Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 5 (2.7.1897)
- Date
- 1897-07-02
- Page
- 1 (sequence 3)
- Language
- German
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O Redaction und Administration: Wien II., Rembrandtstraße 11. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 10 kr. Nr. 5. I- Jahrgang. Erscheint jeden Freitag. Wien, 2. Zuki 1897. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration Wien, II., Rembrandtstraße I I, zu richten. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. O- -:.=r-= Bezugspreise. Jür Hesterr.-Hlngarn: Halbjährig 3 fl. 6 Kr. Ganzjährig 6 fl. 12 Kr. Jür das Ausland: Halbjährig 4 fl. 8 Kr. Ganzjährig 8 fl. 16 Kr. Einzelne Nummern 15 kr. O— -—-O Die Verlegung des Congresses. (Ein Briefwechsel.) Die vorbereitende Commission des Zionisten-Congresses sieht sich veranlaßt, diese Zusammenkunft von München nach Basel zu verlegen. Der Grund des Beschlusses ist die ablehnende Haltung der Münchener israelitischen Cultusgemeindc gegenüber dem Congreß. Zwar hätte der Einspruch des Münchener Cultusvorstandcs nicht beachtet werden müssen, weil ja die Herren nicht in der Lage sind, den Aufenthalt in München oder die Berathung einer Anzahl von Personen zu verbieten, mit denen sie ausdrücklich in keinem Zusammenhänge stehen und stehen wollen. Es ist auch zu bezweifeln, daß der geehrte Cultusvorstand irgend etwas Wirksames gegen die Versammlung hätte Vorkehren können. Aber die vorbereitende Commission hält es für ihre Aufgabe, den Congreß auf eine durchaus würdige Art zu versammeln. Wie wenig begründet die Mißstimmung der Münchener Herren auch sei, wie leicht man auch über ihren Protest hinweggehen könnte, so wollten die Einberufer doch nicht den Gegnern des Judenthums das Schauspiel eines solchen müßigen Gezänkes geben. Auch wäre vielleicht Mancher dem Congresse fern geblieben, wenn angenommen werden durfte, daß am Versammlungsorte die officiellen Vertreter der dort ansässigen Juden sich gegen die Gäste unfreundlich verhalten würden. Aus diesen Gründen wurde München aufgegeben und Basel als Versammlungsort bestimmt, nachdem durch genügende Erhebungen festgestellt worden war, daß die Tagung in Basel keinerlei Schwierigkeiten ausgesetzt ist. Eine Schweizer Stadt war auch ursprünglich als Congreß-Ort in Aussicht genommen worden und die Mehrheit der Commission hatte gegen den ersten Antrag nur darum die gastfreundliche und gut gelegene Stadt München gewählt,weil dieBesuchcr aus dem Osten EuropasMünchen aus Politischen Gründen vorziehen. Durch die Einberufung nach München wurde nun jedenfalls in überzeugender Weise dargethan, daß der Congreß in einer deutschen Stadt tagen sollte. Daß es nicht dazu kam, darf und wird den Congreß nicht in ein anderes Licht setzen. Wohl muß der Zionismus, wie jede neue Bewegung, sich auf Mißverständnisse und falsche Beurtheilnngen gefaßt machen; doch aus der Absicht der Einberufer, nach München zu gehen, wird jeder Unbefangene den Schluß ziehen, daß die Zwecke und Ziele des Congresses auch anderswo als in der Schweiz die sorgsamste Controle der Behörden und der öffentlichen Meinung nicht zu scheuen brauchten. Es wird uns der Briefwechsel der Commission mit dem Münchener Cultusvorstande zur Veröffentlichung übergeben. * * * Wien, 11. Juni 1897. An die löbliche Vorstandschaft der israelitischen Cultusgemeindc München. Hochgeehrte Herren! Einige Notizen in den Münchener Tagesblättern haben unsere Aufmerksamkeit auf eine Agitation hingelenkt, die dort gegen die Veranstaltung unseres Zionisten-Congresses eingeleitet worden ist. Insbesondere heißt es, daß sich der Münchener Cultusvorstand gegen diesen Congreß, zu dem er nicht eingeladen worden sei, verwahre. Um diese Sache klarzustellen, wenden wir uns direct an Sie. Wenn wir den Münchener Cultusvorstand nicht zum Congreß eingeladen haben, so unterließen wir dies nicht aus Mangel an Courtoifie oder weil wir Sic nicht als dazu gehörig ansahen. Wir wollten es Ihnen vielmehr völlig anheimstellen, sich als gern gesehene Genossen am Congresse zu. betheiligen oder sich diesem ferne zu halten. Wir glaubten, taktvoll zu handeln, wenn wir Ihnen die Wahl Ihrer Stellung zum Congresse überließen und Ihnen eventuell die Verlegenheit ersparten, sich aus vermeintlichen Opportunitätsgründen gegen Ihre Stammesgcnossen erklären zu müssen. Zwar enthält der Zionismus nichts, was gegen Sitte oder Gesetz verstieße, und nur Böswillige können diese Bewegung als antipatriotisch hinstellen. Aber wir wissen nur zu gut, wie viele falsche Vorstellungen noch über unseren Versuch, die Judenfrage friedlich und, menschenfreundlich zu lösen, verbreitet find. Es ist eine der Ausgaben unseres Congresses, die öffentliche Meinung über das Wesen des Zionismus aufzuklären. Wir beehren uns, Ihnen gleichzeitig eine Nummer unseres Parteiblattes „Die Welt" zu übersenden; da finden Sie einen informirenden Artikel über die Zwecke des Congresses. Wir haben den Congreß nach München einberufen, weil diese Stadt als gastfreundlich gilt und ein geeigneter Vcrkehrsmittelpunkt ist. — Einen Protest von jüdischer Seite gegen unsere Versammlung haben wir nicht erwartet und wir glauben, daß auch Nichtjuden einen solchen Protest nicht verstehen werden. Es scheint uns, daß die Israeliten, die sich nicht als Nationaljuden, sondern als Angehörige einer anderen Nation fühlen, uns ruhig unseren Volksgefühlen überlassen sollten. Wir sprechen nicht in ihrem Namen, sondern nur in unserem eigenen; wir achten ihre Nationalität, mögen sie die unsere achten, wie das unter den Völkern üblich ist. Noch eine Besorgniß, die etwa auftauchen könnte, glauben wir im vorhinein zerstreuen zu sollen. Der Zionisten-Congreß ist eine geschlossene Versammlung, in die man nur mit Eintrittskarten gelangen kann, und die Einberufer wie die bereits angemeldcten Theilnehmer sind fest entschlossen, dieser Versammlung einen würdigen Charakter zu geben und zu erhalten.