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Die Welt · 1908-05-29 · 21 (29.5.1908) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
21 (29.5.1908)
Date
1908-05-29
Page
– (sequence 20)
Language
German
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vblEl^&ELT No. 21 :<juepiscHeR HATionAL-Forids MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Ein Vorschlag für den Absatz von Nationalfondsmarken Unter den Sammelmitteln des Jüdischen Nationalfonds verdient kaum eines so sehr unsere Beachtung wie die Nationalfondsmarke. Sie wurde von vornherein als die Grundlage der kleinsten Spende angenommen, indem man von der richtigen Voraussetzung ausging, daß die volkstümlichste zionistische Institution immer fester in der jüdischen Volksmasse wurzeln muß und in aufsteigender Linie nach und nach alle - Schichten des Volkes umfassen soll. Trotz dieser richtigen Voraussetzung müssen wir aber heute konstatieren, daß keines unserer populären Sammelmittel so hinter den Erwartungen und den ersten glänzenden Anfängen zurückgeblieben ist wie gerade die Nationalfondsmarke. Während im Berichte des Nationalfondsreferenten auf dem VI. Kongresse der Ertrag der Nationalfondsmarken unter allen Sammelmitteln noch an erster Stelle und auf dem VII. Kongresse an zweiter Stelle figuriert, geht es von da ab immer schneller abwärts, und in der letzten tabellarischen Obersicht für das I. Kalenderquartal dieses Jahres steht der Erlös der Nationalfondsmarken an letzter Stelle. Wenn vielleicht dieser letzte statistische Ausweis auch kein Durchschnittsmaßstab für das ganze Jahr sein wird, so muß doch festgestellt werden, daß, selbst unter Berücksichtigung der Ursachen, die für den allgemeinen Rückgang der Nationalfondssammlungen maßgebend sind, der Erlös für Nationalfondsmarken in keinem Verhältnisse zu der Bedeutung dieses Sammelmittels steht. Worin liegen nun die Ursachen dieser Erscheinung? Prüfen wir zunächst die praktischen Vorschläge und die Methoden, die für den Absatz der Nationalfondsmarken bisher eingeschlagen wurden. Die Marke soll bei allenKorrespondenzen, die ein Zionist verschickt, Verwendung finden. Bevor noch die Telegrammblankette herausgegeben wurden, hat man für Depeschen den entsprechenden Betrag in Nationalfondsmarken aufgeklebt. Einladungskarten zu zionistischen Festlichkeiten, in letzterer Zeit auch Mitgliedskarten in Vereinen, werden mit Nationalfondsmarken versehen. All dies, praktisch durchgeführt, erschöpft im entferntesten nicht den Ertrag, den die Marke in Wirklichkeit bringen sollte. Es gibt nicht viele Zionisten, die eine so umfangreiche Korrespondenz führen, daß der Verbrauch an Nationalfondsmarken einen nennenswerten Ertrag abwerfen könnte. Nachdem jetzt in Form der hübschen Telegrammblankette ein besonderes Sammelmittel gegeben ist, das sich gut einbürgert, fällt auch der eingangs erwähnte Mehrverbrauch an Nationalfondsmarken fort Die Nationalfondsmarke wird wieder zu einem Hauptsammelmittel werden, wenn wir sie, ihrem ursprünglichen Zwecke entsprechend, nicht bloß bei den außergewöhnlichen oder bei nur in gewissen Zeiträumen wiederkehrenden Gelegenheiten, sondern täglich und überall in Verkehr setzen. Und dazu ist sie geeignet wie kein anderes Sammelmittel des Nationalfonds. Ins Goldene Buch werden wir nach und nach alle eingetragen haben, die es verdienen. In die Nationalfondsbüchse, die wir zu Hause aufhängen, werfen zumeist nur die Gäste etwas hinein, und Gäste kommen gewöhnlich doch nicht alle Tage. Der Sammelbogen wird in der Regel nur dann ausgefüllt, wenn der einzelne, der Kreis oder die Volksversammlung vorher gut überzeugt wird. Die Vermächtnisse der reichen Zionisten sind auch etwas rar. Und trotzdem ist der Ertrag all dieser Sammelmittel, vielleicht mit Ausnahme des letzteren, unverhältnismäßig höher als jener der Nationalfondsmarken. Um dem abzuhelfen, müssen wir den Nationalfonds mit Hülfe der Nationalfondsmarke an dem täglichen Konsum gewissermaßen partipizieren lassen. Und dazu sollen wir die Form des Mutualismus anwenden. Der Mutualismus ist in den meisten Ländern nicht unbekannt Im Prinzip stellt er die Form einer Art genossenschaftlicher Organisation dar, die für jede materielle Leistung eine kleine Gegenleistung erfordert Große Organisationen, die humanitäre oder Fachinteressen vertreten, haben sich durch den Mutualismus bedeutende Einnahmequellen oder ihren Mitgliedern große Vorteile verschafft Wollen wir dieses Prinzip für den Nationalfonds durch die Nationalfondsmarken anwenden, so erfordert dies selbstverständlich gewisse organisatorische Maßnahmen, die aber, meiner festen Oberzeugung nach, in ganz hervorragender Weise die aufgewendete Mühe lohnen würden. Der Vorgang, wie ich ihn "mir denke, ist sehr einfach. Tausende zionistischer Familien, die bereit sind, unter geringem Aufwand von Mühe für den Nationalfonds zu arbeiten, können hierzu beitragen. Einige praktische Beispiele: Die Hausfrau besorgt allmonatlich gewisse Einkäufe oder zahlt Monatsrechnungen. Ein noch zu bestimmender, natürlich sehr mäßiger perzentueller Anteil des zu zahlenden Betrages, sagen wir: von Mk. 55.40 40 Pfennig, wird dem Lieferanten in Nationalfondsmarken gegeben. Der jüdische Reisende, der seine Hotelrechnung begleicht, zahlt von Mk. 15.30 Mk. 15 bar, 30 Pfennig in Marken. Das letztere Beispiel möchte ich hervorheben, weil, wie mir bekannt, der Verein reisender Kaufleute in Österreich, der etwa 25 000 Mitglieder zählt, das Mutualistensystem in dieser Form seit vielen Jahren eingeführt hat. Doch ich höre schon die vielen, vielen Fragen! Was hat der Lieferant für ein Interesse, Marken anstatt baren Geldes für eine Sache anzunehmen, die ihn nicht interessiert und die er nicht kennt? Dasselbe Interesse wie hunderte deutscher Kaufleute, die sich zu einer Organisation des Rabattmarkensystems zusammenschließen: den sicheren Absatz durch Gewinnung zahlreicher Kunden, die ein gemeinsames Interesse ihm zuführt Wie bereits erwähnt, ist ohne Organisation die Sache nicht durchführbar. In jeder Stadt müssen die Kaufleute, Hoteliers, Cafetiers usw. vorher schriftlich darauf vorbereitet werden, und diejenigen, die sich bereit erklären, werden dann allmonatlich oder eventuell allwöchentlich in den Ausweisorganen bekanntgegeben. Es müßte sonderbar zugehen, wenn ein Zionist oder eine Zionistin einem solchen Etablissement seine Reellität vorausgesetzt bei Einkäufen usw. nicht den Vorzug'geben würde. Nun wird man einwenden: Ja, warum sollen denn gerade die Nationalfondsmarken hierbei in Betracht kommen? Der betreffende Kaufmann kann doch den abzuziehenden kleinen Betrag auch so dem Nationalfonds zuweisen. Richtig, aber dabei fehlt die einfachste Kontrolle sowohl für den Nationalfonds selbst als auch dem Kaufmann gegenüber» Und diese ist durch die Nationalfondsmarke gegeben. Ich stelle . diesen Vorschlag, der natürlich noch lange nicht die richtige praktische Form hat einstweilen zur Diskussion. . . David ben Noach

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