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Die Welt · 1897-07-09 · 6 (9.7.1897) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
6 (9.7.1897)
Article
Iwan Franko [Rezension]
Date
1897-07-09
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6. J»#vwr Sette 15. polnischen Literatur geschaffen wurden, „Chawa Rubin" ist das echte Weib des polnischen Ghettos und Olouski hat sich mit dem Bilde dieser jüdischen Dulderin und Märtyrerin der Gesellschaft selbst ein Denkmal gesetzt. Wie widert es uns an, wenn wir nach dieser Erzählung das Buch Franko's in die Hand nehmen. „Hawa" ist bei ihm merkwürdigerweise ein Mann, oder eigentlich ein Knabe von 16 Jahren, der nicht arbeiten will, der das Handwerk als eines Juden unwürdig betrachtet (S. 31) und der sich darauf verlegt, das „Volk" zu betrügen und auszubeuten, dem kein Mittel schlecht genug ist, auch wenn es die Existenz von Menschen untergräbt, um sein ausbeuterisches Ziel zu erreichen. Der junge Hawa übertrifft sogar den alten Feiwel an Raffinement und der „Dichter" läßt diesen zum Schluffe sagen: „Nü, unbeschrieen — aus ihm wird gewiß was Großes werden! Zu meinen Zeiten hat es noch solche Knaben nicht gegeben. Wenn man bedenkt, daß der noch nicht 16 Jahre alt ist! Was wird der noch zu Stande bringen, wenn er 20 Jahre zählen wird! . . So niedrige, offene Tendenzmacherei war der polnischen Belletristik bisher fremd. Es blieb einem Ruthenen Vorbehalten, sie damit zu bereichern. Warum jedoch Herr Franko zu seinem Machwerk die polnische Sprache mißbrauchte, bleibt uns unbegreiflich. Es interessirt uns übrigens wenig. Wichtiger erscheint uns, wie der „ruthenische Radicale" und „Socialist" seine Verleumdung begründen kann, daß Juden ehrlich' Handwerk und ehrliche Arbeit scheuen. Die jüdischen Arbeiter von Kolomea, Boryslaw, Drohobycz, Lemberg u. s. w. könnten ihn direct befragen. Viele von ihnen sind ja seine „Genossen". L. In dem jüngst erschienenen, bis jetzt vorliegenden Bande der von ihm gegenwärtig heransgegebenen „Deutschen Wirthschaftsgeschichte im Mittelalter" hat der bekannte Historiker Professor Carl L am tzrecht einen besonderen Theil dem Einfluß der Juden aus Handel und Cultur im Mittelalter gewidmet. Seine durch wissenschaftliche Objectivität sich auszeichnenden Ausführungen, die an sich schon deswegen höchst werthvoll sind, weil sie die spärlichen Nachrichten, die wir bisher über die materielle Lage der Juden im Mittelalter haben, durch ein reiches Material vermehren, enthalten eine Auslassung von besonderem Interesse. Nachdem er nämlich-gezeigt, wie die Juden keineswegs von jeher Bankiers oder Wucherer waren, sondern anderen Beschäftigungen obgelegen hatten, wie vielmehr der Contrast zwischen dem Aufblühen ihrer materiellen Lage und ihren privat- und staatsrechtlichen Verhältnissen zu höchst abnormen Erscheinungen führen mußte und die Juden gegenüber den gegen sie geübten Brandschatzungen gezwungen waren, va banqne zu spielen, d. h. herauszuschlagen, was herauszuschlagen war, beleuchtet Professor Larnprecht die directe Ausbeutung des Wuchers zu Gunsten der Landesherren, jenes „raffinirt durchdachte System, den Juden das Odium des Wuchertreibens zu überlassen, den Vortheil der Wucherfrüchte aber selbst nach Belieben einzuheimsen" und kommt zum Schluß auf die Einwirkung der Juden auf die Finanzverwaltung zu sprechen, wobei er sich in folgender bemerkenswerther Weise äußert: „Wenn sich auch auf dem Gebiete der Finanzverwaltung Spuren einstiger jüdischer Einwirkung verwischen ließen, so blieb diese Einwirkung doch jedenfalls in der Gesammtgeschichte der Territorialbildung nicht ohne tief eingreifende Ergebnisse. Wohl schwerlich wird sich in anderen deutschen Territorien die Bedeutung des jüdischen Einflusses bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts in ebenso sicherer Weise veranschaulichen lassen, wie z. B. in Trier, indeß wird es doch möglich sein, in den meisten Territorien einzelne Spuren einer in analoger Weise ausgebildeten Einwirkung aufzuweisen. Ist dies aber der Fall, so kann den Juden ein bemerkenswerther, wenn auch erzwungener Antheil an der Entwicklung des deutschen Territoriums und damit des modernen deutschen Staates nicht abgesprochen werden." - („B. B.-C.") S. D. Luzzatto über Palästina. „Bon Jerusalem ist abzusehen. aber, das ganze übrige Palästina müßte allmälig von den Hebräern cultivirt und benützt werden und wie einst im Alterthum, durch Producte der Natur und der Kunst zur Blüthe gelangen. Die Hauptsache ist, daß die Regierung der freien Entwicklung der Thätigkeit und der Industrie der Hebräer keine Hindernisse entgegenstellt. ." (Aus einem italienischen Briefe Luzzatto's an A. Cohn (Paris), datirt aus Padua, den 10. Juli 1854. Luzzatto, Epistolario Bnd. II., pag. 788). — Emes. S. D. Luzzato über Nationaljudenthum. „Und nun ermanne Dich, theuerer Freund, und sprich am bevorstehenden Schewuothfeste vernehmlich und warm zur Gemeinde, auf daß sie erbebe und beschämt werde. Sage ihnen, daß unsere Zerstörung unter den Völkern nicht dazu ist, damit wir unsere Nationalität (Der Ausdruck „Nationalität" ist auch im hebräischen Text ebraucht) vergessen." (Aus einem hebräischen Briefe Luzzato's an Ad. A. Geiger (Breslau) datirt vom 13. Mai 1850. Luzzato, Epistolario, Band II, pag. 584.) Emes. Urtel Acosta Erzählung von I. Zangwill. II. Theil: Uriel Acosta. (5. Fortsetzung.) Als daher seine im Priraton gehaltenen Donnerreden ihm eine Vorladung vor den Gerichtshof der empörten Rabbiner zuzogen, ließ er sich von dem CH ach am und seinen Rabbinern in feierlichen Talaren durchaus nicht einschüchtern. „Pharisäer!" schrie er und trotz seines verlorenen Chrisienthums lag all' die Verachtung seiner früheren Erziehung in diesem Worte. „Epikuräer!" entgegneten sie mit noch vernichtender Verachtung. „Nein, Epikur habe ich nie gelesen und was ich vom Hörensagen von seinen Lehren weiß, empört mich. Ich bin für Gott, die Vernunft und ein reines Judenthum." „Gerade so hat Elischa Ben Abuya in Palästina gesprochen", warf der zweite Rabbi etwas milder ein. „Elischa mit seiner griechischen Cultur, der vom Sinai zum Olympos schritt und im Atheismus endete." „Ich weiß nichts von Elischa, aber ich wundere mich nicht, daß Euere Lehren ihn zum Atheismus trieben." „Sagt ich's nicht, aus Dir spricht nicht das Judenthum, sondern der Atheismus! Aber einen Atheisten dürfen wir in unseren Reihen nicht beherbergen; unsere Amsterdamer Gemeinde ist jung, wird erst geduldet, und diese Holländer sind zum Aufruhr geneigt. Wir haben uns Grund und Boden mühsam erobert. Verräther, willst Du die Dämme durchbrechen!" „Du bist ein Verräther!" entgegnete Uriel. „Ein Verräther an Gott und seinen heiligen Gesetzen." „Schweig!" donnerte der CH ach am. „Oder Du wirst in den Bann gethan werden." „Schweigen?" antwortete Uriel zornig. „Nein, ich habe um der Freiheit willen mein Vaterland verlassen, da werde ich des Bannes wegen nicht schweigen!" Das that er denn auch nicht, sondern erschöpfte sich zu Hause wie auf der Straße in Schmähungen und Verwünschungen. „Set still, Uriel!" bat seine bejahrte Mutter, die sich um das Glück sorgte, das ihre Seele endlich in ihrer alten geistigen Fülle gefunden hatte. „Das Judenthum, das Du verhöhnst, ist das reine, das wahre JudentLum, wie es mir in meiner Mädchenzeit gelehrt ward. Laß' mich in Frieden ins Grab steigen!" „Sei still, Uriel!" beschwor ihn sein Bruder Josef. „Wenn Du nicht nachgibst, werden der alte Manasse und seine Freunde mich von den einträglichen, westindischen Speculationen ausschließen, in denen ich auch Dein Geld angelegt habe. Manafse hat auch eine hübsche Tochter und mich dünkt, ihre Augen ruhen nicht unfreundlich auf mir. Gib nach, ich bitte Dich; diese Religion gefällt mir sehr gut. Keine Beichte, keine Verdammnis und es ist der Glauben unserer Väter." „Nein, keine Verdammnis, aber auch keine Seligkeit! Sie lehrt nichts von Unsterblichkeit; ihr Glaube ist nur von der Erde." „Warum hast Du mich also aus Portugal fortgeschleppt?" fragte Josef zornig. Aber Uriel, das „Feuer Gottes," war nicht zu ersticken und so fuhr nicht ohne häufige Warnungen das Feuer der Menschen auf ihn herab. In einer feierlichen Versammlung der schwarzausgeschlagenen Synagoge, mit furchtbaren Symbolen von ausgelöschten Fackeln ward Uriel Acosta in den Bann gethan

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