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Die Welt · 1897-06-25 · 4 (25.6.1897) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
4 (25.6.1897)
Article
Lemberg [Nachricht] / A. St.
Date
1897-06-25
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10. ,Pk$W<lt: Nr. 4. aber, daß die reichen Orthodoxen qnod interna alle Lasten der Cultusgemeinde tragen. Die reichen Herren von der Orthodoxie wollen das Gegentheil. Wir Zionisten sehen es mit Zufriedenheit an, wie die letzten Kämpfer die morsche Festung erobern wollen und hören schon das Krachen des baufälligen Hauses. Auch in der polnischen Presse kämpft man. Die Aera, wo Kampf, Freiheit und Brüderlichkeit in logischem Zusammenhänge standen, ist längst dahin. Mit solchen Kleinigkeiten befaßt sich die polnische Presse nicht. Sie kämpft statt um Gleichheit, um Abonnenten, sie kämpft statt gegen Corruption, gegen Dr. Heinrich Biegeleisen. Für dm deutschen Leser ist dieser demüthige, einfache Jude ein Fremder, ein Unbekannter, für den polnischen ist er der bedeutende Interpret des großen Miekiewicz, Entdecker eines Lustspieles von Fredro, verständiger Herausgeber der Gesammtwerke Slowackis und Verfasser der besten polnischen Studien über Shakespeare und Ibsen. Warum man ihn bekämpft, werden mich nieine Gesinuungsgenossen nicht fragen, denn sie verstehen das gewaltige Motiv des Rassenunterschiedes, welches soviel Unheil gestiftet hat. Wer ihn bekämpft, will ich sagen: ein Jüngelchen, welches die besten böhmischen Toaste in Polen und die schönsten polnischen Reden in Böhmen hält. Das Sprichwort sogt: „Die Hunde bellen, der Mond leuchtet weiter." Ja er leuchtet. Wie traurig, daß er diese Gesellschaft beleuchten muß. A. St. Krakau den 16. Juni. (Orig.-Corr.) Nach fünftägiger Verhandlung wurde der Proceß des hiesigen Cultusvorstandes contra Herrn Reichenberg vor dem Schwurgerichte mit einem Vergleich beendet. Wenn man bedenkt, wie der Cultusvorstand durch zwei Jahre in der heftigsten Weise angegriffen, wie ihm Betrug, Schwindel und die niedrigsten Motive bei seiner Amtshandlung zum Vorwürfe gemacht wurden, und daß er sich jetzt mit einer bloßen Erklärung begnügte, wofür er noch dem Angeklagten feierlich versprach, von der „Einhebung der Domesticalsteuer abzusehen", also den Zweig abzusägen, aus dem er sitzt, so wird man leicht ermessen, wer in diesem Processe der Sieger und wer der Besiegte war. Der Angeklagte führte für seine Behauptungen den Wahrheitsbeweis und es gelang ihm auch, diesen durch zahlreiche Zeugen zu erbringen, während anderseits auch viele Zeugen gegen ihn aussagten. So wurden seine Behauptungen, daß der derzeitige Vice-Peäsident Hirsch-Landau sowohl den Präsidenten Dr. Leon-Horowitz als auch den gesummten Culturvorstand beherrsche, daß die Domesticaisteuer je nach der Parteizugehörigkeit der Gemeinde-Mitglieder repartirt werde, daß in der Cultusgemeinde ein Nepotismus herrsche u. s. w. theils widersprochen, theils von den Zeugen bestätigt. Im großen und ganzen förderte die Verhandlung zu Tage, daß im Cultusvorstande Mißstände herrschen und daß dort Leute ohne Bildung und Herz, ohne Interesse für das Judenthum und ohne eine Ahnung von der Größe ihrer Pflichten und ihrer Verantwortung ein Personenregime etablirt haben. Nach all' dem war es nun gleichgiltig, in welcher- Weise der Proceß formell abgeschlossen wurde. Allein der Schwurgerichtsproceß förderte noch eine Angelegenheit zu Tage, über die weder die öffentliche Meinung noch Herr Reichenberg selbst so leicht hinweggehen dürfen. Seine Gegner behaupteten vor Gericht, daß er den Cultusvorstand nur deshalb angreife, weil ihm dessen Leiter den Verwalterposten bei einer vom Hilfsactions-Comite etablirten Schule für Hausindustrie in Chozanow nicht verleihen wollten. Das ist ein schwerer Vorwurf und Herr Reichenberg sollte selbst die Sache mit einem bloßen Widerspruch nicht für abgethan halten. Es ist dringend nothwendig, über die Vorgeschichte des inzwischen selig eingeschlafenen Hilfsactions-Comite's, das unmittelbar vor den Reichsrathswahlen nur zum Zwecke einer Reclame von den jüdischen Abgeordneten Galiziens mit Pauken und Trompeten inscenirt wurde, Klarheit zu verschaffen, im Interesse der Reputation des Herrn Reichenberg selbst. Dadurch, daß er die Wahlpraktiken bei den Handelskammerwahlen brandmarkt, aber die Abgeordneten, in deren Interesse das geschieht und die auf den Schultern des jüdischen Proletariats hinaufstreben, übergeht, gibt er allerdings seinen Gegnern eine Waffe gegen sich in die Hand. Triest. (Orig.-Corr.) In einer Sonntag hnr abgehaltenen christlich-socialen Versammlung wurde der Statutenentwurf für die .. Le^ia cristiano-sociale“ angenommen. Die Statuten werden dieser Tage der Statthalterei zur Genehmigung unterbreitet werden. Türkei. Jaffa, Ende Mai. (Orig.-Corr.) Bekanntlich führt seit einigen Jahren eine schmalspurige Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem und vermittelt besonders den Fremden- und Pilgerverkehr nach der heiligen Stadt. Zwar geht täglich ein Güterzug von Jerusalem hierher und zurück, doch werden noch immer die meisten Lasten auf dem viel billigeren Wcge der Kameelkarawane befördert. Um den Personenverkehr, der sich ebenfalls zum großen Theile der Eisenbahn noch entzieht, die freilich in jeder Beziehung noch viel zu wünschen übrig läßt, diesem Verkehrsinstitut mehr zuzuführen, sind jetzt für weniger bemittelte Eingeborene, die sonst die Privatwagen vorziehen, billige Retourbillets von hier nach Jerusalem mit'dreitägiger Giltigkeitsdauer eingeführt. Hier folgt ein kleiner Plan über die Entfernungen und Preise. Kilomet. Station I. Cl. II. Cl. Kilomet. Station I. Cl. 11. Cl. Preis in Piaster Preis in Piaster Jaffa Jerusalem 20 Lydda 16.10 6.— 11 Bittir 9.— 3.— 23 Ramleh 18.30 7.— 37 Der-Abao 30.— 11.— 40 Sedsched 32.20 12.— 47 Sedsched 39.— 14.— 51 Der-Alckn 41.20 15.— 64 Ramleh 52.30 19.— 76 Bittir 61.30 22 — 68 Lydda 55.10 20.— 87 Jerusalem 70.20 25.— 87 Jaffa 70.20 25.— Ein dreitägiges Rückfahrtbillet kostet zwischen Jaffa und Jerusalem in der Regel 95 Regierungspiaster und wird nur für I. Classe ausgegeben, außerdem gibt es solche Rückfahrtkarten noch nach Ramle und Lydda für 11 beziehentlich 10 Piaster in II. Classe. Für die jüdischen Colonien kommen drei Stationen in Betracht und zwar Ramle als Bahnhof für Katrei (Gederah) und Wadi-Hanen, während die von der Bahn beinahe berührte Colonie Ekron zu weit von einer Station liegt, um direkten Vortheil von diesem Verkehrsmittel zu haben. Dagegen ist die beste Verbindung mit der erst seit sieben Monaten bestehenden Colonie El-Kästine (Beer-Tabiah) über Sedsched, von welcher Station das Dorf etwa 2 bis 3 Stunden mit verhältnißmäßig gutem Fahrwege entfernt ist. Endlich liegt die kleine neue Ansiedlung Artus (Har-T5bh), die frühere Mijsionsstation kaum mehr als zehn Minuten über dem Bahnhofe Der-Aban. Sehr wichtig wäre es, bei der Anlage von etwaigen neuen Ansiedlungen die Nähe der Eisenbahnstationen zu berücksichtigen, da nicht nur die Bahn davon einen Vortheil ziehen würde, sondern eine gute Verbindung mit dem einzigen von regelmäßigen Dampferlinien frequentirten Seehafen wegen des Absatzes der Erzeugnisse eine der wichtigsten Lebensadern der gesammten Colonisation schon jetzt ist und bei weiterer Entwicklung noch mehr werden dürfte. Zeitschriften-Rundschau. — Der antizionistische „Jewish Chronicle" veröffentlicht in seiner Letzten Nummer einen zionsfreundlichen Brief an den Redacteur, der folgendermaßen schließt: „ . . . Zum Schluffe gestatten Sie mir, der Meinung, die sich mir während meines Besuches in Palästina aufgedrängt hat, Ausdruck zu geben, daß, wenn es ein großer Theil des Volkes versuchen würde, das Land Palästina, das so fruchtbar ist, zu bebauen, und wie unsere Ahnen Schafhirten waren, heute Ackerbauer zu sein, so wäre ihr Leben länger, ihr Lebensunterhalt angenehmer und ihre Nachkommen gesünder". Melville M. Friedländer. — Was unser Specialcorrespondent aus Schodnica nur leise andeutete, nämlich, daß die Grubenbesitzer und insbesondere die Engländer den Excessen nicht ganz fernestehen, wird in einem Berichte der „Arbeiter-Zeitung" ganz deutlich illustrirt. Es heißt: „Dieser Faktor waren die Grubenbesitzer, Unternehmer und Verwalter. Diesen kommt die Judenseindlichkeit der Arbeiter sehr gelegen. Bei jeder Gelegenheit schimpfen sie selbst über die Juden. Stets lachten sie, wenn die Arbeiter den jüdischen Händlern Eins versetzten, und

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