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Die Welt · 1897-06-18 · 3 (18.6.1897) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
3 (18.6.1897)
Article
Zionistische Fragen und Antworten
Date
1897-06-18
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12. .Pie^WC Nr. 3. ein leitender Artikel erscheint, der nns zeigt, wie wir Juden unser Vaterland wieder gewinnen können. Wir wünschen Ihnen zu Ihrem Unternehmen viel Glück und find verfichert, daß es viele Juden begeistern wird, für die allgemeine Sache einzustehen. Die Reden der betreffenden Herren des „Amerikanischen Zweigvereins der zionistischen Bewegung" haben auf uns einen sehr großen Eindruck gemacht. Ich speciell habe an meiner Bar-Mizwah einen Vortrag in ganz dem gleichen Sinne gehalten, ohne je etwas von der zionistischen Bewegung gehört zu haben. Ebenso hat uns der Artikel „Ein Nothschrei" tief ergriffen. Solches Unglück kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Schon im Voraus freuen wir uns auf die nächste Nummer, denn wir hoffen, daraus neue Belehrung schöpfen zu könne« Achtungsvoll grüßt Sie Adolf S., Wilh. S. * * * Sehr geehrter Herr Doctorl Dem Wunsche meiner Söhne (Adolf, 13^ Jahre, Wilhelm, 10 Jahre), Ihre „Welt" zu abonniren, entspreche ich gern. Ich selbst stehe Ihren Bestrebungen abwartend gegenüber. Ich habe, meinem empierischen Standpunkte in der Philosophie getreu, vor 11/2 Jahren eine Reise nach Palästina unternommen, um mein Urtheil durch Autopsie zu festigen. So sehr mich die Besichtigung der Colonieu innerlich gehoben hat, so demüthigend und alle Illusionen skeptisch aufraffend war mir der Eindruck der ansässigen Bevölkerung Jerusalems. Bor Allem komme ich darüber nicht hinweg: Jerusalem ist terra sanvts. nicht blos für die Juden, sondern auch für die beiden anderen Confessionen. Niemals werden diese in eine Rejudaisirung der Stätte willigen, wo sich die Grabeskirche Jesu befindet und von welcher aus Mohammed gen Himmel aufgestiegen sei —- das ist die unheimliche Tragik der Situation. Meinen Söhnen will ich indeß den schönen Jugendtraum nicht stören. Ich bemerke nur, daß sowohl der Zionismus, dem sie huldigen, wie dieses Schreiben an Sie, durchaus spontane Aeußerungen sind, auf die ich absichtlich keinerlei Einfluß nehme. Die Jungen haben mir soeben aus eigenem Antrieb den gemeinsam verfaßten Brief gebracht und mich auch gebeten, ein paar Zeilen anzufügen, was hiermit geschieht. Bestätigen muß ich meinem ältesten Sohne, daß er vor einigen Monaten zu seiner Bar-Mizwah eine zionistische (natürlich selbstverfaßte) Rede gehalten hat, ohne von der Existenz einer solchen Bewegung je gehört zu haben. Unser gesellschaftliches Milieu ist hier ein ausschließlich christliches. Außer dem Religionslehrer, den ich für die Kinder halte, und der selbst nicht Zionist ist, haben die Kinder absolut keine Gelegenheit, Gesinnungsgenossen zu sprechen, überhaupt auch nur mit Juden zusammenzukommen. Da sich diese Jdeengänge selbstständig in ihnen entwickelt haben, so wehre ich ihnen nicht, sondern fördere sie. Mit freundlicher Empfehlung an die Herren Inspiratoren der „Welt". Ihr ganz ergebener Prof. Dr. S. * * * Antwort. Die Frage der terra sancta ist eine der wichtigsten in dem Complcx von Schwierigkeiten, die der Zionismus, wie jede große Sache, auf seinem Wege findet. Diese Frage ist uns aber merkwürdigerweise bisher nur von Juden entgegengehalten worden. Das ist ein erfreuliches Zeichen, und es kann vielleicht, von den Christen wohl verstanden, nur zu unseren Gunsten sprechen. Denn es geht daraus hervor, daß es uns an Zartgefühl für die frommen Empfindungen Anderer nicht mangelt. Es müßte jedenfalls eine Form gefunden werden, und sie ist zu finden, wie das Recht Aller zu wahren sei. Dr. Herz! macht im „Judenstaat" den Vorschlag, die heiligen Stätten der anderen Confessionen völkerrechtlich zu exterritorialisiren. Bei den heiligen Stätten handelt es sich ja nicht um den realen Besitz, wie bei einem gewöhnlichen Stück Land. Die Orte, die durch den Glauben so vieler Culturvölker geheiligt sind, müssen anders angesehen werden. Man vergesse nicht, daß in der heiligen Grabeskirche türkische Soldaten die Ehrenwache halten. Die christlichen Zionisten, deren es jetzt in aller Welt schon viele gibt, fitt' darum durch den Gedanken einer Besiedelung Palästinas mi Juden nicht im entferntesten in ihren religiösen Gefühlen vei letzt. Der Zionismus stellt ja eine versöhnende Lösung de Judenfrage vor und wird als solche auch von Christen, die vo inniger Religiosität erfüllt sind, verstanden und gewürdigt. Di Frage ist zur Discussion gestellt. Schließlich werden die Christer welche die Lösung der Judcnsrage wünschen, mit sich darübe ins Reine kommen müssen, wenn sie die einzige Lösung wirklic wünschen. Nach unserer Auffassung sind die heiligen Stätte in einem sehr hohen Sinne des Wortes res nullius und sollte es immerdar bleiben. Die heiligen Stätten können Niemander gehören, denn sie gehören der ganzen Culturwelt. stst Zeitschristen-Rundschau. Ju den „Unverfälschten Deutschen Worten" lesen wir: „D e r ö m i s ch e F r e u n d des Rassenjuden, der Papst hat der Vater des Olmützer Erzbischofs, Joseph Kohn in Breznie, das Ritter kreuz des St. Gregorordens und der Mutter desselben, Veronika Kohr das päpstliche Berdienstkreuz verliehen. Der Erzbischof Kohn (Sohri selbst wurde bekanntlich vor Kurzem zum Kardinal ernannt. Wi wünschen dem Kohn (Sohn), daß er noch Papst werden möge zu besseren Beleuchtung der kirchlichen Verjudung. Auch aus dieser Grunde sollte es heißen: Los von Rom." Eine Entgegnung. Dr. Felix Perles ersucht uns um Aufnahme de nachstehenden Entgegnung auf die in der vorigen Nummer aus der „Zion" reproducirten Bemerkungen Dr. Farbsteins über den Geschichte schreiber Graetz: „Der gewaltige Meister der Geschichtsschreibung so' in erster Linie Theolog, Philolog, Bibliograph gewesen sein, soll ein Geschichte der jüdischen Kirche, statt einer Geschichte des jüdischen Volke gegeben haben! Zum Glück hat es Graetz nicht nöthig, gegen eine: solchen Angriff sich vertheidigen zu lasskn, jeder denkende Leser seine monumentalen Werkes kann dieses ungerechte Urtheil widerlegen un so sei heute nur eine Stelle daraus angeführt: „Die Geschichte des nachtalmudischen Zeitraumes hat also noc immer einen nationalen Charakter, sie ist keineswegs ein bloße Religions- oder Kirchengeschichte, weil sie nicht bloß den Ent wicklungsverlauf eines Lehrinhaltes, sondern einen eigenen Volksstamm zum Gegenstände hat, der zwar ohne Boden, Vaterland, geographische Umgrenzung und ohne staatlichen Organismus lebte, diese realen Bedingungen aber durch geistige Potenzen ersetzte. lieber die cultivirten Erdtheile zerstreut und sich an den gastlichen Boden fest anklammernd, hörten die Glieder des jüdischen Stammes doch nicht auf, sich in Religionsbekenntnis, geschichtlicher Erinnerung, Sitte und Hoffnung als ein einheitliches Bolkswesen zu fühlen. Als Geschichte eines Volksstammes ist daher die jüdische Geschichte weit entfernt, eine bloße Literatur- oder Gelehrtengeschichte zu sein, wozu sie die Unkunde und die Einseitigkeit stempeln, sondern die Literatur und die religiöse Entwicklung sind ebenso wie das hochtragische Martyrologium, das dieser Stamm oder die Genossenschaft aufzuzeichnen hat, nur einzelne Momente in seinem Geschichtsverlaufe, welche nicht das Wesen desselben ausmachen. (V3 p. XV.)." Im „Bayerischen Vaterland" des durch seine kräftige Schreibweise bekannten Dr. Sigl lesen wir: Zur Wiederaufrichtung des „Königreiches Israel" meldet das officielle Organ der hauptstädtischen Judenschaft, die Färbergrabenkuhhaut, daß der sogenannte „nationale Zionismus" lediglich eine „utopistische Bestrebung" sei, von der vollständig zu trennen seien „jene edlen (?!) Bestrebungen, die besonders die verfolgten (?!) russischen Juden durch Anlegung von Ackerbaucolonien in Amerika und Palästina zu Bauern und Handwerkern erziehen wollen;" „der Jude fühle sich ein's mit seinem Vaterland und gehe in der Nationalität des Volkes in dessen Mitte er lebt, auf." Jetzt das Gemauschel! Was zunächst die „edlen Bestrebungen anlangt, so haben die hier ansässigen wohlhabenden Juden die zugelaufenen russischen „Glaubensbrüder" aus Concurrenzneid nach Amerika und Palästina verfrachtet, von woher aber diese ekelige Gesellschaft schnellstens wieder herüber gesäuselt kam, da es „drüben" nichts zu schachern und zu handeln, sondern höchstens eine scharfe Klinge zwischen die Rippen gab und der Jüd zun: arbeiten zu faul ist. Daß sich der Jude „mit dem Vaterland eins fühlt," ist eine Behauptung, welche durch Thatsachen längst widerlegt ist. Der Jude ist freilich in Deutschland „deutsch", in Böhmen „czechisch", in Polen „polnisch", in Frankreich „französisch", ja sogar „chauvinistisch" rc., aber nur insoweit es seinem Geldbeutel zuträglich ist, sonst kann er auch etwas Anderes, wie z. B. Jud Dreyfuß und wie die jüdischen Erzhalunken alle heißen mögen. Auch ist unrichtig, daß der Jude „in der Nationalität des Volkes, in dessen Mitte er lebt, aufgehe." Man kennt ihn im Gegentheil sofort aus dem nationalen Theil des „Volkes" heraus, da er außer seinen krummen Haxen im Gesicht noch, den Stempel der Jnternationalität trägt. Dagegen „geht" im Geldsack des Juden etwas „auf" und das ist das Nationalvermögen „des Volkes, in dessen Mitte der Jud lebt". Die Wilden sind wahrlich besser dran als wir, weil sie bis jetzt von dieser duftenden Gesellschaft verschont geblieben sind.

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