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Die Welt · 1897-07-02 · 5 (2.7.1897) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
5 (2.7.1897)
Article
Wien [Nachricht] / R.
Date
1897-07-02
Page
10 (sequence 1)
Language
German
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Seite iö. Nr. 5. Correspondenzen. Oesterreich-Nirgarrr. Wien. (Orig.-Corr.) Der Verein „Zion" hatte für den 22. Juni in Sladky's Localitäten, III., Pragerstraße, eine jüdische Volksversammlung einberufen, die ihr Urtheil über den Zionismus abgeben sollte. — Das Urtheil lautete: Gründung einer Ortsgruppe „Landstraße" des Verbandes „Zion". Dieser erfreuliche Erfolg ist wohl hauptsächlich auf das vorzügliche Referat des Herrn Dr. Sigmund Werner zurückzusühren, der, gestützt auf seine langjährige Vertrautheit mit der Bewegung, den anwesenden jüdischen Bürgern des HI. Bezirkes überzeugend darlegte, daß eine radicate Heilung des chronischen Judenelends nur im Rahmen des zionistischen Programmes möglich sei. Erlösung von materieller Noch, Befreiung von moralischer Schmach, das sei das Ziel des Zionismus. Mit großer Genugthunng muß constatirt werden, daß sämmtliche „Contraredner" (die althergebrachte Bezeichnung ist eigentlich hier nicht recht am Platze), die Herren Dr. Löw, Schwarz, Meier, Mittelmann, sich zum Schlüsse für die Gründung der Ortsgruppe mit warmer Sympathie aussprachen, nachdem die Herren Dr. Schuirer, Dr. Kokesch, Dr. Minz, Berkowicz, Berthold Feiwel, Marburg, Hausner alle Bedenken, die gegen den Zionismus laut geworden waren, gründlich zerstreut hatten. Nur drei Herren, die durch ihr herausforderndes Auftreten die Entrüstung sämmtlicher nichtzionistischer Anwesenden hervorriefen (die Zionisten find gegen solche Angriffe schon ganz abgehärtet), entfernten sich schmollend noch vor Schluß der Versammlung. Sie nannten sich Anhänger der socialdernokratischen Partei, allein ihre rührende Unvertrautheit mit dem A-B-C des Parteiprogrammes, die im Laufe ihrer Reden zu Tage trat, reinigte die nichts ahnende socialdemocratische Partei vollständig von dem Verdachte, mit solchen compromittirenden Parteizugehörigen gesegnet zu sein. Schließlich muß noch der anziehenden Schilderung gedacht werden, die Herr Lewin Epstein von den Zuständen in Palästina entwarf. Herr Lewin Epstein ist Verwalter der palästinensischen Colonie „Rechoboth" und weilt gegenwärtig für kurze Zeit in Wien. Im Laufe seines langjährigen Aufenthaltes in Palästina hat er sich eine gründliche Kenntniß der dortigen Zustände angeeignet und als er in der Versammlung mit Worten der höchsten Anerkennung von der eminenten Fruchtbarkeit des Bodens, von der musterhaften Disciplin der Colonisten und ihrer Liebe zum Ackerbau erzählte, als er die auffallende, vorteilhafte Veränderung schilderte, die diese jüdischen Bauern bei ihrer gesunden Thätigkeit an Leib und Seele erfahren haben, da erhob sich ein stürmischer, hoffnungsfroher Beifall in der ganzen Versammlung. Sie schloß mit einer begeisterten Kundgebung für den bevorstehenden Zionisten-Congreßr R. Wien."(Orig.-Corr.) Die zionistische Studentenversammlung. Die am 23. d. M. von der Polizeidirection wegen Coüision mit der Studienordnung vom Jahre 1849 untersagte Versammlung der zionistischen Studenten, wurde, nunmehr von den Herren Dr. S ch ni r er und Dr. Kokesch einberusen und bewilligt. Mittwoch den 28. Juni um 8 Uhr abends wurde sie im Restaurant Khuner am Schottenring abgehalten. Die Tagesordnung lautete: „Der Zionisten-Congreß und die jüdische Studentenschaft." In der von circa 300 Studenten besuchten Versammlung erstattete Herr Feiwel das Referat. Er setzte die Wichtigkeit des Zionisten-Congresses, des ersten Judentages und der ersten von den Juden aller Länder beschickten öffentlichen Versammlung, für die Judenschaft auseinander und entwickelte dabei die zionistischen Grundsätze. Nach dieser sehr beifällig aufgenommenen Rede begründete Herr Dr. Mintz in ausführlicher Weise die folgende Resolution: „Freudigen Herzens begrüßen die jüdischen Studenten Wiens die Abhaltung des Zionisten-Congresses. Sie begrüßen in ihm vor allem den ersten jüdischen Weltrath in der Diaspora. Aber auch als die erste politische und nationale Krastüußerung des jüdischen Volkes nach 2000 Jahren der Knechtung und Unfreiheit stellt ihnen der Congreß ein hochbedeutsames Ereignis dar, das sie mit froher Zuversicht für die Zukunft unserer .Nation erfüllt. Mit doppelter Freude empfinden es die jüdischen Studenten, daß dieser jüdische Weltrath zugleich ein zionistischer ist. Studenten waren es, die die Lehren des Zionismus in Oesterreich vor 15 Jahren hinaustrugen ins Volk. Die Studenten waren die ersten, die sich wieder zu ihrer Nation geschlagen haben. Und auch heute noch sind sie glücklich, die treuesten Hüter der nationalen Güter unseres Volkes, die unermüdlichen Vorkämpfer für seine Freiheit sein zu dürfen. Der Erhaltung unserer nationalen Kräfte, der Wiedererlangung unserer nationalen Freiheit soll auch der Congreß dienen. Er bedeutet den ersten großen Schritt auf jenem Wege, der unseren Gedrückten und Nothleidenden eine sichere Heimstätte, unserem Volke seinen Staat wiedergeben soll. Die innigsten Wünsche der jüdischen Studenten Wiens begleiten die Arbeiten dieses Congresses, bei dem fie mit all ihren Sympathien stehen. Den opfermuthigen Veranstaltern und Theilnehmern des Congresses aber sagt die jüdische Studentenschaft Wiens warmen Dank." Diese Resolution wurde von der versammelten Studentenschaft unter stürmischem Jubel einhellig angenommen. Gegner gab es nicht. Die imposante Versammlung zeigte das Resultat, daß sich die jüdische Studentenschaft der Alma mater Yindobonensis um die zionistische Fahne schaart. Nach den Schlußworten Dr. Schnirer's wurde das Bundeslied der „Jvria" angestimmt. Die jüdische Studentenschaft von Wien hat gesprochen. Wien. (Orig.-Corr.) 25 Hörer der hiesigen „israelitischtheologischen Lehranstalt", somit fast alle, haben an den Rabbiner Dr. Rülf in Memel wegen seiner Erklärung in der letzten Nummer unseres Blattes eine Zustimmungskundgebung gerichtet. Wien. (Orig.-Corr.) Am 24. Juni fand eine Versammlung antisemitischer Frauen der Leopoldstadt-Brigittenau statt. Eine Frau Ruzizka eröffnete die Versammlung und setzte die dringende Notwendigkeit einer antisemitischen Frauenorganisation für die von Juden reich bevölkerte Leopoldstadt auseinander. Hierauf zählte Gemeinderath W. Oppenberger in breiter Rede die von den Juden an der nichtjüdischen Bevölkerung begangenen Frevel und Sünden auf. „Redner" ersuchte die anwesenden Vertreterinnen des zarten Geschlechtes um wackere Mithilfe, wo immer es sich um einen Kampf gegen die Judenpresse und um Durchführung des Grundsatzes „Kauft nur bei Christen" handle. Schließlich begrüßte der Redner mit warmen Worten das vielversprechende Anwachsen der antisemitischen Frauenbewegung in Mähren. Reichlicher Beifall seitens der versammelten Damen lohnte die Ausführungen des Gemeinderathes W. Oppenberger. Am 8. August findet das große Gründungsfest der Wiener antisemitischen Frauenorganisation, die aus 19 Ortsgruppen besteht, statt. Pilsen. (Orig.-Corr.) Daß innerhalb des Tschechenthums bereits eine beträchtliche antisemitische Strömung besteht, ist schon lange kein Geheimniß mehr. Dieser judenfeindlichen Gesinnung gab hier der bekannte Prager antisemitische Agitator O. Havel in einem Vortrage über „jüdisches Capital" beredten Ausdruck, und fand mit seinen Ausführungen bei der zahlreichen Zuhörerschaft großen Anklang, zumal da er sich im Verlaufe seines Vortrages dahin äußerte, er habe Appetit auf das Judengeld und wolle sich mit den Anwesenden redlich darein theilen. Verarm. (Orig.-Corr.) Bei dem hier abgehaltenen Bauerntage, der sich mit der Frage der Sprachenverordnungen beschäftigte, sprach sich der Abgeordnete Schönerer mit aller Schärfe gegen das freundschaftliche Zusammengehen mit den Juden aus. Er verlangte Ausnahmsgesetze gegen die Juden und die Beseitigung des jüdischen Einflusses in Böhmen, der eine Gefahr für den Besitzstand eines jeden Landes bedeute, wie man aus den galizischen Zuständen ersehen könne. Der „deutschfortschrittliche" Abgerordnete Dr. Roser erwiderte darauf Folgendes: „Ich glaube in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich mir gestatte, meinem hochverehrten Collegen Herrn Schönerer, mit welchem ich seit langen Jahren freundschaftlich vertraut bin, zu sagen: Hochverehrter Freund! Ich danke Dir sehr für die Ausführungen und daß Du stets so

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