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Die Welt · 1897-07-09 · 6 (9.7.1897) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
6 (9.7.1897)
Article
Krakau [Nachricht]
Date
1897-07-09
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. k. Seite 13. Behörde erster Instanz für Krakau die gleiche Begüirstigung. Die Petition wurde vom Magistrat dem Gemeinderath zur Begutachtung abgetreten und dürfte die Debatte zu einem Zusammenstöße zwischen den konservativen und fortschrittlichen Parteien führen. Als Einleitung hiezu darf eine Artikelserie im konservativen Organ des Grafen Badem, „Czas" „Die Kätholiken und die Sonntagsruhe* betrachtet werden. Die Artikelserie ist von hoher politischer Bedeutung Wäre nicht die öffentliche Meinung so von den Sprachenverorduungen verblendet, so würde sie gewiß über dieselbe nicht so einfach hinweggehen. Das klerikal-konservative Blatt liest den Herren von der „Congregation", die ihre Petition mit antisemitischen Phrasen gespickt haben, gehörig den Text. Es reißt ihnen und der ganzen Gesellschaft, nicht blos in Galizien, sondern auch anderweitig, die Maske vom Gesicht und brandmarkt fie als das, was sie sind: als Menschen, die aus ihrem Christenthnm Capital schlagen und für die der Antisemitismus ein Geschäft ist. Der „Czas* sagt: „Das Argument von der jüdischen Concurrenz und der von den Inden bedrohten Existenz der katholischen Kaufleute trifft in diesem Falle nicht zu. Die Concurrenz, die schweren Existenzbedingungen find vorhanden, aber wenn die Bevölkerung gern bei den Juden kaust, sollte sie weniger gern kaufen, wenn es den Juden gestattet sein wird, statt bis 10 Uhr bis 12 Uhr Mittags ihre Geschäfte offen zu halten? Die Verordnung verpflichtet ja ebenso die Juden wie die Christen, und wer zum Juden gehen will, der wird ihn selbst während der Messe treffen. Um das zu verhindern, müßte man den Juden verbieten, ihre Geschäfte von 10 bis 12 Uhr offen zu halten und dies ausschließlich Christen gestatten! Schließlich kommen wir dazu, die Christen ganz von der Sonntagsruhe zu befreien und die Sonntagsruhe nur für die Juden zu verlangen! Das fehlte uns noch .... „Wir haben es gern, unser Christenthum in den Vordergrund zu schieben, wenn es sich handelt um einen Act der Verachtung oder des Hasses gegenüber den Juden. Wir schmunzeln, wenn ihnen Jemand zusetzt, wenn wir Alles Schlechte, das bei uns vorgeht, den Juden in die Schuhe schieben können. Und doch beruht ja das Christenthum nicht auf dem Haß, nicht auf der Negation, und wenn wir unsere Fehler auf andere schieben, so erreichen wir nichts Positives." Meine vorwöchentliche Correspondenz muß ich noch dahin ergänzen, daß das „Stück* des Oberstaatsanwalts-Stellvertreters von Kalitow ski, „Die Volksverführer", nicht blos antisemitisch, sondern auch antisocialistisch ist. Nur aus letzterem Grund haben DaszynSki und Genossen dagegen demonstrirt. Ich erwähne das deshalb ausdrücklich, weil ich die hiesigen Socialisten nicht vor ihren Wiener „Genossen* verdächtigen möchte, daß fie eine „Judenschutztruppe* bilden. Das sind fie ja nicht und daS wollen sie auch nicht sein. Tarnotv, den 6. Juli. Hier kam es in Folge eines Wortwechsels in einer Schänke zwischen dem Gastwirthe und einem Infanteristen, der die Bezahlung für genossene Getränke verweigerte, zu einem Straßenexceß. Infanteristen überfielen einige Judenhäuser und die Synagoge; ein Jude wurde getödtet und ein zweiter schwer verwundet. Budapest» den 3. Juli. (Orig.-Corr.) Bekanntlich hat der Wiener Bürgermeister Dr. Lueger vor einigen Tagen eine Spritzfahrt nach Preßburg unternommen. Bei dieser Reise sind ihm jedoch einige kleine Unannehmlichkeiten pasfirt, die ihm gewiß die Lust benehmen werden, für die Zukunst diese Stadt mit seinem Besuche zu „beehren*. Der hiesigen „Allg. Jüd. Zeituug* wird darüber berichtet: „Sohin begab sich Dr. L u e g e r in die Schloßgrundgaffe, die fast ausschließlich von Juden bewohnt wird. Hier wurde er jedoch erkannt. Von Minute zu Minute wuchs seine Begleitersschaar immer mehr an. Durch die Zurufe und Bemerkungen entsetzt, flüchtete sich Lueger mit seiner Umgebung in die Kapuzinerkirche. Hier warteten die Gaste, bis die telephonisch avisirte Stadthauptmannschaft zu ihrem Schutze einschritt. Unter Abzugrufen eilte Dr. Lueger zu einem Wagen, von dem er sich in's Hotel führen ließ." Amerika. Rew-Nork. (Orig.-Corr.) Bei der Besetzung der Ausschuß-Stellen im Centralverein der amerikanischen Zionisten fiel die Wahl auf die Herren Rabbiner M. Kopfstein (Präses), Dr. Arthur Kahn (Bicepräses), Anton Moschkowitsch (Schatzmeister), Leopold Alexander (Sekretär). Dr. Michael Singer hat es abgelehnt, irgend ein Amt zu bekleiden. Der Verein rüstet jetzt zu den zionistischen Agitations-Versammlungen, welche in nächster Zeit in rascher Reihenfolge stattfinden werden; die Entsendung von Delegirten für den Zionistencongreß wurde bereits beschlossen. Baltimore. (Orig.-Corr) Die „Zion Association* hat sich in der letzten Versammlung ausdrücklich für die Herzl'sche Idee erklärt und beschloffen, zum Congresse einen Delegirten zu schicken. Zeitschriften-Rundschau. — Der „Berliuer Börseu-Courier" schreibt: „Als einen zweiten Factor für die jetzige agrarsocialistische Bewegung in Ungarn muß man unbedingt auch die antisemitische, ultramontane Hetze betrachten, von „Cavalieren" ausgehend, die dem „verjudeten" Liberalismus die liberale Kirchengesetzgebung nicht verzeihen können. Freilich ist es jetzt, nachdem der „Ägrar-Socialismus", mit dem die vornehmen Herren anfänglich nur zum Zeitvertreibe gespielt, nunmehr bitterer Ernst wurde, in jenen Kreisen mit der Volksbeglückungsphrase auffallend still geworden. Aber der Stein ist nun einmal ins Rollen gekommen, und so lesen wir tagtäglich von Bauernrevolten, die häufig zwar „nur gegen die jüdischen Pächter gerichtet sind, oft aber auch die blaublütigen Aristokraten nicht verschonen, so so daß militärische Hilfe herbeigeholt werden muß." Vereinsnachrichten. Wien. (Jüdisch-akad. Verbindung „Unitas".) Die jüdisch-akademische Verbindung „Unitas" hat laut Plenarbeschluß vom 25. d. M. an sämmtliche jüdisch-nationale Studentenverbindungen und Vereine die Einladung ergehen lassen, sich mit ihr behufs Abhaltung eines zionistischen Studententages ins Einvernehmen zu setzen. Es soll auf diesem „Tage" unter anderem ein Programm für die Agitation entworfen, sowie auch die bereits mehrfach angeregte Frage eines näheren Zusammenschlusses sämmtlicher jüdisch-nationalen Verbindungen besprochen werden. Diese Anregung wird hoffentlich auf fruchtbaren Boden fallen. Kanitz. (Ferialverb indung „Astra".) Die Ferialverbindung jüdisch-nationaler Hochschüler „Astra". (Präses med. Julius Wolf) gab die Anregung zu einem Cartell der jüdisch-nationalen Ferialverbindungen „Gamala" in Lundenburg, „Achiw ah" in Ung. Hradisch, „Zephirah" inWrünn, und der „Ferialverbrndung jüdisch-nationaler Hochschüler" in Olmütz. Die genannten Ferialverbindungen, deren Hauptcontingent an Mitgliedern die Wiener zionistische Finkenorganisation stellt, haben sich die Verbreitung des Zionsgedankens über Mähren und Schlesien zur Aufgabe gestellt. Eine Kundgebung für den Baseler Zionistencongreß wird nächstens erfolgen. —-- IeuiLLeton Mann wird er kommen? Bon Leo Rafaels. Am Tische des kleinen, niedrigen, einfenstrigen Zimmers sitzt die Mutter still und verträumt; sie hat die Arme um meinen Hals geschlungen, mein Kopf ruht an ihrer Brust. Die frühe Dämmerung des Decembertages hat den engen Raum längst in Dunkel gehüllt; nur der Schimmer des Schnees im Hofe und auf dem steilen Dache des gegenüberliegenden Häuschens fängt sich in den blankgeputzten Messingleuchtern und das weiße Tischtuch ist das einzig Helle im Zimmer. Es ist so still und feierlich um uns zwei... Ich weiß ganz genau, daß die Mutter nicht schläft, denn von Zeit zu Zeit fühle ich ihre lieben Finger in meinem Haar, flüchtig, verstohlen: Mutter ist nicht gewohnt, ihre Zärtlichkeit zu verschwenden. Ich fühle mich unsäglich wohl in der wunderbaren Stille... nicht einmal die Uhr ist zu hören,

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