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Die Welt · 1900-03-01 · 1 (3.1900) · p. 18

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
1 (3.1900)
Article
Juden in Athen
Date
1900-03-01
Page
18 (sequence 2)
Language
German
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Slitc IS „Die 3$: Welt beleuchtetes Gesicht, aus dem Intelligenz und Güte sprachen. Kr war ganz modern, sehr sauber, ja gewühlt gekleidet. Vor ihm sassen auf einer hölzernen Bank etwa zehn kleinere Knaben, denn der Betraum für die Frauen diente zugleich als Selnilzhnnier. und blickten mit grossen, neugierigen Augen auf den Fremdling. Zwei Männer leisteten dem Rabbiner Gesellschaft. Es waren flüchtige Israeliten aus Volo und Larissa. Der Rabbiner hatte etwas auf dem Herzen. Die Brandartikel, welche die gtiechisehc Presse in diesen aufgeregten Zeiten gegen die Juden richtet, bekümmerten den erfahrenen Mann. Sie hetzen den Pöbel auf und können unter Umständen zu einer ernsten Gefahr werden. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass all jene gegen sie geschleuderten Anschuldigungen völlig aus der Luft gegriffen sind. Die Israeliten standen ebenso wie die Christen im feindlichen Feuer, und die Last der Steuern ruht auf ihnen vielleicht noch schwerer, als auf den übrigen griechischen Staatsangehörigen, da die Gemeinde sehr arm ist. Die Gemeinde ist sehr jungen Ursprunges. Zu Anfang des Jahrhunderts gab es nur zwei bis drei israelitische Familien in Athen. Erst im Laufe der letzten Jahrzehnte entstand die jetzige Gemeinde mit eigener Synagoge, worin der Gottesdienst in hebräischer Sprache abgehalten wird, während das Spanische die Umgangssprache ist. Zur Militärstatistik der Juden. Wenn wir das militärstatistische Jahrbuch aufmerksam ansehen, gelangen wir zu der Feststellung, dass der Pereentsatz der Juden im Heere für Oesterreich ein wesentlich höherer ist. als gemeinhin behauptet wird. Die Juden stellen percentuell mehr Soldaten, als viele andere V'olksstämme in Oesterreich. Wenn die Juden bei 45 per Mille der Bevölkerung nur 38 per Mille des Soldatenstandes stellen, wie verhalt es sich mit den anderen Nationen? Das ist in demselben Buch zu lesen. l'err entsalz 1* e r ceti tsa t ss N a t i« n e ii d e r des B e völ k o r ii ii g Sud a l e »Standes Deutsche......300-5 pro mille 28s pro mille Polen.......1 58 i . ., , Czechen......233 2 .. ., IM- ,, Ruthenen......1322 „ , 84 „ '„ Slovenen......50*1 ., „ s!» „ , Diese vergleichende Statistik beweist doch mehr als ellenlange Betrachtungen. Bei keiner einzigen Nationalität decken sich beide Percentsätze! Allein durch Vergleichung der Daten des Jahrbuches vom Jahre 18!»;! mit den Resultaten der Volkszählung kann man noch zu anderen, für die luden sehr vortheilhaften Schlüssen gelangen. v , . Bevölkerung»- Soldaten- .\ a 11 <i n .... •,,. zitier 7, ii 1 v. r Deutsche...... 8,401.580 308.085 Polen....... 3.719.232 99.511 Czechen ...... 5, 472.871 154.08O Ruthenen...... 3,105.221 90.011 Slovenen...... 1.170.672 31.422 Juden....... 1.113.305 40.314 Und das bedeutet : Es etil fallen auf 100 Polen '-'•67 Soldaten ,, .. „ „ Czechen 2-81 ,, ., .. „ ., Slovenen 2-07 „ aber ,, ., Juden 353 ., und nur ., ,, Deutsche 3-<>t ,, Die Stätte der Gräber Davids und der jüdischen Könige. Herr (lermont-Ganneau verlas in der Sitzung der „Aeademie des inscriptions et helles lettres* vom 13. August eine Studie über die wahrscheinliche Stätte der Gräber Davids und der jüdischen Könige. Bekanntlich hat. dieses interessanteste Problem der jüdischen Geschichte und der hebräischen Archäologie noch immer nicht diesehnliehst erwartete I .ösung gefunden. Die ehemals von Herrn de Saucly gepredigte Lösung, der/.ulölge die königliche Nekropole in der Kolmr-el-Moluh im Norden von Jerusalem zu erblicken ist, kann nicht mehr aufrecht erhalten werden, führte der Vortragende zuerst aus. Dieses seltsame Grabmal, das im römisch-griechischen Stile erbaut ist. ist wahrscheinlich das der Königin Helene von Abadiene und hat nichts mit dem der jüdischen Könige zu schaffen. Herr Clerinont-Ganneau sprach dabei sein Bedauern darüber aus, dass die französische Regierung durch die Annahme der Schenkung dieses Grabmales durch einen reichen Privatmann eine Doctrin weihe, die eine wahre historische Ketzerei bilde: die Akademie müsse daher, auf ihre Autorität in diesen Fragen sich stützend, einschreiten, um eine Aenderung der Inschrift dieses Monumentes, das man die , Gräber der jüdischen Könige' benannt habe, herbeizuführen. Der Vorsitzende brachte darauf eine Menge historischer Beweise und vorzüglich genaue Studien eines unterirdischen Aquäducts von 5oo Metern Länge, der, wie eine hebräische Inschrift in phönicischen Charakteren am Ausgange desselben beweist, in den Felsen unter dem Hügel Ophel zur Zeit des Königs Zachias gegraben wurde, für die These zur Geltung, dass die Grabmäler der jüdischen Könige in oder an diesem Aqäduct zu suchen seien. Diese Wasserleitung nämlich, die einen wahren Tunnel bildet, besehreibt in ihrem südlichen Theile einen ungeheuren, rechtwinkeligen Umweg, für den sieh bisher keine Erklärung hat finden lassen; Her Clermont-Ganneau sucht zu beweisen, dass dieser Umweg nothwendig war, um nicht auf die jüdischen Königsgräber zu stossen, die sich in der Tiefe des Hügels befanden. Dieser Inductionsbeweis gestattet, genau das Terrain zu bestimmen, das man in Angriff nehmen müsste. um den geheimnisvollen Einang zu der Nekropole freizulegen, in der die Körper Davids, Salonions und ihrer Nachfolger beigesetzt sind. Dieser Eingang, der bisher allen Nachf'oi schlingen sich entzogen hat, müsste den französischen Gelehrten zufolge nicht, wie man bisher angenommen, in einer monumentalen Pforte, sondern in einer einfachen Brunnenöffnung bestehen, durch die man nach dem Vorbilde alter phöniciseher und ägyptischer Grabmäler in die Nekropole hinabstieg. Das beweise klar eine Stelle des Flavius .losephus. deren Sinn man bisher nicht verstanden habe. Auf diese schon vor längerer Zeit von Herrn Clermont-Ganneau enwickelten Ideen hin hat bereits ein englischer Archäologe, Dr. Bliss. natürlich ohne den Namen des französischen Gelehrten nur zu erwähnen, Nachgrabungen in diesem Sinne angestellt, ohne indessen irgend ein Ergebnis zu erzielen. Herr Clermont-Ganneau meint, dass das erklärlich sei. weil Bliss trotz seiner Clermonts -- genauen Angaben die Nachgrabungen von ausserhalb des Winkels angestellt, während man im Gegentheil innerhalb desselben hätte nachgraben müssen. Man müsse deshalb die Operation in dieser Richtung wieder aufnehmen. Das Studium der in dieser Hinsicht von den Gelehrten der Akademie unterbreiteten Vorschläge wurde einer aus den Herren Maspero. Prager, Oppert, Dieulafoy, Marquis de Vogue und dem Antragsteller zusammengesetzten Commission überwiesen. Die Juden in den höheren preussischen Unterrichtsanstalten. Das „Ergänzungsheft für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preussen" bringt folgende Daten über die Beteiligung der Juden in den höheren Unterrichtsanstalten. Es besuchten : Sommer 1890 evangel. kathol. jüdische dissident. »iymnasien 51275 22049 6583 117 IVogymnagien Realgymnasien Realprogy mnasien Oberrealschulen Realschulen 2522 Gymnasien Progy mnasien Realgymnasien Real progy mnasien Uberrealschulen Realschulen 51111 8512 1(1532 10310!» evangel. W!M 3 2111t 18021 1903 838(1 101(12 "100752 ~ 2540 36! 2 3004 2047 Mi 837 268 21 2117 656 12 2430 1830 95 '33073" 11745 373 Winter I8',I0'7 kathol. jüdische dissident. 21562 6424 112 2515 346 I 3006 2002 87 812 264 22 2100 624 41 2373 1799!M 32374 11459 354 Mit dem Zeugnis der Reife wurden entlassen aus den evangel. kathol. jüdische dissident. Gymnasien 2918 1220 343 0 Realüvmnasien 05') 84 31 9 Realschulen 124 34 6 3701"" ' ' 1438~"380 15 ~~ Es sind also mehr als ~'','%, der Schüler in den höheren Lehranstalten Juden. Unter den Abiturienten sind die Juden mit 7 "/„ der Gesammtzahl vertreten. Eine antike Landkarte Palästinas. Wohl die interessanteste und wertvollste Landkarte aus dem hohen Alterthum ist in letzter Zeit zu Madaba in Palästina entdeckt worden. Einein Berichte des Herrn lnspectors Gatt zu Gaza entnehmen wir nachfolgenden Thatbestaud : Gelegentlich des Baues einer Kirche fanden die Griechen einen Mosaikltoden. der ursprünglich wohl 2so (juadnitmeter umfasste. wovon beute nur noch 18 übrig sind. Dieser Mosaikboden bildet eine geographische Karle von Palästina, vom Berge Libanon bis nach Aegypten, vom Mitleimeere Iiis Mesopotamien. Die Zeichnung ist sehr genau, die Farben natürlich. Hochinteressant sind die einzelnen Partien. Man sieht noch ein Stück des Jordanllusses, in dem Fische schwimmen. Nordöstlich von Jericho führt eine Brücke über den Fluss. In der Jordans-Au verfolgt ein Löwe eine Gazelle. Auf dem todten Meere erblickt man Segelschiffe. Auf einer weiten Strecke Landes neben dem

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