Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 4 (7.9.1913)
- Date
- 1913-09-07
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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DIE52ELT Die Forderungen der „Jüdischen Eine Besprechung jener Delegierten, die an den Fragen der Jugenderziehung interessiert sind, hat hier in Wien statlgefunden und unterbreitet dem Kongreß das folgende Expose: „Die unterfertigten Delegierten, zugleich Mitglieder der ,Jüdischen Turnerschaft“, gestatten sich einem hohen A. C., beziehungsweise dessen Kongreß-Kommissionen ergebenst folgendes zu unterbreiten: Die .Jüdische Turnerschaft“, deren Programm auf ihrer letzten ordentlichen Tagung dahin abgeändert wurde, daß sie als gleichmäßig zu erstrebende Ziele bezweckt, die Leibesübungen sowie die national-jüdische Gesinnung im jüdischen Volke zu verbreiten, berührt sich in ihren Haupttätigkeitsgebieten aufs engste mit der Arbeit der zionistischen Organisation. Es sind dies: 1. Die nationale Erziehung der jüdischen Jugend, 2. Die nationale Organisation der Juden im Orient, 3. Die Hebung der Volkskraft in Palästina. I. In allen Ländern der Welt nehmen die Leibesübungen, insbesondere der olympische Sport, immer mehr die erste Reihe unter den Interessen der gesamten Jugend ein. Auch an der jüdischen Jugend geht, wie die bei der Turnerschaft einlaufenden Nachrichten aus aller Welt klar dartun, dieser Zug der /.eit nicht vorüber, ohne tiefen Eindruck zu hinterlassen. Aufgabe der zionistischen Organisation ist es, im Verein mit der nationalen-jüdischen Turnerschaft diesen Zug der Zeit zu benutzen. Die Organisation der jüdischen Jugend, in turnerischer und sportlicher Beziehung, muß kommen und wird kommen. Nur wird sie gegen uns kommen, wenn wir uns den Zug der Zeit nicht mit größter Schnelligkeit zunutze zu machen verstehen. Von den Organisationsbestrebungen der Turnerschaft sind insbesondere die englisch sprechenden Länder, in denen der Sport in höchster Blüte steht, noch gar nicht erfaßt. In Rußland, wo sich ebenfalls jetzt turnerische und sportliche Bestrebungen unter der Billigung der höchsten Behörden regen, hat man jetzt erst anfangen können, zu arbeiten. Die Ausgaben der Turnerschaft für Organisation, Propaganda und Erziehung erfordern erhebliche Mittel, die die Mitglieder der Turnerschaft, da sie naturgemäß mit wenigen Ausnahmen im jugendlichen Alter stehen, natürlich aus eigenen Mitteln nicht aufbringen können. Wehl ist es uns gelungen, außenstehende Privatpersonen zur Beitragsleistung heranzuziehen, doch reichen diese Beiträge für die außerordentliche Arbeit der Turnerschaft, die auch durch ihr Organ, die .Jüdischen Monatshefte für Turnen und Sport“, wohl die beste mit Fragen der zionistischen Jugenderziehung befaßte Zeitschrift, erst eigentlich die Grundlage für die zionistische Propaganda bei einem großen Teil der jüdischen Jugend schafft, bei weitem nicht aus. Aufgabe der zionistischen Organisation ist es, die Turnerschaft durch Gewährung einer materiellen Beihilfe in Form einer größeren jährlichen Subvention in Stand zu setzen, ihre Tätigkeit zu erweitern und ihre Organisation auszubauen. II. Von besonderer Wichtigkeit ist die Tätigkeit der Turnerschaft im Orient. Ist es doch in der Türkei auf Grund der bestehenden Gesetze nicht möglich, zionistische Vereine zu begründen. Die gesamte nationale Arbeit muß dort in den der jüdischen Turnerschaft als besonderer Kreis angeschlossenen Makkabi-Vereine geleistet werden. Umso bedauerlicher ist es, wenn Anmeldungen verschiedner Vereine, die sich den Makkabi anschließen wollten, aus Mangel an Mitteln zurückgewiesen werden mußten. Es ist dies in letzter Zeit mehr als einmal geschehen. Man hat einfach weder die Lehrkräfte noch die Geräte beschaffen können, die erforderlich gewesen wären, um die Vereine lebensfähig zu machen. Die Subvention, die das A. C. bisher dem Makkabi gewährt hat, ist völlig unzulänglich, wenn man bedenkt, daß die Makkabi-Vereine die Grundlage unserer Organisation im Orient darstellen und daß sie die notwendigen Vorarbeiten leisten müssen, um auch zur politischen und kulterellen Zusammenfassung der morgenländischen Judenheit zu gelangen. Die Unterfertigten sind auch ferner der Ansicht — und sie befinden sich hierin in Übereinstimmung mit dem Vorsitzenden des Orientkreises der jüdischen Turnerschaft — daß es technisch richtiger ist, diese, wie auch andere Subventionen nicht direkt an den Makkabi zu geben, sondern sie der Tum erschaff selbst mit der Aufgabe zu überweisen, sie an den Orientkreis* weiterzugeben. Hiedurch erhalten die einzelnen Vereine und Kreise ein größeres Interesse an dem Verbände und gehen leichter auf die Anregungen ein, die ihnen von dem ständig mit dem zionistischen Zentral-Bureau in Verbindung befindlichen Ausschuß der Tumerschaft in Berlin gegeben werden. III. In Palästina bestehen zur Zeit erst etwa 12 Vereine mit etwas mehr als 1000 Mitgliedern. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß es der regen Tätigkeit unserer palästinensischen Freunde in kürzester Zeit gelingen wird, diese Zahl ganz erheblich zu steigern und so namentlich zur Hebung der städtischen Jugend Palästinas Beträchtliches beizutragen. Indes bereitet schon gegenwärtig die Leitung dieser Vereine in turnerischer und sportlicher Hinsicht fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Daß nicht bereits Turnerschaft" an den Kongreß neu gegründete Vereine eingegangen sind, ist nur der unermüdlichen Tätigkeit unserer Turnleitung, insbesonders der Herren O r t o f f und Herrmann zu verdanken, die diese Tätigkeit aber unmöglich, schon rein physisch genommen, auf die Dauer aushalten können. Die Erfahrungen, die unsere Organisation gemacht hat, lehren, daß es nur einen Weg gibt, diesem Ue bei stände abzuhelfen, und das ist: die Entsendung geeigneter junger Juden in ein Zentrum nationaljüdischer Turn- und Sporttätigkeit in Westeuropa. Dieses Verfahren hat sich bereits in dem Falle des Herrn Orloff, der zu seiner Ausbildung aus Palästina in den Berliner Bar-Kochba gesandt wurde, aufs beste bewährt. Die vorgeschlagene Maßregel würde nicht nur für Palästina, sondern auch für den Ort der Ausbildung der Turnlehrer von den segensreichsten Folgen begleitet sein. Die künftigen Turnlehrer würden in Westeuropa nicht nur zu lernen, sondern auch zu lehren haben. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß ihre Anwesenheit die beste Propaganda für die Ausbreitung der hebräischen Sprache, das beste Mittel für die Einführung des hebräischen Kommandos und zum weiteren Verfolg sogar der hebräischen Turnsprache für die jüdische Turnerschaft sein würde. Aus diesem Grunde beantragen wir, der Kongreß möge für diese Kongreß-Periode zunächst Mk. 6000 bereitstellen. Mit dieser Summe, die die Turnerschaft natürlich unmöglich aus ihren laufenden Einnahmen aufzubringen vermag, ebensowenig wie sie in Palästina selbst Zusammenkommen, wird es möglich sein, zwei vom palästinensischen Turnkreise bestimmte junge Leute turnerisch und sportlich vollkommen auszubilden. Es sei hier noch bemerkt, daß die angegebene Summe aufs knappeste gehalten ist und daß hiebei noch vorausgesetzt wird, daß der ausbildende Verein auch seinerseits als Entgelt für die Abhaltung hebräischer Sprachkurse zu den Kosten beiträgt. Nur die Ausbildung jüdischer Turnlehrer in unseren eigenen Organisationen, die von unserem Geiste erfüllt sind und in unserem Sinne in den Vereinen und an den Schulen im Orient wirken, gewährleistet uns den unbedingt notwendigen Einfluß auf die jüdische Jugend. Rechtsanwalt Greifenhagen Vorsitzender des Ausschusses der Jüdischen Turnerschaft, Berlin — Dr. Körner, Vorsitzender des Sportklub „Hakoah“, Wien — Dr. Heinrich Löwe (Bar-Kochba, Berlin) — Dr. Baer, Vorsitzender des jüdischen Turnvereins Stettin — Dr. Siegfried Moses (Bar-Kochba, Berlin) — Dr. Leo Cohn, Vorsitzender des J. T. V. Posen — Dr. Friedemann, J. T. V. Wiesbaden — Isak Feuerring, J. T. Halberstadt — Dr. Weinberg, Vorsitzender des J. T. V. Dortmund — Dr. Weiß, J. T. V. Breslau — Bertrand Stern, J. T. V., Wiesbaden — Heinrich Dülken, Köln — Dr. Georg Weiner, I Wr. T. V. — Dr. Viktor Altar J. T. V. Proßnitz und Umgebung, gleichzeitig für Turnverein Olmütz — Professor Oskar Lieben, J. T. V. Ung.-Hradisch — Julius Neumann, J. T. V. Proßnitz — Dr. Masie Makkabi, Jerusalem — Ludwig Batö, I. Wr. T. V. — Th. Zlocisti, Bar-Kochba-Berlin — Sciuto Makkabi-Konstantinopel — Dr. Konfinas aus Wolo (Griechenland) — Scheinkin Makkabi-Jerusalem — Dr. Masie. Jerusalem — Dr. Torczyner, Jerusalem — Zwi Lewanon, Jerusalem — Josef Fischer. Jerusalem — Rechtsanwalt Dr. Leopold Ambrunn, „Jüd. Turn- und Sportverein München“. Lichtbildervortrag über Palästina Ein vielhundertköpfiges Publikum hatte sich am Mittwoch Abend zu einem Vortrag Dr. Heinrich Löwes (Berlin) versammelt. In gewohnt meisterhafter und temperamentvoller Art, wiederholt von Beifallsstürmen, unterbrochen, führte der Redner eine Reihe von Lichtbildern vor, die das historische Palästina und die moderne jüdische Kolonisation des Landes überaus lebendig veranschau- Ein interessantes Intermezzo spielte sich ab, als Dr. Löwe des hebräischen Gymnasiums in Jaffa Erwähnung tat und dabei seines großherzigen Förderers, Friedensrichter Jakob Moser (Bradford) gedachte. Das Publikum bereitete dem im Saale anwesenden Herrn Moser spontan eine stürmische Ovation, die diesen veranlaßte, eine kurze Ansprache an die Versammlung zu richten. Gerührt und in der ihm eigenen bescheidenen Art dankte er für die ihm gezollte Anerkennung, die, wie er sagte, ihm unvergeßlich bleiben würde. Er bat jedoch, die Verdienste jener nicht zu vergessen, die nach Palästina gegangen sind, um ihre geistigen Kräfte dem Gymnasium zu widmen. Während einer Pause gaben die Versammelten ihrem Danke für den anregenden Vortrag durch Baumspenden auf den Namen Dr. Löwes Ausdruck. — Zum Schluß ergriff noch Herr David J e 11 i n (Jerusalem) das Wort und feierte in seinem wunderbaren Hebräisch die Renaissance des jüdischen Lebens in Palästina.