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Die Welt · 1908-05-22 · 20 (22.5.1908) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
20 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 19)
Language
German
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:Die2|eelt : MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Über die Briefmarkensammlung Vor einigen Tagen konnte man in verschiedenen Zeitungen folgende Notiz lesen: „L'administration financiere du chemin de fer du Hedjas a mis en .vente depuis quelque temps un nombre determine d'anciens timbres-postes, cartes-postales et enveloppes timbrees. Cette vente se fait au profit de la susdite voie ferree. On a offert jusqu'ä present 102 500 Francs. Pour toute surenchere de 5 °/o s'adresser' ä lä susdite administration avec un cautionnement repr6sentant le dixieme de l'offre ou la garantie d'une banque." Also: Das erste Gebot auf eine durch freiwillige Spenden zusammengestellte Briefmarkensammlung allein beträgt 102 500 Francs. Dieses Beispiel zeigt deutlich, daß die Briefmarkensammlung, rationell betrieben, Summen aufbringen kann, welche sogar ein Unternehmen, wie diesen gewaltigen Bahnbau, ganz wesentlich fördern. Weshalb sollte die Briefmarkensammlung zugunsten des Nationalfonds nicht ähnliche Erfolge aufweisen können? Die bisherigen Erträgnisse sind den Verhältnissen entsprechend recht zufriedenstellend; die wünschenswerte Höhe ha6en sie noch nicht erreicht, — ohne Zweifel nur deshalb, weil die Sammlung einstweilen nur unsystematisch betrieben wird. Man verläßt sich noch zu sehr auf Zufallserfolge. Soll die>Sammlung von Postwertzeichen wirklich eine grundlegende Bedeutung für das Gedeihen des Jüdischen Nationalfonds erlangen, — und das wird sie ganz gewiß, — dann muß sie so betrieben werden, daß alle Erfolg versprechenden Methoden berücksichtigt werden und alle Kräfte einheitlich auf dasselbe Ziel hinwirken. ' Der auffallend hohe Preis, welcher für die obenerwähnte Sammlung geboten wurde, ist wahrscheinlich auf Grund wertvoller Marken erzielt worden. Der Wert von Briefmarken ist in zwei Umständen begründet: Entweder sie besitzen ein so hohes Alter, daß die meisten einst ausgegebenen Stücke vernichtet oder verloren sind und es jetzt nur noch wenige Exemplare.gibt, oder die Emission, der sie ihr Entstehen verdanken, wurde aus irgendwelchen Gründen auf eine so kleine Anzahl beschränkt, daß überhaupt nur vereinzelte Exemplare in Umlauf gelangten. Solch seltene Marken und Ganzsachen können wir nicht auf dem üblichen Wege des Sammeins im eigentlichen Sinne erhalten. Es gibt zwei Möglichkeiten, ihren Besitz und ihre Verwertung dem Nationalfonds zu verschaffen. Viele unserer Gesinnungsgenossen haben von früher her aus ihrer Kinderzeit Sammlungen, die sie jetzt kaum, noch beachten, ja, jie sie vielleicht schon vergessen haben. Jetzt liegen sie unverwertet im Schranke, und niemand hat Freude an ihnen. Gerade diese altern Sammlungen, welche mühelos als Spielerei, vielleicht nur aus Freude an besonders schönen Farbenzusammenstellungen aufbewahrt wurden, können in sachverständiger Hand sehr wertvoll sein. Wäre es nicht besser, solche Sammlungen einem hohen Zwecke zu widmen, als sie unnütz dem Staube und der- Vernichtung preiszugeben? Noch früher, zur Zeit unserer Großeltern, stand die Philatelie bei weitem nicht in der Blüte, die sie heute erreicht hat Damals ' dachten wohl sehr wenige an eine Entwicklung dieses Sammelzweiges. Nur ganzvereinzelt wird ein weitschauender Geist sich damit befaßt haben, zielbewußt eine Kollektion von Postwertzeichen zusammenzustellen. Wer nicht wie oben erwähnt, aus rein ästhetischer Freude hie und da einige besonders hübsche Marken beiseite legte und verwahrte, wird den scheinbar wertlosen Papieren keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. Aber eine andere Eigenschaft besaßen unsere Vorfahren, die uns vielleicht heute bei unsem Bestrebungen zu Hilfe kommt. Die Vertreter der ältern Generation, und besonder» die Juden, waren stets sehr konservativ und pedantisch ordnungsliebend veranlagt Die Papierkörbe waren zu jener Zeit selten, und wenn unsere Großmutter oder unser Großvater Briefschaften erhielt, so wurden die Umschläge nicht wie heute, fortgeworfen, sondern die Briefe wurden sorgsam in den Umschlag gesteckt und an sicherer Stelle aufbewahrt. Wenn nicht später absichtliche oder zufällige Vernichtung unter den alten Papieren aufgeräumt hat, dann werden auch heute noch auf dem Boden manchen Hauses in alten Kisten und Kasten schöne Funde an Postwertzeichen zu erwarten sein. Es wäre eine lohnende und auch interessante Aufgabe für die jüngern Geschwister, die verstaubten Mappen und Schachteln in der Rumpelkammer einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen. Bei diesen Säuberungen werden sicher nicht nur wertvolle Postwertzeichen zutage gefördert, sondern der Eifer wird wahrscheinlich auch durch interessante Bereicherungen der Familienchronik belohnt werden. Wenn Spenden solch älterer und seltener Briefmarken unsere Bemühungen unterstützen, dann werden die finanziellen Erfolge zweifelsohne wesentlich steigen. Allerdings, die eigentliche Grundlage unserer Sammlung werden immer die jetzt im Kurs befindlichen Wertzeichen bilden, und sie ermöglichen tatsächlich einen nicht zu unterschätzenden Gewinn. Eines ist jedoch von vornherein selbstverständlich und darf nicht vergessen werden. Die heutigen Marken können infolge des ungeheuren Angebots nur dann einen nennenswerten Ertrag erzielen, wenn sie in großen Mengen zum Verkauf gelangen. Die einzelne Marke hat an sich höchstens dann einen größeren Wert, wenn sie seltener gebraucht wird als die übrigen. Das ist der Fall bei Emissionen aus besonderen Veranlassungen, etwa Jubiläumsmarken, oder bei Marken mit besonders hohem Nennwert wie in Deutschland die 3- und 5-Mark-Type, oder auch bei Nachporto- und ähnlichen Marken. Die wichtigsten Voraussetzungen für einen hohen Ertrag sind demnach: Die Masse und der hohe Nennwert. Diesen Bedingungen in vollem Maße gerecht zu werden, ist füruns ein Leichtes, wenn wir zusammenhalten und einheitlich dem Ziele zusteuern. Die Leitung vieler großer Handelshäuser in allen Ländern der Welt liegt in der Hand von Juden. ' Die unzähligen Briefmarken, welche infolge ausgedehnter Korrespondenzen bei diesen Firmen einlaufen, würden sicher eine bessere Verwendung finden, als dies jetzt der Fall ist, wenn sie unserer Zentrale für Briefmarkensammlung zugeführt werden könnten.. Wir können aber nicht von allen Firmen verlangen, zumal, wenn die Inhaber den zionistischen Bestrebungen ferner etehen, daß sie sich der Mühe unterziehen, für uns zu sammeln und die bei ihnen einlaufenden Postwertzeichen nach

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