Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 12 (20.3.1908)
- Date
- 1908-03-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 12 DIE^ELT 13 man dadurch ins Komische. Wenn man für die kleinen Dinge die großen Worte so unbedacht hergibt, so läuft man Gefahr, für das wirklich Heroische und Große keine Worte mehr zu finden. Man möchte so gerne die gute Sache fördern, die Geister wecken, die Mutigen als Vorbild den Ängstlichen gegenüber strahlen lassen, — all das ist gut und billig, aber gerade deswegen gebietet der Verstand weise Mäßigung und Maßhalten. — Eine Jüdische Tragödie". — Ich habe in dem letzten riefte der Hardenschen „Zukunft" einen Aufsatz unter obigem Titel'gelesen. Es ist für Dialektiker ein auserlesener Genuß, sich in die fein zergliederte philosophische Terminologie dieses Aufsatzes zu vertiefen, aber nach dieser Lektüre geht einem etwas wie ein Mühlrad im Kopfe herum. Der Verfasser des Aufsatzes, ein Herr Dr. Koigen, bewegt sich in dem verhängnisvollen Zirkel des „jüdischen Gottes", der „jüdischen Mission", der „Idee des Judentums", des „Wesens der Idee" und der „Idee des Wesens". Deutschland Hamburg. Am Sonntag den 8. ds. Mts. veranstaltete die Ortsgruppe des Misrachi Hamburg-Altona im großen Saale des Logenheims eine Versammlung, welche von 150—200 Personen besucht war. Herr Lazarus Barth, Berlin, hatte das Referat über das Thema „Zionismus und gesetzestreues Judentum" übernommen. Die Anwesenden folgten dem einstündigen Vortrag mit größtem Interesse. Dem Vortrage folgte eine sehr lebhafte, teilweise erregte Diskussion, welche allerdings mehr einer Auseinandersetzung zwischen Zionismus und Misrachismus als einer Propaganda-Versammlung glich; aber gerade die präzise Entwickelung der beiderseitigen Anschauugen wirkte klärend und führte beiden Bestrebungen neue Freunde zu. Es war fast Mitternacht, als der Vorsitzende Dr. Frank die Versammlung schloß. Leipzig. In der ordentlichen Generalversammlung der Leipziger Zionistischen Vereinigung wurden folgende Herren in den neuen Vorstand gewählt: Rechtsanwalt M. Löffler, I.Vorsitzender; Dr.med. Bratel, II.Vorsitzender; Dr. med. R. Chamizer, Schriftführer; Ingenieur Kantorowitsch, Bibliothekar; J. Katzenellenbogen und J. Mand, Kassierer; Jeannot Tockel, Beisitzer. Österreich Storozynetz. In dem vom Gg. tech. Adolf Gottfried prächtig dekorierten Saale des „Hotel Central" fand am 7. ds. Mts. eine vom Frauen- und Mädchenverein „Ruth" veranstaltete Estherfeier statt Nach Begrüßung der Festgäste durch die Vereinspräsidentin Frau Sabina Brunstein hielt Herr stud. jur. Leon Welt („Emunah") die Fest- und i endenzrede. Hierauf hielt Herr cand. jur. Dawid Taubes („Emunah") einen Vortrag über „Moderne jüdische Literatur". Es folgte sodann das Tanzkränzchen, das bis zum frühen Morgengrauen währte. Husiatzyn. Am 8. ds. Mts. fand hier die erste konstituierende Generalversammlung des neugegründeten zionistischen Vereines „Theodor Herzl" statt. Es wurden in den Ausschuß gewäht die Herren Aron Rosenzweig, Präsident, Moritz Eisenstein, Vizepräsident, David Horowitz, Schriftführer, Ch. Stockei, Hersch Neugeboren, Zechiel Goldenberg, Marcus Linczyc, Elias Wallach, Salaman Mondschein sen. und Israel Zellermayer, ohne Funktion. Ungarn Preßburg. Die Generalversammlung des Vereins „Ahawat Zion" fand bei großer Beteiligung am 26. Januar statt Die Erfolge Im vergangenen Vereinsjabre sind erfreulich. Der Jahresbericht hebt besonders das vorzügliche Referat über den 8. Kongreß seitens des Delegierten Herrn Wilhelm Steiner und das sehr gelungene Makkabäerfest hervor. Das wichtigste Ereignis ist jedoch der Sieg der zionistischen Kandidaten bei der Wahl in den Gemeindevorstand, worüber bereits ausführlich berichtet wurde. Die Jahresberichte der einzelnen Funktionäre beweisen ein reges Vereinsleben. Die Generalversammlung beschloß die Grün- Wozu dieses Grübeln? Wer nach dem Gesetze fragt, auf dem sich die Existenz des Judenvolkes gründet, dem kann man nur mit dem Schillerschen Distichon antworten; „Jahrelang bediene ich mich schon meiner Nase zum Riechen — habe ich denn auf sie ein erweisliches Recht?" Das Judenvolk ist ein Volk, wie jedes andere und braucht nicht seine Existenzberechtigung durch eine vierstöckige Theorie zu beweisen. Unter dem Staube der Archive kann man alle. möglichen Zitate entdecken und auf ihnen alle möglichen Theorien aufbauen. Die Existenz des Judentums mit Spezialmission ist aber zu feierlich, zu lyrisch und theatralisch, um als natürlich und gesichert gelten zu können. Für uns bedarf die Sonderexistenz der Juden keiner doktrinären Rechtfertigung und keiner bestechenden Aussichten, in der Zukunft in einen allgemeinen Brei eingestampft zu werden. Der „Judengott", mit dem Herr Dr. Koigen so intim zu verkehren glaubt, würde sich dafür schön bedanken. Wir wollen schon lieber eine Tragödie als ein . . . Vaudeville. dung eines literarischen Komitees für Hebräisch, Deutsch und Ungarisch, ferner Stimmenthaltung bei der zu gewärtigenden Statutenänderung der Jüdischen Kolonialbank und energische Aktion für den Parteifonds. Das neue Vereinsjahr brachte bereits eine große Anzahl neuer Mitglieder. Vorträge wurden in jüngster Zeit abgehalten vom Delegierten Wilhelm Steiner: Reiseschilderungen aus Holland, cand. jur. Weil: „Der Zionismus in ungarischer Sprache, Präses S. Bettel heim: Skizzen vom Kongreß in London, Mitglied Müller: Hebräische Gedichte, die Herren Luzatte, Komlossy, Kohn und Szamek: humoristische Vorträge, und vom II. Vicepräsidenten Ber nh. Weiss: Das Judentum im 19. Jahrhundert. Weitere Vorträge in Vorbereitung. Bosnien — Herzegowina Dolnja Tuzla. Als die hiesigen Zionisten erfahren hatten, daß unser verehrter Präsident Herr David Wolffsohn in Osijek einen Vortrag über den Zionismus halten würde, kamen die Gesinnungsgenossen sofort zusammen nnd beschlossen einstimmig, daß bei diesem bedeutsamen Ereignis die Tuzlaner Zionisten vertreten sein müßten. Sie wählten als ihre Abgesandten zwei ausgezeichnete Zionisten, und zwar die Herren Rabbiner Dr. Heinrich Urbach und Albert Alkalay. Trotz der großen Schneeverwehung begaben sich die beiden genannten Herren nach Osijek. Nach der Rückkekr erstattete Se. Ehrwürden, Herr Rabbiner Dr. Urbach Bericht über Wolffsohns Vortrag. Am 10. Februar fand sein mit Spannung erwarteter Vortrag im „Selbstbildungs¬ und Geselligkeitsverein der Tuzlaner jüdischen Jugend" statt; ein zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden. Seine prachtvolle Rede begeisterte alle Anwesenden, auch die, die sich bisher abseits der zionistischen Idee gehalten hatten. Als Dr. Urbach seine einstündige Rede mit einem Appell an die Anwesenden beendigt hatte, sich der zionistischen Bewegung anzuschließen, erscholl eine befeisterte Beifallskundgebung. Im Augenblick war eine größere umme für den zionistischen Parteifonds gesammelt, und an fünfzig Personen ersuchten um die Zusendung von Schekelquittungen. Kroatien — Slavonien Agitationsreise des Herrn Chajim Katz Seit einiger Zeit weilt in Slavonien der bekannte zionistische Agitationsredner Chajim Katz aus Wilna. Herr "Katz ist mit guten Empfehlungen versehen, unter anderen auch von Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher), Adolf Stand, dem jüdischen Reichsiagsabgeordneten, und dem bekannten jüdischen Schriftsteller Katzenellensohn (Buki ben Jogli). Bisher sprach Katz in Osijek, Pakrac und Daruvar mit großem Erfolg und begab sich vor kurzem nach Bosnien. Sicherlich wird ihm überall eine gute Aufnahme seitens d'er Zionisten zuteil werden. Vinkovci. Ende Februar fand in Vinkovci die Generalversammlung des dortigen zionistischen Vereins „Zion" statt. Gewählt wurden: zum Präsidenten Advokat Dr. Rudolf Grünfeld, zum AUS DER BEWEGUNG