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Die Welt · 1897-06-25 · 4 (25.6.1897) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
4 (25.6.1897)
Article
Ein interessanter Lebenslauf
Date
1897-06-25
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Rr. 4. JPk$WC Seite 9. Ehrenbürger. Sein Nachlaß sind nicht reiche Glücksgüter, wohl aber eine sehr werthvolle Bibliothek mit seltenen Handschriften und eine Reihe noch unedirter Werke. Reise nach Palästina. Professor Ignatz Schwarz aus Budapest hat eine Reise nach Jerusalem angetreten. Er gedenkt sich im heiligen Lande 4 Wochen aufzuhalten und begibt sich dann nach Egypten; er beabsichtigt ein Werk in ungarischer Sprache herauszugeben, dessen Reinerträgniß er beit türkischen Verwundeten nach Constantinopel senden wird. Professor Schwarz ist ein hervorragender Talmudist, befaßt sich jedoch gegenwärtig mit dem Studium orientalischer Sprachen. Schwarz ist ein streng Orthodoxer und wird sich auf der Reise seine Speisen selbst rituell zubereiten. Antisemitische Wahlvorbereitungen. In der verflossenen Woche fand in Breslau der Parteitag der Antisemiten Schlesiens statt. Es wurde beschlossen, bei den nächsten Reichstagswahlen in 13 schlesischen Wahlkreisen Candidaten aufzustellen und sich in den übriger! schlesischen Wahlkreisen wenigstens Zählcandidaten zu gestatten. Heuschrecken in Argentinien. Die „Times" vom 15. Juni melden aus Buenos Aires, vom 17. Juni, daß verschiedene große Heuschreckenschwärme in Santa Fö und anderen im Norden gelegenen Provinzen Argentiniens aufgetaucht seien; die bevorstehende Ernte wird hiedurch ernst bedroht. Zum Moskauer Aerzte-Congreß. Anläßlich des internationalen Moskauer Aerzte-Congresses sollte nach den Meldungen der Presse die Vidimirung der Pässe seitens der russischen Eonsulate auf keine Schwierigkeiten stoßen, wenn Aerzte jüdischen Glaubens an demselben theilnehmen wollen. „Pesti Hirlap" veröffentlicht aber einen ministeriellen Erlaß, der folgendermaßen lautet: „An die Municipalität der Stadt Großwardein. Das Gesuch des Großwardeiner Arztes Dr. Wilhelm Rttvosz um Herausgabe eines Auslandpasses zur Reise zum Moskauer Congresse sende ich anbei behufs weiterer Verständigung mit dem Bemerken zurück, daß der russische Consul in Budapest die Vidimirung des Passes verweigerte, weil der Genannte Jude ist". Ern judenscheuer Gutsbesitzer. Zu Rangsdorf bei Zossen (in der Nähe Berlins) hat der Hauptmann Spiekermann am Thore seines Gutshofes ein großes Schild mit der folgenden Inschrift anbringen lassen: „Juden ist der Eintritt bei Strafe streng verboten". Auch diesen Gutshof enrpfehlen wir der gütigen Aufmerksamkeit deutscher, antizionistischer Rabbiner. Judenfreundliches ans Ungarn. Der Rechtshörer Gaza Schulhof forderte von dem Universitätsclub eine Aufklärung über diverse Placate antisemitischen Inhalts, die an der Universität verbreitet sind. Der Universitätsclub gab eine nicht befriedigende Erklärung ab, und im Verlaufe der Differenzen, die sich nun entwickelten, sah sich Herr Schulhof veranlaßt, den Universitätsclub, den Präses Arthur Kowlossy und das Mitglied Baroß herauszufordern. Für den Club wurde Herr Melczer ansgelost. Bei der Austragung dieser Angelegenheit zwischen Schulhof und Baroß wurden beide Gegner verwundet, bei dem Duelle Schulhof-Komlossy blieb Schulhof unverletzt. Komlossy erhielt eine leichte Verletzung und bei dem Pistolenduell Schulhof-Melczer blieben beide Gegner unverletzt. Komlossy wurde jetzt zu 8 Tagen, Melczer und Baroß zu 3 Tagen und G6za Schulhof zu eiueiu Monat Staatsgefängnis verurtherlt. Correspondenzen. Oesterreich-Nngarn. Wien. (Orig.-Corr.) Am 17. d. M. hielt der Wiener Verein „Zion" im großen Rcstanrationssaal Weiß in der Alserstraße eine öffentliche Vereinsversammlung ab. Ungeachtet der heißen Jahreszeit war dieselbe von einigen hundert Personen aus allen Ständen, darunter vielen Frauen und Mädchen besucht. Den Vorfitz führte Hof- und Gerichtsadvocat Dr. O. Kokesch, das Referat erstattete Hofn. Gerichtsadvocat Dr. Leopold Kahn. Es lautete: „Der Jude, vormals, setzt und dann, ein Wort zur Aufklärung der zionistischen Bewegung." Dr. Kahn setzte in beredter, populärer Sprache die Entwickelung und das Wesen des Zionismus auseinander. Er wies auf die erlösende Bedeutung des Zionismus in politischer und wirthschaftlicher Beziehung für die Inden, sowie auf die bereits geschaffenen und sehr gut prosperirenden Colonien in Palästina hin. Eine Bewegung ging durch die Versammlung, als Referent ihre Aufmerksamkeit auf einen in der Versammlung anwesenden Colonisten aus Rechowoth lenkte, der als ein Bild der Kraft und Gesundheit dastand. Die Ausführungen des Redners fanden großen Beifall. Dann ergriff das Wort der Obmann des Verbandes „Zion" Dr. M. T. Schnirer, um auf ein actuelles Ereigniß hinzuweisen, in dem sich das Verhalten Derer abspiegelt, die sich noch immer an die Spitze der Judenschaft vordrängen. Man erinnert sich, daß Dr. Alfred Sie rn in allen Wiener Blättern, um „UIreM nft aedruckt ru kein, keinen Bcrickit über die bei ihm für die armen vom Schulgelde nicht befreiten Gymnasialschüler eingelaufenen Gelder erstattete. Darin hob Dr. Stern mit besonderer Bctonung'hervor, daß er einen Theil des Restes per 100 fl. für Gymnasialschüler ohne Unterschied der Confesfion spendete und daß er „im Sinne der Spender zu handeln glaube." „Glaubt nun Herr Dr. Stern — sagte Dr. Schnirer — daß die jüdische» Schüler etwas von diesem Gelde sehen werden und wäre dieses Geld nicht besser angebracht bei dem Hausirer mit 16 Kindern, bei der armen Witwe, von denen er ja erzählt, daß selbst ihre Kinder abgewiesen wurden?" Hierauf sprach ein Socialdemokrat Namens Dr. Goldberg, der trotz der letzten Vorgänge im socialdemokratischen Lager die Kühnheit hatte, unter dem Widerspruche der Versammlung die Juden zu einem Anschlnffe an seine Partei aufzufordern. Wie alle seine Gesinnungsgenoffe«, wenn sie in zionistischen Versammlungen sprechen, so hatte auch er nichts Stichhältiges gegen den Zionismus vorzubringen. Der folgende Redner Dr. Landau brauchte daher nur den letzten socialdemokratischen Parteitag näher zu schildern und zu beleuchten und von der Komödie, die Brod und Adler auf dem Parteitag inscenirten, den Schleier zu lüsten, um den Beifall der Versammlung zu finden. Und als er den Dr. Goldberg, der den Zionismus eine Utopie nannte, fragte, wann denn schon „sein" Staat verwirklicht sein werde, da hatte er die Lacher ans seiner Seite. Von den folgenden Rednern errang sich Einer durch seine Objektivität besondere Beachtung. Herr Gut mann, ein Gewerbsmann und seinen politischen Anschauungen nach Demokrat, erklärte, daß er die zionistische Bewegung, die er eben erst kennen gelernt, für berechtigt halte. Erst um Mitternacht schloß die bewegte Versammlung, sie war ein Erfolg. Wien. (Orig.-Corr.) Tie jüdischnationalen Studenten hatten dieser Tage eine Versammlung einberufen. Auf der Tagesordnung stand die Frage der Stellungnahme zum Münchener Congreß. Die Polizei untersagte die Abhaltung dieser Versammlung. Daraufhin wollten die Studenten sofort den Recurs an die Statthaltern ergreifen, um darzuthun, daß die geplante Versammlung — wie nur selbstverständlich — einen durchaus gesetzmäßigen Charakter haben sollte. Nutz haben wir sofort an kompetenter Stelle Erkundigungen eingezogen und die Auskunft erhalten, daß die Maßregel auf Grund des 8 7 der Studien-Ordnung vom Jahre 1849 erfolgte, wonach Studenten keine politischen Versammlungen einberufen dürfen. Derselbe Paragraph wurde auch schon bei verschiedenen anderen Gelegenheiten in Anwendung gebracht. Diese Studien-Ordnung sollte einer zeitgemäßen Reform unterzogen werden. Wir wollen hierauf übrigens jetzt nicht näher eingehen und nur bemerken, daß der Hinweis auf die Studien-Ordnung vollkommen genügt, um den Recurs der Studenten überflüssig zu machen. Brunn. (Orig.-Corr.) Unsere Gastwirthgenossenschaft, eine der besten Stützen des hiesigen liberalen Gemeinderathes, ging am 16. d. M. in die Hände der Christlich-Socialen über, die ein Compromiß mit den Czechen eingegangen hatten, Christlich- Sociale und Czechen! Wo es einen Kampf gegen die Inden gilt, vereinigen sich die entgegengesetztesten Parteien zu harmonischer Gemeinschaft. Brüx. (Orig.-Corr.) Der Antisemitismus geht daran, wieder ein Stück Deutsch-Böhmen, das einstmals berühmt war durch seine musterhaft „liberale" Gesinnung, für sich zu annectiren. Der Abgeordnete K. H. Wolf will sich um das Landtagsmandat des Landgemeindebezirkes Dux-Teplitz-Bilin bewerben. Nach dem Grade der Vcrändrung, die der geistige Zustand unserer Bevölkerung in den letzten Jahren erfahren hat, zu schließen, hat der Abgeordnete K. H. Wolf große Aussicht erkoren zu werden. Lemberg. (Orig.-Corr.) Während unsere Jugend frisch an die Arbeit schreitet, schlagen sich die alten. Ich meine nicht das österreichische Parlament, sondern die Vertreter der „Fortschrittlichen" und „orthodoxen" Partei in den Hauptstädten Galiziens, die sich seit Monaten wegen des Statuts in den Haaren liegen. Ja Lemberg tobt der Kampf am Heftigsten. Die reichen Herren" von der Fortschrittspartei wollen wobl das Judenthum nach Außen repräsentiren, wünschen

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