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Die Welt · 1897-07-16 · 7 (16.7.1897) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
7 (16.7.1897)
Article
Antisemitismus in Deutschland [Nachricht]
Date
1897-07-16
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 7. MHM." Seite I I. greifen und hinauswandern in eine ungewisse Zukunft. Das „Memeler Blatt" schreibt darüber: „Kaum wissen wir, was eigentlich die Ursache dieser verhängnißvollen Maßregel für die Bedaueruswerthcn gewesen sein mochte; so viel uns bekannt, sind die Gemaßregeltcn fleißige und ruhige Leute, die sich und ihre Angehörigen auf redliche Weise zu ernähren bestrebt waren und auch der Armenpflege keineswegs zum Opfer gefallen find. Vielmehr hatten dieselben nicht unerhebliche Abgaben und Steuern gezahlt, sowie nicht minder auch der hiesigen Bürgerschaft beträchtliche Einnahmen und Einkünfte zugeführt durch Deckung ihres Bedarfes an Lebensmitteln, Wohnung u. s. w." Der „Ostpreußische Generalanzeiger" fügt hinzu, daß bis jetzt im Ganzen 106 Personen Ausweisungsbefehle erhalten haben. Das Fest der ersten Ernte. Die von Ben-Jehuda in Jerusalem redigirte „Haschkafa" enthält folgende Mittheilungen: „Jerusalem. Das Schebuothfest ist nun vorüber, das Fest der „Offenbarung" und zugleich das der „ersten Ernte". Kein Jude, der in der Fremde wohnt, vermag diese doppelte Bedeutung des Festes zu empfinden. Nicht einmal die in den Städten Palästinas wohnenden Juden vermögen es so zu empfinden und zu begreifen, in welchem Zusammenhänge das an diesem Feste gelesene Buch „Ruth" zu der „Offenbarung" steht, wie es die Colonisten empfinden, die etwa in „Petach Tikwah", „Beer Tobiah" in Judäah und „Methula" in Galiläa den Ackerbau betreiben. Diese allein können das Fest der „ersten Ernte" verstehen und jene wunderbare Erzählung der heiligen Schrift von der Moabiterin „Ruth" nachempfinden — mit all den herrlichen und zarten Gefühlen, die in dieser unvergleichlichen ländlichen Idylle zum Ausdrucke kommen. Die Colonisten fühlen es nicht blos, sie sehen vielmehr mit eigenen Augen, was das Fest der ersten Ernte bedeutet: Da stehen jüdische Schnitter mit von der Sonne gebräunten Gesichtern, von Schweiß bedeckten Stirnen, mit den schwieligen Händen geschickt die Sense führend; da find Haufen von Getreidegarben, vor ihnen ein Schma us von Brod und Essig. Auch die Moabiterin ist dabei — in der Gestalt einer Araberin, die auf jüdischem Felde „Lcket, Schickcha und Peah" aufliest, das Verstreute, Vergessene und an den Ecken Wachsende, das vom jüdischen Gesetze als Eigenthum der Armen bezeichnet wird. Achtzehn Jahrhunderte lang fühlte» und kannten die Juden nicht die Annehmlichkeit dieses glückseligen, ruhigen Lebens in der Natur, des gesunden Lebens auf eigenem, sicherem Boden. Wie die Pilze schoßen sie ohne Boden empor, der Lebenssaft vertrocknete in ihrem Körper, sie verkümmerten innerlich und äußerlich, verwelkten immer mehr und mehr; jetzt erst nach achtzehnhundert Jahren gewannen fie ihre jugendliche Frische wieder, blühen sie wieder auf in ihrer ureigenen Heimat, aus der sie gewaltsam fortgerissen wurden, tränken diese mit dem Schweiß ihres Angesichtes und beleben sie durch ihrer Hände schwere Arbeit. Die Hamburger Ausstellung palästinensischer Colonien. Bekanntlich haben aus Rußland und Rumänien vertriebene Juden unter Beihilfe vermögender Glaubensgenossen in Palästina Colonien gegründet, wo sie dem Ackerbau obliegen. Die Producte dieser Colonien hier vorzuführen, ist der Zweck, der heute Vormittag eröffneten Ausstellung, die in einem gleich rechts vom Millernthor-Eingang neben dem Repsold-Denkmal durch den Architekten Löwengard errichteten Bau Aufstellung gefunden hat. Dieser Bau ist im Style eines der Colonistenhäuser gehalten. Die Munificenz verschiedener Gönner, Vereinigungen re. ermöglichten die Errichtung des Gebäudes, sowie überhaupt die gesammte Ausstellung. Schon früher sind Produkte aus palästinensischen Colonien in Berlin, Breslau und Köln gezeigt worden zu dem Zwecke, den Absatzmarkt für solche Produkte zu erweitern. Die am 29.Juni eröffnete Ausstellung soll höheren Zwecken dienen und zwar ohne Rücksicht auf wirthschaftliche Erfolge. Das Unternehmen der Colonisten verdient besondere Anerkennung. In anderthalb Jahrzehnten haben die aus Rußland und Rumänien zuströmenden Einwanderer in ungewohnter Arbeit sich bewährt. Das vom hiesigen Comits herausgegebene Programm sagt in dieser Beziehung: „Sümpfe mußten ausgetrocknet, steiniger Boden den Zwecken dienstbar gemacht werden u. s. w. Wo tausende von Jahren unter glühendem Himmel rings Alles in Oede starrte, ziert Berg und Thal jetzt eine üppige Vegetation. Ein Fleck Erde ist erstanden, auf dem in bezaubernder Pracht der reichste Segen orientalischer und occidentalischer Garten-, Obst- und Acker-Cultur blüht, reift und Früchte spendet. In 25 Dörfern wohnen jetzt 6000 zufriedene Einwohner, die unter dem milden Scepter des Sultans ihrer Freiheit sich freuen und Zeugniß davon ablegen, daß die Berufung und Qualifikation zur Landwirthschaft, die einst den Juden in bevorzugter Weise eigneten, trotz mehrtausendjähriger Unterdrückung in ihnen wieder aufleben, sobald ihnen unter geeigneten Verhältnissen dazu die Wege geebnet werden." Ein Diorama, hergestellt von Herrn Lütckens in Hannover, zeigt im Vordergründe eine Straße, Jacobstraße, einer Colonie. Im Hintergründe sieht man Theile von Jerusalem. Im Vordergründe sind Palmen, Oliven, Orangen, Mandeln, Granaten aufgestellt. Rechts von dem Diorama findet sich ein Raum mit Baumwollgeweben, angefertigt von Schülern der Ackerbauschule in Mikweh-Jsrael, Seidenraupen-Cocons, Seide, Teppichen, Photographien der Colonien und vor allen Dingen mit hochinteressanten, aus Oliven- und Cedernholz geschnitzten Gegenständen, u. a. Tintenfässer, Lehrpult, Spazierstöcke, Kasten, Bretter, Brotkörbe rc. Die Holzschnitzereien sind alle äußerst kunstvoll ausgeführt; sie enthalten Ansichten von Gegenden am Jordan sowie Inschriften in deutschen und hebräischen Schristzügen. Der Raum links vom Diorama bietet verschiedene Getreidesorten, als Weizen, Gerste, Sesam, Durrah; ferner Lupinen, Erbsen, Bohnen, Linsen und verschiedene Arten von vortrefflichen Kartoffeln. Weiter finden sich dort Proben von Sirup, Orangen, Hon'g, Olivenöl, Eau de Cologne aus dem Jordanthal, verschiedene Weinsorten, Eucalyptus-Honig, Karmelkräuter, Bittern („aus dem Osten") und Weintrauben. Leider war die Ueberfühiung von Traubenstöcken nicht möglich, weil mit der Türkei keine Convention in Betreff Vorbeugungsmaßregeln gegen die Reblaus besteht, doch hofft man vielleicht noch im August einige von den im Juli reifen Trauben hierher zu bekommen. An Gemüsen finden sich Carotten, Zuckererbsen und Bohnen. Die Cultur des Spargels ist erst seit vier Jahren in Angriff genommen. Trotzdem scheinen die ausgestellten Spargelproben auf eine sorgfältige Behandlung zu schließen und lassen große Hoffnung für die Zukunft aufkommen. Die größeren Bäume haben leider auf dem Transporte durch Seewasser gelitten, wie überhaupt der Transport aus den Colonien bis zur Küste, die Verschiffung von Jaffa nach Alexandrien und von dort nach Hamburg, vor allem aber die Verladungsschwierigkeiten und widrigen Witterungsverhältniffe, die der Eröffnung der Ausstellung besonders hinderlich gewesen sind. Erst im März d. I. wurde der Entschluß gefaßt, die Ausstellung mit größeren Pflanzen zu beschicken. Hätte man dazu früher Vorbereitungen treffen können, härte zweifellos Besseres geboten werden können. Dennoch ist das zur Ausstellung Gebrachte wohl geeignet, ein Bild von den Fleiß zu gewähren, den die Colonisten entwickeln, ihrem Boden das Beste abzugewinnen. Ein mit der Hauptsendung hierher gekommener Gärtner, Herr Glückmann aus der Colonie Maskereth-Bathjah (Ekron), ein Eleve äs 1'sools d’agriculture de Mikweh-Israel, führt die specielle Aufsicht über die Ausstellung. Der Herr spricht ein gutes Deutsch und gibt gern die erwünschten Aufklärungen. (Hamb. Nachr.) Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien, den 11. Juli. (Orig.-Corr.) Den fünf zionistischen Aerzten Dr. Schallt, Donreich, Stern, Metall und Schwarz, die am Dienstag beim besten Befinden von ihrer Expedition nach Thessalien zurückgekehrt sind, widmeten die meisten Wiener Blätter ausführliche Artikel. In allen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß sich die Genannten lediglich als Juden und aus Dankbarkeit für die ihren

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