Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 43 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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^Är^^^s?-^ ^5^2 ,.??V S^^£w^gs&* :Dieto:elt , No. 43 :<JüeDISCH€R Fl ATI QUAL- FQP1 frS )] MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Zur gefl. Beachtung! Die Adresse der Berliner Zentralstelle für die Sammlung und Verwertung von Postwertzeichen für den Jüdischen Nationalfonds lautet von nun ab: Dr. med. Julius Loewenheim, Berlin W. 50, Neue Bayreuther Straße 8. Da unser Flugblatt Nr. 1 („Etwas zum Nachdenken"), dessen deutsche Ausgabe wir Ende v. J. in einer Auflage von 30 000 Exemplaren hatten herstellen lassen, schon nach einigen Monaten vollständig vergriffen war, haben wir eine Neuauflage (deutsch) in 20 000 Exemplaren veranstaltet, die soeben die Presse.verlassen hat. Wir bitten die Landes- und Distriktssammelstellen in den deutschsprachigen Ländern, uns ihren Bedarf an diesem Flugblatte, das allenthalben so lebhaften Anklang, gefunden hat, gefl. rechtzeitig aufzugeben. Ferner haben wir von dem genannten Flugblatte noch größere Bestände in hebräischer, franzosischer und spaniolischer Sprache vorrätig, worauf wir insbesondere die Gesinnungsgenossen in den Balkanländern aufmerksam machen. Die englische Obersetzung der Broschüre „Was ist und will der Jüdische Nationalfonds?*" ist soeben unter dem Titel „The Jewish National Fund and its Object"' (Translated. from the German, and published by the Head Office of the Jewish National Fund. Issued by theEnglish ZionistFederation. London 1908) erschienen. Näheres über die Bezugsbedingungen werden wir demnächst mitteilen. Die Stifter von Golden-Buch-Spenden werden wiederholt ersucht, noch vor der Komplettierung der Eintragungssumme der Landessammelstelle oder direkt dem Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds in Köln den genauen Text der gewünschten Eintragung, insbesondere den hebräischen Namen der einzutragenden Person oder Körperschaft bekannt zu geben, damit Reklamationen und überflüssige Korrespondenzen vermieden werden und die Ausfertigung des Diploms keine Verzögerung erleide. Wir empfehlen sämtlichen Sammelstellen, in ihren Spendenausweisen auch die Zahl der von ihnen in dem betreffenden Zeiträume verkauften Nationalfondsmarken und Telegrammblankette zu veröffentlichen, wie dies u. a. bereits die Landessammelstellen für Österreich, Rußland und Ungarn tun. Aus Berlin geht uns folgendes Schreiben zu: Sehr geehrte Herren! In Nr. 41 der „Welt" haben Sie das Thema „Kolportage und Büchsenleerung" zur Diskussion gestellt Wenn man sieht, daß andere Volksbewegungen, wie insbesondere die sozialdemokratische oder katholische, der Kolportage ihre größten materiellen und politischen Erfolge verdanken, so erscheint es seltsam, daß wir erst jetzt über diesen Gegenstand diskutieren. Worauf beruht denn eigentlich die Idee der Kolportage? Ganz einfach auf der Erwägung der unumstößlichen Tatsache, daß der Berg nur selten zum Propheten kommt, und daß daher dieser, wenn er etwas erreichen will, sich schon zum Berge bemühen muß. Ein solcher fast unbeweglicher Berg ist die indifferente Masse. Es ist nicht jedermanns Sache, Versammlungen zu besuchen; die meisten Leute ziehen "es vor, sofern sie für öffentliche Dinge Interesse haben, sich auf schriftlichem Wege zu unterrichten, und auch dies nur, wenn es ihnen in bequemer Weise möglich gemacht wird. Gar vielen Leuten bedeutet schon die Ausfüllung einer Postanweisung ein Opfer der Bequemlichkeit Diesem Umstände tragen die Verlagsunternehmungen aller Parteien Rechnung, indem sie durch eigens angestellte Kolporteure ihre Zeitungen und Bücher den Leuten ins Haus zustellen und diese Kolporteure die Kaufbeträge bezw. Abonnements persönlich entgegennehmen lassen. Der politische Zionismus hat in der kurzen Zeit seines Bestandes eine imposante Zahl von Zeitungen und Verlagsunternehmungen ins Leben gerufen. Leider rentieren sich jedoch nur sehr wenige; die meisten bilden nicht wie bei den Organisationen anderer Volksparteien, eine ergiebige Einnahmequelle, sondern im Gegenteil eine Belastung. Daran ist meines Erachtens hauptsächlich der vollständige Mangel einer planmäßig organisierten Kolportage schuld. An der Schaffung einer solchen sind alle unsere Institutionen in gleichem Maße interessiert. Es erscheint mir daher die Verbindung der Kolportage mit der Nationalfondsbüchse als ein besonders glücklicher Gedanke. Die Einrichtung der Büchsensammlung geht ja von dem Prinzip aus, daß den Leuten, die dem Nationalfonds eine Spende zuführen wollen, jegliche Mühe erspart werde, und daß sie ihr Geldstück jederzeit ohne Schreibereien und Gänge in die Büchse tun können. Die Nationalfondsbüchse findet deshalb erfreulicherweise immer mehr auch in den indifferenten jüdischen Familien Eingang und wird sicherlich in naher Zukunft zum erträgnisreichsten Sammelmittel des Nationalfonds. Wird dieser einerseits so gewissermaßen zum Vorposten des Zionismus, so bedarf er anderseits doch der "dauernden Unterstützung durch das geschriebene Wort, das den Leuten bei Gelegenheit der Büchsenleerung am besten vermittelt werden kann. Kurz zusammengefaßt: Alle maßgebenden Faktoren der zionistischen Organisationen sollten meines Erachtens hier zusammenwirken, um mittels einer nach dem Muster anderer Parteien organisierten, in Verbindung mit der Büchsenleerung zu schaffenden Kolportage in die breiten, für den Zionismus empfänglichen, aber indifferenten und bequemen Massen einzudringen und unsem Institutionen sowie unserer Literatur und Presse die nötige Popularität zu verschaffen. Für die Veröffentlichung vorstehender Zeilen bestens dankend, zeichnet mit Zionsgruß Joseph Böhmer.