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Die Welt · 1908-02-28 · 9 (28.2.1908) · page 19

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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No. 9 DlE^ELT ~ - 21 MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Neue Nationalfondsmarken Der Bericht, welcher der Sitzung des großen A. C. _ vom 7. Mai v. J. in Köln erstattet wurde, enthält folgende Bemerkung: „Der Absatz von Nationalfondsmarken ist in den letzten dreiviertel Jahren im Zurückgehen. Derselbe ist allein jn den europäischen Ländern um 400 Pfund Sterling gegenüber dem Vorjahre zurückgegangen." Daß diese Ansicht auf nicht zu leugnenden Tatsachen beruht, wird durch das sicherste aller, Beweismittel erhärtet, die Statistik. Folgende Aufstellung zeigt deutlich den ständigen Rückgang des Nationalfondsmarkenverkaufs: " ' ' Eingegangen Zeitraum des ~3 O ' Einganges izali Mot im Ganzen pro Monat < . 1. I. 1902 — 1. VIII. 1903 19 8610 £ 453 £ 1. VIII. 1903— 1. VII. 1905 23 5813 £ 252 £ l.VII. 1905— 1. VII. 1906 12 2423 £ 201 £ l.VII. 1906— 1. IV. 1907 9 1398 £ 155 £ Diese betrübende Tatsache veranlaßte die Nationalfondsverwaltung, die Ursachen zu erforschen, welche dieser Erscheinung zugninde liegen, um eventuell helfend eingreifen zu können. Und sie hat gefunden, daß diese Ursache sicher nicht in einem Rückgange der Popularität des Jüdischen Nationalfonds liegt. Im Gegenteil: die erhöhten Eingänge aus anderen Sammelmitteln zeigen, daß der Nationalfonds ständig neue Anhänger und Gönner findet. Diese neuen Gönner könnten aber höchstens den Bedarf vermehren, keinesfalls denselben herabdrücken. Dann, könnte man einwenden, ~ wird vielleicht die Verwendung der Marken zurückgehen. Auch das ist nicht der Fall, denn es ist sogar bei vielen Gesinnungsgenossen zur ständigen Gewohnheit geworden, die Marken auf Korrespondenzen aufzukleben. Der Bedarf wird deshalb gerade bei den Nationalfondsmarken immer wachsen müssen. Aber die Lust, den Bedarf genügend zu decken; hat in weiten Kreisen nachgelassen, und das hat seinen Grund vor allem darin; daß die Marken nach und nach die Zugkraft der Neuheit eingebüßt haben. Als sie aufkamen, fanden dieselben als etwas neues viele Freunde; jetzt aber sind sie zu bekannt, der Typus derselben hat sich schon zur Genüge den Einzelnen eingeprägt, sodaß die Nationalfondsmarke nicht interessanter wirkt, als z. B. in Deutschland eine .gewöhnliche 10 Pfennigs-Briefmarke. Außerdem haben die alten Marken in sich selbst Fehler. Sie waren bis jetzt nicht gummiert, sodaß ihre Anwendung unbequem war. Sie waren nicht gehörig perforiert, sodaß sich bei der Verteilung oder bei dem Lostrennen der einzelnen Marken zum Gebrauch Schwierigkeiten ergaben. Das Format war unansehnlich, die Ausführung wenig geschmackvoll. . Kurz, alles das wirkt ^zusammen, um das Nachlassen des Gebrauches zti erklären.' - Diese Übelstände hat die Verwaltung des Jüdischen Nafionalfonds auch eingesehen, und um ihnen abzuhelfen, hat sie die alten Marken gummieren und perforieren lassen und ist ferner dem Plane einer neuen Markenemission näher getreten. Noch ein anderer Umstand war für diesen Entschluß ■ von großer Bedeutung. Die Marken sind bis jetzt in allen Ländern des Erdballs, in denen sie vertrieben werden, gleichfarbig und.von gleicher Zeichnung. Sie unterscheiden sich in ihrem Äußeren überhaupt nicht voneinander. Der einzige Unterschied besteht im Preis. In Deutschland z. B. kosten sie 5 Pfennig, in^ Rußland 1 Kopeke 2.15 Pfennig, in Österreich-Ungarn 2 Heller 1.7 Pfennig usw. Diese, wenn auch geringe Preisdifferenz in den verschiedenen Ländern hat sich gleichfalls als .ein großer Schaden herausgestellt, denn es wurde dadurch . den Ländern, in denen der. Preis der Marken höher war, der Anreiz gegeben, sich Marken aus den andern Ländern . kommen zu lassen, in denen sie billiger waren. Diese Schwierigkeit kann aber leider nicht dadurch umgangen werden, daß man entweder den Preis in den andern Ländern auf 1 Kopeke oder 2 Heller herabsetzt, oder den Preis in Rußland und Österreich -auf 5 Pfg. erhöht. Eine derartige Anordnung würde entweder einen großen Ausfali für den Nationalfonds oder eine Absatzstockung im Verkaufe der Marken bedeuten. Wir mußten daher dem Plan einer neuen Marke näher treten, um bei einer allgemeinen einheitlichen Festsetzung des Preises der alten Marke auf 20 Pfennig bezw. 25 Centimes oder 10 Kopeken pro Reihe von 10 Stück in den Ländern, in welchen dieselbe bisher 5 Pfg. pro Stück kostete, zum mindesten einen Ersatz für den Ausfall zu schaffen. Die neuen Marken könnten, um auch für die Zukunft ähnliche Mißstände, wie sie sich bei den alten herausgestellt haben, auszuschließen, für jede Währung in einer besonderen Farbe gedruckt werden und zum Preise von 5-Pfennig, 6 Centimes oder 6 Heller pro Stück, 5 Kopeken pro 2 Stück oder 2 pence pro 3 Stück etc. zum Verkauf gelangen. Außerdem wird die neue Marke allein durch ihr künstlerisches Gewand zahlreiche Anhänger finden. Das in Erwägung gezogene Format ist wesentlich größer und ansehnlicher als das der alten Marke. Die Zeichnung, von Künstlerhand entworfen, ist allseitiger, lebhafter Anerkennung gewiß. Vielleicht wird die stilvolle und farbenprächtige Ausführung, verbunden mit dem Umstände, daß die diesmalige Emission bedeutend beschränkt wird, auch die Aufmerksamkeit der Markensammler auf sich ziehen. Wir sind überzeugt, daß die Marken im Laufe der Zeit in manchen Gebieten Liebhaberwerte, erzielen werden. Vor allem aber, und das wird wohl das ausschlaggebende sein, es wird eine Neuerung geschaffen, die das lebhafte Interesse aller Gesinnungsgenossen beanspruchen kann und auch auf sich lenken wird. Daß die Einführung des neuen Märkentypus eine Notwendigkeit ist und der allgemeinen Stimmung entspricht, wird hoff entlich die erste diesbezügliche statistische Aufzeichnung klar ergeben. Nicht zum wenigsten wird aber hierdurch ein alter Wunsch der früheren Natiönalfondsverwaltung erfüllt, welche die Schaffung verschiedener Markehwerte von Anfang an vorgesehen,hatte.

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