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Die Welt · 1908-09-18 · 37 (18.9.1908) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
37 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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T^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^w«f^^^^^?^^T^^r^ $b. 37 DIE^ *Die erste jüdische Sprachkonferenz anerkennt Jüdisch als eine nationale Sprache des Jüdischen Volkes und fordert ihre politische, gesellschaftliche und kulturelle Gleichberechtigung. Dabei erachtet es die Konferenz als nötig zu erklären, daß einem jeden Teilnehmer an dieser Konferenz wie' auch jedem Mitglied der zu schaffenden Organisation die Freiheit bleibt sich zu der hebräischen Sprache gemäß seinen persönlichen Oberzeugungen zu beziehen." . Es entspann sich nun wieder eine lebhafte Debatte, die mehrere Stunden dauerte. J. L. Perez erklärte, daß keine Majorität in der Lage sei, ihn davon zu überzeugen, daß Jüdisch unsere Nationalsprache sei. Er will daher nicht weiter im . Präsidium der Konferenz verbleiben und nimmt an den weitern Beratungen der Konferenz nur als gewöhnliches Mitglied teil. Eine Gruppe Zionisten gab ebenfalls eine Erklärung ab, in der sie bekannt geben, daß durch die Annahme dieser Resolution die Bedeutung und der Wert der hebräischen Sprache nicht geschmälert werde, sie daher in der Organisation verbleiben können, um an der Entwicklung der jüdischen Sprache mitzuarbeiten. Diese Erklärung unterschrieben: Taubes, Prylucky, Wechsler, Geier, Krepel u. a. Die Resolution wurde sodann mit einer großen Majorität angenommen. In der Nachmittags- und Nachtsitzung wurde beschlossen, die zweite Konferenz nach einem Jahre abzuhalten. Der Ort wird . noch bestimmt werden. Zu dieser Konferenz können alle jüdischen literarischen und Kunstvereine, Lehrervereine, Bibliotheken, Zeitungsredaktionen, Gruppen von je 100 Menschen, welche auf dem Stand- &ELT 11 punkt der von der Konferenz angenommenen Resolution stehen, ihre Delegierten entsenden. Die Exekutive der Konferenz ist das von ihr gewählte Komitee mit einem Bureau in Czernowitz. Als Präsident des Komitees wurde einstimmig Dr. Nathan Birnbaum gewählt. Außerdem gingen als gewählt hervor: J. L. Perez, J. Dinesohn (Warschau), Dr. Schitlowsky (New York), Dr. Sottek (Braila), der jeweilige Präses der „Jüdischen Kultur" in Wien J. Weiler (Wilna). Die zu bestellenden Vertrauensmänner in London, Odessa, Lodz und Lemberg werden gleichzeitig Komiteemitglieder sein. Aufgabe des Bureaus wird es sein, informative und initiative Arbeit zu leisten, das stenographische Protokoll dieser Konferenz herauszugeben usw. ' Das Bureau wird sich auch mit der Herausgabe von Meisterwerken in jüdischer Sprache befassen und wird die Erträgnisse hiervon für die Zwecke der Organisation verwenden. Als erstes Buch wird das Bureau Aschs Obersetzung von Ruth herausgeben. Der Dichter widmete den ganzen Ertrag dem Bureau. Ebenso erklärten sich die Dichter Perez, Naumburg, Asch und Reisen bereit, in einigen Städten von Galizien und der. Bukowina Vorlesungen abzuhalten und den Ertrag den Zwecken des Bureaus zu widmen. Nach Annahme des Organisationsentwurfes hielt der Vorsitzende der Konferenz Dr. Birnbaum das Schlußwort. Er dankte allen Teilnehmern und den Gästen, wies auf die geleistete Arbeit hin und schloß unter lebhaftem Beifall um 5 Uhr früh die erste jüdische Sprachkonferenz. n nn PALÄSTINA □ nn I. Konstitution und Wahlbewegung Jaffa: Wie in den meisten größern Städten, so hat sich auch in Jaffa ein jungtürkisches Komitee gebildet, dem mehrere jüdische Mitglieder angehören. Nach der Zeit der rauschenden Demonstrationen und Feste aus Anlaß der. Verfassung hat jetzt die Stadt ihr früheres Aussehen angenommen. Es besteht noch Unsicherheit darüber, welchen Personen das Wahlrecht zum Parlament zustehen wird, ob allen Ottomanen ohne Ausnahme, oder ob es von der Zahlung einer gewissen Steuer abhängig sein soll oder vom Besitz von Grund und Boden; insbesondere ob die Entrichtung der Militärsteuer (Askerie) allein genügen wird oder die Zahlung einer Grundsteuer erforderlich ist. Die Vorbereitungen zu den bevorstehenden Wahlen innerhalb der jüdischen Bevölkerung haben bereits eingesetzt Am 31. August hatte eine Verständigung des Jerusalemer und Jaffaer Wahlkomitees im Verein mit den Vertretern der jüdischen Kolonien in Jaffa stattgefunden. Man versuchte zunächst, die Zahl der jüdischen Wähler, schätzungsweise festzustellen. Nach längerer Debatte einigte man sich darauf, daß man mit aller Energie danach streben müsse, daß von den 3 oder 4 Abgeordneten, die wahrscheinlich im Sandschak Jerusalem gewählt werden, mindestens ein Jude sein soll. Das Kräfteverhältnis der Juden läßt sich so lange nicht genau bestimmen, als die Wahlkreiseinteilung und der Wahlmodus nicht ganz genau bekannt sind. Es ist für alle Fälle anzunehmen, daß den Juden unter etwa 300 Wahlmännern des gesamten Sandschaks Jerusalem ca. 25 Stimmen zufallen. Jerusalem: Auch hier hat sich in den letzten Tagen ein Komitee der jungtürkischen Partei gebildet, das dem jungtürkischen Zentralkomitee „Union et Progres" in Saloniki untersteht und die bevorstehenden Wahlen ins Parlament leiten soll. Mehrere hervorragende Mitglieder unserer jüdischen Gemeinde gehören diesem Komitee an. Durch die Bemühungen, des Direktors Dr. Levy, David Jellin, -Ben Jehuda u. a. ist ein Verein der jüdischen ottomanischen Staatsbürger in Jerusalem ins Leben gerufen worden, der die Wahrung der Staatsbürgerrechte der ottomanischen Juden, die Aufklärung der jüdischen Bevölkerung und Verbreitung der Kenntnis der türkischen und arabischen Sprache sich zum Ziele gesetzt hat. In den Listen der ottomanischen Untertanen sind für die Stadt Jerusalem ca. 8000 männliche Juden verzeichnet gegen 4000 Christen und 4000 Mohammedaner. Durch ein Zirkulartelegramm aus Konstantinopel ist die Zensur vollständig aufgehoben worden, und 8s können jetzt Bücher und Zeitungen ohne jede Schwierigkeit nach Palästina hineinkommen. Leider ist das bisher die einzige Frucht der Konstitution. Andere Beschwerden dauern nach wie vor an. Insbesondere werden den in Jaffa einwandernden Juden noch immer die Pässe bei der Einwanderung abverlangt und von der Paßbehörde in Verwahrung genommen. Haifa: Hier hat sich ein Verein Achduth (Einheit) gebildet, dessen Ziel ist, die aschkenasischen und sephardischen Juden zu vereinigen. Auch sollen Kurse für hebräische, arabische, französische und türkische Sprache eingerichtet werden, deren Leitung der Direktor der Allianceschule, Herr Nahon, und Herr Bugsalon übernommen haben. II. Aus den Städten Jaffa: Das schlechte Jahr, welches die Besitzer der Orangerien jetzt durchmachen, macht seine Rückwirkung auch auf die mit den Orangerieerzeugnissen engverbundene Brunnen- und Pumpenfabrikation geltend. Es werden keine neuen Bewässerungsanlagen angelegt, und an Reparaturen für die schon bestehenden Anlagen wird noch Möglichkeit gespart. Infolge dieser ungünstigen Verhältnisse hat die hiesige Maschinenfabrik von Stein & Co., welche bis vor kurzem bis 120 jüdische Arbeiter beschäftigt hat, zählreiche Arbeiter entlassen müssen. Es fand jüngst eine Generalversammlung der Aktionäre dieser Fabrik statt, in der eine Reorganisation der Fabrik beschlossen wurde. Am 1. September wurde die Krönungsfeier des Sultans in der ganzen Stadt gefeiert Alle Straßen waren beflaggt und die Häuser - abends illuminiert. Eine Häuserreihe der Hauptstraße der Bustrostraße hat eine Wasserleitung bekommen. Jerusalem: Zahlreiche jüdische Bürger vereinigten sich in unserer Stadt zu einem Protest gegen den jetzigen Chacham Baschi, Rabbi Elijahu Panizl, den sie zur Niederlegung des Amtes aufforderten, da er nicht durch rechtmäßige Wahl, sondern durch illegale Ernennung seitens des jetzt vom Amte zurückgetretenen Chacham Baschi in Konstantinopel in den Besitz seines Amtes gelangt sei. Dagegen erließen viele Rabbiner der Chalukka-Kolelim eine Erklärung, in der sie ihr Vertrauen zu Rabbi Elijahu bekunden und ihn bitten, im Amte zu bleiben. Am 6. Aw fand hier eine Versammlung von über hundert sephardischen Juden statt, auf der die Frage einer landwirtschaftlichen Ansiedlung von Juden in Zypern beraten wurde. In dieser Angelegenheit hatte sich bereits vor 8 Jahren ein Komitee sephardischer Juden in Jerusalem an die englische Regierung gewandt, die eine jüdische Kolonisation in Zypern zu fördern sich bereit erklärte, •falls sie von einer großen jüdischen Kolonisationsgesellschaft, wie die J. C. A., in die Hand genommen würde. III. Aus den Kolonien a) Judäa. Rischon FZion. Im Laufe von 28 Tagen der diesjährigen Weinerntezeit sind in unsern Weinkeller von Mitgliedern des Weinbauersyndikats in Rischon 2513890 kg, ferner aus Wadichanin und Rechowoth ca. 1000000 kg Trauben aufgenommen worden.

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