Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 ‘ — EIE^ELT --- -- ■ - -.-----...690 zeichnet werden und als gegen die besten Interessen unserer Bewegung. Ich meine, daß in Anbetracht der bevorstehenden Jahreskonferenz der English Zionist Federation, zu der wir die Mitglieder des E. A. C. zu begrüßen hoffen, es mehr angebracht gewesen wäre, einen Versuch zu machen, etwaige Gegensätze zu mildern anstatt sie absichtlich zu verschärfen. Ich will Ihren Raum nicht weiter in Anspruch nehmen, um die Gründe zu erörtern, welche die jetzige Lage der English Zionist Federation herbeigeführt haben. Es sollte Ihnen jedoch bekannt sein, daß die Ursachen bereits bestanden haben, bevor diejetzige Exekutive der English Zionist Federation die Leitung derselben übernommen hat. Ich kann hier nur Ihre wenig geschmackvollen Bemerkungen über die English Zionist Federation entschieden zurückweisen. Sie um Veröffentlichung dieser Zeilen höflichst ersuchend, zeichne ich hochachtungvoll: L. Kessler, Vorsitzender der English Zionist Federation. Der Brief des Herrn Kessler ist zwar wenig höflich und wir sind keineswegs genötigt, Zuschriften abzudrucken, in denen uns „Mangel an Takt“, „völlige Unkenntnis der Verhältnisse“, Illoyalität und „wenig geschmackvolle Bemerkungen'“ vorgeworfen werden — aber wir sind gar nicht empfindlich und wissen die Aufrichtigkeit aller dieser Grobheiten zu schätzen. Leider müssen wir jedoch Herrn Kessler bitten, unsere Leitartikel mit größerer Aufmerksamkeit zu lesen, bevor er derartige Sendschreiben an uns richtet. Es ist uns nämlich gar nicht eingefallen, „d ie English Zionist Federation mit den Meinungen des Herrn Co wen zu identifizir e n“. Wir sind im Gegenteil der Ansicht, daß es in der E. Z. F. viele verständige und urteilsfähige Leute gibt und hoffen, daß der Einfluß dieser Leute sich in Zukunft stärker als bisher bemerkbar machen wird. Die E. Z. F. wird in unserem Leitartikel zweimal erwähnt. Das erstemal ist von den aufblühenden Landmannschaften im Gegensatz zu der fast verschwundenen E. Z. F. die Rede, das zweitemal sprechen wir unser Bedauern darüber aus, daß die E. Z. F. nicht stark genug ist, um die in England herrschenden Mißverständnisse über den Zionismus zu zerstreuen. Von den Ansichten des Herrn Cowen ist in diesem Zusammenhang gar nicht die Rede. Was wir über die E. Z. F. gesagt haben, war nur ganz beiläufig gesagt und in der Form sehr milde. Wenn Herr Kessler, der Vorsitzende der E. Z. F., darüber gekränkt ist, so finden wir dies menschlich begreiflich. Aber es ändert nichts an der Tatsache, daß die E. Z. F. eine sehr bedauerliche Rückentwicklung durchgemacht hat. Wir haben es vermieden, die Schuldfrage zu erörtern, aber wenn Herr Kessler durchaus unsere Ansicht hierüber hören will, so sei ihm bedeutet, daß nach unserer Auffassung der Mangel an Fähigkeit und der Mangel an Initiative in der gegenwärtigen Leitung der E. Z. F. einer der Hauptgründe für diesen Rückgang ist. Gewiß haben auch andere Ursachen mitgespielt, so z. B. der Kampf zwischen Zionismus und Territorialismus und gewisse persönliche Gegensätze. Aber es ist nun einmal unleugbar, daß die E. Z. F. in ihrer jetzigen Gestalt arbeitsunfähig und daher dringend reformbedürftig ist. Hoffen wir, daß die bevorstehende Tagung die nötigen Reformen vornimmt, damit die englischen Zionisten eine arbeitsfähige Organisation erhalten, die den Zionismus in England würdig zu repräsentieren versteht. Deutschland Berlin. Im Anschluß an die Generalversammlung des „Neuen Jüdischen Gemeindevereins“ sprach am 22. d. M. Herr Dr. S. Hirsch, Rechtsanwalt am Kammergencht, über das Thema: „Wie führt der Zentralverein deutsener Staatsbürger jüdischen Glaubens den Kampf für die Rechte der deutschen Judenheit?“ Der Redner übte scharte Kritik an einer Reihe praktischer Abwehrmaßnahmen des Zentralvereins, ging namentlich eingehend auf die Affäre Mugdan ein, und geißelte vor allem scharf die Annahme der Zionisten-Resolution, ein Vorgang, durch den der Zentralverein das Recht verwirkt habe, länger als Vertreter der deutschen Gesamtjudenheit zu gelten. In der sehr lebhaften Diskussion ergab sich völlige Uebereinstimmung unter den Rednern der verschiedensten Richtungen darüber, daß die Annahme der antizionistischen Resolution durch den Zentralverein eine schwere, nicht wieder gut zu machende Schädigung der deutschen Juden darstelle und besonders scharf zu verurteilen sei. Oesterreich Ein jüdisches Gartenfest in Prag (Von unserem Berichterstatter.) Prag. Die zionistische Ortsgruppe Prag hat mit dem jüdischen Turnverein anläßlich des Lag B’omer ein Fest von besonderem Reiz und für unsere Stadt ganz neuartigem Charakter veranstaltet, dessen glänzendes Gelingen zu ähnlichen Unternehmungen anregen kann. Am 25. Mai wurde im großen Garten des Etablissements „Schwan“ ein Gartenfest abgehalten, daß von allen Schichten der jüdischen Bevölkerung außerordentlich stark besucht war. Das Programm der Darbietungen wurde eingeleitet durch ein Schauturnen des jungen Turnvereins. Es folgte ein Kinderfest mit Vorlesungen jüdischer Märchen und jüdischem Puppentheater, ferner jüdische Chöre des jüdischen Gesangvereins, und abends eine bunte Bühne „Ost und West“. Der rege Besuch währte bis in die späten Abendstunden. Der Reinertrag, dessen Hauptteil für den zionistischen Zentralfonds, bestimmt ist, dürfte recht hoch sein; außerdem wurde für den N.-F. und den Jemenitenfonds viel gesammelt. Dem rührigen Komitee, an dessen Spitze in unermüdlichem Eifer Herr Prof. Dr. Alfred Engel tätig war, gebührt Dank und Anerkennung. Parteirat und Vertrauensmännerkonferenz der galizischen Zionisten (Von unserem Berichterstatter.) Lemberg. Am IS. Mai tagte, wie bereits berichtet, in Drohobycz der Parteirat und die Vertrauensmännerkonferenz der Zionisten Galiziens. Der Präsident des Zentralkomitees Adolf Stand begrüßte die aus den verschiedenen Orten Galiziens in großer Zahl herbeigeeilten Vertrauensmänner. Dr. M. Bakenrott und Dr. M. Pachtmann hießen die Erschienenen im Namen des Ortskomitees willkommen. Nach der Wahl des Präsidiums erstattete Adolf Stand sein Referat über die jetzige Lage der Partei in Galizien. Der Redner besprach zuerst die Lage der Gesamtorganisation, kritisierte das Verhalten der „politischen“ Opposition und beantragte ein Vertrauens- und Dankesvotum für das E. A. C. Hierauf erörterte er die Ergebnisse der N.-F.- Sammlungen in Galizien und trat für die Einrichtung eines N.-F.-Bureaus in Lemberg ein. Schließlich hob er die Wichtigkeit der Landespolitik hervor, wie sie von den Landeskonferenzen 1907, 1909 und 1910 gefordert worden ist. Es beginnt die Diskussion. Dr. Jonas (Stanislau) tritt für die innerpolitische Betätigung ein, wünscht jedoch eine Aenderung der Taktik. Dr. Wald mann (Tarnopol) ist nur für den inneren Teil der landespolitischen Arbeit, worunter er das Turnwesen, die hebräischen Schulen, die Kreditvereine usw. versteht. Dr. Schmorak (Szczerzec) wünscht eine systematische, zielbewußte Arbeit im Lande. Dr. Zipper (Lemberg) gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß wir mit Anspannung aller Kräfte in Palästina arbeiten müssen. Für andere Arbeit dürften wir gegenwärtig unsere Kräfte nicht verschwenden. An Wahlbewegungen sollten wir uns nur in sehr wichtigen Ausnahmefällen beteiligen. Dr. Alexander Hausmann referierte hierauf über d i e galizischen Zionisten und den Kongreß in Wien. Der Referent führte u. a. aus, daß der Kongreß in Wien von besonderer Bedeutung in politischer Beziehung sein werde, weil er in einer Stadt, wo großes Interesse für orien-