinden sieh unter den dramatischen Schriftstellern wenig Juden. Namentlich das Schauspiel weist wenig jüdische Autoren auf. * Am :M. Jänner waren es 50 Jahre, dass in die preußische Verfassung die Chtusel eingefügt wurde, welche die Gleichberechtigung der Juden aussprach. Im Jahre 1855 stellte dann der bekannte Kreuzzeitungsmann Hermann W a g n er den Antrag. Art. Fi zu streichen. Dr. Ludwig P h i 1 i p p s o it damals Rabbiner in Magdeburg, war der erste, welcher Farm schlug und mehr wie 300 preussisehe Gemeinden zu einem Proteste veranlasste. Die Folge war, dass der Antrag abgelehnt wurde. * Ueber den „Reichthum der Juden" gibt eine Mittheilung des Statistischen Bureaus des preussischen Ministeriums des Innern interessante Aufschlüsse. Unter den elf reichsten Leuten mit über;!() Millionen Mark Vermögen befindet sieh ein Judo (Rothschild in Frankfurt a. M ). Unter den l-G Millionären im Regierungsbezirke Potsdam befindet sich ai er überhaupt kein Jude, ebenso sind im Regierungsbezirke Magdeburg, Köln und Düsseldorf mit seiner grossen Zahl Millionäre mir sehr wenige Juden. Unter den f!» Glücklichen aber, deren jährliches Einkommen mehr als eine Million beträgt, sind nur lünf Juden. So steht's mit den . Reiehthümern" der Juden. * Der bekannte Berliner Professor Dr. B a g i n s k i hatte jüngst auf Veranlassung des Sultans die Pläne zu einem den Anforderungen der modernen Hygiene entsprechenden Kinder-Krankonhause geliefert, genau nach dem .Muster des Kaiserin Augusta -Hospitals, und erhielt als Anerkennung den Medjii)je-( irden, sowie die Medaille für Kunst und Wissenschaft. , * Laut dem neuesten Berichte des Einwanderungs- Commissärs der Vereinigten Staaten beträgt die Zahl der im Jahre 189.S insgesarnnit gelandeten Personen ti 10.000, um 8-J.000 mehr als im Vorjahre. Aus der bayrischen Pfalz wird gemeldet : Die königliche Regierung hat in einer Beschwerdesache eines israelitischen Lehrers entschieden, dass nach einer Entscheidung des Ministeriums des Innern israelitische Lehrer an conf'essionell gemischten Schulen nicht mehr Verwendung finden dürfen, sondern nur an jüdischen Elementarschulen. * In New-York wurde die erste Dame zur Vertretung vor den Gerichten zugelassen. Fräulein Alice Serber ist eine Judiii, die vor acht Jahren mit ihren Eltern aus Russiand nach Amerika kau), ohne im geringsten der Landessprache mächtig zu sein. Bereits nach fünf Jahren hatte sie ihre Studien an der New-Yorker Universität beendet und trat in eine Advoeaturskauzlei als Gehilfin ein, um sich praktisch zu vervollkommnen. Jetzt hat sie die Erlaubnis zur Ausübung aller Zweige der Rechtsanwalts-Praxis erlangt * In dem deutschen Orte Dillen bürg wurde ein lioycott geueu den zum Amtsrichter ernannten Assessor Levysohh dadurch in Scene gesetzt, dass man demselben trotz angebotener hoher Mietsgelder eine Wohnung verweigerte. Dtllenburg ist niunlich judeurein, * Der Bericht des ungarischen Cultus- und Unterrichtsministeriums für mm enthält eine Thatsaclie, die wahrhaft beschämend genannt werden muss. 15.177 jüdische Kinder besuchen keine Volksschulen; unter den Männern sind 30% und unter den Frauen 40% Analphabeten. Leider enthalt ('er Bericht keine Vorschläge zur Besserung dieses entwürdigenden Zustande«. Bis jetzt glaubte man, dass die bei Bestattung jüdischer Leichen übliche Mitgabe von Erde aus dem Heiligen Lande ein specitisch jüdischer Brauch sei. Dem scheint jedoch nicht so zu sein. Bei dem jüngst stattgefundenen Leichenbegängnisse einer christlichen Dame in London wurde von

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