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Die Welt · 1897-07-02 · 5 (2.7.1897) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
5 (2.7.1897)
Article
Beraun [Nachricht]
Date
1897-07-02
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 5. Seite H. deutsch gesinnt bist und hoffe auch, daß Du es bleiben wirst. Ich rufe Ihnen zu: „Deutsch im Herzen, tapfer und still, mag da kommen, was da will." Brünn. (Orig.-Corr.) Hier ist ein Frauenbund in Gründung begriffen, der es sich zur Aufgabe stellt, die Segnungen des antisemitischen Programmes über ganz Mähren zu verbreiten. Die Statuten wurden bereits der Statthalterei überreicht. Auch hier, wie in Wien, werden die Frauen als die geeignetsten Werkzeuge angesehen, um der Bevölkerung die bekannten himmlischen Rosen in's irdische Leben zu flechten und zu weben. Innsbruck. (Orig.-Corr.) Die Wahl des Gemeinderathes Dannhauser wurde von den Stadtvätern anullirt. Dannhauser hatte bei der Wahl die gleiche Stimmenzahl wie sein Gegencandicat erhalten, war aber seines höheren Alters wegen von der Wahlcommission als Gewählter proclamirt worden. Nun erklärte der Gemeinderath, ohne vorangegaugene Stichwahl wäre eine solche Entscheidung zu Gunsten des höheren Alters nicht zulässig. Dannhauser war der einzige Jude im Innsbrucker Gemeinderathe. — Der Deutschnationale Dr. Wenin wurde mit 20 von 27 Stimmen zum zweiten Vicebürgermeister gewählt. Krakau. (Orig.-Corr.) Seitdem die Juden in der V. Curie hier und in Lemberg für den Socialdemocraten gestimmt haben, beginnen die herrschenden Kreise offen in Antisemitismus zu machen. Zu diesem Zwecke wurde das halbofficiöse Tagblatt in Lemberg „Dziennik Polski“ auf den Antisemitismus abgerichtet, und in Krakau, wo bereits ein antisemitisches Tagblatt besteht, wurde noch eine „christlich-sociale" Zeitschrift „Grzmot“ begründet. Das wäre Parteipolitik. Aber höher als die Parteien steht die Regierung, steht der Staat und deren Vertreter, der Staatsanwalt. Da ist es nun wirklich merkwürdig, daß der hiesige Oberstaatsanwalt-Stellvertreter v. Kalitowski ein antisemitisches Theaterstück schrieb und aufführen ließ. „Die Volks- Verführer" sind ein niedriges Machwerk, das die Juden als Ausbeuter und Aussauger darstellt. Nur den socialistischen Demonstrationen ist es zuzuschreiben, wenn das Stück nicht mehr aufgeführt wird. Mehrere Soeialisten, darunter Abgeordneter Daszynski, wurden dafür zu empfindlichen Arreststrafen verurtheilt. So sorgt man für die Verbreitung der Socialdemokratie. Czernotvitz. (Orig.-Corr.) Professor Dr. Isidor Hilberg, der am 25. d. M. zum Rector magnificus der hiesigen Universität gewählt wurde, ist nach Professor Pribram der zweite jüdische Rector in Oesterreich. Professor Hilberg ist jüdischnational und hat die jüdisch-nationale „Hasmonaea“ eifrig gefördert. Bulgarien. Sophia, im Juni. (Orig.-Corr.) Wer gehört in Sophia nicht zum Zionismus? Diese Frage kann mit dem einen Worte beantwortet werden: „Etliche". Etliche, die mit ihrem Judenthum schon lange aus dem Kriegsfuße stehen und sich bestreben, in gewisse noble Kreise einzuschteichen, mit mehr oder weniger Glück. Was aber zurückbleibt, hängt mit seinem Sinnen und Trachten, mit Leib und Seele an Zion. Die „Alliance Isr. Universelle“ dürfte es wahrhaftig nicht begreifen, daß bei unseren hiesigen Juden alle die wohlgemeinten Rathschläge, die ihnen von Paris durch den Director der Schule ertheilt werden, so gar nichts fruchten. Alle Blicke der Juden sind nach Wien gerichtet und man sucht sich über den Gang der Ereignisse zu informiren. Werden praktische Resultate auf dem Congresse erzielt werden, dann steht Alles vom Banquier bis zum Taglöhner auch reisefertig, um den Spaziergang in das heilige Land anzutreten. Der Andrang zur Anmeldung behufs Ansiedelung in Palästina hat sich verflossene Woche in fast elementarer Weise eingestellt, als Auswanderungslustigen mitgetheilt wurde, daß die Baronin Hirsch Colonien im heiligen Lande anzulegeu beschlossen habe. Es gab ein schweres Stück Arbeit, dieses Gerücht zu zerstreuen und allen Petenten begreiflich zu machen, daß die Zeit noch nicht gekommen ist zur Erlösung aus dem constitutioneilen Elend. Ein hiesiger reicher Mann, welcher eine Art zionistisches Marranenthum zur Schau trägt und als einer der Reichsten gilt, äußerte sich mir gegenüber ungefähr wie folgt: „Wir fühlen gegenwärtig das Kommende heraus. Sehen wir ja, was es mit den parlamentarischen Gesetzen für ein Bewandtniß hat. Hier ein kleines Pröbchen. Ich erstand eine der Kirche zugehörige Parcelle Baugrund licitando um den enormen Preis von über 500 Francs per Quadratmeter (eine horrende Summe für Sophia). Kaum wurde dieser Kauf ruchbar, als ich öffentlich angegriffen und ein mit 2000 Unterschriften bedeckter Protest der heiligen Synode überreicht wurde. Da ich nach dem vorjährigen Vorgänge bereits wußte,. daß christlicher Boden niemals an einen jüdischen Käufer abgetreten werden darf; da ich die Aufregung kannte, welche sich der Kirchenbesucher über die Aufrechthaltung des Besitzes der an ihre Kirche grenzenden jüdischen Synagogen-Bauparcelle bemächtigte, gleichzeitig aber auch die Intentionen der Regierung (die in ihrem Organe „Myr" die Juden aufforderte, der Kirche die verlangte Abtretung geräuschlos zu bewilligen) mir nicht fremd sind, hielt ich es für räthlich, den Kauf rückgängig zu machen. Hoffen wir auf unsere Erlösung, die uns unseren Boden im Lande unserer Väter sichert. Ich folge dem ersten Ruse nach Zion." Ein anderes rührendes Beispiel, wie innig der Zionsgedanke mit unserem Fühlen und Denken verwachsen ist, wie dieser Gedanke die Herzen adelt, möge hier Platz finden. In der Anmeldungsliste befinden sich Einige, welche je ein Häuschen im Werthe von 100 Napoleondor ihr Eigenthum nennen. Diese wollen nun ihre Häuschen verkaufen, um auch noch Aermeren die Mitreise zu ermöglichen. Die neuerbaute Knabenschule in Sophia, welche unter der Patronanz der „Alliance" steht, zeichnet sich dadurch von anderen, nichtjüdischen Schulen aus, daß sie keinen Namen trägt, obschon das Judenthum genug Große besitzt, deren Namen jeder jüdischen Lehranstalt zur Zierde und zum Vorbilde gereichen könnten. Nur das nationale Schild am Eingangsthore zeigt, daß in diesem Hofraume etwas Jüdisches vorgehl. Dr. R. 11. Rumänien. Brnila. (Orig.-Corr.) Gestern den 20. d. M. fand im hiesigen Tempel die vom Vorstände der Brailaer Section der „Chovevi Zion" Rumäniens einberufene Jahresversammlung statt. Der Präses des Galatzer Centralcomites, Herr Samuel Pineles, der rastlose, energische Verfechter des zionistischen Gedankens in Rumänien, und Herr Kornfeld, Mitglied des Centralcomites, waren von Galatz hergekommen, um der Versammlung beizuwohnen, welche sich zu einer glänzenden Manifestation für den Zionismus gestaltete. Der Saal war dicht gefüllt mit Vertretern aus allen Ständen der jüdischen Gemeinde: Aerzte, Lehrer, Kausleute, Handwerker und Beamte. Nachdem der Präses, Herr Josef Rei sch er, die Versammlung eröffnet hatte, ergriff Herr I. H. Ellmann, Vicepräses der hiesigen Section und Mitglied des Centralcomites, das Wort, um in einer längeren Rede die Thätigkeit der „Chovcve Zion" zu schildern. Der Redner ermahnte die Anwesenden in eindringlichen Worten, treu an den Principien des Zionismus festzuhalten, sich von unbefugten Zeloten, die sich als Vertreter des Judenthums geriren, nicht beirren zu lassen und — last, not least — mit den Beiträgen zur Abzahlung des in Palästina angekauften Bodens fortzufahren und auf diese Weise den Beweis zu erbringen, daß die Zionisten Rumäniens nicht hinter denen Rußlands und Bulgariens zurückblieben. „Jetzt oder nie!" rief Herr Ellmann der Versammlung zu und schloß mit den Worten: „Die allernächste Zeit wird lehren, welche Alternative den Juden die genehmere sei!" — Herr Pineles berichtete hierauf über die Thätigkeit des Centralcomites, gedachte in warmen Worten der von Herrn Dr. Herzl entwickelten unermüdlichen Thätigkeit und verlas das gelegentlich der Galatzer Delegirtenversammlung von ihm abgefaßte meisterhafte Referat, das jederzeit für die Zionisten Rumäniens ein Document von epochaler Bedeutung bleiben wird. — Besonders fesselnd und von großer Wirkung war die Rede des Herrn Kornfeld, der in volksthümlicher Weise die Krebsschäden des Judenthums unerbittlich geißelte und es auf-

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