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Die Welt · 1897-07-02 · 5 (2.7.1897) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
5 (2.7.1897)
Article
Oberst Goldsmid
Date
1897-07-02
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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Seite 8. „Pk&vwc Nr. 5. Oberst Goldsmid. Den lauen, matten, innerlich oder äußerlich abgefallenen Juden wird die Gestalt dieses Mannes einfach unverständlich sein. Er ist Oberst in der englischen Armee, hat in noch jungen Jahren eine glückliche Carriöre gemacht, verkehrt in der höchsten Gesellsellschaft Englands — und will nichts Anderes sein, als ein Jude. Er gesteht sein Judenthum nicht etwa zögernd ein, wenn es sich schon nicht mehr verbergen läßt, sondern reclamirt es laut und stolz. Tr ist kein verstohlener Jude, sondern ein offener und aufrechter. Dieser jüdisch-orthodoxe Oberst wurde als der Sohn eines Marranen geboren und kehrte wie Uriel Acosta erst als erwachsener Mensch zum Glauben seiner Väter zurück. Er war bereits Lieutenant in der britischen Armee, als er zum Judenthum übertrat. Das hat ihm nicht geschadet. Er stieg die militärische Stufenleiter rasch hinanf. Er war Adjutant des Prinzen von Wales, als Baron Hirsch einen Organisator für Argentinien suchte. Der englische Thronfolger empfahl dem Baron Hirsch diesen thatkräftigen, jüdischen Osficier. Oberst Goldsmid ließ sich beurlauben und ging mit seiner reizenden Frau und seinen allerliebsten zwei Töchtern nach Argentinien, um die Colonisation der armen Juden zu leiten. Zwei Dörfer in Argentinien tragen die Namen seiner Töchter: Rachel und Carmel. Die Resultate der argentinischen Besiedelung waren, wie man weiß, nicht befriedigend. Goldsmid hatte auch immer die Cosonisation von Palästina befürwortet. Als er von Argentinien nach England zurückkehrte, bekam Oberst Goldsmid das Landescommaudo von Süd-Wales. Die armen Juden von Cardiff sahen den Landescommandirenden jeden Samstag in ihrer neuen Synagoge, bei deren Einweihung die vornehmsten Leute der Stadt und des Landes zugegen waren. Oberst Goldsmid ist der Chef der englischen Chowewe Zion, die bekanntlich in „Zelten" vrganisirt sind. Es ist eine hauptsächlich philantropische Vereinigung, an deren voller und tiefer Sympathie mit unserem politischen Zionismus jedoch nicht zu zweifeln ist. Welches Ziel anzustreben sei, darin sind die englischen Chowewe Zion mit uns einig. Dr. Heczl erhielt von Oberst Goldsmid mündlich und schriftlich wiederholt die freundschaftlichsten Erklärungen. Ueber die einzuschlagenden Wege ist man zuweilen verschiedener Ansicht, eine tiefergehende Spaltung aus Persönlichen Gründen ist aber bei den Dienern des Zionsgedankens ausgeschloffens. Wer immer sich für die Sache des jüdischen Volkes einsetzt, unterwirft seine Person freudig der Sache. Und endlich haben Angelegenheiten, die Verwalter der die Stimme des Volkes zu hören, die Führer der jüdischen großen Geldfonds nur auf dem sie dienen wollen, dem sie dienen müssen. Tribüne. (An dieser Stelle geben wir gerne Zuschriften Raum, die in schicklichem Ton Angelegenheiten von allgemeinem Interesse oder gerechtfertigte Beschwerden enthalten. Die Nedaction.) Geehrte Ne d a c t i o n! Gestatten Sie, Ihre Aufmerksamkeit auf eine Angelegenheit zu lenken, die für die jüdische Wissenschaft von großer Wichtigkeit ist. Bekanntlich wird seit den letzten Jahren und noch länger auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft selbst von den berufenen Persönlichkeiten und gerade von diesen — wenn man von Pamphleten gegen den Zionismus absieht — fast gar nichts geleistet. Berufene Corporationen 11)1111 auch nichts, um ein Interesse nach dieser Richtung zu erwecken, junge Talente anzueifern und zu fördern. Nun besteht in Wien seit vielen Jahren die D r. I a e o b R a p o p o r t'sche P r e i sstiftnng von 1000 fl. für die besten Arbeiten auf diesem Gebiete. Ein fünfgliedriges, aus zwei Rabbinern und drei Laien bestehendes Curatorium macht die Vorschläge und der Cultnsvorstand verleiht den Preis. Dieses Curatorium ist bisher bei seiner Preisausschreibung ganz eigenthümlich zu Werke gegangen. Jahre hindurch war der Preis ausgeschrieben auf die „Geschichte der Juden in Frankreich", mn den sich niemand bewarb, dann über die „Geschichte des Ghettos in Rom", den Professor Berliner erhielt, schließlich gab man das Thema „Der Einfluß Spinozas auf Goethe". Nachdem dann über diesen dunklen Punkt Klarheit geschaffen wurde, läßt das Curatorium nichts mehr von sich hören. — Hat es irgend ein Thema ausgeschrieben und welches? Vielleicht wird das Curatorium durch diese Zeilen aus seinem Schlummer aufgerüttelt. Wenn sie schon zu „Wächtern" der jüdischen Wissenschaft bestellt sind, so mögen sie dieser doch zu Hilfe kommen. 8. M., Wien. Weltchronik. Der Jude als Soldat. In der Pariser „Association des Eindiants israäites russes“ sprach unlängst Dr. Max Nordau über dieses Thema. Es war eine geistreiche, psychologische Betrachtung über den persönlichen Muth der Juden im Allerthum und im Mittelalter an der Hand der gesammten jüdischen Geschichte. Er erzählte von den Kämpfen der Juden mit den Philistern und dann mit den Römern. „Und der Krieg, den die Römer führen mußten gegen dieses kieine Volk, das bereit war zu siegen oder zu sterben? Sind die zahlreichen Ausstände der Juden gegen die römische Herrschaft nicht ein Beweis ihres Muthes?".Dabei entrollte Nordau seinen ^Zuhörern das schauerliche Bild der Belagerungen, der Metzeleien römischer Gewaltherrscher, mit allen Schrecknissen, die die Juden doch ertragen haben. „Sehen Sie nicht darin jenen außerordentlichen Verzweiflungsmuth? Und dann der Kampf in Jerusalem, wo die Vertheidiger den Tod in den Flammen des Tempels aufsuchen ... und Bar Kochba, der die beste Armee der Welt durch drei Jahre im Schach hält, so daß selbst Rom an seiner Macht verzweifelt, sind denn das nicht Helden? Und die Maccabäer?" „Doch heute ist Juda zerstört, vernichtet, aus der Reihe der politischen Mächte gestrichen. Aber die Juden haben das Unglück ihres Vaterlandes überlebt und die Tugend ihrer Ahnen behalten: den Muth". Damit meint der Vortragende nicht mehr

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