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Die Welt · 1897-07-09 · 6 (9.7.1897) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
6 (9.7.1897)
Article
Eine Belohnung [Nachricht]
Date
1897-07-09
Page
11 (sequence 1)
Language
German
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Sk. 6. Seite 11. Eine Belohnung. Die Familie Barnatos hat dem Officier, der dem mit den Wellen ringenden Barnay Barnato von Bord des Schiffes in's Meer nachsprang, 1000 Pfund Sterling zukommen lassen und ihm eine lebenslängliche Pension ausgesetzt. Die jüdischen Setzer in St. Petersburg werden mit der Begründung ausgewiesen, daß sie auf Grund ihres nichtzünftigen Berufes von der Begünstigung der übrigen Handwerker, denen ein Aufenthalt außerhalb des jüdischen Ansiedlungsrayons gestattet ist, ausgeschloffen sind. Die Judenfrage im nord amerikanische« Senat. Ein angesehener jüdischer Bürger Adolf Kutners von Fresnor (Californien) wollte unlängst nach Ruffischpolen reisen und verlangte zu diesem Zwecke beim russischen General-Consul in Washington eine Vidirung seines Passes. Dieselbe wurde ihm jedoch unter Hinweis auf seiner Confessio» verweigert. Diese auch gegenüber den Juden vom Continente prakticirte und von den Regierungen ohne Widerspruch hingenommene Maßregel wurde vom Senator Perkins im nordamerikanischen Oberhause zur Debatte gebracht. Er beantragte, daß die Bundesregierung von Rußland eine Erklärung darüber fordere, ob amerikanische Bürger wegen ihres Bekenntnisses zurückgewiesen werden und wenn dies der Fall wäre, daß Rußland aufgefordert werde, diese Maßregel aufzuheben. Die Resolution Perkins wurde vom Senate angenommen und dem Comits für auswärtige Angelegenheiten zugewiesen. Berurtheilung eines Berliner antisemitische« Redakteurs. Wegen öffentlicher Beleidigung des Landrichters Dr. Hirsch hatte sich am 29. Juni der Candidat der Theologie, Buchdruckereibesitzer und Redacteur Oswald Knorr vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II zu verantworten. Knorr ist im Februar dieses Jahres vom charlottenburger Schöffengericht in derselben Sache zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt worden und hatte gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt, dasselbe hatte aber auch die Staatsanwaltschaft gethan, der die erkannte Strafe zu niedrig erschien. Im Jahre 1895 schwebte gegen Knorr ein auf Antrag des Buchdruckereibesitzers Schmücker eingeleitetes Verfahren wegen Betruges. Die erste Verhandlung in der Betrugssache fand vor dem charlottenburger Schöffengericht statt, in welcher der damalige Amtsrichter Dr. Hirsch den Vorsitz führte. Knorr wurde verurtheilt, von der Berufungsinstanz aber freigesprochen, weil ein directer Zusammenhang zwischen der falschen Vorspiegelung und der Vermögensschädigung nicht hinreichend nachgewiesen schien. Darauf ließ Knorr in seinem Blatte einen „offenen Brief an Se. Excellenz den Justizminister Schönstedt" erscheinen, der von Beleidigungen des Dr. Hirsch strotzte. Es wurde demselben zum Vorwurf gemacht, daß er das Recht gebeugt, daß er einem Belastungszeugen eine falsche Aussage suggerirt, bezw. in den Mund gelegt habe. Es hieß unter Anderem wörtlich: „Der jüdische Richter (Dr. Hirsch ist kein Jude) hielt sich einem Christen gegenüber nicht für befangen, und ich selbst habe ihn nicht abgelehnt, weil ich sehen wollte, wie ein jüdischer Richter einem Antisemiten gegenüber das Recht handhaben werde." Ferner: „Wie lange wird der jüdische Richter noch für würdig erachtet werden, als Repräsentant der geheiligten Person des Königs Recht zu sprechen?" und endlich: „Der jüdische Richter hat die Wahrheit zu verbergen gesucht, statt die Wahrheit zu ermitteln." Bei der Verhandlung am 29. Juni suchte Knorr den Wahrheitsbeweis für seine Anschuldigungen zu erbringen. Was ferner den Umstand anbelange, daß er den Dr. Hirsch für einen Juden gehalten, so sei das ein Jrrthum von ihm gewesen, der auf den Namen zurückzuführen sei, der aber nicht als besonders strafschärfend erachtet werden könne. Während nunmehr der Staatsanwalt neun Monate Gefängniß beantragte, billigte der Gerichtshof dem Angeklagten den Schutz des § 193 zu, weil derselbe nur in Wahrnehmung berechtigter Jntereffen gehandelt habe. Die Strafe wurde daher unter Verwerfung der Staatsanwaltschaft auf zwei Monate Gefängniß herabgesetzt. Zur Geschichte des „Deutsche» Rabbiner-Verbandes." Unter den „deutschen" Rabbinern herrscht jetzt ein „neuer Cours". Der alte „Rabbiner-Verband" hat sich reorganifirt und daneben ist die „Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner" entstanden, eine orthodoxe Verbindung, deren Mitglieder auch dem „Rabbiner-Verband" angehören dürfen. Damit ist eine Coalition Maybamn-Hildesheimer zu Stande gebracht. Betrachtet man diese Ereignisse aus letzter Zeit im Spiegel der Vergangenheit, so muß man staunen über die Ironie der Verhältnisse, die scheinbar unüberbrückbare Gegensätze so schnell verkleisterten. Bekanntlich wurde der „Verband" im Jahre 1884 auf einer Versammlung von circa 120 Rabbinern aus Deutsch, land begründet. 36 Rabbiner kamen nicht und verweigerten ihren Anschluß. Darunter war auch Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer. Wie es hieß, nahm er an den Personen des Dr. Maybaum und Dr. Rahmer Anstoß. Die schriftstellerische Thätigkeit Dr. Maybaum's und insbesondere seine Anschauungen über die Propheten und Priester verschärften die Gegensätze zwischen den beiden Gruppen noch mehr. In der „Jüdischen Presse" erschien sogar ein Artikel gegen Dr. Maybaum. „Darf der Mann noch Rabbincr sein?" So ging der „D. R.-V." ganz allein seiner Wege. Obmann war seit dem Tode Josls der verdienstvolle Berliner Rabbiner Dr. Ung erleid er, Vice-Obmann Dr. Bamb erg er und die bescheidene Stelle eines Schriftführers hatte Dr. Maybaum inne. Als Dr. Ungerleider die Stätte 30jähriger Wirksamkeit verließ und sich in den verdienten Ruhestand zurückzog und Dr. Bamberger nicht mehr am Leben war, da hielt Dr. Maybaum seine Zeit für gekommen. Er wollte Obmann werden. Denn seine Stellung in der Gemeinde wackelte und er brauchte einen Rückhalt. Dazu suchte er Helfer und er fand sie — in seinen einstigen Gegnern. Aber ihnen war der alte „D. R.-V." verpönt. Man mußte also einen neuen schaffen. Der Candidat Maybaum entschloß sich nun zu einem Staatsstreich. Er berief, obwohl blos Schriftführer, eine Versammlung, löste den alten Verband auf und in Anwesenheit der orthodoxen Rabbiner, die eingeladen wurden, obwohl sie keine Mitglieder waren, feierte der Verband seine Auferstehung. So wurde der in Ungarn geborene und erzogene, nachmalige „tschechische" Rabbiner von Pilsen, jetzt „deutsche" Rabbiner in Berlin, der unzertrennliche Freund Dr. Vogelstein's, in dessen Gebetbuch-Uebersetzung alle auf Jerusalem bezüglichen Stellen gestrichen wurden, mit Hilfe der orthodoxen Rabbiner Obmann des „D. R.-V." .... X. X. Hamburger Gartenausstellung. Dienstag den 29. Juni fand um 11 Uhr Vormittags die Eröffnung jenes Theiles der Ausstellung statt, der die Bodenproducte unserer palästinensischen Colonien enthält. Die Palmen, Granaten, Oliven, Citronen, Mandeln, die Oele, Wein- und Fruchtessenzen rc., legen ein glänzendes Zeugniß ab für die Fruchtbarkeit des Bodens und die Arbeitstüchtigkeit der jüdischen Bauern. Die Ausstellung befindet sich in dem vom Architekten Löwengard errichteten Gebäude in der Nähe des R-psold-Denkmals nnd erfreut sich seitens des Publicums, dem der Begriff „Jüdischer Bauer" zumeist ein merkwürdiges Novum ist, eines lebhaften Zuspruchs. Berurtheilung eines Münchener antisemitischen Redakteurs. Gegen die Münchener Judenschaft war folgende Bemerkung des Münchener „Deutschen Volksblattes" Nr. 37, gerichtet: „So ganz das richtige Wanzenmittel besitzen wir alle mitsammen noch nicht. Die Aushungerung unserer mosaischen Stadtbürger durch Anwendung des Spruches: Kauft nicht bei Juden." Wegen groben Unfuges nach § 360, Z. 11, der R. St. GB. wurde der Redacteur dieses Blattes in 1. und 2. Instanz zu zwanzig Mark Geldstrafe verurtheilt. Judenverfolgungen in Persien. Männer gemordet, Frauen geschändet, Kinder gewürgt, das sind die neuesten Nachrichten, die dem „Daily Chronicle" über die Lage der Juden in Persien aus Theran zukommen. In einem Briefe, dessen Absender von der Redaction als eine hochstehende officielle Persönlichkeit bezeichnet wird, find diese asiatischen Grausamkeiten geschildert. Sie scheinen Alles zu übertreffen, was bisher in Persien gegen die Juden unternommen worden, sie beschränken sich nicht mehr blos ans die Provinz, ihr Schauplatz ist diesmal die Residenz Theran selbst. Der Brief lautet folgendermaßen: „Sayid Rayhan Allah, ein Geistlicher ohne jeden Rang und jede Bedeutung, hat be-

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