Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
- Date
- 1913-09-09
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. V 103 DIE2$EELT In der Montag-Nachmittagssitzung kamen von den acht Generalrednern zunächst die palästinensischen Delegierten Aronowitsch und Dr. Bogrätsch e w zu Worte. Ersterer polemisiert gegen die Beteiligung des J. N. F. an der Gründung des Stadtviertels Tel Awiw in Jaffa. Dr. Bogratschew vermißt eine genügende Fürsorge für die nichtorganisierte jüdische Arbeiterschaft Palästinas, regt zur Ausnützung der industriellen Möglichkeiten des Landes an und verlangt eine intensivere Schulpolitik. Herr Kann hält die in der Sonnabendsitzung erhobenen Vorwürfe aufrecht und verlangt die Einsetzung eines kaufmännischen Beirates für das Palästinaamt. Boris Goldberg unterstützt mit Wärme den Antrag, dem Palästinaamte Dank und Anerkennung auszusprechen. Israel Schochaat (palästinensischer Poale Zion) betont die überragende Bedeutung des Landerwerbs und der Yemenitenansiedlung. Abraham Goldberg (New-York) ermahnt zur Vorsicht bei allen palästinensischen Aktionen. Julius Simon hält die Kritik des Herrn Kann für unfruchtbar und destruktiv. Wenn beispielsweise die P. L. D. C. sich noch nicht zur vollen Wirksamkeit entwickeln konnte, so trifft die Schuld Herrn Kann und seine Freunde. Kaplansky (Poale Zion) macht Vorschläge, die auf eine Stärkung des jüdischen Landarbeiterstandes hinzielen. Es soll eine weitere genossenschaftliche Kolonie begründet und der Genossenschaftsfonds durch einen Betriebsfonds ergänzt werden. Dr. Bodenheimer meint, Herr Kann habe falsche Schlüsse aus den Zahlen des J. N. F. gezogen. Die Unterstützung der Genossenschaften sei schon im N. F.-Bericht gefordert. Die Kolonisationsmethoden seien sorgfältig studiert und Tausende für Gutachten ausgegeben worden. Der N. F. fordere auch weiterhin Vertrauen als Grundlage einer erfolgreichen Tätigkeit. Nach einem Schlußwort von Dr. R u p p.i n bringt Dr. Halpem eine Resolution ein, in der die Arbeit des Palästinaamtes gebilligt und deren Fortsetzung auf der bisherigen Grundlage gefordert wird. Abends um 8 Uhr fand eine Nachtsitzung statt. r <L Bekanntmachungen und Notizen d <S> Personen für den Fonds der Schule Summen gezeichnet: Herr Barbasch, Odessa, 100 Francs; Herr Dr. Katzeneisohn aus Libau, 100 Francs; Herr M. Ussischkin, Odessa, 20 Rubel; Herr Dr. S. M i 11 n e r, Lublin, 100 Francs; Herr M. Al e.i n i k o w, Petersburg, 25 Rubel; Krau Raschel-Goldberg, Wilna, 300 Rubel; Herr J. Bonnimovitsch, Wilna, 50 Francs; Herr L. Melup, Wilna, 25 Rubel; Herr Boris Goldberg, Wilna, 75 Francs. Die Beträge sind bei Fräulein Judith Goldberg, Wilna, eingegangen. Die Z. M. V. „Hyrkania“ ließ anläßlich des XI. Kongresses die Gruft ihres 1. weil. A. H. Robert Östreicher mit Blumen in blau-weißer Zusammenstellung und mit ihrem Couleurband schmücken, ein Akt der Pietät, der bewirkte, daß zahlreiche der beim Grabe Ilerz's Erschienenen darauf aufmerksam gemacht wurden, daß diese Gruft einen der Ihrigen, einen jungen Zionisten, berge. . Aerzte-Versammlung. Am Sonnabend abends tagte im Beethovensaal unter Vorsitz von Prof. We i z m a n n und Doktor Kalmus eine gut besuchte Versammlung von Ärzten, Naturwissenschaftlern und sonstigen Interessenten für die Sanierung Palästinas. Dr. Tschlenow, D. Masie’ und Dr. Goldberg, Jerusalem, erläuterten die Bedeutung der diesem Zwecke dienenden Ärzte - Gesellschaft (Sitz: Berlin, Adresse: Doktor Pinczower, Berlin-Tempelhof, Berlinerstraße 53), die eine serologische Abteilung und Tollwutstation im Internationalen Serumarbeitsamt in Jerusalem unterhält. Ein Kuratoriumsmitglied dieses Institutes der Universitätsprofessor Dr. Ehr mann, Wien, legte seinen ärztlichen Standpunkt dar und bezeichnet^ unter großem Beifall die Mitarbeit an der sanitären Hebung Palästinas als eine Pflicht aller Juden. In der Debatte, an der sich unter anderem Dr. Silberberg, Dr. Graf, Doktor Bendersky undTrietschbeteiligten, wurden wertvolle Anregungen gegeben, die Dr. Kalmus als Vertreter der Ärzte- Gesellschaft zur Kenntnis nahm. Zahlreiche Mitglieder wurden gewonnen. Herr cand. jur. Max Schlamm legt unter Bezugnahme auf eine Berichtigung in einer unserer letzten Nummern Wert darauf, festzustellen, daß er auf der hebräischen Weltkonferenz lediglich im Namen seiner Verbindung, der ,Kadima h“, nicht aber für die gesamte Wiener zionistische Studentenschaft gesprochen hat. Beim gestrigen Besuche des Grabes Theodor Herzls wurde ein Lorbeerkranz niedergelegt, der die Aufschrift trug: „Unserem Ehrenburschen, dem unsterblichen Führer Theodor Herzl, seine Verbindungen Ivria, Libanonia, Makkabäa, Unitas, Zephirah.“ Die Jüdisch-akademische Verbindung „Ivria“ gab zu Ehren ihrer A. H. A. H. eine . Festkneipe, die zugleich als Kongreßtag der „Ivria“ stattfand. Nach der Begrüßung des Präses, Herrn J. U. C. Richard Koch, sprach der Gründungsbursch und älteste A. H. der Verbindung, Herr Landesgerichtsrat Dr. Julius Kohn, einige Worte, worauf Herr Oberinspektor Emil Fried als Präses des Alten-Herren-Verbandes die Te.idenzrede hielt. Im inoffiziellen Teil hielt eine animierte Stimmung die A. H. A. H. mit den Aktiven noch lange beisammen. Versammlung des Verbandes Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Für Donnerstag, nachmittags um 3 Uhr, war die Versammlung angesetzt und kurz nach 4 Uhr hatte sich in dem großen Saal eine große Menschenschar eingefunden, welche die kühnsten Erwartungen des Vorstandes überstieg. Frau Justizrat Bodenheimer eröffnete die Versammlung mit einigen liebenswürdigen Begrüßungsworten und erteilte dann Frau Johanna Simon-Friedberg das Wort zu ihrem Referat über: „Die speziellen Aufgaben der jüdischen Frau“. Die fesselnden Ausführungen, die allgemeines Interesse fanden, werden wir in einer der nächsten Nummern dieses Blattes bringen. Die eindrucksvolle Rede löste einen stürmischen Beifall aus. Als nächste Rednerin war Fräulein Helene Hanna Cohn bestimmt; diese aber verzichtete auf das Wort, um den Eindruck von Frau Simons Rede nicht abzuschwächen, sie richtete nur einige ernste Mahnworte an die zionistischen Mitglieder des Kulturverbandes und bat um Zeichnungen für einen Reservefonds. Ferner sprachen noch Frau Dr. Meist aus Palästina, der schöne Blumen gespendet wurden, Mrs. Bornschak u. a. Mit ihren zahlreichen, anmutigen Frauengestalten und der Wärme, die von der Referentin auf die Versammelten überströmte und der Schönheit, welche diese ganze Vereinigung ernst strebender Frauen erfüllte, bildete die Versammlung eine helle Stunde in den ernsten Arbeitstagen des Kongresses. Wie wir hören, ergab die Sammlung von Beitrittserklärungen und Fonds-Beiträgen ein außerordentlich günstiges Resultat. Die erste Musikschule in Jerusalem wird am 15. Oktober 1913 eröffnet. Für diesem Zwecke haben folgende Der Kommers, den die Jüdisch-akademischen Verbindungen „Ivria“, „Libanonia“, „Makkabäa“, „Unitas“ und „Zephirah“ zu Ehren ihrer auswärtigen Verbindungen veranstalteten, nahm einen überaus würdigen Verlauf. Nach der Begrüßungsansprache des Präsidiums, Herrn .1. U. C. Jokal („Libanonia“), hielt Herr J. U. C. Hirsch („Unitas“) die Festrede, die lebhaften Beifall erweckte. Namens der reichsdeutschen Bundesbrüder dankte Herr Dr. Hirsch, worauf Herr Doktor Frankl („Ivria“) die Tendenzrede hielt, die zündende Begeisterung auslöste. Es sprach noch auf die A. H. A. H. Herr Wolf (Zephirah), worauf der offizielle Teil geschlos-en wurde. Der inoffizielle Teil, dem Herr Dr. Almoslino („Makkabäa“) präsidierte, nahm einen überaus animierten Verlauf. Konzert-Matinee des Czemowitzer jüdischen Gesangsvereines. Die Matinee des Czernowit/.er Gesangsvereines gestaltete sich zu einem künstlerischen Ereignis. Die Auswahl der Lieder, die Schulung der Sänger und die wahrhaft seelenvolle Wiedergabe hebräischer Gesänge und jüdischer Volksweisen entfesselten bei dem verwöhnten Wiener Publikum einen Sturm der Begeisterung. Besondere Anerkennung gebührt dem Dirigenten Herrn Chormeister Josef Rosenste cli, der seine Sängerschar mit großem Ernste zur Höhe führte. Von hinreißender Wirkung war Warschawskfs „Dus lied fin dem broit“, und Salzer’s berühmtes „Hallelujoh“ (Psalm 111). Zwei Volkslieder „Wieglied“ und „Elegie“, von Rosenstech geschmackvoll für Männerchor gesetzt, sind wahre Perlen jüdischer Volksweisen. Die Solisten des Abends, die Herren Isidor Schächter, Adolf Wand und Leopold Geiz, verfügen über sehr schöne Stimmen und waren ihrer mitunter schwierigen Aufgabe gewachsen. Unter dem Ein-