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Die Welt · 1897-06-04 · 1 (4.6.1897) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
1 (4.6.1897)
Article
Tarnow
Date
1897-06-04
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10. Nr. 1. durch eine ganze Welt von den sogenannten Fortschrittlern geschieden ist, ein Rabbiner, der als eine Leuchte der rabbinischen Wissenschaft und Frömmigkeit gilt, ein Nestor galizischer Rabbiner, der eben durch diese Stellung von allem, was außerhalb der eonservativen Kreise liegt, streng geschieden ist, von tausend eifersüchtigen Augen bewacht und geleitet wird, scheut nicht die Mühen einer langen und beschwerlichen Reise, scheut nicht die moralischen Gefahren derselben, um an einem Tische Hand in Hand mit eben diesen verhaßten Fortschrittlern an der Zionsidee arbeiten zu können. (Ls mag übertrieben erscheinen, aber wer die Verhältnisse und Strömungen innerhalb des jüdischen Volkes kennt und die Consequenzen zu ziehen versteht, der wird zugeben, daß ein solch' vollständiges, einmüthiges Sichbegeben der theuersten — Vorurtheile gerade im Augenblicke und im Zustande vollständigster Zersplitterung, eine Kraftäußerung ist, die nicht leicht ein zweites Volk aufweisen könnte, und mehr beweist, als hundert kriegerische Thaten es thun könnten. Dem Protokolle sei folgendes entnommen: Den Ehrenvorsitz führte Ehrw. Rabbiner Feiwisch Schreier aus Bohorodezany, den Vorsitz Dr. A. Salz (Tarnow). 48 Delegirte verschiedener galizischer Städte waren außer den tarnower Mitgliedern anwesend. — Im Namen des vorbereitenden Comitös erstattet Dr. A. Salz den Bericht über die viermonatliche Thätigkeit desselben. Im Verlaufe von nicht ganz vier Monaten hatte der Verein 2082 fl. 92 kr. Einnahmen und 470 fl. Ausgaben und erwarb sich gegen 600 Mitglieder in allen Ecken Galiziens und der Bukowina. Nach Kenntnißnahme des Berichtes wird zum Punkte: Organisation geschritten. Der Referentenantrag. iS. Bromberg) wird mit Berücksichtigung der Anträge des Vertreters des Verbandes „Zion" — dessen schwungvolle und sachgemäße Ausführungen das noch zum Theile hie und da sich regende Mißtrauen völlig bannten und in wahren Enthusiasmus und Hingebung umwandelten — in folgender Fassung zum Beschluß erhoben : Der Verein tritt unbeschadet seiner vollständigen Selbstständigkeit in eine engere Verbindung mit dem „Verbände österreichischer Zionsvereine Zion" in Wien. Außerdem fungirt das Executivcomitö des Ausschusses, das in Tarnow seinen Sitz hat, zugleich als Landescomitö des Verbandes für Galizien, übernimmt die Correspondenz der Verbandsleitung mit den Einzelvereinen des Verbandes. Hier sei bemerkt, daß gemäß Anordnung der Verbandsleitung dieselben Einzelvereine in Galizien das ton ihnen gesammelte Geld mit Abschlag von zehn Percent der Bruttoeinnahmen, die für den Agitationsfond an die Verbandskasse geleitet werdm müssen, künftighin in Einlagsscheinen des „Ahawas Zion" anzulegen haben. Nach Erledigung dieses wichtigen Punktes wird die Frage des Bodenankaufes besprochen und wird diese Angelegenheit schließlich dem Ausschüsse mit dem Auftrag, ehestens zum Bodenankauf zu schreiten, überwiesen. Hierauf constituirte sich der Verein wie folgt: Ehrenpräsident: Rabb. Feiwisch Schreier (Bohorodezany). Präsident: B. A. Weiß, Oberrabbiner in Czernowitz, Ritter des Franz Josefsordens. Vuepräsident: Landesadvocat Dr. A. Salz (Tarnow). In den Ausschuß wurden gewählt: L. Spitz, David Fath, Dr. I. Roth, Ed. Schwager. M. Holländer, P. Basler, Sigmund Bromberg (Sekretär) und I. M. Spira (hebr. Secretär, Tarnow). Jul. Hochfeld (Lemberg), A. Apfelbaum (Rzeszow), Aron Marcus (Podgorze», M. Neufeld (Jaworzno), Dr. S. Rottberger (Jaroslau), A. 5). Zupnik (Redakteur Droh obycz), CH. Engeiberg (Tarnobrzeg), I. S. Fuchs (Redakteur) und Mendel Frankel (Krakau), S. Metzer, E. Sternhell und A. Weidmann (Rohatyn), M. Aschheim (Mielec) S. Schreiber (Sereth), M. Pomeranz (Boryslaw-, L. Taubes (Kolomea). Als Ersatzmänner wurden Em. Broch, CH. H. Lichtblau, M. Bienshoch (Tarnow), Dr. H. Gabel (Lemberg), L. Koretz (Ropczyce), A. Rosmarin (Lancut) und M. Aschkenasy (Zbaraz) gewählt. Noch sei erwähnt, daß die Versammlung beschloß, den Verein durch eine vom Ausschuß zu bestimmende Delegation am Münchener Zionistencongreß vertreten zu lassen. Wie aus dem Vorgehenden sich ergibt, umspannt der neu in's Leben getretene Verein ganz Galizien und Bukowina. Diese Resultate danken wir der rastlosen Thätigkeit der Herren Dr. Salz.und seines wackeren Adlatus Herrn Bromberg. Dies wurde auch von der Versammlung anerkannt. Auch die in großen Zügen geübte Thätigkeit des Herrn Dr. Th. Herzt fand die verdiente Würdigung, wovon ein begeistertes Begrüßungs- Telegramm Zeugniß ablegt. Schließlich sei hier bemerkt, daß die Mitgliedschaft, sowie alle daraus erfließenden Rechte, insbesondere das Recht der Theilnahme an der Verlosung der Einlagsscheiue, durch das einmalige Einzahlen von fünf Gulden erworben wird. Die Auslosung hat zum Zwecke, diejenigen Mitglieder zu bestimmen, die jeweilig das Recht der Belehnung einer Familie mit Grund und Boden, der gegründeten Colonie ausüben. (Nähere Auskunft: Sekretariat des Vereines Ahawas Zion" in Tarnow. Weltchronik. Juden in der Türkei. (Aus der Krakauer „Gerechtigkeit".) Auch diejenigen unserer Glaubensgenossen, deren Schicksale nicht seit Jahrhunderten mit denen des türkischen Reiches verbunden sind, versäumen keine Gelegenheit, ihre Dankbarkeit für den Schutz und die Duldung, die ihnen in dem Reiche der Osmanen zu Theil geworden sind, an den Tag zu legen. So haben die Mitglieder des jüdisch-aschkenasischen Schneider-Vereines in Galata beschlossen, alle Schneiderarbeiten für das Militär unentgeltlich auszuführen. Um dieses Anerbieten recht würdigen zu können, muß man sich vergegenwärtigen, daß die Mitglieder jenes Vereines, der übrigens eine eigene Synagoge im Centrum Galata's besitzt, ausschließlich kleine Arbeitnehmer und Gehilfen sind, worauf schon der Name deutlich hinweist. Interessieren wird es ferner, zu erfahren, daß die meisten Mitglieder der Schneider-Gesellen-Jnnung nach der Ausweisung der achtziger Jahre aus Rußland hierher gekommen sind, wo sie sofort Aufnahme und Schutz fanden. Freilich waren darunter auch türkische Unterthanen, welche aber schon seit der Uebergabe Kertsch's an die Russen in Rußland gelebt haben. Da sie trotz der Aufforderung der russichen Behörden nicht aus dem türkischen Staatsverband austreten wollten, mußten sie Rußland verlassen. In Constantinopel angelangt, ließ sie der Sultan von den Schiffen durch Hofbeamte abholen und in eine Kaserne unterbringen, wie dies auch mit den übrigen ausgewiesenen russischen Juden seinerzeit geschah. — Bei der Abfahrt des zum Inspektor der gesammten Armee in Epirus und Thessalien ernannten Osman Pascha verfehlten auch unsere Glaubensgenossen in Salonichi, die den bei weitem größten Theil der Bevölkerug ausmachen, nicht dem Helden von Plewna eine herzliche Ovation darzubringen. Es war wie mir von Salonichi geschrieben wird, ein imposanter Eindruck, als kurz vor achteinhalb Uhr Abends das Volk von allen Seiten zu Tausenden herbeiströmte, um dem tapferen General das Abschiedsgeleite zu geben. Bis kurz vor der Abfahrt stand die dicht, gedrängte Menge wie ein Feuerkörper von lauter Fackeln da, und das Geschrei: „Lang lebe der Sultan! Lang lebe Osman Pascha!" übertönte selbst den einfahrenden Eisenbahnzug, der eben eine Anzahl Verwundeter und Gefangener einbrachte. Als der Train sich in Bewegung setzte, sprach der Rabbiner mit weithin vernehmbarer Stimme das „Jeworechecho" und ein vieltausendstimmiges Echo antwortete mit lauten „Amen! Amen!" Die Optimisten, die noch immer England als das jüdische Eldorado hinstellen, mußten in der letzten Zeit noch eine sehr arge Enttäuschung erleben. Das Organ Gladstone's „Dalty Chronique" behauptete ganz ernsthaft, daß an der Niederlage der Griechen niemand anderer Schuld trage, als die — Juden! Die „jüdischen Finanzmänner" und die „englisch-jüdische" Presse — ganz der Jargon der kontinental-antisemitischen Presse — hätte mit dazu beigetragen, daß die Mohamedaner über die Christen triumphirten. Man merke sich diesen Ton bei einem eng tischen Blatt! Allein, wenn man an das Alter Gladstone's und an den bekannten Spruch über Alter und — Weisheit denkt, so findet man die Stellung dieses Blattes in der ganzen griechisch-türkischen Affaire begreiflich. Nach den Mittheilungen englischer Blätter war der alte Mann, der vor Larissa den türkischen Feldherrn Grumbekow Pascha daranf aufmerksam machte, daß die über den Petneios führende Brücke unterminirt sei und der dafür auch sein Leben von der Hand eines Griechen einbüßte — ein Jude. Baronin Clara Hirsch hat beschlossen, in der Nähe vou Smyrna eine Colonie für 120 von den Excessen in Rußland betroffene jüdische Familien zu gründen, die den Namen der Wohlthäterin führen soll. Es wurde bereits mit dem Bau von Wohnhäusern, sowie mit der Errichtung einer Schule, Synagoge rc. begonnen, deren sämmtliche Kosten von der Baronin bestritten werden. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn Wien, den 1. Juni. (Orig. Bericht.) Am 23. Mai fand im Sitzungssaal des Cultusvorstandes die Jahresversammlung der „Jsr. Allianz" statt. Von 2914 Mitgliedern waren anwesend — 29. Der Vorstand und Beirath allein zählte statutarisch 35 Mitglieder. Die Versammlung, der Herr David v. Gutmann präsidirte, begann mit der Erstattung des Berichtes. Er war recht kurz, im Druck umfaßt er 3^ Seiten. Er erzählt wenig, aber er sagt viel. Und wenn einzelne Mitglieder einen Commentar verlangten, so lag wohl die Schuld nicht am Vorstand, denn die Auguren lachten.... Der Bericht beginnt mit dem Hinweise darauf, daß im abgelaufenen Jahre keine Veranlassung vorlag, neue Schulen zu gründen. Es gäbe also alte Schulen? Denn zu den Zwecken des Vereines gehört in erster Linie die Errichtung oder Unterstützung von Schulen. Die Mianz hat lieber Cultusgemeinden unterstützt, in allen möglichen Ländern, selbst in Ungarn, wenn auch nicht in Galizien. Freilich hat sie dort die meisten Mitglieder und von 14 Filialen neun galizische. Diese Cultusgemeinden-Subventionen werden dann in der Gebahrungs-Bilanz mit dem Betrage von 5277 Gulden als — Schulzwecke ausgewiesen. Aber die Allianz hat . auch den Zweck,

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