Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 8 (23.7.1897)
- Article
- Reise nach der Türkei
- Date
- 1897-07-23
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6J DirHVtlc Nr. 8. Stunde immer das Zimmer betreten, es herrschte eine fast bewir diese sondirten oder tamponirten, entrang sich höchstens ein ängstigende Ruhe darin. Mit geradezu stoischer Ruhe ertrugen leises „Allah, Allah* den Lippen dieser Armen, sie ihre Schmerzen. Die meisten Verletzungen waren offene I. Schalit. Schußkanäle, in denen manchmal noch die Kugel stak. Wenn (Schluß folgt.) Die zionistische Aeezte-Gepedttion. dJletaU. Ahmed Pascha. Dornreich. Schalit. Stern. Mahmud Bey. Schwarz. Von der Sonne gebräunt, an Erfahrungen reich find un- Pascha, dem Obercommandanten der türkischen Sanitätsabtheilung sere Freunde aus dem Kriege zurückgekehrt. Sie haben sich und Mahmud Bey, dem Commandanten des Hauptspitals in die Sympathie aller türkischer Kreise erworben. Das Regierungs- Larissa photographiren lassen. Dieses Bild reproduciren wir blatt „Jkdam" widmete ihnen einen Begrüßungsartikel. Vor hier für unsere Leser, ihrer Abreise mußten sie sich mit ihren Vorgesetzten, Ahmed Tribüne. (An dieser Stelle geben wir gerne Zuschriften Raum, die in schicklichem Ton Angelegenheiten von allgemeinem Interesse oder gerechtfertigte Beschwerden enthalten. Die Redaction.) . Geehrter Herr Redacteur! < In der Nummer 2 Ihres Blattes brachten Sie unter dem Tihel „Kleiderconfection in den Colonien" eine beherzenswerthe Anregung. Es hieß dort: * „Warum sollen die russischen Juden nach London ziehen, um daselbst einer schweren und hoffnungslosen Zukunft entgegen m gehen und nicht gleich nach dem südlichen Palästina, in die nächste Nähe des Absatzgebietes? Die Frachtspesen und die indirecten Steuern, die der Arbeiter in seinen Nahrungs- und Gebrauchsartikeln bezahlen muß, würden größtentheils entfallen, und dazu kommt der Vortheil der billigeren Lebensführung in Palästina. Durch den Ausbau der projectirten Bahnlinie nach Norden im Anschlüsse an die bereits bestehende Linie Jaffa-Jerusalem könnte ein neues ungeheueres Absatzgebiet erobert werden, Südasien. Es eröffnet sich da der ganze Allsblick auf eine neue, blühende Industrie und einen mächtigen Handel. Die Wolle könnte in Palästina selbst gesponnen und zu Tuch gewebt werden. Das gebirgige Judäa mit seinen Triften und Halden eiglret sich besonders zur Schafzucht. Die Felle der palästinischen Schafe rangieren unter die höchstnotirten im Courszettel. Das Unternehmen ist leicht und muß gelingen, denn es verbindet materielle Interessen mit den höchsten menschlichen Interessen." Gibt es -aber in unserem eigenen Reiche zu wenig Judenunglück, daß man immer auf die Juden anderer Länder verweist? Es muß uns geradezu mit Neid erfüllen, wenn unser, der Juden, im „gesegneten Galizien" sich niemand annimmt und aller Augen nur auf das fremde Elend gerichtet sind. In der Schule des Lebens wird man hart, die Noth. macht grausam. Wir, galizische Juden, sind so grausam, immer an uns zu erinnern, spricht man von einer Judenfrage. Vor Jahren haben bereits die Sozialisten in ihr Werkel eine neue Walze eingelegt, „die Talesweber von Kolomea". Fürwahr man muß nicht gerade Socialist sein, um das traurige Los dieser Lohnsclaven verstehen zu können. Hier können aber die Wahlen und die fünfte Curie blutwenig helfen. Der Lohn wird dadurch nicht höher ultd die Lebensmittel werden nicht billiger. Das Productionsfeld muß ganz einfach dem Consummarkte näher gebracht werden, damit die theure Fracht, die hohen Zollsätze und der vertheuernde Zwischenhandel entfällt. Das dies leicht und mit verhältnißmäßig geringen Mitteln auszuführen ist, will ich im folgenden beweisen. Es gibt in Kolomea 8 Fabriken mit 2—3, und 5 Fabriken mit 4—7 Webstühlen. Außerdem bestehen noch 3 größere Fabriken (Samson Heller, Jonas Säger und Abr. Bader), unter denen die Samson Hellers mit 32 Webstühlen, einer mechanischen Weberei und 35 Arbeitern den ersten Rang einnimmt. Jeder Webstuhl beschäftigt einen Arbeiter, zu zwei Webstühlen gehört bereits ein Aushilfsarbeiter, zumeist Knaben im Alter von 8—12 Jahren. Das Absatzgebiet ist merkwürdigerweise nicht Galizien oder Oesterreich, sondern Rumänien, Serbien, Bulgarien und vornehmlich Kleinasien, Syrien, Egypten, Marokko rc. Die galizischen Juden kaufen meist Gebetmäntel aus Palästina, sogenannte „türkische", da sie in den galizischen den