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Die Welt · 1900-03-01 · 1 (3.1900) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
1 (3.1900)
Article
Sir Francis Montefiore über die Colonialbank
Date
1900-03-01
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Die O Welt» Seite l*> besprechen. Zunächst die C o 1 o n i a 1 b a n k. Ich glaube nicht, dass selbst der grösste Optimist unser Zeitalter itls das goldene bezeichnen wird; aber es ist dennoch ein »Zeitalter des Goldes". Niemals gab es eine Zeit, in der man zu -rossen Zwecken des Goldes •mehr benöthigte als in der unserigen. Cnd wie Ihnen bekannt, ist ja der Zweck der Bank d i e Ausführung des zionistis <• heu Programm e s. D e s h a 1 b a b e r ersuche i c h alle — und ernstlieh bitte ich darum die B a n k mit all e n Kräften zu unterstützen. Wir wissen es ja leider nur zu gut. das* unsere Gegner alles aufbieten, um dieses Unternehmen zu untergraben, und ilass sie vor keinem Mittel zurückschrecken, um ihren Zweck zu erreichen. Alle möglichen Schmiersehriften werden veröffentlicht. Da ist z. B. die Behauptung, die Bank werde zweifelsohne taugende armer Glaubensgenossen ruinieren, h-h trage im Namen des gesunden Menschenverstandes: k" a n n es wohl eine a b s u r d e r e B e, h a u p I u n g gebe n? Denn : In erster Linie kosten die Khares nur ein Pfund Sterling, und dann ist es doch eine (iesellscbat't. deren Haftpflicht genau tiegrenzt ist, so dass. selbst wenn die Antizionisten recht behalten sollten, niemand mehr verlieren kann als er eingezahlt hat. Entstammte die Ansieht unserer Gegner lauteren Motiven, diese Sorge um das Wohl unserer armen Brüder wäre wahrhaft rührend! Aber, meine Herten und Damen, ich bitte Sie. lassen Sie sich durch diese absurden V'oraussagungen unserer tiegner keinen Schrecken einjagen. Die Bank wird in der von ihren Gründern gewollten Weise und nach kaufmannischen Principien geleitet, und Sie werden beobachten können, dass es der Hauptzweck der Bank nicht ist, wie eine Gold machende Maschine zu wirken. Es ist aber meine ehrliche Ueberzeugung, dass die Bank, auch vom pecuniären Standpunkte beobachtet, erfolgreich arbeiten wird. Schauen Sie auf den Prospect und Sie werden nicht einen Namen finden, gegen dessen Integrität und Ehrlichkeit das Geringste einzuwenden wäre. Ich wünschte, dass dieses hinsiehtlieh aller jüdischen Banken behauptet werden konnte. Denn die Thatsache bleibt bestehen, dass gerade der Verdacht der Unehrlichkeit - - ob berechtigt oder nicht es war, der die Flamme des Antisemitismus über die ganze Erde verbreitet hat." Der Redner gieng dann über zum Verhältnisse der Türkei zum Zionismus und erklärte, dass es sich beim Zionismus in allererster Linie um eine Friedensbewegung handle, die auf legalem Wege einen türkischen Charter erstrebe, eine unerlässliche Bedingung zur Begründung und Selbsterhaltung von Colonien auf breiter Basis. „Aber, so höre ich einwenden, was sollte denn die Türkei dazu veranlassen'.' Wir wollen nichts umsonst, so antworte ich, wir werden der Türkei sogar mehr geben, als wir von ihr erhalten. Denn nicht nur werden die eingewanderten .luden Steuern und sonstige Abgaben zahlen, lias umliegende Land wird auch im Werte steigen, und die neuen Unterthanen werden loyale türkische Bürget werden. Wo immer die Juden in frieden leben durften, waren sie dem Lande eine Stütze." Weiler streifte der Hedner die übrigen sinnlosen Einwände der Antizionisten. namentlich die Behauptung, dass die ■luden in jenen Ländern, deren gleichberechtigte Bürger sie sind, durch den Zionismus ihre Stellung erschüttern. Hedner bewies an der Stellung, welche die .luden Englands einnehmen, wie absurd auch diese Behauptungen sind. Der Hauptzweck der zionistischen Bewegung sei, für jene Juden zu sorgen, die schlecht behandelt werden, und niemand wird uns daraus einen Vorwurf machen können. -- Es würde zu weit führen, die Hede auch nur in ihren Hauptstellen wörtlich wiederzugeben. Was wir brachten, mag als Beleg dienen, dass der ungeheure Enthusiasmus, den der Redner erweckte, ein wohlberechtigter war. Im weiteren Verlaufe der Sitzung sprachen noch Mr. B e n t w i c h und ,). d e Ha« s.- <" o w e ii. E m a n u c I u. a. Alle Redner ernteten reichen und wohlverdienten Beifall. Vor der Majestät. Wenn i<-li der leitende Staatsminister irgendeines europäischen Herrscher? wäre, würde ich meinem allergnädigsten Herrn über den Zionismus folgenden Bericht erstatten : .Die Zionisten erstreben nach ihrer eigenen Versicherung die Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte für den Theil ihrer Staintnesgenossen, der sich ttnfer den Wirtsvölkern nicht assimilieren kann oiler nicht will. Sie verfügen heule nach kaum dreijfdiriger Agitation schon über eine bemerkenswerte Organisation, eine Bank. Zeitschriften, locale Gornitcs. Auch an Nachwuchs fehlt es ihnen nicht, so dass man heute schon sagen kann, der Zionismus ist nicht eine vorübergehende Erscheinung, zu der es nicht verlohnt. Stellung zu nehmen. Der poetische Traum einiger rückwärts gewandter Geniüther ist, schon halbe Wirklichkeit geworden. I lunderltausetide, vielleicht Millionen der jüdischen Hasse erwägen ernsthaft, ob es möglich sei, auf dem alten Ileimatsboden wieder die Stätte zu finden, auf der, frei von Druck, jede Individualität sich unverkrüppelt etil wickeln könne. Für die Regierungen ergibt sich aus dieser Thatsache die Nothwendigkeit, zu prüfen, ob die vorhandene und unleugbar starke jüdische Volksbewegung zu fördern oder zu hemmen sei. Eine directe und öffentliche Stellungnahme verbietet sich meines Erachtens. Die öffentliche Unterstützung des zionistisch gesinnte» Theiles der Juden würde den zur Assimilation Geneigten kränken und verwirren. Die Zionisten selbst wollen nach ihrer eigenen Erklärung auf die as s h n ilatio n s 1) erei te n Stammesgenossen keinerlei Druck ausüben und ihre Neugründung nicht mit Elementen belasten, die dem Werke von vornherein innerlich widerstreben. Die europäischen Regierungen wiederum haben kein Interesse daran und kein Hecht, Staatsbürger abzustossen und zu verbittern, die im Lande geboren sind und noch direct erklären, nur in diesem Staate selig werden zu wollen. Die Judenfrage ist von gesetzeswegen durch die modernen Verfassungen gelöst, die confessionelle Unterschiede unter den Staatsbürgern nicht anerkennen. An den Verfassungen darf nicht gerüttelt werden. Es bleibt aber die Frage noch offen, ob sich nicht indirect das Bestreben der Zionisten fördern lasse. Sie wollen Europa einer schweren Bürde entlasten, jenes beträchtlichen Theiles der Juden, der entweder au religiösen und nationalen Traditionen zu sehr hängt, um in der unigebenden Bevölkerung in absehbarer Zeil unauffällig aufgehen zu können, oder zu stolz ist, sich undseineNachkommensehaft unaufhörlich als unbequemen Eindringling drangsalieren zu lassen. Es gäbe ein Mittel, die Zionisten indirect zu unterstützen, ein Mittel, das von ihnen selbst in Vorschlag gebracht wird. Wenn es gelänge, auf dem Wege freundschaftlicher diplomatischer Vermittlung Se. Majestät den Padischah zur Gewährung eines Charters in Palästina zu veranlassen, könnten die zionistischen Comites ihr Werk der Verpflanzung beginnen. Die Vortheile, die für das türkische Reich aus der Ansiedlung loyaler und ungemein agiler Unterthanen in Palästina und Syrien erwachsen würden, bedürfen keiner besonderen Darlegung. Es gilt noch zu untersuchen, ob die europäischen Staaten ein Interesse daran haben, sich ihrer assinülationsunl'äliigen Juden zu entledigen. Die Juden waren seit vielen Jahrhunderten ein Beslandtheil dei euiopüisehen Bevölkerungen, ohne

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