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Die Welt · 1897-07-16 · 7 (16.7.1897) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
7 (16.7.1897)
Article
Der Congreß
Date
1897-07-16
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6. Nr. 7. garischen Gesinnungsgenossen die Herren Professor Belkovsky, Karl Herbst, Kaleb, Komano am 11. Juli gewählt. * * * Das Bukarester Tagblatt meldet: Sonntag Nachmittags fand in der Synagoge „Baron Hirsch" in der Calea Dudesti eine von etwa 2000 Personen besuchte Versammlung statt, die von einem aus den Herrn A. S. Bravianu, E. Schwartz, L. Stark, Jancu Petreaureanu, Zwiebel und Meitzendorf bestehenden Comits einberufen worden war. Die Versammlung, in welcher Josef B. Brociner den Vorsitz führte, hatte den Zweck, einen Delegirten für den Zionisten-Congreß zu wählen. Es sprachen Berman, Petreaureanu, C. Silberstein, Josef B. Brociner u. A. Sodann verlas Albert Zwiebel folgende Motion, welche mit Acclamation angenommen wurde: „Die Versammlung von heute, den 8. Juni, welche die Vereinigten Gesellschaften der Hauptstadt im Tempel „Baron Hirsch" abgehalten haben, anerkannten in Folge der stattgehabten Debatten den Mangel eines Repräsentanten der Hauptstadt beim Baseler Congreß und delegirt den Publicisten Herrn B. Margulies, um sie zu vertreten. Das Comitsmitglied I. Petreaureanu hatte sich angeboten, auf eigene Kosten dem Congreße beizuwohnen, doch wurde dies Anerbieten dankend abgelehnt." * * Vom Weltreisebureau Th. Cook & Son (Wien I., Kärntnerstraße 32) erhalten wir die nachstehende Zuschrift: „Da wir in Erfahrung gebracht haben, daß der Zionisten- Weltcongreß vom 29. bis 31. August d. I. in Basel stattfinden wird, erlauben wir uns den dahinreisenden Mitgliedern unsere Dienste zur Beschaffung von Billets anzubieten. Wir sind in der Lage Tour- und Retour-Karten, sowie Rundreisebillets von allen größeren Stationen des In- und Auslandes auszugeben, und erlauben uns nachstehend speciell die Preise für die Fahrt Wien-Basel und retour anzugeben. Die Giltigkeitsdauer dieser Billets beträgt mindestens 45 Tage. Wir sind gerne bereit, die an uns gestellten Anfragen wegen der Preise zu beantworten. Wien-Jnnsbruck-Zürich-Basel und retour I. Classe fl. 78.30 II. „ „ 53.40 *)UI. „ „ 24.50 * * * Es wird uns mitgetheilt, daß es in B a s e l ein gutes Restaurant gibt, welches unter Aufsicht des orthodoxen Rabbiners Dr. Cohn steht. Christen über die Judenfrage. Gladstone. Geehrte Redaction! Auf einen an W. E. Gladstone gerichteten Brief, der nebst einer kurzen Auseinandersetzung über Ziel und Zweck des Zionismus folgende Fragen enthielt: a) Was denken Sie über den Zionismus? b) Werden die europäischen Mächte eine zwischen dem Sultan und der „Jewish Company" getroffene Abmachung sanctioniren? c) Wird die christliche Welt es zugeben, daß die Juden nach Jerusalem zurückkehren? habe ich folgende Antwort erhalten (das Original liegt bei): „Dear Sir, My inclination would be to view with favour any reassembling of Jews in Palestine under Ottomah Snzerainty. But J assume there would be absolute religious liberty and equality? (Das Fragezeichen kann auch rc. *) Die Billets III. Classe berechtigen in Oesterreich nur zur Benützung der Personenzüge. sein.) I have not such an acquaintance with the whole subject as to entitle my opinions to weight. Your very faithful June 14 97.“ W. E. Gladstone.*) Ich denke, es wäre gut, die drei Fragen und die Antwort zu veröffentlichen. Charakteristisch ist nach meiner Meinung Folgendes: „reassembling“ — also nicht ein bloßes Auswandern, das Gladstone mit „to emigrate to Palestine“ hätte abthun können, sondern eine planmäßig angelegte Wiederversammlung. „snzerainty“ (unterstrichen) schließt den genügenden Selbstschutz in sich ein. Große Männer können große Gedanken erfaffen, ohne sich über die Folgen zu entsetzen — was man beispielsweise von der Münchener Cultusgemeinde oder dem Rabbiner Soundso nicht verlangen kann. Das Regime des „unspeakable Turk“ ist für Gladstone kein Horreur, solange er nur Suzerän ist. Charakteristisch und von großer Bedeutung ist der zweite Satz, der eine Antwort auf die dritte Frage ist. Gladstone ist ein guter Christ und noch dazu einer, der seine Bibel gut kennt. Und doch ist er bereit, der Auslieferung Jerusalems mit Allem, was damit zusammenhängt, an die Inden beizustimmen, wenn „absolute religiöse Freiheit und Gleichheit" gewährleistet werden. Ce n’est pas peu. s’il vous plait! Die zweite Frage ist unbeantwortet geblieben. Braila, 2. Juli 1897. Mt Zionsgruß I. H. Ellmann. Tribüne. (An dieser Stelle geben wir gerne Zuschriften Raum, die in schicklichem Ton Angelegenheiten von allgemeinem Interesse oder gerechtfertigte Beschwerden enthalten. Die Redaction.) Geehrte RedactionI Als vor einigen Jahren in den Straßen Korfus jüdisches Blut floß, da bemächtigte sich Ein Gedanke der gesammten Judenschaft: „Sollen wir die Esrogim benützen, die unsere Mörder gezüchtet haben? Sollen wir mit unseren Geldern eine Bevölkerung unterstützen, die unsere Brüder massacrirt hat?" Aber wir find ja leicht aufregbar, und nur in den Entschlüssen schwerfällig und kleinlich, wenn es sich um eine Thal handelt. Die Bequemlichkeit siegte. Daß inzwischen in Palästina eine Esrogim-Cultur aufblöhte, daß dort die Früchte mit jedem Jahre schöner und edler wurden, das wurde ignorirt. Und gerade von Seiten gläubiger und orthodoxer Juden, die ja für Palästina eine besondere religiöse, wenn nicht nationale Pietät hegen. Denn diese find es ja zumeist, die Esrogim während des Sukothfestes benützen. Nun naht dieses Fest wieder. Wir stehen wieder vor der Wahl, ob mit unseren Geldern die griechischen Erbfeinde des Judenthums zu füttern oder unsere Brüder, die im Schweiße ihres Angesichtes den Boden unserer Väter bebauen, zu unterstützen. Korfu oder Palästina? Juden! kann eS für Euch noch eine Wahl geben?! . . Zur rechten Zeit schreibt auch ein Budapester jüdisches Blatt zu diesem Thema Folgendes: „Wenn wir von einer durch die Bevorzugung Korfus begangenen Gottesschändung sprechen, so werden unsere Leser schon wissen, daß wir den Unfug meinen, der mit den Esrogim begangen wird, seitdem daS gelobte Land solche gottlob wieder in genügendem Maße producirt. Die heilige Angelegenheit im *) Geehrter Herr, ich wäre geneigt, eine Wiedervereinigung der Juden in Palästina unter ottomanischer Suzeränetät mit Wohlwollen anzusehen. Aber ich setze voraus, daß es da absolute religiöse Freiheit und Gleichheit gäbe. Ich bin übrigens mit dem ganzen Gegenstände nicht vertraut genug, um meine Anschauungen für gewichtig zu halten.

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