Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-07-17 · 28 (17.7.1908) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
28 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316325--50855-3378157
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

18 DIEl^ELT No. 28 MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Wir bitten die Sammelstellen des Jüdischen Nationalfonds wiederholt, uns ihren Bedarf an Nationalfondsbroschüren und-Flugblättern freundlichst aufgeben zu wollen. Bisher sind im Verläge des Jüdischen Nationalfonds folgende Agitationsschriften erschienen, die durch das Hauptbureau in Köln, beziehungsweise durch die Landessammelstellen des Jüdischen Nationalfonds erhältlich sind: 1. „Was ist und will der Jüdische Nationalfonds?" in deutscher, hebräischer, jüdischer und spaniolischer Sprache. Eine englische Übersetzung verläßt demnächst die Presse. 2. „Etwas zum Nachdenken", (Flugblatt Nr. 1) in deutscher, hebräischer und jüdischer Sprache. Die Drucklegung einer spaniolischen und einer französischen Obersetzung wird in den nächsten Tagen beendet. 3. Zum 9. Ab (Flugblatt Nr. 3) in deutscher Sprache-. Von gesinnungsgenössischer Seite werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß nach deutschem Recht in einer ganzen Reihe von Einzelstaaten Schenkungen und Zuwendungen von Todes wegen an juristische Personen, soweit es sich um Summen von mehr als dt 5000.— handelt, von landesherrlicher Genehmigung abhängig sind. Vor allem ist dies auch in Preußen der Fall. Gemäß dem Beschlüsse des VII. Kongresses werden wohl viele Zionisten den Nationalfonds in ihrem Testamente bedacht haben, und es wäre sehr bedauerlich, wenn derartige Vermächtnisse in Ermangelung' der behördlichen Genehmigung nicht zur Ausführung kommen könnten. Es empfiehlt sich also, solche Testamentsbestimmungen rechtzeitig entsprechend abzuändern. Die zweckdienliche juristische Form dürfte unschwer zu finden sein. Wir erhielten folgende Zuschrift: Glasgow, 12. Juli 1908. An das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds Köln. Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! Vor längerer Zeit wies Herr Dr. Bruno Blau in der „Welt" mit Recht darauf hin, welche Bedeutung die Statistik für die Beurteilung und Erfassung aller Lebensverhältnisse des jüdischen Volkes besitzt. Bedauerlicherweise hat die ziffermäßige Behandlung der Wandlungen innerhalb der zionistischen Gesamtorganisation bisher keine größere Beachtung gefunden. Es ist meines Erachtens falsch zu sagen, daß die Stärke unserer Organisation nicht in der Anzahl der Mitglieder, der entrichteten Schekel und sonstigen Beiträge liegt, und die Betonung der quantitativen Stärke nicht übertrieben werden soll. Da es auch quantitativ meines Wissens keine zweite jüdische Organisation gibt, die irgendwie mit der zionistischen verglichen werden könnte und eine zahlenmäßige Darstellung der zionistischen Organisationsformen mitunter von nicht zu unterschätzender propagan- . distischer Bedeutung ist, werden wir auf die Dauer eine reguläre, übersichtliche zionistische Statistik nicht missen können. Das Hauptbureau des N. F. hat nun in dankenswerter Weise bei der populärsten zionistischen Institution den Anfang gemacht und vermittelt uns seit einigen Monaten eine genaue Obersicht über die Eingänge für den Nationalfonds. Obwohl Sie, geehrte Gesinnungsgenossen, in Ihrer Erläuterung zur statistischen Tabelle das Wesentliche zum besseren Verständnis der Ziffern anführen und auch — wie Sie mit Recht hervorheben — aus den Zusammenstellungen die nötigen Konsequenzen inbezugauf Ihre Tätigkeit gezogen haben, wird es für den N. F. von größter Wichtigkeit sein, wena auch die Organisationen und Gesinnungsgenossen in allen Ländern sich die sehr beredte Sprache der Ziffern recht deutlich vor Augen führen. Ich möchte meinerseits auf das wirklich beschämende Ergebnis der Sammlungen bei uns in England hinweisen. Mit Jt, 1051.16 steht England unter allen Ländern an 16. Stelle und die durchschnittliche Monatssammlung ergibt bloß rund JC 175.—. Das Krasse dieser Ziffer tritt noch deutlicher hervor, wenn man sieht, daß in einer statistischen Obersicht vor etwa einem Jahre die monatliche Durchschnittssammlung in 'England etwa Jt 614.— betrug, welch letztere Ziffer natürlich zu der Stellung der englischen Organisation im Zionismus auch noch in keinem Verhältnis steht. Ich habe zur Zentrale der Bewegung in England zu wenig Beziehungen — was aber weniger an mir, als an der Zentrale liegt — als daß ich über die Ursache dieser höchst betrübenden Erscheinung etwas sagen könnte, aber die Sprache der obigen Ziffern ist mir so deutlich, daß sie hoffentlich auch in London vernommen werden wird. Eine Antwort wäre dringend erwünscht Mit besten Zionsgrüßen - Spectator. Der Jüdische Nationalfonds*) Man sollte glauben, es wäre heute bereits überflüssig, auf den Jüdischen Nationalfonds besonders aufmerksam zu machen und für ihn Stimmung zu schaffen, zumal in einer zionistischen Zeitung. Ist ja der Nationalfonds die populärste und beliebteste Institution des Zionismus, wenn nicht des jüdischen Volkes überhaupt. Und doch müssen wir sagen, daß seine Bedeutung, trotz der erreichten großen Popularität, nicht genügend erkannt wird. Wir sagen trotz, wir könnten vielleicht auch sagen: wegen seiner Popularität. Denn viele unserer Gesinnungsgenossen lassen sich in Anbetracht der Popularität des J. N.-F. zur irrigen Ansicht verleiten, es werde für ihn genug getan. Bedenkt man aber, daß sich nicht einmal ein Prozent der Juden an den Sammlungen für den N.-F. beteiligt, daß ferner der N.-F. nach sechsjährigem Bestehen nur ca. 1 '/* Millionen Mark besitzt, so muß man sagen, daß wir mit unseren Pflichten dem Nationalfonds gegenüber noch weit im Rückstände sind. Der Grund ist wohl in der ungenügenden Propaganda zu suchen. Mag es anch den Anschein haben, daß für den Nationalfonds eine große Agitation entfaltet wird, so muß dagegen geltend gemacht werden, daß sie als durchaus unzulänglich und unbefriedigend angesehen werden muß, . wenn man die großen finanziellen Entwicklungsmöglichkeiten, die im Nationalfonds schlummern, ins Auge faßt Der Jüdische Nationalfonds muß ein Volksinstitut im vollen Sinne des Wortes werden. Das will sagen: Die Agitationsarbeit darf sich nicht auf zionistische Kreise allein beschränken, vielmehr sollte man über die Grenzen der zionistischen Parteiorganisation hinaus Freunde und Förderer werben. Diese Forderung entspricht nicht lediglich dem finanziellen Interesse des J. N.-F., sondern auch dem Gesichtspunkt allgemeiner zionistischer Agitationsarbeit Während die zionistische Organisation, wie ja eine jede Partei, ein genau formuliertes Bekenntnis fordert, gibt der Nationalfonds *) Aus der «Jüdischen Zeitung«, Wien. Versehentlich wurde im genannten Blatte der Name Dr. M. J. Bodenhcimcr unter obigen Artikel gesetzt. i. A»»aSg^r J

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.