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Die Welt · 1897-07-09 · 6 (9.7.1897) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
6 (9.7.1897)
Article
Judenverfolgungen in Persien [Nachricht]
Date
1897-07-09
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12. Pk$WC Nr. 8. schlossen alle Juden in Persien auszurotten. Zu diesem Zwecke hat er vor vierzehn Tagen alle Rabbiner nm sich versammelt und ihnen erklärt, daß alle Juden den mohammedanischen Glauben annehmen müssen, widrigenfalls er sie vernichten werde. Die Bitten der Rabbiner blieben fruchtlos. Sayid formulirte inzwischen sür die Juden folgende Einschränkungen. Von dieser find zwei sehr schwerwiegender Natur. Die Eine, die übrigens schon unter dem früheren Schah zu Recht bestand und erst vor 13 Jahren über englische Intervention aufgehoben wurde, räumt die Verlassenschast eines Verstorbenen nur dem Verwandten ein, der den mohammedanischen Glauben angenommen hat, die zweite legt den Juden die Verpflichtung auf, einen rothen Fleck zu tragen. Dann erzählt der Brief weiter: Am 9. Mai überfielen fanatische Moslems die von Juden bewohnten Gassen, plünderten die Häuser, mißhandelten die Juden in der brutalsten Weise und schleppten sie auf den Markt, um ihnen den Kopf ganz kahl zu scheeren und chre Kleider mit einem rothen Fleck zu zeichnen. Auch das Haus Chacham Nehooray's, eines selbst bei Moslems angesehenen Arztes wurde überfallen uud die Einwohner in gleicher Weise behandelt. Der Sohn des Chacham und mchrere andere Judm nahmen, um den Qualen zu entgehen und ihr Leben zu retten, den Islam an. Kein Jude verläßt sein Haus. Frauen werden geschändet und Häuser geplündert. Jeden Tag wird eine große Massacre befürchtet. Die Bevölkerung ist von jenem Geistlichen derart aufgereizt, daß sie schon wiederholt vom Chief Moshtahed die Erlaubnis zur Abschlachtung der Juden erbeten hat. Man beschuldigt die Juden aller möglichen Verbrechen, und in das Judenviertel werden Leichen hineingeschmuggelt, um dann den Verdacht der Ermordung auf die Juden zu lenken. „Seit neun Tagen find die Judengassen von Soldaten beschützt, aber die Regierung wird bald nicht mehr im Stande sein, den Fanatismus auszuhalten. Schon hat der Schah seine Reise nach Europa aufgegeben und die Regierung hat den Juden aufgetragen eine Marke mit der Aufschrift „Moosa-ih" (ein Anhänger Mosi) zu tragen. „Wir appeliren an alle Engländer und Engländerinnen, an alle freiheitsliebenden Männer, im Namen der Humanität, im Namen der Brüderlichkeit, im Namen des Himmels, helfet, so lange noch nicht alle zu Grunde gegangen sind. Sonst werden wir alle todtgeschlagen, nur deßhalb weil wir nicht Mohammedaner werden wollen.* In Folge dieses Briefes haben bereits die Anglo-Jewish- Association bei Salisbury und die Pariser Alliance beim Minister des Aeußern Schritte unternommen. Die Mischehen. Das jüngst erschienene Heft der „Zeitschrift des königl. preußischen statistischen Bureaus" bringt unter den Daten über die Bewegung der Bevölkerung in Preußen aus dem Jahre 1895 sehr interessante Mittheilungen über die Anzahl der Mischehen. Wir ersehen daraus, daß die Zahl der Mischehen alljährlich zunimmt und das der Percentsatz im Verhältniß zu den überhaupt von Juden geschlossenen Ehen ein ziemlich großer ist. Es wurden Ehen geschlossen: im Jahre 1895 1894 rein jüdische Ehen. 2502 2383 Mischehen: jüdischer Mann evangelische Frau .... 182 133 „ „ katholische „ .... 39 20 „ „ sonst christl. „ .... 6 5 evangelischer Mann jüdische „ .... 115 113 katholischer „ „ „ . . . . - 48 34 sonst christl. „ „ „ . . . . . 7 5 397 310 Auch in Ungarn sind nach dem jüngsten statistischen Monatsausweis im Monat Mai d. I. allein 31 Mischehen geschlossen worden. Wir theilen jedoch nicht die Anschauung eines orthodoxen Blattes in Deutschland, das in diesem Anschwellen der Mischehen „eine ernste Gefahr" sieht, „die nicht genügende Beachtung findet." Das Judenthum ist noch stark genug und die Anhänglichkeit daran wurzelt allzutief im jüdischen Volke als daß man darüber wehzuklagen brauchte, wenn ihm einige hundert Leute den Rücken kehren. Aber auch bei diesen hat es nur die Erstehung verschuldet, die sie vor lauter „mosaischer Confession", vor lauter „rituellen Vorschriften und Gebräuchen", dem wahren Judenthum, der jüdischen Nationalität entfremdete. Schönerer in Hamburg. Im Hamburg sprach am 2. Juli in einer sehr zahlreichen Versammlung, die vom Bunde „Alldeutschland" einberufen war, der Abgeordnete Schönerer über die Lage der Deutschen in Oesterreich und stellte Bismarck als leuchtendes Beispiel für jeden wahren Deutschen hin. Die Versammlung, welche vom Führer der antisemitischen Partei in Hamburg, Raal, mit einer kurzen Ansprache eröffnet worden war, schloß mit einer stürmischen Beifallskundgebung. Correspondenzen. Oesterreich-Ungar«. Wien. (Orig.-Corr.) Die beiden freigewordenen Bezirksausschußmandate im 9. und 19. Bezirke wurden mit Antisemiten besetzt. Nach der Wahl wurde dann in der Nußdorfer Bierhalle ein kleines Siegessest gefeiert. Wien. (Orig.-Corr.) Der antisemitische Frauenbund veröffentlicht einen Ausruf, in welchem erklärt wird, daß die betreffenden Wiener Damen sich's zur Aufgabe gemacht hätten, „der verderblichen semitischen Richtung auf den Gebieten der Presse und der Bühne" entgegen zu arbeiten. „Keine christliche Frau dulde in ihrem Hause jüdische Zeitungen oder sittenverderbende Bücher." Ganz, 29. Juni. (Orig.-Corr.) Beschimpft und geschmäht zu werden, ist gewiß an sich schon eine recht unangenehme Sache. Die hiesigen Juden haben aber noch außerdem ihren Beleidigern gewiffermaßen als Dank für all die antisemitischen Schmähungen eine Geldsubvention geben müssen. Die Ortsgruppe des antisemitischen Bundes der Deutschen hat an das Stadwerordnetencollegium das Gesuch um eine Subvention von 200 fl. zur Veranstaltung eines Sommerfestes gerichtet und diese Subvention wurde trotz des heftigsten Widerspruches der liberalen Stadtverordneten-Minorität bewilligt. Der „Bund der Deutschen" bildet den Grundstock der hiesigen antisemitischen Garde, und es gäbe ein langes Register, wollte man all die Heldenthaten aufzählen, die er während der Zeit seines Bestandes schon gegen die hiesigen Juden inscenirte, und man müßte dabei als Urkundenmaterial alle Schimpfwort-Lexika der gesammten todten und lebenden Sprachen benützen. Die jüdischen Steuerträger, die ungefähr ein Drittel der hiesigen Bevölkerung ausmachen, stehen allen Jnvectiven machtlos gegenüber, — das Los einer Minorität, die nicht im Stande ist, in unfläthigen Besudelungen mit einem Gegner zu concurriren, der es durch Uebung und natürliche Veranlagung auf diesem Gebiete zur Virtuosität gebracht hat. Das heurige Sommerfest des Bundes wird sicherlich wie alljährlich glänzende Beweise dieser Virtuosität zu Tage fördern, — und die beschimpften Juden müssen die Mäcene der antisemitischen Kunstjünger spielen. Krnka». (Orig.-Corr.) Die jüdischen Kaufleute Galiziens blicken jetzt voll Neid auf ihre Lemberger Glaubensgenossen. Denn während sie unter dem Drucke des Gesetzes über die Sonntagsruhe vom Jahre 1895, da sie säst zwei Tage wöchentlich, am Samstag und Sonntag von 10 Uhr Vormittags bis 3 Uhr Nachmittags feiern müssen, wirthschaftlich zu Grunde gehen, wurde für die Stadt Lemberg am 22 April d. I. eine neue, sehr günstige Verordnung über die Einhaltung der Sonntagsruhe erlassen. Nur für die Stadt Lemberg. Als Dank dafür, daß die Juden in der 3. Wahlcurie für die zwei Regierungscandidaten gestimmt haben. Sonst bleibt's in Galizien beim Alten. Die jüdischen Kaufleute in anderen Städten haben nicht die Energie und ihre parlamentarischen Vertreter (bekanntlich sind alle drei Handelskammern im Parlamente durch die Juden Dr. Rapoport, Dr. Rosenstock und Piepes vertreten), haben nicht den Muth, gleiches Recht für Alle zu verlangen. Nur die Krakauer gut kaiholische „Kaufmännische Congregation", der begreiflicherweise das Lemberger Privileg nicht Recht ist, reclamirt in einer Petition an den Magistrat als politische

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