Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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282 DIE3§KELT Nr. 9 Preisausschreiben des Jüdischen Nationalfonds für eine neue Marke Im September v. J. hat das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds zwecks Herausgabe einer neuen Marke Künstler eingeladen, sich am Wettbewerb für einen passenden Entwurf zu beteiligen. (Die Bedingungen siehe „Welt" Nr. 38 vom vorigen Jahre.) Am 27. Januar d. J. fand nun eine Sitzung der Jury statt, welche die in dem folgenden Protokoll enthaltenen Beschlüsse faßte: Anwesend Dr. Bodenheimer, Köln, als Vertreter des Jüdischen Nationalfonds, und die Kunstmaler E. M. Lilien und Lesser Ury, beide in Berlin, als Kunstsachverständige. Die Bedingungen des Preisausschreibens wurden verlesen und das eingelaufene Material gesichtet. Im ganzen sind 12 Entwürfe eingelaufen, und zwar: Motto 1. „Wenn Ihr wollt, ist’s kein Märchen", Motto 2. „Rachmim", Motto 3. „Renaissance", Motto 4. „Jehudi“ Motto 5. „U. S. A." Motto 6. „Sämann", Motto 7. „Menorah“, Motto 8. „Palästina“, A* >tto 9. „Saul“, Motto 10. „Buchstabe Kuf“, Motto 11. „So-vienstoi", Motto 12. „Zion“. 1. Es wurde einstimmig die überaus geringe Beteiligung am Preisausschreiben mit Bedauern festgestellt. 2. Keiner der Entwürfe drückt klar aus, daß die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds, Land in Palästina zur Besiedelung durch Juden zu erwerben, bezweckt. 3. Es wurde daher beschlossen, keinem der eingelaufenen Entwürfe einen Preis zuzuerkennen. 4. Die drei relativ besten Entwürfe, und zwar die mit dem Motto: „Jehudi“, „Sämann", „Buchstabe Kuf", mit einem Trostpreis von je 50 M. zu entschädigen. Der Nationalfonds verzichtet auf die Verwendung dieser Entwürfe als Marke und bringt die Namen der drei durch Trostpreis Ausgezeichneten zum Abdruck. Vorgelesen und unterschrieben: Berlin, 27. Januar 1913. gez. Dr. M. I. Bodenheimer. E. M. Lilien. Lesser Dry. Die Namen der drei Künstler, welche die drei relativ besten Entwürfe angefertigt haben, sind: Herr L. Rosenberg, Lodz (Motto: „Jehudi“), Herr Maurice Wolff, Paris (Motto: „Sämann"), Herr Dipl.-Ing. Richard Kaufmann, Freiburg i. B. (Motto: „Buchstabe Kuf"). Schluß des redaktionellen Teiles Herr und Frau Leon Bernberg, Antwerpen, spendeten für den Betriebsfonds 25 Frcs. anläßlich der Vermählung des Herrn Dr. Sam. Spann, Tarnow, mit Fräulein Grünfeld. Be! dem Jewish Colonial Trust, London sind eingegangen: Für den Bezalel: per Federation of American Zionists, Zionist Coundl New Britain per Mme. Pevsner.Z 40.— per J. N. F.-Bureau for Amerika, New York .... § —.50 Eine vorzügliche Leistung bedeutet die in der Sammlung „Meyers Klassiker“ (Verlag des Bibliograpischen Instituts in Leipzig und Wien) erschienene, kritisch erläuterte Gesamtausgabe von. Goethes Werken. Hier ist eine Arbeit vollendet worden, die durch einheitliche Abrundung nnd wissenschaftliche Gründlichkeit berufen ist, das Wort des größten deutschen Dichters den Herzen aller Gebildeten nahezubringen. Namhafte Fachgelehrte, an ihrer Spitze der als Goethe-Forscher rühmlich bekannte Professor Dr. Karl Heinemann in Leipzig, haben sich vereint, um den von allen Entstellungen befreiten nnd in unverfälschter Reinheit dargebotenen Text von Goethes sämtlichen Werken auf Grund des neuesten Standes der Wissenschaft mit knapp gehaltenen, aber vielsagenden Erläuterungen zu versehen. In der Ausfüarung dieses Unternehmens haben sie vollendeten Takt, der nicht allen Goethe-Ausgaben nachznrühmcn ist, an den Tag gelegt und unter Beobachtung der seit Jahrzehnten hei Meyers Klassiker-Ausgaben bewährten Grundsätze sowohl den weitern Kreisen des gebildeten Publikums als der engem Gemeinde der Goethe - Kenner neue und wertvolle Ergebnisse zu übermitteln sich bemüht. Den weitem ELre'sen dient die den ersten Band eröffnende Biographie des Dichters aus der Feder des Herausgebers, der sich rieht auf eine Anführung farbloser Daten beschränkt hat, sondern eine lebensvolle Darstellung von Goethes Entwickelung und eine eingehende ästhetische Würdigung seines Schaffens gibt; an die weitem Kreise wenden sich auch die den einzelnen Werken vorausgeschickten, trotz ihrer weisen Beschränkung ungemein inhaltreicben Einleitungen sowie die massvollen, in allgemeinverständlicher Form gehaltenen Erläuterungen unter dem Text. Den Kennern gewähren die am Schiasse der Bände gegebenen Anmerkungen einen tiefen Einblick in die weit zerstreute, selbst von dem Gelehrten nur noch schwer zu übersehende wissenschaftliche Forschung. So ist hier für einen jeden, der in die unendliche Geistelwelt des grössten Deutschen hinabtauchen will, alles geboten worden, was ihm ihr volles Verständnis zu erschlossen vermag. Dies ist der Goethe, nach d-m unsere Zeit verlangt, der Goethe des deutschen Volkes. Die eigentlichen „Werke“ des Meisters sind in dieser Ausgabe bis auf die naturwissenschaftlichen Schriften vollständig dnrgeboten. Sie umfassen 3^ Bände, schön in Leinen gebunden zu je 2 Mark. Wer sich zunächst aber nur auf die Hauptwerke beschränken will, der beziehe nur die ersten 15 Bände, die als „Kleine Ausgabe' auch selbständig abgegeben werden. Auch hiervon kostet jeder Band nur 2 Mark. Die Cyklonette Bei der Anschaffung eines Kraftfahrzeuges spielt nicht allein der Kaufpreis, sondern weit mehr noch die Höhe der Betriebs- und Unterhaltungskosten eine bedeutende Rolle. Dass letztere bei den vierrädrigen grossen Automobilen und auch bei den sogenannten Kleinautos nicht nur infolge des beträchtlichen Benzin-, Gummi- und Schmiermaterialsverbrauches. sondern auch deshalb sehr hoch sind, weil fast immer ein eigner Chauffeur notwendig wird, das ist so ziemlich allgemein bekannt. Mau greift nicht zu hoch, wenn man in diesem Falle die jährlich wiederkehrenden Betriebskosten auf mindestens Mk. 4COO bis Mk. 500j veranschlagt. zweiräder vermochten diese Lücke rieht ausznfüllen, denn dieselben bieten nicht die wünschenswerte Sicherheit, von einem angenehmen und bequemen Fahren kann hier keine Rede sein, ebensowenig von einer gleichzeitigen Beförderung mehrerer Personen bezw. einer grösseren Waren- Allo jene Personen, welche nicht die Einkünfte eines Millionärs beziehen oder die darauf angewiesen sind, in erster Linie die Rentabilität einesjfür Berufszwecke anzuschaflenden Fahrzeuges iu Betracht zu zi~h»n, müssten daher auf die Annehmlichkeiten eines Kraftfahrzeuges verzichten, wenn nicht in der Cyklonette ein vollwertiger Ersatz für die teueren vierrädrigen Automobile geschaffen worden wäre. Die Cyklonette dürfte heute Derartige Ausgaben können sich aber nur Personen leisten, deren jährliches Einkommen mindestens das Zehnfache dieses Betrages ausmacht. Für die Ane--hörigen des Mittelstandes, für Beamte, Aerzte, Geschäftsreisende und Kautleute aber, für die ein geeignetes Kraftfahrzeug gewiss sehr nutzbringend sein kann, sind die vierrädrigen Automobile, was Anschaffangs-, Betriebs- und Unterhaltungskosten betrifft, viel zn kostspielig nnd daher meist recht unrentabel. Die sogenannten Kleinautos weichen in der Konstruktion nur wenig von den grossen Wagen ab, sie besitzen den gleichen komplizierten, Kraft verzehrenden und einer schnellen Abnutzung unterworfenen Mechanismus, sie verschlingen viel Betriebs- und Instandhaltungskosten und ihr Anschaffungspreis ist, soweit es sich um erstklassige Erzeugnisse handelt, gleichfalls sehr hoch. Auch die Motorwohl'. an" allen Orten wohlbekannt sein, man trifft sie in allen Teilen der Welt, nicht nur in den verkehrsreichen Strassen der Gressstadt sondern auch allenthalben auf den Landstrassen und in zahlreichen Provinzorten. UeberaU begegnet man dem eleganten, dreirädrigen Gefährt, das sidh so spielend leicht selbst in den Strassen mit grossem Verkehr durch das Gedränge von Fuhrwerken und Fns-gängern dirigieren lässt nnd das selbst mit grosser Belastung ganz respektable Steigungen bewältigt. Hinsichtlich seiner Leistungen ist die Cyklonette dem besten Kleinauto nicht nur ebenbürtig, sondern in manchen Stücken noch weit überlegen, sie kann zwei bis vier Personen befördern und als Lieferungswagen ausgebildet transportiert dieses Fahrzeug ausser dem Führer eine Nutzlast von vier Zentnern. (Fortsetzung folgt.)