Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 6 (9.7.1897)
- Article
- New-Yorker Brief
- Date
- 1897-07-09
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 6. FlrHWc Seite 7. Resolutionen, welche von den betreffenden Herren fabrizirt und angenommen wurden, sind daher lediglich als Privatansicht einiger Leute zu betrachten und werden auch als solche behandelt. Die Herren spielen in dem Kampfe gegen den Zionismus eine umso kläglichere Rolle, da sie für ihre Haltung keinerlei stichhältige Gründe vorznbringen in der Lage sind. Das Um und Auf ihrer Argumente bildet eingestandenermaßen die Furcht, die Bewegung könnte mißdeutet werden und den Schatten eines Zweifels auf die Bürgertugenden und die Vaterlandsliebe der Juden werfen. Diese Angstmeierei gibt jene Herren umsomehr der Lächerlichkeit preis, da für die nächste Zukunft das eigentliche jüdische Volk, die niedere Masse, Versammlungen einzuberufen gedenkt, um Hegen eine solche Jnterpretirung der zionistischen Bewegung Protest einzulegen. Letzten Sonntag hatte der zumeist aus von Rußland eingewanderten Juden bestehende Verein „Chowewe Zion" eine äußerst interessante Versammlung, zu welcher der Gefertigte mittelst Deputation eingeholt wurde, um einige Aufschlüsse zu geben. Bei dieser Versammlung wurden die Beschlüsse der Herren Rabbiner gehörig durchgehechelt und gegen ihr Vorgehen protestirt. Sodann wurden die einzelnen für den Congreß aufgestellten Punkte durchberathen und haben die Mitglieder zu denselben Stellung genommen. Schließlich wurde beschlossen, zum Con'gresse zwei Delegirte zu entsenden und bis zu dem Congresse besonders in russisch-jüdischen Kreisen Massenversammlungen zu veranstalten. Die in Baltimore bestehende „Zion-Association" entwickelt nun auf unsere Anregung im Staate Maryland eine rühmenswerthe Thätigkeit und steht zu erwarten, daß im benannten Staate binnen Kurzem mehrere Zionvereine entstehen werden. Die dortige Association entsendet zum Congreß einen Delegirten. Vor einigen Tagen hat eine Abordnung der hiesigen akademischen Jugend bei mir vorgesprochen, um die Gründung des ^akademischen Zionvereines „Frei-Judah" anzumelden. Die jungen Männer sind voll Begeisterung und haben beschlossen, im Interesse der Bewegung Vortragsabende zu veranstalten. Den ersten Vortrag wird Ihr Correspondent halten. Unser Verein, der „Centralperein der amerikanischen Zionisten", welcher die Bewegung in den Vereinigten Staaten hervorgerufen hat, arbeitet rastlos und zielbewußt. Wir hatten seit der am 7. Juni stattgehabten Maffenversammlung, über deren Verlauf ich ausführlich berichtet habe, zwei weitere Versammlungen, in welchen eine ansehnliche Zahl neuer Mitglieder gewonnen wurde. Unser Streben wird freilich dadurch erschwert, daß einige reiche Juden der Bewegung nicht allein fernbleiben, sondern dieselbe sogar in manchen Fällen in ein falsches Licht zu stellen suchen. Es erwächst uns daher die doppelte Aufgabe: aus der einen Seite, die Bewegung zu stärken und auf der anderen Seite gegen die in Umlauf gesetzten Infamien anzukämpfen. Immerhin sind uns aber Anfeindungen willkommener, als ein kalter Jndifferentismus. Denn mit den Anfeindungen, welche den Kampfesmuth erhöhen, wächst auch die Zahl unserer Freunde, und schon haben wir Männer in unserer Mitte, in deren Herzen die Flammen wahrer Begeisterung lodern. Und ich glaube, mit einiger Bestimmtheit prophezeien zu dürfen, daß trotz, oder vielleicht gerade infolge der vielfachen Anfeindungen die Juden der Vereinigten Staaten es sein werden, die dem Zionsgedanken zum Siege verhelfen werden. Hier, wo alles nach Notorität hascht, werden sich uns bald, wenn erst unsere Bewegung die Kinderkrankheiten überstanden und ihre Lebensfähigkeit bewiesen haben wird, auch solche Männer anschließen, die allenfalls nur dort erscheinen, wo der Erfolg nahezu gesichert ist, aber dann mit ihrem Anschlüsse die Aussicht auf Erfolg vollkommen ficherstellen. Der Congreß. Die Nachricht von der Verlegung des Congresses nach Basel wird in den Kreisen der Theilnehmer sehr sympathisch ausgenommen. Die vorbereitende Commission bekommt zahlreiche Zuschriften, worin die Wahl des jetzigen Congreßortes als eine sehr glückliche bezeichnet wird. Speciell den russischen Besuchern des Congresses ist Basel sehr erwünscht, da gegen die Wahl Zürichs doch so manches Bedenken Vorgelegen wäre. * * * Von der Illoyalität mancher unserer jüdischen Gegner liefert die Art, wie die Verlegung des Zionisten-Congresses nach Basel gemeldet, resp. verschwiegen wird, schöne Beweise. So schreibt Einer: „Der Zionisten-Congreß in München findet, weil er von den maßgebenden Kreisen aufs schärfste verurtheilt wurde, nicht statt." — Basta! Wer das liest, muß die armen, aufs schärfste verurtheilten Zionisten, die jetzt um ihren vereitelten Congreß jammern, tief bedauern. Daß der Congreß einfach nach Basel verlegt wurde, davon meldet dieser genial stilifirte Partezettel kein Wort. „Der Congreß wird in München nicht stattfinden" und „Der Congreß in München wird nicht stattfinden", das ist ein gewaltiger Unterschied. Der Verfasser dieser netten Verdrehung hat Talent. Es kann mit der Zeit noch ein Fälscher von Bedeutung aus ihm werden. * * * Die soeben einlangende, jüdische Wochenschrift „The Jewish Exponent“ in Philadelphia widmet den größten Theil dieser Nummer dem „Zionismus und Congreß". Sieben der hervorragendsten Rabbiner und Gelehrten Nordamerikas wurden von der Redaction über dieses Thema befragt, und ihre in ausführlichen Artikeln niedergelegten Anschauungen finden wir wiedergegeben. Für den Zionismus haben sich von den Befragten fünf, gegen denselben zwei ausgesprochen. So schnell mußte die „Preß"-Ente von den „einflußlosen Kreisen" ins Wasser fallen. Man sieht, welche Zeitströmung jetzt die jüdischen Autoritäten mehr „beeinflußt". Bei der kurzen Wiedergabe der Umfrage über den Zionismus wollen wir den Gegnern den Vorrang lassen. Sie sind uns nicht unlieb. Mögen uns solche Gegner noch lange erhalten bleiben. Rabbi Levy und Dr. S. Morais bewegen sich auf ausgetretenen Pfaden. Da sie das kleinere Uebel noch immer vorziehen, so haben sie natürlich „nichts gegen eine Colonisation armer Juden einzuwenden". Von diesen hat ein Rabbiner ohnedies nichts. Nur nicht, Gott bewahre, ein Judenstaat. „Denn Zion ist ein Symbol und der Zionismus ist eine — Bombe unter die Hoffnungen Israels" — meinte der besorgte Rabbi I. Leonard Levy. Er hat übrigens trotz mehrjährigen Studiums in der heiligen Schrift keine Stelle gefunden, die sich auf eine Rückkehr der Juden nach Palästina beziehen würde, und die nicht bereits durch die erfolgte Rückkehr aus Babylon in Erfüllung gegangen wäre. Und die „Mission?" Die beiden Herren fühlen sich erst recht wohl, wenn sie davon zu sprechen anfangen. Nur wissen sie nichts zu sagen. „Kein Jude, der an die.allgemeine Mission" seiner Religon glaubt, kann sich ernst mit dem politischen Zionismus befassen?" Warum? Ja, wenn sie das selbst wüßten! Aber sie bekommen darauf eine schneidige Antwort vom Rev. Dr. Felsenthal aus Chicago. „Die Juden sollten eine Mission erfüllen in den Ländern, wo sie wohnen. Das ist eine der hohlen Phrasen, die man so oft hört. Die Juden in Kischeneff, die Juden in Teheran, die Juden in Jemen haben eine Mission zu erfüllen — in Kischeneff, in Teheran, in Jemen! Es gibt wenig Worte, die so falsch interpretirt werden, wie die Worte „Mission des Judenthums", und die von großmäuligen Rednern und Schreibern so oft gebraucht oder eigentlich mißbraucht werden." Und auf den Einwand der Hurra-Patrioten replicirt er: „Ist es unpatriotisch, unseren Geburtsort zu verlassen und Unterthanen eines anderen Staates zu werden? Das ist doch eine hohle Prase. Haben unsere Freunde, der Rabbi Dr. A.,